Dienstag, 29. März 2016

[Watchdog] Was ist DEIN Problem, Mensch?! - Schnüffelwürdiges zum Thema "Problemhund"

Was ist denn dein Problem, Menschlein? Das würd ich gern so manchen fragen *brummm* Ihr 2-Beiner seid ja echt einfallsreich, wenn es darum geht einen neuen Hund (Menschensprache: eine neue Sau) durch den Wald (Menschensprache: Dorf) zu treiben! So mancher zeigt da eine gewissen eindimensionale Kreativität, wenn es darum geht unsere Halter und ihre Liebe zu uns Fellnasen auszunutzen - und ihr Portemonait zu öffnen.

Derzeit geistert ja überall im Menschen-Marketing-Dorf der "Problemhund" herum (oder auch andere Bezeichnungen, wie "schwierige Hunde" oder "komplizierte Hunde" etc., die alle auf das Ähnliches hindeuten). So mancher Trainer sieht sich nun berufen, genau dafür Spezialist zu sein. Die Qualifikationen (zu dem Thema wuffte ich bereits für euch) dafür lesen sich manchmal abenteuerlich, manchmal fast schon satirisch. Schlappgelacht haben mein Cerebral-Interface und ich uns besonders, wenn wir irgendwo lasen: "Hatte immer schon Problemhunde." Na super, das heißt dann im schlimmsten Fall, dass derjenige gut im "produzieren" von Problemhunden ist... *brummm* Da stell ich mir doch glatt die provokante Frage, ist das wirklich ein Problemhunde-Trainer? Oder nicht viel mehr ein Problem-Hundetrainer? *frechschau-ohrennachvorn*

Was ist denn DEIN Problem, Mensch? ;-)
Foto: Der Papagraf

Erst recht lustig fand ich, was so mancher als Problemhund ansieht. So fanden wir doch echt bei einigen Trainern so reißerische Sprüche, wie "zeigt ihr Hund Jagdverhalten?" oder "kann ihr Hund nicht alleine bleiben" oder "büchst ihr Weibchen bei Läufigkeit aus" oder "verteidigt er sein Revier"...und ähnliche angsteinflößende Fragen (zum Thema Angst und zu wenig Spaß im Hundetraining/-erziehung hat mein 2-Beiner Ende 2015 bereits nen Vortrag gehalten im Zentrum für Hundewissen und ich kann euch da den Beitrag von Nina Dany ans Hundeherz legen!). Ihr Menschen (oder zumindest einige von euch) seid schon komisch: Wenn ihr keine Probleme habt, dann schafft ihr euch welche... Ist denen echt so langweilig? Brauchen diese Menschen das, um sich künstlich interessant zu machen? *brummm*

Hallooooo, wohl noch nie vom Jagdtrieb gehört...oder Spieltrieb oder vom Sexualtrieb? Denn all diese Verhaltensweisen sind bei uns Hunden völlig NATÜRLICH! Daher haben WIR Hunde damit kein Problem! *jawohlwoaff* Klar soweit? ;-) Für mich ist es völlig natürlich, dass ich einem Karnickel oder Taube hinterher jage...und erst recht einer läufigen Hündin. *sabberkplapper* Wenn das bei einigen von euch felllosen Primaten anders ist, tut es mir fast schon leid...denn dann sind eure natürlichen Instinkte offenbar verkümmert...und der Spaßfaktor damit auch *jawohlwoaff*


Rennen, Toben, Jagen - das ist ganz natürlich für uns Hunde, WIR haben damit kein Problem!


Hey, Kleiner, ich kann aber schon verstehen, dass wir Menschen euch das ein wenig abtrainieren. Schon zu eurer Sicherheit! Sonst rennt ihr womöglich in eurem Jagd- oder Spieltrieb über eine Fahrbahn...

Ich sag ja nicht, dass man keine Impulskontrolle trainieren soll...oder auch Gehorsam... Aber sind wir deswegen gleich "Problemhunde"? Klingt auch irgendwie nach Problemfall...Wir verhalten uns doch nur natürlich.

