Sonntag, 7. Juli 2019

Ein Welpe zieht ein, das Rudel bildet sich und Hunde sind die besten Hundetrainer

Es war der 8. Tag. Genau heute vor einer Woche hatte ich Klein-Leon abgeholt. In dieser Zeit habe ich alles wichtig erledigt, den ganzen Papierkram, wie Versicherung, Anmelden beim Ordnungsamt, Nachimpfung usw. - kurz überlege ich angesichts der zu erwartenden Endgröße von Leon, ob ich für uns alle nicht auch eine mobile Postleitzahl beantragen sollte. 😉 An diesem 8. Tag merkte ich jedenfalls, welch große Veränderungen der kleine Welpe schon nach wenigen Tagen in mein Leben brachte. Als erstes fiel mir das am frühen Morgen auf (je nach Perspektive, kann man es aber auch noch mitten in der Nacht nennen), als ich mit Klein-Leon raus will und dafür die Hose anziehe (ja, trotz Schlafmangel vergesse ich die (noch) nicht); denn als ich den Gürtel schließe, kann ich ihn nun ein Loch enger schnallen. 😮 Da fiel mir erst auf, wie wenig und unregelmäßig ich die Tage gegessen hatte – so viel Aufmerksamkeit (ver-)brauchte Leon.

Die ersten Tage war alles noch ganz neu für Klein-Leon

Dadurch löste sich aber ein ganzer Gedankengang aus. Ich hatte zwar zuvor schon bemerkt, dass einiges bei Leon anders war als gewohnt. Ja mehr noch, dass er eigentlich sogar die ein oder andere selbstaufgestellte Regel von mir brach. So hatte ich mir z.B. eigentlich mal geschworen, nie wieder einen schwarzen Hund zu nehmen. Schon die Vorurteile der Menschen gegenüber schwarzen Hunden – noch zudem von dem Ausmaß, welches Leon erreichen würde – wären Grund genug. Aber vielmehr weil ich beobachtet habe, dass viele Hunde Probleme haben einfarbige andere Hunde, besonders schwarze, „zu lesen“ bzw. zu verstehen.

Nass, verdeckt - Leon hatte Spaß 😄

Aber das war eigentlich nur eine recht oberflächliche Veränderung. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass es der erste Hund war, den ich so ganz alleine großziehe. Also zur Gänze mein ich. Denn eine große Hilfe bei der Aufzucht anderer Welpen, waren mir meine jeweiligen Lebensabschnittsgefährtinnen auch nicht immer eine große Hilfe – die ein oder andere Charakterschwache versuchte sogar den Hund als Druckmittel zu benutzen um ihren Willen durchzusetzen. Die Mehrheit der Frauen war glücklicherweise nicht so (hatte das Glück im Leben, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nur mit Klasse-Frauen zu tun gehabt zu haben), auch wenn sie mir bei der Aufzucht nicht geholfen haben, so hielten sie mir wenigstens durch andere Dinge den Rücken frei. So wie beispielsweise eben, mir regelmäßige Mahlzeiten zu bereiten und mich ans Essen zu erinnern (bevor wieder irgendwelche Gender-Kriegerinnen und Pseudo-Emanzen Schnappatmung bekommen: NEIN, ich bin nicht der Meinung, dass das "Frauenkram" ist, ich kann das sogar mehr oder weniger selber 😉 Nur ist es für mich eigentlich normal in einer Partnerschaft, dass man sich gegenseitig den Rücken frei hält und ich hatte mit Leon mehr als nur meine Hände voll zu tun).

Ich lasse die vergangene Woche vor meinem inneren Auge Revue passieren (ein paar Anekdoten siehe unten die Facebook-Posts). Viel war geschehen, vor allem viel Durcheinander. Klar, schließlich musste sich das Rudel ja neu ordnen und Klein-Leon seinen Platz darin finden. Dabei waren mir schon einige „Baustellen“ bei dem kleinen Cane Corso aufgefallen: seine so gut wie nicht vorhandene Beisshemmung, seine geringe Impulskontrolle, die niedrige Frustrationsschwelle, sein Misstrauen gegenüber Fremden (ist für Cane Corso typisch, aber bei ihm besonders groß) und sein selbst für einen Molosser extrem ausgeprägten Dickschädel um nur einige Baustellen zu nennen... Er ist kein "Problemhund" (ich mag diesen Marketing-Begriff zwecks Kundenfang mit Problemverschiebung und über die Angstschiene eh nicht), aber er bringt mich mehr an meine Grenzen als irgend ein Welpe zuvor (und damit meine ich nicht nur meine eigenen!).

Rico und Leon IM Rhein 😀
Während ich so meinen Gedanken nachhänge, beobachte ich die beiden Molosser am Rhein. Plötzlich schmeißt sich Rico auf dem Rücken und schubbert sich. Unweigerlich lächle ich, denn zu einen macht er das öfter und zum anderen rechne ich damit, dass Klein-Leon eine Spiel-Attack startet. So war es zumindest die Tage zuvor gewesen, wenn Rico sich auf den Rücken schmiss. Doch diesmal schmiss sich auch Leon auf den Rücken und ich erlebte die beiden das 1. Mal beim synchronen Rückenschubbern (es sollte nicht das letzte Mal sein!).

Zwei Molosser, die ab jetzt gemeinsam durchs Leben rennen!

