Mittwoch, 4. März 2015

Job und Hund - eine Radikallösung

*schnapp* Danke Lilly, hab das Blogbällchen. Ihr wisst nicht was das ist? Die Idee dazu entstand durch die DogBlogger: Alle teilnehmenden Blogs schreiben der Reihe nach immer Sonntag und Mittwoch zu einem bestimmten Thema einen Artikel. Die allererste Blogbällchen-Aktion dreht sich wahlweise um das Thema "Hund und Job miteinander verbinden / Mit dem Hund ins Büro" oder um das Thema "Hund allein' Zuhaus". Den Anfang machte die zauberhafte Lilly vom Blog Und dann kam Lilly... Sie warf mir das Blogbällchen zu und nun bin ich halt dran :-) 

Ich will euch heute meine persönliche Erfahrung berichten. Dafür muss ich etwas weiter ausholen und Privates erzählen. Mein 2-beiniges Cerebral-Interface Maximilian mag das ja nicht so gerne, hab mir aber extra die Erlaubnis von ihm geholt *schwanzwedel*

Sicher, ist nicht die Lösung für jeden...vielleicht etwas zu radikal. Er zog die Reißleine, stieg aus und arbeitet seit dem als Freiberufler. Aber ich persönlich bin extrem froh, dass mein 2-Beiner diesen Weg ging. Denn so hab ich meinen menschlichen Partner fast immer um mich. Aber der Reihe nach...

Mein Maxi moderiert...
...im Anzug
(waren nur gaaanz wenige Hundehaare) :-)
Noch vor meiner Zeit, da war er Redakteur bei den Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien, also der Zentralredaktion für Financial Times Deutschland, Capital, Impulse und Börse Online. Damals pendelte er immer zwischen Frankfurt und Düsseldorf. Aus den Erzählungen von Motzi und insbesondere Fritz (der war ja sogar mal dabei, als Maxi auf ner Messebühne nen Vortrag hielt und ne Podiumsdiskussion moderiert hat) weiß ich, dass der Job damals recht stressig war. Nicht zuletzt weil ihm in Frankfurt die Hunde fehlten...er war damals laut Arzt ziemlich nah dran das zu Erleben, was ihr Menschen einen Burn Out nennt. (Naja, für 4 Medien schreiben inklusive ihrer Online-Dienste und dann noch Moderieren ist ja auf Dauer auch ein Pensum...)

Bei unserem 1. Zusammentreffen und nach einem Jahr...
© Foto: Antje Hachmann
Daher war es nur allzu verständlich, dass er das Jobangebot in seiner Heimat Düsseldorf annahm und nach fast 4 Jahren im Exil wieder zurückkehrte. Da lernte ich ihn kennen *schwanzwedelhüpf* Kurz nach unserer ersten Begegnung trat er dann den Posten eines Leiters der Kommunikation eines Immobilienunternehmens an. Der Job war dann noch stressiger, weil er dort hauptsächlich Krisenkommunikation machen musste. Da sah der Alltag für mich meist so aus: so zwischen 5 und 5.30 Uhr stand er auf und wir gingen Gassi, danach gabs für mich Futter. Erst danach kümmerte sich mein 2-Beiner um sich und trank seinen ersten Kaffee (jeder der ihn kennt, weiß dass er erst jetzt beginnt langsam wach zu werden). Während er sich im Bad fertig machte beobachtete ich Welpe ihn immer interessiert :-) War ja noch alles neu für mich. Auch das neue Outfit, der Anzug, der so ganz anders aussah und roch als die anderen Klamotten. Mir fiel außerdem auf, dass sich auch die Körpersprache und -haltung meines Partners veränderte...

Nach einer kurzen Verabschiedung war ich nun alleine. Das gefiel mir übrigens gar nicht. Daher zerfetzte ich gerne Papier, was ich fand: Zeitschriften, Zettel, Notizen, Briefe... Gut, mein Cerebral-Interface räumte es dann Abends unter Schimpfen weg (und entwickelte die Strategie sämtliche Briefe, Zeitschriften etc. aus meienr Reichweite zu positionieren). Außerdem trainierte er mit mir das Alleine bleiben. Er sorgte ja auch von Anfang an dafür, dass ich nicht ganz alleine bleiben musste. Meist holte mich seine Mutter oder Freundin ab, gingen mit mir Gassi und gaben mir Essen. Später als ich dann größer wurde kümmerten sich Dogsitter um mich. Doch das ganze Training half nichts. Klar ich zerfetzte kein Papier (Schuhe oder sonst die typischen Dinge haben mich nie wirklich interessiert), aber als ich dann groß genug war, musste die Ledercouch dran glauben...

