Montag, 20. April 2015

Ohje, Herrchen meldet sich zu Wort... :-) oder: Vom Methodenstreit in der Hundeerziehung

Es kommt ja selten vor, dass mein 2-beiniges Cerebral-Interface sich selber hier zu Wort meldet :-) Aber er wundert sich mittlerweile doch sehr darüber, wie viele Hundemenschen lieber gegeneinander arbeiten, statt rudelmäßig zusammen. Bei der Frage um die "richtige" Trainingsmethode ist geradezu ein kindisch-fanatischer Konflikt entstanden. Und da ich das nicht so ganz verstehe, habe ich meinem Menschenpartner viele semi-telepathische Fragen gestellt. Vor allem eine trieb mich um: Wie können wir helfen, dass die Gräben kleiner werden? Da hatte mein Fellloser eine Idee, aber das soll er euch selber erzählen. 


Dass es unterschiedliche Methoden in der Hundeerziehung gibt, dass wusste ich schon seit meinem Grundschul-Alter (siehe unten), aber dass es mittlerweile geradezu einen Methodenkrieg zwischen Hundeschulen und den verschiedenen Denkrichtungen gibt, hat mich dann doch etwas verwundert...schon alleine, weil meines Erachtens der Hund da irgendwie aus den Fokus gerät. Um es hier mal klar zu sagen, ich bin ein Freund des Methodenpluralismus! Schon alleine weil nicht jeder Hund gleich ist...kenne Trainer aus verschiedenen "Lagern" und habe von allen was Lernen können...um die Gräben zwischen den Parteien wenigstens etwas zu verkleinern, habe ich auch einen Lösungsvorschlag und ein Angebot an alle Hundetrainer und alle anderen Interessierten,  aber dazu am Ende dieses Beitrages.

Also ich bin ja noch ein Kind aus dem analogen Zeitalter...damals, als man noch von Angesicht zu Angesicht sprach und nicht sich hinter einem Monitor versteckte...damals gab es auch keine Hundeschulen, allenfalls Hundesport-Vereine. Alles was man über Hunde lernte, kam meist von den Eltern und Großeltern...dazu ein paar Tipps von anderen Hundehaltern, die man kennen lernte...und jedem war es selber überlassen, welche er davon an nahm und welche nicht. Eigentlich ähnlich wie bei der Kindererziehung...

Ein Beispiel aus meiner frühen Jugend, welches mir damals ins Hirn brannte...und Auswirkungen bis heute hat: Ich ging damals mit Roby, einem Dalmatiner-Mischling, Gassi...Nur ne Rund um den Block, weiter weg durfte ich nicht, war ja noch im Grundschul-Alter. Und Roby war ein neugieriger und draufgängerischer Junghund...als er mal stehen blieb und lange an was schnüffelte, rief ich ihn, doch er reagierte nicht dann zog ich an der Leine, doch er reagierte mit Gegendruck (heute weiß ich: kein Wunder!)...ein Passant bemerkte uns, und schätze mich wohl als hilfsbedürftig ein (ich unterstelle ihm jedenfalls keine bösen Absichten! Im Gegenteil!), er nahm mir die Leine ab und mit den Worten "So musst du das machen, wenn sie nicht gehorchen wollen" schlug er mit dem Schlaufenende auf das Hinterteil von Roby...

Mit wütenden Tränen in den Augen (hey, ich war damals gerade mal 7 oder 8), einer riesigen Enttäuschung über mich selber im Bauch (weil ich es zugelassen hatte, dass jemand das mit meinem Hund macht, ihm Schmerzen zufügt), rempelte ich damals den Passanten heftig an und entriss ihm die Leine...nach einem Tritt vor's Schienbein rannte ich dann weg und rief nur "Lauf Roby!" (darauf hörte er jetzt aufs Wort)...