Schon Tags zuvor hatte ich bemerkt, wie Rico auch die Stellen markierte, wo der kleine Welpe hinpiselte. Klares Signal an alle: Wir gehören zusammen! Besonders extrem fiel mir das bei einer Hundebegegnung ein paar Tage zuvor auf: Wir trafen einen alten Bekannten mit seinem Hund, einem Basset. Der ist zwar kleiner, hat aber die gleiche Gewichtsklasse wie das Döggelchen Rico. Und beide kennen sich seit ihrer Welpenzeit, sind dicke Freunde, die sich immer freuen, wenn sie sich beschnuppern können. Doch Klein-Leon stürmte – ganz welpentypisch – vor und wurde vom Basset wegen seines frechen Verhaltens zurechtgewiesen, woraufhin sich dann aber auch Rico einmischte – und Leon beschützen wollte. Genau DAS war eines der Probleme, die ich noch vorhergesehen habe, schon bevor ich Leon abgeholt habe.

Doch ansonsten zeigt sich Rico seit Leons Einzug von der besten Seite. Er hat bei unseren Gassigängen weniger Flauseln im Kopf, diskutiert nicht mehr so viel mit mir, ja läuft an der lockeren Leine einfach neben mir. Ich weiß, dass die folgende Interpretation falsch ist, weil allzu menschlich, aber zwecks des besseren Verständnisses will ich sie dennoch benutzen: Fast wirkte es so, als ob er Leon ein besonders gutes Vorbild sein will oder aber nun mehr mit mir „zusammenarbeitet“, weil ich mit dem Welpen schon genug zu tun habe. (Die „richtigere“ Interpretation ist: Er hat einfach einen Entwicklungschub gemacht, weil er nun „der Ältere“ ist und sich daher auch „erwachsener“ verhält.) Und gerade beim letzten metaphorischen Gedanken, der „menschlichen Interpretation“, dass Rico nun mehr darauf achtet, mir weniger „Schwierigkeiten“ zu bereiten, weil ich ja mit Leon mehr als genug zu tun habe, kam mir die Erkenntnis: Ich bin gar nicht alleine, im Gegenteil! Ich habe die beste Unterstützung bei der Aufzucht eines Welpen, die ich je hatte. Okay, Rico hilft mir zwar nicht beim Haushalt, putzt den Dreck nicht weg (er ist ja mit Hauptverursacher), bereitet kein Essen, macht nicht den Einkauf etc. Dafür hilft er mir ganz direkt bei Leon.

Der beste Hundetrainer ist und bleibt der Hund: Souverän, selbstsicher, erfahren - all das gibt das Döggelchen an Leon weiter.

Dank seiner souveränen Art, war vieles, was wir in den vergangenen Tagen erlebt haben, für Klein-Leon kein Problem. Ob nun Strassenbahn oder Fahrstuhl oder Kneipenbesuch oder Tierarzt, all das flößt den meisten Welpen erstmal Furcht ein, doch der Noch-Mini-Molosser meisterte es, als ob er nie was anderes getan hätte. All das ist aber hauptsächlich Ricos Verdienst, ihm gebührt dafür der Orden. Und so erkenne ich, dass auch das Döggelchen was dazu gelernt hat und wie der kleine Leon auch unsere Beziehung mehr als bereichert. Voller stolz blicke ich auf Rico und Leon, sie werden dicke Freunde werden, das zeichnet sich jetzt schon ab. Und da überkommt sie mich, diese übergroße Dankbarkeit, die wie eine Tsunami-Welle über mich hereinbricht und eine Glücksträne kullert über meine Wange. Nein, bin nun wahrlich nicht „alleine“, ganz im Gegenteil! Zwar kann mir keiner der Hunde beim Haushalt helfen (sie sind ehrlich gesagt ja die Hauptverursacher des Drecks), doch als Partner beim Erziehen von Welpen gibt es keine besseren – denn sie sind die wahren(!) Hundetrainer.

Oft hält sich Rico zurück, damit Leon mithalten kann...

Und so wandern wir „Two and a half man“ den Rhein entlang in der Gewissheit nun ein Rudel zu sein – und keiner von uns wird jemals wieder alleine sein. Das ist der wahre Wert, der mit nichts aufzuwiegen ist – was ist dagegen schon das bisschen Dreck und all die kaputten Sachen. Wir sind jedenfalls bereit für all den Rüdenspaß im Leben.

🐶 Alter, keine Ahnung, was dich geritten hat, den Kleinen bei uns aufzunehmen. Und auch, wenn der mich oft auch mal nervt, aber jetzt gehört er zu uns - und irgendwie ist er ja auch ganz niedlich. *wedelfreu*

Die 1. Woche











Ein paar Anekdoten aus der 2. Woche













PS: Einige Leser fragten bereits, ob Leon auch ein Gassireporter wird. Das kann ich euch jetzt aber noch nicht sagen, das hängt davon ab, wie er sich entwickelt. Trotz seiner Neugierde sieht es wegen seines großen Misstrauens und fehlender Impulskontrolle derzeit nicht danach aus, aber das kann sich noch ändern. Schließlich war Rico auch schon ein Jahr alt, als wir diesen Blog hier starteten. Aber wir, also Rico und ich, werden euch auf jeden Fall auf dem Laufendem Halten. 


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