Nein, das stimmt...Problemhunde seid ihr deswegen nicht...und Problemfälle schon mal garnicht *ohrenkraulen*

Ohja, ein bisschen weiter hinter dem Ohr... *wohligbrumm* Aber dennoch finde ich es nen blöden Marketingtrick uns so nen Stempel aufzudrücken, nur um Kasse zu machen. Aber in so was habt ihr Menschen ja Erfahrung...gab's da nicht auch so ne Sache bei euren Kindern...ADHS oder so habt ihr das genannt...da haben ja auch einige gut dran verdient...Therapeuten, Pharmazie...und am Ende gestand derjenige, der es entdeckt hatte, dass es das so gar nicht gibt...

Naja, ganz so einfach war der Fall nicht...


Ist das am Ende eine Verschwörung? Angezettelt von einer Humgeda?
Foto: Antje Hachmann
Egal, für mich zählen die Dog-Essencials! *brumm* Und jetzt sind wir plötzlich Problemhunde, nur weil wir das tun, wofür die Natur uns vorgesehen hat und auch ihr Menschen uns vor Jahrtausenden schließlich in eure Lebenswelt geholt habt... Find ich schon irgendwie nen ziemlich unhündischen Marketing-Sprech. Die deuten ja die Begriffe so wie es ihnen gerade in den Kram (oder für ihre Kasse) passt... Aber vielleicht ist ja auch derzeit so was ähnliches wie Hunde-Pegida am Werk...eine Hugida...oder auch eine Humgeda (Hunde Marketing gegen die Erkenntnisse der Aufgeklärten)?

Jetzt komm mir nicht mit 'ner Verschwörungstheorie um die Ecke!

Hm, wieso nicht? Meinst die Katzen könnten dahinter stecken?

Klar, in Kooperation mit den Kühen ;-) :-D

Hm, ich glaub, ich muss der Sache mal nachgehen... *schnüffel* Aber widmen wir uns zunächst wieder den Hunden! Zum einen find ich die eh interessanter als irgendwelche Menschlein mit leicht durchschaubaren Marketing-Tricks und außerdem bekommt sonst mein 2-Beiner wieder so seltsames "Feedback", Diffamierungen und Sabotageversuche von einer "skurrilen" Minderheit *schwanzwedel*

Och, lass doch, deren Aktionen und Sabotageversuche sind doch ganz lustig :-)Zumal sie ja immer genau die Dinge sabotieren, die ich denen als Köder hinwerfe...und die merken es nicht einmal :-D Da zeigt sich mal wieder, dass eindimensionales Denken nicht vielschichtiger wird, auch wenn sich mehrere Leute dran beteiligen :-)

Ja, aber daran hast nur du Spaß, ich hab davon ja nichts, im Gegenteil, mir wollen sie ja schaden. *grrrrr*  

Keine Sorge, Rico, das werd ich schon verhindern!

Ich weiß, wir sind ein Team und halten zusammen. *anlehn* Also zurück zum Kernthema: Was ist denn ein Problemhund? Ich hab mich mal ein bisschen umgehört, damit ich mehrere Perspektiven habe als nur meine Hundesicht und -schnüffelei oder die meines Cerebral-Interfaces als Hundehalter.


  • "Es gibt so gesehen keine 'Problemhunde', sondern nur Hunde die in einem unpassenden Kontext leben und so für diesen ein Problem darstellen."
    Sabine Haumann von der Hundeschule Canis Familiaris
  • "Eigentlich gar nicht. Es gibt frustrierte Hunde, ängstliche Hunde, gestresste Hunde, überforderte Hunde, kranke Hunde, falsch verstandene Hunde etc..... Aber da ist das Problem der Mensch, nicht der Hund."
    Manuela Schüer von der Hundeschule #SitzPlatzSteh
    und Sachverständige
  • "DEN Problemhund gibt es so nicht. Klar, es gibt ängstliche oder unsichere Hunde, es gibt besonders aktive oder auch übermütige Hunde, auch schlecht erzogene und sozialisierte Hunde; aber ein wie auch immer gearteter 'Problemhund' existiert nicht. Allenfalls hat der Hund ein Problem mit gewissen Situationen oder der Halter hat ein Problem mit dem Verhalten seines Hundes. Das meiste, was viele als Problemverhalten bezeichnen, ist für die Hunde sogar völlig normal."
    Wilfried Theissen von der Hundeschule derhundehaltercoach