Ich hab den Mann nie wieder gesehen...heute würde ich mich wohl auch für damals bei ihm entschuldigen...seine Methode lehne ich aber bis heute ab und habe sie nie angewendet, habe dadurch jedoch wie anfangs gesagt, schon früh gelernt, dass es offensichtlich verschiedene Methoden gibt...aber das ist ein anderes Thema. Kommen wir daher zur heutigen Situation: Allerorten sprießen Hundeschulen und -trainer aus dem Rasen...jeder preist sich und seine Methoden an (was ja auch klar ist!)...und damals wie heute gibt es mehrere Methoden der Hundeerziehung...anders als damals haben die meisten sogar einen eigenen Namen, teils namensrechtlich geschützt, teils nicht...und man konkurriert mehr...wirtschaftlich oder einfach nur um "die richtige" Hundeerziehung (falls es sowas allgemeingültig für alle Hunde überhaupt gibt, woran ich aber ehrlich gesagt zweifle). Meist sind die Gespräche eher politisch, selten sachlich... Einige greifen zu Methoden der Diffamierung, Stellungnahmen werden gelöscht oder verfremdet...in der Netz(un)kultur nennt man sowas ja Troll...was mich dabei wundert: sie offenbaren damit ja nicht nur ihren Konkurrenten ihren Charakter, sondern auch vielen potenziellen Kunden...aber naja, das ist nicht mein Problem.

Wie Eingangs schon erwähnt kenne ich Trainer verschiedener Lager, ich habe deswegen aber sicher nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. ABER: Mir ist bei den Trainern was aufgefallen. Bei denen, die ich kenne, egal welchem Lager sie angehören, sind offen und tolerant...hab schon erlebt, dass eine der "Positiven" einem Kunden einen Trainer empfahl, der eher zu den "Autoritativen" gehört... Denn ein guter Trainer kennt sowohl die Vorzüge seiner Methode, aber eben auch die Grenzen...für diesen Hund war es eben besser...und da kommen wir zum eigentlichen Kernproblem: Bei der ganzen Diskussion und Streit um die Methode geht es viel zu wenig um das, was wirklich wichtig ist: den Hund. Meist geht es ums Recht haben, nicht selten spielen Konkurrenzdenken und andere wirtschaftliche Interessen eine Rolle...das hat mich zu der Frage geführt, wie so was kommen kann... Nun sind mir ja auch zuweilen weniger tolerante Hundetrainer begegnet, und da zeigte sich, dass sie meist von den anderen Methoden gar keine Ahnung haben...die einfachste Antworten sind ja meist die richtigen, daher nehme ich stark an, dass Unwissenheit einer der Hauptfaktoren ist...schließlich fördert Unwissenheit auch Vorurteile und was die bewirken wissen wir ja alle.

Wie bekämpft man nun aber Vorurteile? Indem man mehr Verständnis schafft. Aber wie schafft man das? Durch mehr Verstehen, und das geht am ehesten durch Wissen und Aufklärung. Und genau damit will ich die Gräben zwischen den Lagern verkleinern. Versuche gab es ja schon viele, die Parteien an einen Tisch zu bringen, aber nicht selten scheiterte es daran, dass dann eh nur diejenigen kamen, die eh schon offen und tolerant waren oder schlichtweg am Termin. Daher mache ich allen Hundeschulen und -trainern ein Angebot, egal welche Methode sie anwenden und vertreten: Schickt mir eure Fragen (am besten positioniert ihr euch dann welcher Methodenschule ihr angehört), die ihr an die jeweils andere Methode (diese dann bitte auch benennen, damit die jeweilige Methodenpartei weiß, wer gemeint ist) stellen wollt. Ich werde die Fragen dann hier veröffentlichen und jeder der angesprochenen Methodenrichtung kann sie dann in den Kommentaren beantworten. Da ich selber dem Methodenpluralismus anhänge, werde ich keine Partei bevorzugt behandeln, hier ist also was das angeht quasi die "Hunde-Schweiz" :-) Solange ihr respektvoll und tolerant miteinander umgeht, wird jeder Kommentar veröffentlicht (eigentlich schon komisch, dass man das extra betonen muss, aber was in den so genannten Sozialen-Medien abgeht liegt teilweise schon unterhalb des Asozialen). Das schöne an der Wissenszunahme ist, nicht nur dass Vorurteile schrumpfen, auch Diffamierungskampagnen wirken dann umso lächerlicher, je mehr Leute gut informiert sind.