Egal wie viel wir trainierten, und obwohl ich ja wochentags genug Bespaßung hatte durch den Dogsitter und die anderen Hunde...ich fraß immer wieder die Couch an, wenn ich nach Hause gebracht wurde und dort auf meinen Maximilian warten musste (und sei es auch nur 10 Minuten)... Das war die Zeit, wo wir auch zahlreiche Tipps bekamen...manche sinnvoll, manche weniger... So meinte eine Hundetrainerin: "Na dem würd ich das abgewöhnen!" Interessiert fragte Maxi auch nach... "Na als meine Hündin meine Schuhe anfraß, habe ich diese nach ihr geworfen." In seiner Art zog mein Cerebral-Interface eine Augenbraue hoch (was ich ihm ziemlich oft nachmache ;-) ) und meinte: "Ganz davon abgesehen, dass ich ihn ja nie auf frischer Tat ertappe, wenn ich da bin macht er es ja nicht, soll ich etwa die Couch nach ihm werfen?" Da meinte sie: "Dann nimm halt ne Wasserspritzpistole oder eben Schellen." Maxi verdrehte nur die Augen und winkte ab ;-)

Jedenfalls half nichts bei mir ;-) In der Zwischenzeit war mein Cerebral-Interface wegen der langen Periode, in der er die Krisenkommunikation machte, ziemlich gestresst. Und wieder sagte ihm die Ärztin, dass er auf einen Burn Out zusteuerte...

Nie werde ich den Abend vergessen, wo wir 2 auf der (mittlerweile recht zerfledderten) Ledercouch lagen und er mich kraulte. Ich spürte, dass irgendwas in ihm vorging. Durch unsere semi-telepathische Verbindung wusste ich, dass sich viele Fragen in seinem Kopf befanden, kreisten, kollidierten und manchmal auch kicherten. Da sprang er auf und sagte: "Weißt du was? Ich steig aus. Alles auf null! Quasi ein Berufsreset..." Und dann spielte er an diesem Abend lange und ausgelassen mit mir. Wir sprangen und hüpften duch die Wohnung, zerrten gemeinsam an einem Handtuch (wobei Maxi auch seine Zähne benutzte...er fand das wäre fairer ;-) ) Hatte ihn lange nicht mehr so entspannt erlebt... Er nahm sich eine längere Auszeit, hab gehört, dass ihr sowas Sabbatical nennt. Egal, jedenfalls hatte er nun viel Zeit für mich...

Gassigang auf der Rheinpromenade mit Emely
© Foto: Antje Hachmann
Das war eine tolle Zeit, in der wir nur so in den Tag hinein lebten und viel gemeinsam unternahmen: Von kleinen Spaziergängen bis hin zu großen Wanderungen und Hundeurlauben, in der Stadt, im Dorf, auf dem Land und im Wald... Doch nicht nur mit mir beschäftigte sich Maxi (oder mit Fritz, Motzi oder anderen Hunden). In dieser Zeit lernte er auch viel Neues über uns Fellnasen. Vor allem was die theoretisch-wissenschaftliche Seite anging, auch Körperpsrache und Verhaltensforschung interessierte ihn sehr. Er besuchte viele Seminare, erlangte die Sachkunde nach §11 Tierschutzgesetz und nach §10 Landeshundegesetz NRW, etc. Ebenso engagierte er sich für den Tierschutz, sei es praktisch, als auch theoretisch. Doch wenn man ihn fragte, was er so gelernt hat, dann antwortete er meist: "Ich hab von Hunden wieder neu gelernt mehr im Hier und Jetzt zu sein."





Wir 2 auf der Rheinpromenade :-)
© Foto: Antje Hachmann








 
Auf Wanderung mit Fritz und Motzi
© Foto: Antje Hachmann

Auch beim Wanderm muss ein Zwischenstop mal sein ;-)
© Foto: Antje Hachmann
Wandern in der Eifel
© Foto: Antje Hachmann
Beim Welpenschwimmen


Seminare haben wir auch besucht :-)
© Foto: Antje Hachmann













 

Bei der Mahnwache am Burgplatz
 
Beim Beladen von Lkws
für die Hunde in Rumänien
© Foto: Antje Hachmann






















4 Pfoten, 2 Füße und 2 Köpfe: 1 Team! :-)
© Foto: Antje Hachmann
Und wir wuchsen zu einem richtigen Team zusammen. Man trifft uns so gut wie nie getrennt. Das änderte sich auch nicht, als Maxi anfing als freiberuflicher Journalist und Texter zu arbeiten. Gut, manchmal muss ich bei Terminen im Auto warten, aber manchmal darf ich ihn sogar bei Geschäftsessen begleiten *schwanzwedel* Besonders freu ich mich, wenn es da ins Steakhouse geht *sabber*

Auch toll ist es mit den Kunden, die selber Hunde haben. Denn so manches Geschäftstreffen findet beim gemeinsamen Gassi auf der Wiese statt. Das hört sich für viele toll an? Naja... Klar, es ist abwechslungsreich und ich erlebe viel Neues. Aber eigentlich arbeitet er nun mehr als früher, nicht selten bis spät in die Nacht. Aber wie ich Anfangs bereits sagte, für mich zählt: wir sind zusammen. Und offenbar sieht es mein Maxi ähnlich, denn ich hörte ihn oft sagen, wenn Freunde ihn auf sein früheres Leben ansprachen: "Jetzt ist es mehr Arbeit, mehr Stress, mehr Unsicherheit, weniger Geld, weniger Status und Prestige, aber solange Rico dabei ist, ist alles gut." Manchmal scherzt er auch: "Andere nehmen Elternzeit, ich nahm mir halt Hundezeit." Ach ja, und ich habe nie wieder eine Couch (wir haben mittlerweile eine neue, noch größere) angefressen *schwanzwedel* (nur ab und an noch Papier) :-)