Nun hab ich aber von meinem Cerebral-Interface Maximilian gelernt, dass es ja wenig Sinn macht, nur eine Seite anzuhören. Daher habe ich auch jemanden gefragt, der den Begriff "Problemhund" benutzt (allerdings diesen auch auf seinen Webseiten erklärt UND klar stellt, dass "...die Ursache häufiger eine gestörte Kommunikation zwischen Hund und Halter ist"):

  • "Der Begriff [...] wird mehr oder weniger von Hundetrainern und Hundebesitzern benutzt, wenn man z.B. von Hunden mit unerwünschten Verhalten (aggressives Verhalten, Verunreinigung und Zerstörung der Wohnung, ziehen an der Leine oder starken Jagdtrieb) spricht. [...] Ich habe den Ausdruck Problemhund übernommen, weil er unter Hundehaltern als Überschrift für Erziehungsprobleme steht. Er ist für mich ein Ordner mit vielen Unterordnern in denen Probleme, mit dem eigenen Hund und dessen Erziehung bestehen. Es gibt aber auch Hundetrainer und Hundebesitzer, die gehen ab wie eine Rakete, wenn jemand von einem Problemhund spricht und kontern sofort mit "Es gibt keine Problemhunde, es gibt nur Problemmenschen". Es gehört sich ja auch nicht, dass man alle Erziehungsprobleme auf den Hund schiebt, ihn einfach als Problemhund deklariert und jut iss! :-) Der Meinung bin ich übrigens auch! Das wäre zu einfach! Aber wenn jemand meine Hilfe benötigt, weil er in der Erziehung seines Hundes versagt hat, kann ich ihn doch nicht ihm Erstgespräch als Problemmensch bezeichnen. Man darf in der Hundeerziehung versagen, man sollte aber dann dazu stehen und sich guten Rat einholen." [Anmerk. d. DogRed.: Also ich sag ja nicht, dass es NUR "Problemmenschen" gibt, aber es gibt halt auch keine "Problemhunde". Und als Hund darf ich zu dem Thema abgehen wie ne Rakete, bin ja Betroffener, so wie eben jemand zu dem ihr "Problemmensch" sagt *schwanzwedel* ;-) ]
    Dirk Lenzen von der Hundeschule animalstar

Wenn es streng genommen aber keine "Problemhunde" gibt...und okay, ich versteh ja, dass man euch felllosen Primaten nicht "Problemmensch" an den Kopf schmeißen kann, dann sollte man vielleicht lieber von Problemhundehalter sprechen! Und zwar ganz absichtlich diesmal ohne Bindestriche!

Na jetzt vereinfachst du aber zu sehr...und vorverurteilst...

Das find ich unfair, dass ihr manchen von uns so einen Stempel aufdrückt,,,
nur weil wir nicht genau das tun, was ihr gern hättet...
Mag ja sein...ist ja auch nicht jeder ein Problemhundehalter, okayyyy... Aber uns einfach als Problemhunde darstellen find ich halt unfair! Aber vielleicht sollte man eher von einem Beziehungsproblem sprechen, das ist irgendwie sachlicher, als uns den unfeinen Stempel "Problemhund" aufzudrücken, nur weil etwas nicht so klappt, wie ihr es gerne hättet. Fast könnte hund (Menschensprache: man) glauben, solche Menschen hätten ein "Dominanzproblem" ;-) oder besser gesagt: Dumminanz... *frechschau*

