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Mittwoch, 24. Mai 2023

Arthrose beim Hund - die Geißel für Hund und Halter


 

Völlig unvorhergesehen passierte es. (Aufmerksame Leser unserer GASSIREPORT-Seite bei Facebook wissen es schon.) Eigentlich begann es wie ein ganz normaler Tag: Wir waren am Rhein und drehten da eine schöne Runde. Doch zum Abend hin, ging es Rico drastisch schlechter. Er atmete schwer, sabberte stark... Ganz klar: Er hat Schmerzen! Erst dachte ich ja in meiner Panik, dass er was falsches gefressen hatte (er frisst ja so gerne Gras) oder gar Nierenversagen. Vor allem, als er dann sogar sein Fressen nicht anrührte, wuchsen meine Sorgen exponentiell. Ich bemerkte sogar einen Anflug von Panik und Angst, den ich Rico zu Liebe aber sogleich unterdrückte - ich wollte ihn nicht durch die Stimmungsübertragung noch mehr verunsichern. Ich war drauf und dran mit ihm Nachts in die Tierklinik zu fahren. Doch als ich sein Humpeln bemerkte war ich zumindest etwas graduell "beruhigt", dass es keine Vergiftung oder Ähnliches war. Als ich sein humpelndes Bein etwas abtastete und bewegte jaulte Rico sogar auf - etwas was er sonst so gut wie nie machte (ich kann mich nur an eine andere Situation erinnern, wo er mal vor Schmerz jaulte). Dennoch war es eine schlimme Nacht für uns: Für Rico wegen seiner Schmerzen und für mich, weil ich mitlitt und nicht schlafen konnte...


Zum Glück verbesserte sich aber später aber Ricos Zustand wieder ein wenig. Er aß sogar sein Essen, wenn auch nur durch meine Hand Fütterung. Schon am nächsten Tag ging es ihm dann zum Glück besser. Er humpelte zwar stark aber die anderen Alarmsignale fehlten. Allerdings war er nach nur einer kleinen Runde von insgesamt 150 Metern schon völlig erschöpft. Klar, er hatte ja immernoch Schmerzen. Ich vermutete mittlerweile ja bereits, dass es Arthrose ist. Machte daher einen Termin bei unserer Tierärztin; da wollte ich ja eh hin, um mal wieder seine Lipome zu überprüfen. Auch sie kam zur Diagnose Arthrose. Doch sicherheithalber wollte ich ihn durchchecken. Immerhin ist er ja schon fast 11 Jahre alt - für einen Hund seiner Größe schon ein sehr stolzes Alter. Also machten wir Blutcheck, haben ihn geröntgt (was Rico vorblildlich mitmachte, ganz ohne Narkose), Ultraschall, die Lipome mal wieder punktiert und sowohl im Praxislabor untersucht als auch ins größere Labor geschickt...das volle Programm halt. Da kam nichts bei raus: Seine Blutwerte sind top - gerade in Hinblick auf sein Alter. Alles im Allem also ein top-fitter Hund - bis auf die Arthrose.


 


 


Zunächst bekam Rico eine Spritze um die Entzündung zurück zu drängen und ihm die Schmerzen zu nehmen. Zusätzlich sollte ich ihm eine Woche lang Tabletten geben: 1,5 Tabletten Galliprant am Tag eine Woche lang. Dadurch verbesserte sich dann Ricos Zustand ein wenig. Er ließ sich minimal leichter zu einer Gassirunde überreden, fraß wieder ganz normal von selber etc. Doch dieser Zustand war nicht etwa stabil, seine Tagesform wechselte - vor allem in Abhängigkeit vom Wetter.

So hatte ich nun einiges umzuorganisieren. Vor allem das Gassigehen. denn leon braucht ja wesentlich mehr Bewegung. So begann ich mit euch getrennt zu gehen. Oder genauer gesagt: Erst die kurze Runde (die war zwar nicht lang an Meter, kostete aber dennoch fast eine halbe Stunde Zeit) mit euch gemeinsam, dann nochmal eine größere Runde mit Leon.

An dieser Stelle muss ich Klein-Leon ein kompliment machen. Sicher Anfangs war es schwierig mit euch beiden, denn wie sollte Leon auch begreifen, dass wir nun mehr Rücksicht auf Rico nehmen musste. Aber schon nach 2 oder 3 Gassigängen hatte Leon begriffen, dass diese Runde Rico halt Priorität hat. Daher nervten mich seine sonst sehr lustigen Eskapaden sehr. Ich war sogar manchmal etwas ungerecht zu ihm und reagierte heftiger als sonst - wenn ich daran zurückdenke, tut es mir heute noch leid (auch wenn er es mir nicht übel nimmt). Mittlerweile tritt er sogar ganz in den Hintergrund. Übernimmt in dieser Zeit die Aufpasserrolle - aber sehr dezent im Hintergrund, zumindest wenn es keinen Anlass gibt. Ich muss halt nur aufpassen, dass uns niemand zu nahe kommt, denn dann will Leon die Person vergraulen um seinen Kumpel Rico zu schützen.

 


 

Jedenfalls standen wir diese Zeit ganz gut durch, auch wenn in einem heftigen Wechselbad der Gefühle. Keine Ahnung, wie das bei anderen ist. Ich vergleich mich ja nicht gern mit anderen, da ich der Überzeugung bin, dass jeder Mensch individuell zu sehen ist und anders fühlt. Aber mich machte das emotional fertig. Vor allem ein Gedanke schmerzte mich sehr: Die Gewissheit, dass wir in nicht allzuferner Zukunft Abschied nehmen müssen. Immerwieder kam zwar dieser Gedanke, diese Angst auf, doch konnte ich ihn immer schnell verdrängen - nicht zuletzt gerade durch Ricos mithilfe. Aber jetzt gelang es mir nicht mehr. Zu sehr nahmen mich seine Schmerzen mit, zu sehr litt ich darunter zu sehen, wie es ihm ging...

Wer dich kennt, weiß mit welcher Eleganz und Anmut du dich immer bewegt hast. Es hatte etwas edles zu sehen, wie Rico trotz seiner Größe leichtfüßig dahertrippelte. Umso mehr schlug nun die Veränderung zu.

Beim nächsten Tierarzt-Termin etwa einen Monat später bekam er dann eine Spritze Librela. Das brachte schon eine deutliche Verbesserung. Allerdings nicht auf dauer. Je nach Wetter änderte sich sein Zustand, aber er war nie so dramatisch wie an dem ersten Abend. Leider ließ die Wirkung recht rasch nach.nach 2-3 Wochen wurde es wieder schlechter. Das ist aber nicht verwunderlich, denn die 1. Librela Spritze soll ja eine "Halbwertzeit" von ca. 16 Tagen haben. Tabletten bekam  er ja nicht mehr dauern, ich gab ihm nur welche an den schlimmen Tagen. Das half. Dennoch baute Rico stark ab, vor allem was die Muskulatur angeht...