© Foto: Antje Hachmann

© Foto: Antje Hachmann
Wie gesagt, so die Reißleine zu ziehen, sich fast ein Jahr lang eine Auszeit von allem zu nehmen, sich quasi nur mit Hunden zu beschäftigen (und bewusst die alten Berufsthemen auszublenden) ist nicht für jeden die Lösung. Aber bei uns hats funktioniert's! Und daher freu ich mich, dass das Blogbällchen kommenden Sonntag an meinen Blog-Kollegen Milo und seine Partnerin Katharina von hell&blau geht. Denn sie berichten über ein ähnliches Thema: "Der selbstständige Hund".



Kommentare:

  1. Großartige Entscheidung - Respekt! Wir drücken alle Daumen und Pfoten, daß eure Lebenssituation immer im grünen Bereich sein wird.

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    1. Danke! Seit dem wir die Entscheidung trafen ist die Situation im grünen Bereich :-)

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  2. Ich kann das aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Alles Gute auch von mir!

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  3. Ein mutiger Schritt. Mein Herz wünscht sich auch einen Job, der flexibler macht und Socke besser in den Alltag einbindet. Mein Verstand weiß, dass das in meinem Alter und meiner Ausbildung nicht geht.

    Ein toller Artikel.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Naja, von mir war es gar nicht so mutig, aber von meinem 2-Beiner...aber offenbar bekommt es ihm sehr gut. Er ist wesentlich entspannter...klar, ich bin ja auch ständig bei ihm :-) Drücke alle Pfoten, dass es bei dir und Socke auch irgendwann klappt!

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  4. Ein so toller Bericht und ich finde man liest wirklich heraus wie gut der Schritt war und wie befreit das neue Leben ist! Man sollte viel öfter aus den Mühlen ausbrechen und das machen was einen erfüllt. Ein bisschen Schmunzeln musste ich allerdings bei Ricos Allüren Papier zu fressen - DAS liegt am Namen :) Unser Rico frisst NUR Papier in unserer Abwesenheit (Bücher, Zeitungen etc.) Nix anderes!! Ganz lieben Gruss
    beccs und Rico

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    1. Für uns war es genau richtig! Aber mal was anderes: Welche Sorte Papier bevorzugt euer Rico denn? Also ich mag ja diese dünne Pappe ganz gerne oder Zeitschriften...sind besser als diese schnell zerfleddernden Zeitungen *schwanzwedel*

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  5. Ein toller und ehrlicher Bericht. Manchmal muss man einfach die Reißleine ziehen. Und mit ein wenig Abstand sieht man auch vieles anders. So war es zumindest bei mir.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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  6. Hallo lieber Rico,

    Wow!! Was dein 2-Beiner gemacht hat, verdient größten Respekt!! Er hat sich entschieden und hatte den Mut auszusteigen! Ich glaube, viele würden das gerne machen, scheitern aber letztendlich an eben diesem Mut! Mut Entscheidungen zu treffen, die nicht dem entsprechen, was als "normal" angesehen wird. Die allseits gepriesene Sicherheit verlassen udn neue Wege gehen. Toll! Ich habe vor vielen jahren eine ähnliche Entscheidung getroffen, allerdings nicht für die Hunde, sondern für meine Söhne. Dafür war ich auch bereit, auf allerhand überflüssigen Luxus zu verzichten. Ich wollte aber da sein für meine Söhne und nicht das Leben im alltäglichen Wahnsinn der versuchten Vereinigung von Beruf und Familie an mir vorbei ziehen sehen. Habe es nicht bereut. Jetzt sind meine Jungs älter und ich starte auf neuen Wegen durch :-D ...

    Weiterhin viel Freude auf "eurem Weg"
    Liebe Grüße
    Anke

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    1. Danke Anke! Ja, da kann dir mein Celebral-Interface nur zustimmen, vieles ist überflüssiger Luxus...und manche vergessen dabei das eigentliche Leben, kann uns Tieren ja nicht passieren :-)

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  7. Hochachtung vor dem Mut deines Herrchens. Ganz groß.

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    1. Naja, er schwankt manchmal zwischen Mut und Spinnerei...aber das soll ja eh nah beieinander liegen ;-) Aber er meint ja auch, dass Hunde den Menschen Mut machen, Mut aufs intuitive Leben ;-)

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  8. Ich habs auch getan - vor gut anderthalb Jahren habe ich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, das war die beste Entscheidung meines Lebens! Freie Zeiteinteilung, von zuhause arbeiten, ein Traum! Und Pan dankt es mir auch :-)
    Das Leben ist zu kurz, man sollte tun worauf man Lust hat!

    LG, Julia mit Pan

    www.julia-neubauer.net

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