Allenfalls "asoziale" Hunde würde ich als "Problemhunde" bezeichnen. Aber ohne Schuldzuweisung oder Vorwurf, eher mit Mitleid. Denn aus irgendwelchen Gründen (und das können viele sein, nicht nur der Halter) hatten sie wohl nicht die Chance auf eine anständige Sozialisation... Dann wären nur die "Problemhunde", die nicht in einem vernünftigem Zeitrahmen therapierbar sind. Denn ihre Probleme sitzen tiefer: durch massive schlechte Erfahrungen, totalen Vertrauensverlust in die Menschheit, fehlerhafte Sozialisation oder ausgewachsenen unkontrollierbaren Aggressionsformen... Aber das dürfte die Minderheit sein, auch wenn man manchmal das gegenteilige Gefühl bekommen könnte... Denn auch von anderer Seite sollten sich die Halter mal an die eigene Nase fassen. Bei einigen scheint es ja geradezu chic zu sein, einen solchen "Problemhund" zu haben...sie kokettieren (um nicht "angeben" zu schreiben) sogar damit...naja, so hat man wenigstens ein Gesprächsthema. *lachwedel* Dazu empfehle ich euch mal den Beitrag von Sabine Haumann.

Also liebe Hundehalter, lasst euch nicht verarschen! Lasst euch nicht einreden, ihr hättet einen Problemhund! Trainiert weiter mit euren Fellnasen, mit viel Geduld, Ausdauer, Aufmerksamkeit und vor allem Liebe wird es schon klappen... Lasst euch nichts einreden! Lasst nicht zu, dass die Probleme anderer zu unseren werden - und am Ende sogar unsere Beziehung zu euch Menschen belasten können! Und an die wirklichen "Problemhunde" (jawohl ich benutze jetzt den Begriff auch mal...und das mit Absicht!) und ihre Halter - also die Hund-Mensch-Teams mit größeren Beziehungsproblemen: Gebt nicht auf! Wir wissen, wie schwierig es ist! Aber umso mehr achtet darauf, auf wen ihr euch einlasst und hinterfragt so manche Marketing-Masche! Und ihr "Einfachehunde"-Halter: Nehmt mal ein bisschen mehr Rücksicht und spart euch den ein oder anderen neunmalklugen Kommentar! Am besten freut euch einfach, dass ihr mit eurem Hund so gut klar kommt, die anderen haben ja schon genug Probleme MIT ihren Hunden (wie auch immer die aussehen mögen...).





Kommentare:

  1. Lieber Rico, lieber Maximilian,
    heute will ich Euch mal meine Geschichte zum Thema Problemhund erzählen:
    Stellas Vorgänger war ein zauberhafter Exstrassenköter mit sehr ausgeprägtem Machoverhalten. Das heißt er hat sich mit jedem Rüden, dem wir begegneten gemessen und wurde er darin (von besorgten Hundehaltern) gestörrt, so gabs sofort eine Beisserei.
    Eines Tages ging ich mit zwei neuen Hundehalterfreundinen und deren Hunden in einem für alle fremden Revier spazieren. Wir sprachen über Reisen mit Hund und Sabine erzählte, dass sie mit ihrer Beagledame keine langen Autofahrten machen kann, weil der Hund lieber ins Auto pinckelte als in fremde Reviere.....Ich nahme das erstmal so hin.....Wir kamen an einen umgefallenen Baumstamm und ich motivierte meinen Ninjio zu balancieren. Auch die Beagledame hüpfte auf den Stamm und rannte darauf fröhlich herum. Birgits Podencos blieben aauf dem Waldboden und Birgit erzählte, dass ihre Podencos Höhenangst hätten und nicht auf dem am Boden liegnden Stamm ( etwa 40 cm Durchmesser) balancieren könnten. Nun kam ich aber doch ins Stutzen! Ich fragte Sabine, ob sie ein Problem habe auf fremde Toiletten zu gehen. Die Antwort war ein völlig klares, fast entrüstetes "Ja, klar!!! Is doch voll ekelig!". Ich fragte Birgit, ob sie Höhenangst habe. Die Antwort : "Ja, schon seit frühster Kindheit krieg ich die Krise sobald ich irgendwo runter gucken kann."
    Suuuuper! Die eine Hündin pinckelt nicht weil Frauchen da krüsch ist, die Podencos balancieren nicht, weil Frauchen ein Höhenproblem hat...... Wo ist mein Problem, wenn mein Hund (in meiner Sprache) ein Rüdenproblem hat?
    Noch Fragen?
    LG, LisaBe

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    1. Nö, keine Fragen, denke auch, das sagt alles *frechschau* :-)

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