Die zweite Librela Spritze dann brachte eine deutliche Verbesserung. Schon einen tag danach, ging es Rico deutlich besser. Er humpelte zwar noch ein wenig und war schnell erschöpft, aber statt wie vorher nur 150 Metern schaffte er auf anhieb 400-500 Meter. Auch vom ganzen verhalten her, zeigte er ein deutlicheres Wohlbefinden: Er wälzte sich vor Freude oft im Gras, versuchte einen Freudenhüpfer als Es Futter gab (was ihm eine kleine Ermahnung von mir einbrachte) und war auch snst wesentlich aktiver, weniger apathisch.

Doch leider hielt der Zustand nicht lange: Mittwochs hatte er sein Spritze bekommen, Donnerstag ging es ihm dann ein paar Tage sehr gut, mit täglichen Verbesserungen. Doch seit dem Montag Nachmittag danach verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Wieder schweres Atmen, viel Sabbern, kaum zum Aufstehen zu motivieren, ja selbst Futter verweigert er auch per Handfütterung. Dieses Wechselbad der Gefühle machte mich fertig, aber ich bin da nicht wichtig, viel wichtiger war mir, dass es ihm besser ging um seiner selbst willen. Und so versuche ich ständig in seinem Beisein Zuversicht und Freude auszustrahlen, um ihn nicht noch mehr zu beunruhigen. Das fällt mir nicht leicht, nicht nur wegen meiner schlechten Schauspielkünste, sondern auch vor allem wegen meiner Sorge um Rico. Ich hab eh meine Zweifel daran, dass er mich nicht durchschaut - zu gut sind einfach die Sinne unserer Hunde, als dass wir ihnen was vormachen könnten.

Aber wie bereits gesagt: Ich bin egal, wichtig ist jetzt nur Rico. Und wie ich ihm bereits am ersten Tag bei seiem Einzug versprochen habe und es ihm auch bei seiner Arthrose nochmal wiederholt habe, egal was passiert: Wir gehen jeden Weg gemeinsam!  so wie es echte Partner tun und wie es einem die Liebe befiehlt. Ich hoffe so sehr, dass wir das halbwegs in den Griff bekommen, zumal Rico ja ansonsten kerngesund ist - die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Wieder eine Änderung in meinem Leben, die ich Rico verdanke. War ich früher ein teils emotionsloser Realist, klammere ich mich jetzt dch an jede Hoffnung. Rico ist halt auch noch im fortgeschrittenen Alter und mit Schmerzen ein guter Lehrmeister. Längst habe ich noch nicht alle seine Lektionen gelernt, ich habe noch so viel von ihm zu lernen - und so tue ich etwas, was ich lange nicht mehr getan habe: ich bete darum, dass es ihm bald besser geht und wir noch einige schöne Momente haben in denen er mir noch so viel beibringen kann... Aber letzlich ist es seine Entscheidung. Und egal wie er sie trifft, ich werde sie mittragen und mitgehen bis zum Ende - wie alles in den vergangenen fast 11 Jahren gehen wir auch diesen Phase gemeinsam.



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Freitag, 9. September 2022

Doppeltes Jubiläum - ein volles Jahrzehnt!

Ein ganzes Jahrzehnt haben wir nun schon auf den Buckel. Denn vor genau zehn Jahren kamst du in mein Leben und ändertest ALLES. Nur ein Jahr später starteten wir unseren GASSIREPORT (daher auch das doppelte Jubiläum). Daher feier ich diese diesen Tag zusammen mit dir als unseren gemeinsamen "Geburtstag". Denn in gewisser Weise war es auch für mich eine Art "Neugeburt".

Seit 10 Jahren ein wuffastisches Team! 🐾🐾👍

 

Eine größten Änderungen die Rico bei mir auslöste, war sicher, dass ich meine Emotionalität nicht nur besser akzeptierte, sondern auch mehr auslebte und zeigte. Doch das war nur eine von vielen Lehren, die ich durch Rico erhielt. So zeigte er mir deutlich, dass das Sein mindestens so wichtig ist wie das Werden. Viel zusehr war mein Blick früher auf den Horizont gerichtet, so war ich weniger im Hier und Jetzt. Lebte zum teil mehr in der Zukunft als in der Gegenwart.

Sicher, es gab auch schwierige Zeiten. So schlug auch bei Corona bei uns ein - und nicht nur der Virus, sondern auch die wirtschaftlichen Konsequenzen. Und jetzt jüngst erst die Auswirkungen des Ukraine-Krieges... Aber egal, was war, Rico war immer an meiner Seite. Und zeigte mir, dass es Wichtigeres gab und das Leben immer schön ist.

Du warst vom ersten Augenblick ein Familienmitglied. Ja mehr noch, innerhalb kürzester Zeit, wurdest du zu eiem teil von mir - quasi ein Körperteil außerhalb meines Körpers. Du bist wie ein Sensor für mich. Das geht soweit, dass ich viel weniger von meiner Umwelt wahrnehme, wenn ich mal ohne dich unterwegs bin.

Viel haben wir in diesen zehn Jahren erlebt: tolle Abenteuer in anderen Gegenden, viele tolle Fellfreunde kennen gelernt und zahlreiche interessante Menschen getroffen (selbst die, die wir weniger "sympathisch" fanden, waren ja "interessant" - irgendwie 😉). Und nicht vergessen dürfen wir auch Leon, der nun seit vier Jahren unser Rudel bereichert - und uns nun zu einem richtigen kleinen Rudel machte. (Der Einfachheit halber feiern wir seinen Einzug auch an diesem Tag. So gesehen ist es sogar ein dreifaches Jubiläum.)

Am meiste freut mich, dass Rico noch so fit ist. Gerade bei seiner Größe ist Rico mit seinen zehn Jahren noch top fit. Die Tierärztin meint, das liegt sicher an der guten Pflege.Sicher, seit Kurzem gehst du minimal langsamer, vielen fällt es nicht mal auf, aber da ich dich so gut kenne merke ich es schon. Es ist ja normal, dass man im Alter etwas gemütlicher wird. Aber das ist bei dir so minimal, dass ich es meist als "energieeffizient" bezeichne. Deonnoch wird mir immer bewusster, dass wir nun wesentlich weniger Zeit vor uns als hinter uns haben. Jedes mal, wenn diese Gedanken kommen, zerreis´ßt es mir das Herz und die Tränen lassen sich nur schwer unterdrücken. Denn vor diesem Tag - dem tag des Abschieds - hatte ich seit unserer ersten Begegnung Angst. Und dadurch, dass du meine Emotionalität so gestärkt hast, spüre ich auch den Schmerz stärker. Doch dank deiner Lehre, mehr das Heute zu genießen als sich um das Morgen zu sorgen, kann ich damit dennoch umgehen. Zu Groß sind einfach die "Geschenke", die du mir jeden Tag machtest alleine durch deine Existenz an meiner Seite.

