Donnerstag, 7. Februar 2019

[Buchvorstellung] "Der Mensch im Tier" von Norbert Sachser zeigt die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Tieren

Mensch und Tier haben mehr gemeinsam als viele glauben!
Allzu gern sehen sich die Menschen ja als "Krönung der Schöpfung". Dass dem nicht so ist, ist die Kernaussage in dem Buch "Der Mensch im Tier" von Prof. Dr. Norbert Sachser, Leiter des Institutes für Verhaltensbiologie der Uni Münster. Er fasst die neuesten Forschungsergebnisse darin allgemein verständlich zusammen und kommt zu dem Schluss, dass wir Menschen wesentlich mehr Gemeinsamkeiten mit den Tieren haben, als bisher angenommen. Das gilt vor allem für soziale, in Gruppen lebende Säugetiere (und dazu zählen ja auch Hunde!), aber auch für so manche Vogelart.


Prof. Dr. Norbert Sachser, Leiter des Instituts für Verhaltensbiologie: "Mensch und Tier haben viel gemeinsam."
Foto: Willi Weber

In den vergangenen 30 Jahren hat sich so einiges getan in der Forschung. Dies führte zu einem regelrechten Paradigmenwechsel: Manche Tiere sind zu einsichtigem Verhalten fähig, können sogar denken. Sie erkennen sich selber im Spiegel, was auf ein Ich-Bewusstsein schließen lässt. Und so manche ihrer Emotionen ist mit denen von uns Menschen bis in verblüffende Details vergleichbar - noch vor einigen Jahren hatte die Mehrheit den Tieren Emotionen abgesprochen. Sie sind aber eben mehr als nur instinktgeleitete Wesen, wie viele bis heute denken.

Und das gilt nicht zuletzt für Hunde: "Im Laufe der Haustierwerdung haben Hunde die Fähigkeit erworben, den Menschen immer besser zu verstehen, was wesentlich dazu beiträgt, dass wir uns mit Hunden so gut verständigen können", sagt Sachser im Interview ich mit ihm führte (ihr findet es in der derzeit aktuellen Ausgabe 03/2019 von Der Hund auf Seite 40-41).

Immer wieder bringt Sachser in seinem Buch viele Beispiele von Tieren mit herausragenden Leistungen. Und so erkennt der Leser anschaulich, dass nicht nur der Mensch die Fähigkeit zu denken und den Erfindungsreichtum gepachtet hat. All diese Erkenntnisse aus der Wissenschaft der vergangenen Jahre zeigen eines deutlich: Wir sind den Tieren näher gerückt.

Auch zum Thema Stress schreibt Sachser in seinem Buch. In unserer Gesellschaft hat dieses Wort ja einen allgemein negativen Beiklang. Als Wissenschaftler weiß er dabei genau zu differenzieren zwischen Dauerstress, der gesundheitsschädlich sein kann, und eben punktuellen Stress. Im Interview, welches ich mit ihm führte sagt er:  "Der Begriff Stress ist in der heutigen Zeit allgemein negativ besetzt, dabei ist er eigentlich was Positives. Denn physiologisch dient er dazu schnell viel Energie zur Verfügung zu stellen – zum Beispiel zur Flucht oder für den Angriff. Stressreaktionen sind demnach also sinnvoll für das Überleben." 

Hunde, die die sozialen Regeln kennen, spielen viel entspannter mit Artgenossen!

Außerdem räumt der Verhaltensbiologe Sachser in seinem Buch auch mit einigen Mythen und laienhaften Vorstellungen auf: So denken viele Menschen noch immer, dass die wichtigste Prägephase das Welpenalter ist. Doch neuere Forschung zeigt, dass die Pubertät genauso wichtig ist. Denn in dieser Phase lernen Tiere die sozialen Regeln im Miteinander mit Artgenossen. Apropos Miteinander mit Artgenossen: Ohne den Kontakt zu Artgenossen zeigen soziale Tiere wie unsere Hunde Verhaltensstörungen. Dies ist eine Erkenntnis des Kaspar-Hauser-Versuches von Harry Harlow (der heutzutage aus Tierschutzgründen wohl verboten wäre!), schreibt Sachser in seinem Buch. Ja mehr noch, dieser umstrittene Versuch zeigte, dass sogar die Mutter ersetzbar ist: Denn wenn die Jungtiere mit gleichaltrigen Artgenossen aufwuchsen, dann zeigten sie ebensowenig Verhaltensstörungen, als wenn sie nur mit der Mutter zusammen heranwachsen.


Wenn Hunde gut sozialisiert sind, verstehen sie sich besser.

Das mag gewissen "Helikopter-Haltern" (über die ich ja auch bereits schrieb), zwar missfallen, aber sie tun ihren Hunden eben keinen Gefallen, wenn sie ihrem Fellpartner alle Erfahrungen vorenthalten. Und so hat Sachser auch eine klare Botschaft für solche Helikopter-Halter: "Alles was sie ihrem Schützling vorenthalten, macht ihn ängstlich und verursacht dadurch unnötigen Stress. Die Folgen sind oft soziale Inkompetenz und Verhaltensstörungen. Beides kann dann bei Begegnungen mit Hunden und Menschen sogar gefährlich werden."

Bleibt zu hoffen, dass sich diese Erkenntnis, dass Mensch und Tier mehr als nur ähnlich "ticken" und viele Gemeinsamkeiten haben im Denken, Fühlen und Verhalten, möglichst rasch bei vielen rumspricht.





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