Freitag, 3. Februar 2017

[Watchdog] Mit fremden Federn schmücken: Den falsche Eindruck mit Experten-Hopping wecken

Wie heißt es so schön? Wer selber keine Federn hat, der schmückt sich gern mit fremden. Den Eindruck habe ich auch oft, wenn ich mir so einige Vorstellungstexte von Hundetrainern und Hundeschulen durchlese.

Was für einen "Eindruck" wir haben, beeinflusst ja bekanntlich auch stark unsere Entscheidungen. Verständlich, dass so mancher versucht, bei Kunden einen guten Eindruck zu hinterlassen. Doch manche scheinen sich nur mit fremden Federn schmücken zu wollen. Immer wieder stoße ich bei unseren "Web-Gassigängen" aber auch bei analogen Schnuppertouren in Prospekten oder ähnlichem auf Formulierungen bei Hundetrainern und Hundeschulen wie "orientiert sich an..." oder "gelernt von..." und dann folgen meist sehr klangvolle Namen aus der Hundeszene wie Günther Bloch, Udo Gansloßer oder Dorit Feddersen-Petersen und Andere. Das macht aus deren Sicht wahrscheinlich schon Sinn wegen irgendwelcher Suchanfragen bei Google. Aber was haben sie wirklich mit ihnen zu tun?

Manchmal lohnt es sich auch HINTER dem Busch zu schnüffeln - wir Hunde wissen das ;-)

Oberflächlich gelesen, denken viele dann, dass diese Leute quasi Schüler von den aufgezählten Experten wären - oder gar dort sowas wie eine Ausbildung genossen haben. Dank der schwammigen Formulierung können sie sich auch immer gut rausreden (der alte Trick mit der "Hintertür", die man sich offen lässt): "So hab ich das ja nie behauptet." Stimmt, das haben sie nicht - schließlich kann "orientiert sich an" uund ähnliche Formulierungen ja vieles bedeuten. Aber aktiv gegen den Eindruck sind sie auch nie vorgegangen, im Gegenteil: sie haben ihn ja gerade mit solchen Texten wecken wollen. Quasi eine Form des "Hunde-Experten-Hopping".

Fragt man dann mal den ein oder anderen Experten, so kennt er die Leute oft gar nicht. Wir erhielten Antworten, wie: "Kann sein, dass er/sie mal bei einem Vortrag oder sogar Workshop war. Ist mir aber namentlich nicht in Erinnerung geblieben."

Interview mit Günther Bloch
Foto: Ira Prettycloud

Doch erreicht man ja nicht immer die genannten Hunde-Promis, mit denen sich so mancher schmückt und kann sie direkt fragen. Wie kann man das dann trotzdem erkennen? Eigentlich ganz einfach, indem man sich selber mal mit den Lehren der Experten auseinandersetzt, mit denen sie sich schmücken. Nicht selten widersprechen sie nämlich diametral genau den Lehren derjenigen, die sie als Referenz angeben. Ein Beispiel: In einem Fall wurden wir stutzig, weil der Hundetrainer sich als Experte für "Problemhunde" oder auch "schwierige Hunde" etc. darstellt (unsere Leser kennen ja unsere Einstellung zum Thema "Problemhund") und sich gleichzeitig auf Günther Bloch berief. Da wir nun aus den Büchern von Günther aber auch aus einem von uns geführten Interview wussten, was er zum Thema "Problemhund" denkt, erkannten wir den Widerspruch. "Wenn er sich an meinen Freilandforschungsarbeiten oder Bemerkungen in allen meinen Büchern "orientieren" würde, stünde für ihn fest, dass er sich so geschwind wie möglich von dieser nervigen "Zu-Therapiererei" von "Problemhunden" (die meistens keine sind) verabschieden würde", sagte Günther Bloch zum (Werbe-)Text auf den Webseiten.

Hundehalter sollten also ganz genau auf die Formulierung achten! Ist sie schwammig oder bietet sie wie Anfangs gesagt ein "Hindertürchen" zum Rausreden, sollte man schon stutzig werden. Spätestens bei Widersprüchen sollte man aber misstrauisch werden. Doch um diese Widersprüche zu erkennen, sollten sich Hundehalter eben gut informieren - beispielsweise indem sie zumindest grob die Lehren der anerkannten (im Gegensatz zu den selbsternannten) Experten kennen. Denn so mancher selbsternannte Experte benutzt gern simpelste Marketingtricks um Hundehalter als Kunden zu gewinnen. Darunter leiden aber nicht nur Hundehalter, sondern auch die zahlreichen engagierten Hundetrainer, die nicht ihre Kasse, sondern den Hund im Blick haben. Sie haben solch marktschreierisches "Hunde-Experten-Hopping" nicht nötig, gehen aber dadurch in der heutigen postfaktischen Zeit, in der "alternative Fakten" salonfähig sind, leider oft unter...


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