Und so hoffe ich auf noch möglichst viel Zeit mit dir - dabei ist es ganz egal, ob wir nun schnell oder langsam unsere Gassirunden gehen. Hauptsache ist für mich, dass du Rico bei mir bist. 

🐾 Auch ich freu mich auf unsere gemeinsame Zeit. Dabei denke ich weniger als Du an Gestern oder Morgen, sondern einfach an des Jetzt. Denn für mich ist das Wichtigste, dass du bei mir bist! *jawohlwoaff*

Auch im Alter musst du das letzte Wort haben. Schön zu sehen, dass sich nicht allles im Alter ändert... 😂

🐾 Du kennst doch nun die Regel schon seit 9 Jahren, dem Start unseres GASSIREPORTS: Mein Blog, mein letztes Wort. *frechwedel*


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Donnerstag, 23. Dezember 2021

Die Stimmung machts: In der Ruhe liegt die Kraft!

Immer wieder schaukeln sich Situationen hoch, weil Halter nicht gelassen reagieren. Ja, so manches Mal stacheln sie die Aufregung ihres Hundes sogar an – ohne es zu wissen. Dabei kann man die Stimmungsübertragung durchaus aktiv nutzen und damit dann so manche brenzlige Situation entschärfen.

Gedankenverloren, friedlich, entspannt schlendere ich so am Rhein entlang. Ein kurzer Blick zu meinem Döggelchen zeigt: mindestens genauso gechillt schlendert er neben mir – nur mit der Nase wesentlich aktiver als ich. Mit zufriedenem Grinsen denke ich so bei mir: Die Stimmungsübertragung klappt ja mal wieder prima.

Wer uns kennt, weiß, dass das Thema quasi seit den Anfängen unseres Blogs GASSIREPORT (http://gassireport.blogspot.com) mich beschäftigt. Immer wieder fasziniert mich, wie stark Hunde darauf reagieren. Aber genauso oft kann ich mich bei einigen Haltern nur wundern, wie sie diesen wichtigen Kommunikationskanal zu unseren Hunden kontraproduktiv nutzen. Und beinahe wie aufs Stichwort kommt uns eine Halterin entgegen, deren Hund schon von Weitem aufgeregt, ja geradezu hysterisch bellte. Auf diese Entfernung interessierte das Rico gar nicht, erst nach einer Weile gab mein kleiner Doggen-Wookiee mit gerunzelter Stirn ein kurzes Brummen von sich – so als wolle er sagen: So langsam nervt es.


Gemeinsam die Stimmung genießen...
Foto: Ruggero De Pellegrini

Leider fing die Halterin nicht weniger hysterisch an, ihren Hund anzukeifen. Was – ganz canilogisch – zur Folge hatte, dass ihr Hundchen nur noch mehr und aufgeregter bellte. Etwas zynisch dachte ich so bei mir: Bei denen klappt die Stimmungsübertragung auch …

Vielen ist es nicht einmal bewusst, wie kontraproduktiv das ist – selbst erfahrene Hundehalter wissen es oft nicht. Und dabei kennen sie fast alle den Satz des Kommunikationsgurus Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Das gilt auch für die Stimmungsübertragung. Sogar im besonderen Maße! Denn sie findet permanent statt.

Klar, jetzt könnte man natürlich sagen, dass die Stimmungsübertragung ja keine Einbahnstraße ist, sie in beide Richtungen funktioniert – also in diesem Fall vom Hund auf den Menschen. Das ist mir schon klar. Aber anders als unsere Hunde haben wir auch unseren Verstand und unsere Reaktionen sind nicht ganz so stark instinktgeleitet wie bei ihm (wobei ich durchaus schon Menschen erlebt habe, die eine schlechtere Impulskontrolle als so mancher Hund haben – Ausnahmen bestätigen eben auch hier mal wieder die Regel).

Es bringt also nichts, sich auch aufzuregen und so den Hund noch mehr aufzuschaukeln. Daher versuche ich, soweit es geht, mich auch mal den Stimmungen meines Hundes hinzugeben, ich genieße das geradezu. ABER: In solchen „brenzligen“ Situationen, da versuche ich ganz bewusst eher ein Gegenpol zu sein, ihm so auch einen „emotionalen Anker“ zu bieten. Das gilt sogar noch mehr, seitdem wir in einem Rudel leben. Hier ist das Ausgleichen sogar noch wichtiger und gleicht manchmal dem Jonglieren mit brennenden Fackeln. Schließlich sind sie alle individuell, haben ihren eigenen Charakter und unterschiedliche ­Eigenarten.

Augen sind ja die Spiegel der Seele - auch bei Hunden...

Aber wie kriegt man das hin? – werde ich oft gefragt. Ehrlich gesagt, war ich bei den ersten Fragen dieser Art zu den Anfängen unseres Blogs schon ein wenig irritiert: Schließlich erwarten Halter von ihren Hunden auch Impulskontrolle. Ist es da echt zu viel verlangt von Menschen – die immerhin ja auch sowas wie Zivilisation haben – wenn sie auch ein wenig Selbstbeherrschung aufbringen? Und es gibt ja viele Hilfsmittel: Die bekanntesten sind Autogenes Training, Autosuggestion, Yoga, Imaginations- und/oder Atemtechniken etc.

So atme ich beispielsweise bewusst langsam und entspannt, stelle mir dazu beruhigende Bilder im Kopf vor, wenn mein Döggelchen sich aufregt. Ich selber komme also gut mit Imaginations- und Atemtechniken klar, da ich damit schon seit meiner Kindheit Erfahrungen auch aus dem Kampfsport gemacht habe. Aber jeder sollte selber herausfinden, was ihm am besten liegt. Eines ist jedoch wichtig – wie so oft im Umgang mit unseren Hunden: das Timing. Ihr müsst quasi sofort das abrufen können – quasi den Schalter auf Instant-Chill-Modus stellen. So sehr ich auch Tai-Chi mag, aber in so einer Situation hilft es nicht viel, erst ein paar langsame Formen auszuführen – außer natürlich, dass Ihr sie dadurch humorvoll entkrampft. Wobei Lachen natürlich der beste Instant-Entkrampfer ist, aber das könnte wiederum zu kommunikationstechnischen Missverständnissen mit dem anderen Halter führen...

Denkt immer daran: Dank der Spiegelnueronen süren Hunde die Stimmung ihrer Halter!


Ein schöner Nebeneffekt dabei ist, dass solche Techniken der Stimmungskontrolle einem auch bei der ein oder anderen verbalen Auseinandersetzung mit Haltern helfen, die eventuell ein gewisses Logik- oder Wissensdefizit haben. Zumal die eh meist ein eher hysterisches Gebaren an den Tag legen, wie anfangs geschildert. Sind halt eher Opfer der Stimmung, als dass sie sie selber beeinflussen.