Würde mich freuen, wenn möglichst viele verschiedene Denkrichtungen mitmachen, ihre Fragen schicken und sich auch an den Antworten beteiligen. Bin mal gespannt, wie viele diesen offenen Dialog nutzen, immerhin ist es ein Zeichen von Stärke, Wissenslücken einzugestehen und diese auch schließen zu wollen. Lasst uns gemeinsam die Vorurteile bekämpfen durch Wissen und Information! Denn es geht um unsere Hunde!

© Foto: Antje Hachmann

PS: Bitte sagt mir, wenn ihr mir eure Fragen schickt, ob ihr anonym bleiben wollt oder nicht, ob mit Link oder nicht. Bei den Antworten in den Kommentaren könnt ihr euch das selber aussuchen, allerdings wäre es einfacher für Rückfragen, falls in den Antworten potenziell missverständliche Formulierungen drin sind, wenn ihr sie nicht anonym postet. Die Entscheidung liegt bei euch!

Kommentare:

  1. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als deinem Herrchen einfach zuzustimmen. Wir haben auch schon zuhören bekommen, dass ich viel zu nett in der Erziehung mit Emmely sein würde.
    Oder aber viel zu streng.
    Und das gerne von belesenen Hundebesitzern.
    Für die es eben manchmal auch nur schwarz & weiß gibt.
    Letztendlich muss es ja aber nur für Emmely und mich passen.

    Wir sind gespannt, wie es hier so weiter geht.
    Liebe Grüße
    Lizzy und das Indianermädchen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Lizzy! Bisher ist die Resonaz auch überwältigend positiv! Nur mitmachen, das trauen sich bisher wenige Hundetrainer (und schon mal gar nicht namentlich)...na abwarten, werde euch bald über die Ergebnisse berichten! :-)

      Löschen
  2. Sehr wahr was du schreibst, aber es wird vermutlich immer Leute geben die auf Stunk aus sind. *seuftz* Das dind dann die UNBELEHRBAREN. ;-) Da hilft nur natürliche Auslese durch zufälliges auf die Fahrbahn schubsen. *kicher*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Och ja, die "Stunkmacher" wird es immer geben...aber die verraten sich und ihre Persönlichkeit ja bereits selber...von daher sind sie zwar mitleiderregend, aber irgendwie auch belustigend :-D

      Löschen
  3. Hallo!

    Schöne Beiträge!

    Ich werde nun auch mal mein Leben mit Hund in einer Blogform festhalten, vielleicht magst Du mich mal erschnüffeln (ich meine besuchen) und deinen Pfotenabdruck in Form von Antworten bei mir hinterlassen.
    Darüber würde ich mich freuen.

    Liebe Grüße
    Silke + Lyko
    http://hundemeineliebe.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für das Kompliment! Ich schau gern mal vorbei :-)

      Löschen
  4. Ich kenne das leider auch nur zu gut. Als Blogger wird man in Foren und FB Gruppen eigentlich für alles bepöbelt, selbst wenn man eigentlich einer Meinung ist. Und die Leute lesen Beiträge nicht mal, sondern suchen nur einen Grund sich aufzuregen. Ich finde es super, dass Du für mehr Verständnis und Toleranz kämpfen möchtest!

    Viele Grüße
    Mieke & Pebbles

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Mieke, es ist zwar manchmal ein Kampf gegen Windmühlen...aber dennoch lohnt es sich! Entweder weil dann mehr Verständnis und Toleranz in der Welt ist...oder aber weil man sich über die Intoleranten amüsieren kann, denn das Aufregen darüber haben wir schon vor langem aufgegeben ;-)

      Löschen