Übrigens: So kann man auch mit seinem Hund Weihnachten feiern, ihm die Festtagsstimmung „rüberbringen“, auch ohne dass unsere Hunde was mit Religion und somit der Geburt des Christkindes am Ohr haben. Es ist ja bekanntlich das Fest des Friedens und der Liebe. Lasst genau das Eure Hunde spüren und so teilhaben an diesem Fest. Und natürlich auch an all den schönen, leckeren Überresten des Festtagsessens. In diesem Sinne: Peace and Love with and without Paws!


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 12/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Hunde sorgen für Stimmung!


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Dienstag, 30. November 2021

Auch Hunde brauchen Vertrauen!

Gehorsam, Bindung, Sozialisation mit dem Menschen, der Umwelt, anderen Artgenossen – all das und noch viel mehr ist immer wieder Inhalt von Kursen im Hundetraining und Diskussionsthema in den Sozialen Medien. Doch – für mich erstaunlich – kommt ein Wort dabei selten vor: Vertrauen. Dabei ist es doch eine der Grundlagen einer jeden guten Beziehung.

Vertrauen ist die Basis einer jeden guten Beziehung!
Foto: Lutz Borger

Von Weitem beobachte ich die Szenerie: Auf der ausgewiesenen Freilauffläche läuft eine Dame mit ihrem Hund, offensichtlich ein Labrador. Der Hund nimmt Anlauf, wahrscheinlich will er über den Baum springen, doch Frauchen ruft ihn zurück. Dann möchte er ins Wasser, was ja gerade bei Labradoren nicht wirklich verwundert, aber Frauchen ruft ihn zurück. Er schnappt sich ein Stöckchen, doch Frauchen ruft ihn auch hier zurück.

Nun, die Liste ließe sich noch um drei bis vier Beispiele verlängern. Aber viel interessanter war ihre Reaktion, als sie uns erblickte. Mittlerweile hatte ich mit ihrer ersten Reaktion schon gerechnet: Sie rief ihren Hund, der schon auf uns zulief, wieder zurück. Auch dass sie ihn an die Leine nahm, wunderte mich nach den Beobachtungen nicht. Eventuell war der Hund ja krank oder hatte eine Vorgeschichte, weswegen sie den Kontakt auf der Freilauffläche meiden wollte. Aber dass sie ihn dann auch noch ganz kurz nahm, wo doch genügend Platz war, um uns im weiten Bogen auszuweichen, DAS machte mich dann doch etwas stutzig. Daher fragte ich nach: „Verzeihen Sie meine Neugierde, aber warum nehmen Sie ihren Hund so an die kurze Leine? Immerhin ist doch genügend Platz auf dieser großen Freilauffläche, wo wir uns beide im großen Bogen aus dem Weg gehen könnten.“

Ihre Antwort ließ mich noch lange Zeit darüber grübeln: „Ich vertraue nicht darauf, dass die Situation so entspannt bleibt, wie es jetzt wirkt.“ Okay, das hat man zu akzeptieren, und schließlich gab es ja noch genug andere frei laufende Hunde, mit denen mein Döggelchen ausgelastet spielen konnte. Dennoch ging mir ihr Satz nicht mehr aus dem Kopf. Hatte sie kein Vertrauen zu ihrem Hund? Alle Indizien sprachen dafür. Aber wenn sie ihrem Hund nicht vertraut, wie stand es dann um das Vertrauen ihres Hundes in sie?

Ich erinnerte mich an eine lustige Begebenheit, in der ich das Wort Vertrauen zu meinem Döggelchen sagte, ohne dass es mir so bewusst war, wie in der jetzigen Situation: Es ging um ein Kindergitter, welches nur angelehnt war. Doch mein Doggen-Wookie traute sich nicht, es von sich aus zu öffnen. Hilfe suchend schaute er mich an, mit einer kleinen Spur der Verzweiflung, da er ja zu mir wollte. Doch das nur angelehnte Gitter trennte uns. Also sprach ich Rico an: „Na los, mein Kleiner, das schaffst du schon. Ich hab‘ da vollstes Vertrauen zu dir!“ Erst jetzt wurde mir die Bedeutungstragweite meiner Worte voll bewusst.

Im Wort Vertrauen schwingt ja auch die Bedeutung Zutrauen mit. Ganz besonders bemerke ich es bei unserem Mantrail-Training. Denn dabei muss ich die Führung abgeben an mein Döggelchen Rico. Ich vertraue ihm da (was ja eigentlich auch logisch ist, angesichts meiner Riecher-Inkompetenz im Vergleich zum Nasentalent unserer Hunde). Er läuft vorne weg, erkennt die Spur und weiß so den Weg – weit besser als ich es jemals könnte. Und auch wenn er in dem Augenblick die Führung hat, so hat er bisher nie Anstalten gemacht, die Weltherrschaft anzustreben.

Ähnlich sagte mir auch die Mantrail-Ausbilderin Kerstin Hennings vom SHZ Suchhundezentrum, die Rettungsstaffeln aus- und weiterbildet: „Wenn Hund und Halter eine gute Verbindung haben, sich beide sehr gut kennen, dann kann man sich aufeinander einlassen. Nur so kann auch gegenseitiges Vertrauen entstehen.“

Beim Mantrailing braucht es gegenseitiges Vertrauen...

Sicher sollte man immer auf seinen Hund achten. Wir werden ja auch nicht müde, das immer wieder in unseren Artikeln oder in unserem Blog zu erwähnen. Aber damit man sich keinen unsicheren Hund heranzieht, er auch hündisches Selbstvertrauen entwickelt, muss man ihm Vertrauen als Halter schenken.
Aber wie bekommt man Vertrauen?
Wie entsteht es? Werden jetzt sicher ­einige fragen. Nun, das kann man nicht „trainieren“ – wahrscheinlich ist das einer der Hauptgründe, warum es in zahlreichen Hundeschulen auch kein Thema ist: es lässt sich damit kaum Geld verdienen. Denn Vertrauen muss man sich verdienen – und das ist oft schwieriger als eben Geld zu verdienen. Am ehesten klappt das mit vielen ­gemeinsamen Erlebnissen. Dabei lernen beide – Hund und Halter – sich gegenseitig besser kennen und sich so auch einzuschätzen. Das gemeinsame ­Meistern der unterschiedlichsten Situationen lässt dann auch das Vertrauen wachsen. Denn Hund merkt dabei schnell: Egal was passiert, wenn ­Frauchen oder Herrchen dabei sind, dann kann mir nichts passieren – denn er passt auf mich auf.

Und so betrachte ich mein Döggelchen, zugegeben mit einer gewissen stolzen Zufriedenheit, wie er sich mittlerweile im Freilauf um mehr als 30 Meter von mir entfernt (anfangs traute er sich nicht mal mehr als fünf Meter zu), völlig selbstsicher auch das Unterholz im Wald durchschnüffelt, völlig gechillt auch die Straßenbahn besteigt und durchs Kaufhaus dackelt (die Gerüche dort interessieren ihn eh meist mehr als die vielen Menschen). Das lasse ich zu, weil das „Zusammenspiel“ klappt, die Regeln und Grenzen bekannt sind, ich ihn kenne und er mich, wir uns eben vertrauen.

Mein kleiner Doggen-Wookiee Rico machte ja die vielen Erfahrungen ­gemeinsam mit mir und vertraut mir daher. Denn zu jeder guten Beziehung gehört auch Vertrauen – und zwar ­gegenseitiges!

Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 11/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Vertrauen ist die Basis einer jeden guten Beziehung!


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Donnerstag, 21. Oktober 2021

Gegen Wissensdiskriminierung in der Hundeszene

Über die Jahre erlebte ich immer häufiger, wie Wissen und Informationen in der Hundeszene verstärkt diskriminiert wurden. Dadurch besteht nicht nur die Gefahr, dass Uninformiertheit immer mehr um sich greift und dies das Geschäft der Scharlatane erleichtert. Nein, es beeinflusst auch unsere Persönlichkeit und hat somit unmittelbare Auswirkungen auf unsere Hunde. Dabei können wir von ihnen auch in solchen Situationen wieder mal so viel lernen.

Da draußen gibt es so viel zu entdecken...

„Ach, das ist doch nur Theorie!“, sagt der Hundetrainer in einem Tonfall, der ganz offensichtlich seine ganze Verachtung zum Ausdruck bringen sollte. Schon alleine der Ausspruch verwunderte mich – vom Tonfall ganz zu schweigen. Glaubte er denn ernstlich, dass Theorie und Praxis unabhängig voneinander existieren könnten? Oder dass Eines der Beiden – in seinem Fall klar die Theorie – verzichtbar wäre? Schon seltsam, nach meinem Verständnis sind es zwei Seiten einer Medaille, die sich gegenseitig bedingen und befruchten. Aber okay, offensichtlich haben da einige Menschen ein einfacher strukturiertes Weltbild – so dachte ich anfangs. Aber über die Jahre bemerkte ich, dass diese Diskriminierung von Wissen in der Hundeszene immer mehr zunimmt.

So wollte uns doch eine Hundetrainerin, mit der wir intensiv über den § 11 des Tierschutzgesetzes und der Erlaubnispflicht zum Betreiben von Hundeschulen sprachen, tatsächlich weismachen, dass Hundetrainer ja „viel besser Bescheid wüssten über Hunde, ihre Körpersprache und ihr Verhalten“ als Tierärzte. Ihr Argument dabei: „Die machen zum Hundeverhalten ja nur einen Kurs und das war‘s.“ Ganz davon abgesehen, dass so ein Pauschalurteil, das sowohl ALLE Hundetrainer als auch ALLE Tierärzte betrifft, mit Vorsicht zu genießen ist, aber vielleicht meinte sie es ja als „Mehrheitsaussage“, die auch auf Erfahrung und Wissen basiert. Also fühlte ich ihr auf den Zahn und fragte nach…

Ich will es nicht zu spannend machen und mit Details nerven, daher: Recht schnell war klar, dass sie über den Studieninhalt von Tiermedizinern keine Ahnung hatte (z.B. hatte sie noch nie in ein Studienverzeichnis geschaut, von der Studienordnung für Veterinärmedizin ganz zu schweigen); unnötig zu sagen, dass sie den Inhalt des Kurses auch nicht kannte. Dieses Unwissen schien sie aber nicht zu stören bei ihrer Meinungsbildung darüber: „Das ist doch eh alles nur Theorie!“ Da war er wieder, der Satz mit so viel Abfälligkeit in der Stimme, dass man sie hätte in Scheiben schneiden können. Auf zwei Fragen von mir wusste sie aber keine Antwort: 1) Woher kommt denn dein heutiges Praxiswissen, wenn nicht von einer vorausgegangenen Theorie? 2) Wenn das alles so ist, wie du sagst, warum sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser in den verschiedensten Städten nicht voll von Tierärzten, die wegen ihres fehlenden Wissens ständig ja von Hunden gebissen werden müssten? Schließlich tun sie ihnen ja auch mal unangenehme Sachen an, wie Spritzen etc. Ihr darauf folgendes Schweigen war für mich schon fast ein Turbinen-lautes Eingeständnis ihrer Unlogik.

So viel Wissen auf der Welt, was erschnüffelt werden will...

Versteht mich nicht falsch, Tierärzte haben die Hunde-Weisheit auch nicht mit Löffeln gegessen, ebenso wenig wie Hundetrainer; und klar, ich kenne keinen Tierarzt, der nicht mal gebissen oder gekratzt wurde, ebenso wenig aber auch Hundetrainer. Das gehört halt zum Berufsrisiko. Aber woher kommt dieses Relativieren oder sogar Diskriminieren von Wissen? Übrigens, nicht nur von Hundetrainern, sondern nach meiner Beobachtung auch immer mehr von Haltern. Psychologisch die einfachste, und daher auch die wahrscheinlichste, Erklärung ist, dass diese Leute, die selber in den meisten Fällen keine höhere Bildung genossen haben, ihre eigenen Unterlegenheitsgefühle damit kompensieren wollen, indem sie Wissen bzw. Bildung schlecht machen. Selbstsicherheit sieht irgendwie anders aus…

Und dabei ist ein selbstsicherer und souveräner Halter extrem wichtig für seinen Hundepartner! (Viel wichtiger im Übrigen als ein gebildeter.) In dem ein oder anderen Fall mag es auch andere Motive dafür geben. In der Konsequenz aber nicht: Denn so ein nicht-offener Blickwinkel ist sehr verengt, er verhindert quasi die Aufnahme von Wissen und blockiert damit eine wichtige Inspirationsquelle. Außerdem: eine offene Persönlichkeit ist sowohl nach Erfahrung, als auch nach Studien besonders förderlich für eine gesunde Hund-Mensch-Beziehung.

Ein Vorbild ist da für mich – mal wieder – mein Hund Rico und mittlerweile auch die beiden Damen des Rudels, Djury und Smilla. Sie nehmen ja auch Informationen erst mal ganz unvoreingenommen auf (also die für Hunde relevanten, wie z.B. Gerüche etc.) und urteilen erst danach.

Ihr 2-Beiner sucht euch die Infos viel zu oft nach eurem Gefühl aus, anstatt euren Verstand zu nutzen...

Besonders ausgeprägt ist diese Diskriminierung von Wissen in den sozialen Netzwerken – wobei manchmal asozial besser passen würde. Schnell eskaliert das in Facebook & Co. zu unfruchtbaren – und in den meisten Fällen auch unnötigen – virtuellen Verbalprügeleien. Statt sich auf der Sachebene damit auseinander zu setzen, wird es schnell auf der zwar emotionalen, aber dafür meist auch unsachlichen Beziehungsebene ausgefochten. Statt sich gegenseitig mit Argumenten zu bereichern und zu inspirieren, wird lieber sozial geächtet und sogar ausgegrenzt. Ja manchmal werden ganze Armeen von Freunden und auch Fake-­Profilen zum Shitstorm aktiviert. Wir haben das nicht nur beobachtet, sondern sowas auch mit unserem Blog (GASSIREPORT http://gassireport.blogspot.com) am eigenen virtuellen Leib miterlebt …

Wobei Shitstorms noch eine vergleichsweise relativ harmlose Art ist, jemanden mundtot zu kriegen. Schließlich gehen die, wie jeder Sturm, auch mal vorbei – selbst die im (virtuellen) Wasserglas. Doch nicht selten artet es aus in Stalking, Diskreditierung und Verleumdungen etc. Jedes Mittel scheint diesen Leuten recht und billig zu sein, um jemand anderen, wenn nicht zum Schweigen so doch zumindest in Misskredit zu bringen. Nicht immer aus einem Unterlegenheitsgefühl heraus, manchmal auch einfach aus Geltungs- und Machtgelüsten. Oder einfach um einen unliebsamen Konkurrenten oder Kritiker nieder zu machen.

Wie würde wohl mein Döggelchen Rico mit solchen Charakteren verfahren? Ich kann es nur vermuten, aber so wie ich ihn kenne (er hat bisher ein sehr gutes Näschen für Scharlatane und Blender bewiesen), würde er sie ziemlich schnell schon auf die Entfernung verbellen, damit er möglichst rasch seine Ruhe hat um sich auf Wesentlicheres zu konzentrieren. Sind schon tolle Lehrmeister ­unsere Hunde, denn so ähnlich handhabe ich das auch.

Also mal einfach ein Buch nehmen oder eine Zeitschrift lesen und das Web durchsuchen, sich eben aus möglichst vielen unterschiedlichen Quellen informieren (wobei Facebook jetzt keine wirklich verlässliche Quelle darstellt). Ihr werdet sehen, so Wissen anzusammeln kann sehr befriedigend sein und Freude machen, wenn es um so ein Herzensthema wie Hunde geht und ihr eure Fellfreunde dann besser versteht (ist also nicht so schlimm wie das „Lernen“ in der Schule damals). Zumal Unwissenheit es jedem Scharlatan und Blender einfach macht. Denn wie heißt es so schön: Bildung hat noch niemandem geschadet. Der Mangel daran hat aber schon so manchen Schaden angerichtet …


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 10/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Mit Hunden hört das Lernen nie auf


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Sonntag, 12. September 2021

„Helikopter-Halter“ … verhindern eine gesunde und soziale Entwicklung ihrer Hunde

Ähnlich wie die schon länger bekannten Helikopter-Mütter, so verwehren die Heli-Halter ihren Hunden, eigene Erfahrungen zu machen. Auch wenn es gut gemeint ist, die logische Konsequenz dieser geistigen Kasteiung: Unerfahrene und daher auch unsichere Hunde, für die jede Hundebegegnung zum Stressfall wird und das Gassigehen schon Angst einflößt.

Entspannt laufen wir auf den Düsseldorfer Rheinwiesen. Da kommt uns eine Dame mit Hund entgegen. Nichts Ungewöhnliches hier, denn es herrscht unterhalb des Deiches kein Leinenzwang, daher ist es auch weit über die Grenzen der Stadt als Gassigebiet beliebt. Daher wunderte ich mich auch nicht, dass ihr Hund nicht angeleint war. Mein Döggelchen Rico war es ja auch nicht. Doch dann schrie sie plötzlich wild auf. Wegen der Entfernung verstand ich ihr hysterisches Gekreische zunächst nicht. Als ich näher kam, lief Rico bereits auf ihren Hund zu, der sich sichtlich freute, einen Spielgefährten zu treffen. Jetzt verstand ich auch endlich ihre Worte, die sie in einer Tonlage schrie, die in etwa so angenehm war wie das Kratzen einer Gabel auf dem Teller: „Rufen Sie gefälligst Ihren Hund zurück!“ Etwas verwundert, befanden wir uns doch in einer ausgewiesenen Freilauffläche, fragte ich nach dem Warum. Ihre Antwort: „Ich möchte nicht, dass mein Hund mit anderen Hunden Kontakt hat. Das ist mir zu gefährlich.“

Hunde wollen und brauchen den Kontakt zu Artgenossen
Foto: Lutz Borger

War das wieder einer dieser „Helikopter-Halter“, die ihrem Hund jeglichen Kontakt mit Artgenossen verwehren und ihm nicht erlauben eigene Erfahrungen zu machen? Aber vielleicht war der Hund ja auch alt oder krank … Daher sagte ich ihr, dass sie sich hier auf einer Freilauffläche befände, es daher nur logisch und somit vorhersehbar wäre, dass sie hier anderen frei laufenden Hunden begegnen würde. Aber Logik schien nicht so ihr Hobby zu sein. „Ja, ich weiß und das nervt mich auch. Also nehmen Sie Ihren Hund gefälligst jetzt an die Leine!“ Der Befehlston weckte jetzt nicht gerade meine „freundlich-kooperative“ Ader, zumal die Dame wohl zu der Sorte ­gehörte, die dachte, dass die Welt sich um sie dreht. Daher antwortete ich: „Gute Frau, auch wenn Logik nicht so Ihr Hobby ist, wenn Sie keine Hundebegegnungen wollen, sollten Sie gefälligst nicht auf eine Freilauffläche kommen und anderen mit Ihrem Ultraschall-Gekreische das Trommelfell perforieren.“

Während die Dame noch um Luft und Worte rang, schlenderten das Döggelchen Rico und ich weiter (den ich nun zu mir gerufen hatte, auch wenn mir der in freudiger Erwartung hüpfende und jaulende Hund der Frau leid tat). Solche und ähnliche Begegnungen häufen sich in letzter Zeit. Offenbar werden es immer mehr dieser Helikopter-Halter. Okay, ihre Motivation ist häufig gut gemeint: Sie wollen möglichen Schaden von ihren Hunden abwenden. Kann ich sogar ­nachvollziehen, schließlich mache ich mir um meinen kleinen Doggen-Wookiee ja auch schon Sorgen, wenn er nur einmal zu viel hustet. Aber nur weil etwas gut gemeint ist, muss es nicht auch gut und richtig sein – das ist zwar eine Binsenweisheit, aber offenbar eine, die viele Hundehalter dieser Sorte nicht kennen. Schließlich nimmt man dem Hund damit die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln und daran auch zu wachsen. Ja, mehr noch, im Extremfall verhindert es die Sozialisation mit seinen ­Artgenossen.

Spielen mit einem Hundekumpel macht ja so viel Spaß
Foto: Brigitte Klemke


Offenbar haben die nie was von den so genannten Kaspar-Hauser-Versuchen gehört – dabei kann man es einfach in Wikipedia nachlesen. Die gab es nicht nur bei Tieren, sondern auch bei Menschen. Ziel war es, angeborene Verhaltensweisen zu erkennen – also diejenigen, die genetisch verankert waren. Bei Tieren besonders umstritten waren dabei die Versuche an Rhesusäffchen. Die Konsequenzen dieser Deprivation (vom lateinischen deprivare=berauben – auch diesen Begriff kann man in Wikipedia nachlesen) kann man sich lebhaft vorstellen. Bei Menschenkindern führte das – gelinde gesagt – zu Verhaltensauffälligkeiten – oder auf den Punkt gebracht: zu geistigen Störungen.


Bereits im Altertum berichtete Herodot von Experimenten an Kindern. Es war der Pharao Psammettich I., der die Ursprache der Menschen erfahren wollte. Er gab einem Hirten zwei neugeborene Kinder und befahl, diese so aufzuziehen, dass sie niemals ein gesprochenes Wort vernehmen sollten. Er wollte auf diese Weise herausfinden, in welcher Sprache die Kinder zuerst ein Wort sagen würden. Die Geschichtswissenschaft verortet diese Geschichte ins Reich der Mythen, aber sie zeigt auch, dass es solche Experimente gegeben haben muss (wenn auch wahrscheinlich nicht vom besagten Pharao). Im 13. Jahrhundert war es dann Kaiser Friedrich II., der die Ursprache mit ähnlichen Versuchen finden wollte. Deshalb ließ er einige neugeborene Kinder ihren Müttern wegnehmen und an Pflegerinnen und Ammen übergeben. Sie sollten den Kindern Milch geben, dass sie an den Brüsten saugen könnten, sie baden und waschen, aber keinesfalls mit ihnen kosen und zu ihnen sprechen. Das Ergebnis: Die Kinder starben.

So mancher gluckenhafte Helikopter-Halter gehört auf die psychologische Couch... 😉😂


Okay, sicher, jeder Vergleich mit Menschen hinkt natürlich. Aber beide, Mensch und Hund, sind soziale Wesen. Nimmt man ihnen das, so läuft einiges in deren Entwicklung falsch. Nicht zuletzt deswegen waren die Experimente von Harry Harlow an jungen Rhesusaffen stark umstritten. Denn soziale Wesen brauchen sozialen Kontakt und Zuwendung. Ohne das verkümmern sie. Also liebe Heli-Halter, denkt mal darüber nach, bevor ihr euren Hund quasi geistig kastriert. Auf jeden Fall beschneidet ihr seine Lebenstauglichkeit!


Und es heißt ja nicht umsonst, dass Hunde, die viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht und viele unterschiedliche Artgenossen kennen gelernt haben, die entspannteren Fellfreunde sind. Ist ja auch irgendwie logisch: Denn je mehr wir erfahren und lernen, umso weniger können neue Situationen Angst machen und umso selbstsicherer reagieren soziale Wesen wie unsere Hunde darauf.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 09/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Aus Angst verbieten Helikopter-Halter ihren Hunden den Kontakt zu anderen, doch Angst ist ein schlechter Ratgeber


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Donnerstag, 9. September 2021

Doppeltes Jubiläum: Eine neue Hunde-Phase beginnt

Vor 9 Jahren trafen wir aufeinander - nur 1 Jahr später startete unsere GASSIREPORT (daher auch doppeltes Jubiläum). Vom ersten bewussten Augenblick hat Rico mein Leben verändert. Sogleich weckte er in mir Facetten, die ich nur noch als leise Erinnerung in mir trug. Die Welle an Gefühlen und Erinnerungen war bei unserem ersten Zusammentreffen so groß, so gewaltig, fast wie ein emotionaler Tsunami, dass mir Tränen aus den Augen kullerten (zum Glück trug ich eine Sonnenbrille). Ich wusste, nein spürte es sogar: Du bist was Besonderes!

Viel haben wir zusammen erlebt. Du lerntest die pulsierende Stadt und das platte Land kennen; warst am Meer, im Moor, auf Messen; hast die unterschiedlichsten Hunde beschnüffelt usw. Doch bei allem was ich dir zeigte und dir beibrachte, irgendwie hab ich jedes Mal mehr gelernt als du. So gesehen, bist du sogar mehr mein Lehrer als ich für dich.

Seit nun 9 Jahren ein Team! 🐾🐾👍

Damals gab ich dir ein Versprechen: Ein Leben für ein Leben! Ich zeige dir meine Welt, dafür du mir deine.
Ich opferte mein bis dahin geführtes Leben, damit ich es mit deinem teilen kann. Kündigte sogar meinen Job. Ob ich es bereue? Nein, niemals, auch wenn es manchmal schwierige Zeiten waren, sowohl beruflich, als auch privat - aber was ich durch Rico erlebte und lernte wiegt alles auf.

Der graue Rico

Mittlerweile sind wir so zusammengewachsen, dass jeder den anderen spürt, als wäre er ein Körperteil. Schlafe ich tief und fest, bekomme ich nichts mit, doch er schafft es nur mit einem Blick mich zu wecken. Rico ist sowas wie ein anaimalischer Bruder für mich. Grau ist er geworden, so langsam zeigt sich auch das Alter. Alles geht nun etwas langsamer, lange Tagesmärsche sind nicht mehr so sein Ding - und ein wenig kauzig wird er auch lagsam. Dank Ricos charmanten Art ist diese Kauzigkeit aber noch recht amüsant... Zumal die sich meist eh in deinem Umgang mit Leon zeigt.

Apropos Leon: Er kam zwar nicht im September zu uns, dennoch feiert er mit. Denn so anders er auch ist, dennoch ist er eine große Bereicherung für unser Rudel. Immer wieder schaue ich zu, wie Rico mit ihm umgeht und wie er ihn auch mal zurechtweis - zugegeben: nicht ohne einen gewissen Stolz. Nein, nicht auf mich, sondern auf Rico. Ohne ihn, hätte ich den kleinen Wirbelwind, den Molosser auf Speed und Dreifach-Dickschädel mit Ambitionen zur Abrissbirne nicht so gut hinbekommen (obwohl wir noch zahlreiche Baustellen haben!).

Leon ist längst Teil des Rudels...

Mir ist durchaus klar, dass wir nun weniger gemeinsame Jahre vor uns haben, als wir zurück blicken. Doch daran denke ich noch nicht. Lieber konzentriere ich mich auf dich, genieße jeden Tag mit dir und lerne immernoch Neues. Und so feier ich mit dir unser doppeltes Jubiläum und freue mich auf diese neue Phase mit dir, mein alter Bruder Rico.


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Mittwoch, 25. August 2021

Erkenntnisgewinn durch Perspektivwechsel

Im Gespräch mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen


WUFF Gassireporter Maximilian Pisacane traf sich mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen zum Gespräch. Es geht um ein mehrperspektivisches Hundeerziehungs-Buch, in dem Trainer, Halter aber auch der Hund zu Wort kommen. Hundeerziehung aus Hundesicht? Spannend.

Als uns der Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen im vergangenen Jahr von seinem Projekt erzählte, waren wir schon schnüffelgespannt: Ein mehrperspektivisches Hundeerziehungs-Buch, in dem Trainer, Halter aber auch der Hund zu Wort kommen sollen. Klar fand ich das interessant, schreiben wir doch in unserem Blog auch oft aus der Hundeperspektive, um dem Leser so auf humorvolle Weise das Sich-Hineinversetzen näher zu bringen. Als das Buch „Wenn Hunde sprechen könnten und Menschen richtig zuhören“ nun vor Kurzem erschien, trafen wir Dirk auf dem Gelände seiner Hundeschule „animalstar“ zu einem netten Plausch. Ein bekanntes Filmprojekt, bei dem Dirk mitgewirkt hat, war beispielsweise der Hollywood-Streifen „Walküre“ mit Tom Cruise, aber auch im TV arbeitet er mit, wie beispielsweise bei diversen „Tatort“-Serien (Köln, Münster, Dortmund, Frankfurt a.M.) oder bei den Sendungen „Ladykracher“, „Knallerfrauen“, „switch reloaded“ etc. Zu seinen Kunden zählen unter anderem auch Faber-Castell, Henkel, Bosch oder Mercedes.

Sich in den anderen hineinversetzen - DAS ist die hohe Kunst des Verstehens.
Foto: Lutz Borger

Im Gespräch mit Dirk Lenzen


Pisacane: Da ich ja selber in unserem Blog auch mal satirisch aus Hundeperspektive schreibe, interessiert mich brennend: Wie hattest du die Idee zu dem Buch? Vor allem – es aus drei Perspektiven (Hundetrainer, Halter und Hund) zu verfassen?

Lenzen: Mein Co-Autor, ein früherer Kunde, und ich hatten die Idee gemeinsam. Eigentlich haben wir über viele Projekte nachgedacht, aber wir entschieden uns für dieses Buch, da wir fanden, dass es am Verständnis für den Hund mangelt. Und bei meinen Workshops erkläre ich auch immer schon aus der Sicht des Hundes. Da bot sich das geradezu an. Zumal es so ein Buch in der Form noch nicht gab. Zwar gibt es durchaus Bücher, wo Hunde auch zu Wort kommen, aber eben nicht im Bereich Hundeerziehung. Und durch das Buch und die Recherche dazu haben wir noch mehr Material und Ideen gesammelt – mal sehen, was wir daraus als Nächstes entwickeln.

Dirk Lenzen mit Rico

Pisacane:
Hunde sind Makrosmatiker, wir Menschen orientieren uns eher optisch. Inwiefern können wir uns überhaupt bei so einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Umwelt in Hunde hineinversetzen? Stoßen wir da nicht auch an physische Grenzen?

Lenzen: Natürlich, ja, es gibt da keine 100 Prozent. Dennoch finde ich, ähnlich wie du es ja auch in deinem Blog öfter schreibst, dass man es dennoch versuchen sollte, sich in den Hund hineinzuversetzen. Es geht eben nicht nur darum, dass der Hund auf einen achtet, sich an seinem Halter orientiert, sondern eben auch, dass wir Menschen mehr auf unsere Hunde achten. Er darf dabei nicht zu kurz kommen!

Pisacane: Durch gegenseitiges Verstehen kommt auch Verständnis. Und für das gegenseitige Verständnis bedarf es aber Wissen, ähnlich wie bei den Vokabeln einer Fremdsprache, als auch Empathie. Ersteres können Hundetrainer und Bücher vermitteln, aber bei Zweiterem können die Meisten nicht weiterhelfen, oder?

Lenzen: Bücher vermitteln die allgemeinen Situationen, aber man muss das bei Hunden natürlich individuell sehen. Denn jeder Hund ist anders. Man sollte Bücher lesen, um sich zu informieren, aber immer auch die eigene individuelle Situation im Auge behalten und das Gelesene transferieren. Hier setzt der Hundetrainer ein.
Dafür habe ich auch die Workshops mit Lesung entwickelt. Einige Kapitel, die sich dafür eignen, werden so auch in der Praxis geübt. Der Halter bekommt durch die Übung nicht nur eine andere Perspektive aufgezeigt, sondern durch das Training und das größere Verständnis für seinen Hund meist auch mehr Selbstsicherheit und Vertrauen in seinen Hund. Ich kann natürlich jemandem auch nicht Empathie vermitteln, wenn er Null davon hat, aber man kann den ein oder anderen anstupsen und auf neue Gedankengänge bringen, die die Empathie dann wecken.



Pisacane: Du beschreibst in deinem Buch fünf Halter-Typen. Müssten vollständigkeitshalber nicht auch ein paar „Hunde-Typen“ aufgelistet werden?

Lenzen: Ja, da hast du Recht. Aber eigentlich habe ich ja indirekt mehrere beschrieben, bei jedem Fall-Beispiel beschreibe ich auch verschiedene Hundetypen, benenne sie nur nicht. Ich wollte so beim Leser den Effekt erreichen, dass der sich denkt: „typisch meiner!“, ohne dem direkt einen Stempel aufzudrücken.

Pisacane: Was sind denn die häufigsten Fehler in der Hundeerziehung?

Lenzen: Ganz einfach: Dinge zu persönlich nehmen, vor allem wenn wir dadurch in peinliche Situationen geraten, ob zu Hause oder auf der Straße oder in Wald und Wiese. Am häufigsten sind Fehlinterpretationen, wie beispielsweise: „Das hat er absichtlich gemacht! Um mich zu ärgern …“ Nicht selten habe ich dabei beobachtet, dass der Hund das ganz und gar nicht macht, um seinen Halter zu ärgern, sondern einfach nur, weil er einen, wenn auch kurzfristigen Vorteil für sich sieht.

Gerade bei Fehlinterpretationen spielen viele Faktoren eine Rolle: Nehmen wir nur mal das rassebedingte Aussehen, beispielsweise eine Dogge und ein Malinois, die nebeneinander sitzen – beide wirken völlig unterschiedlich: Der Malinois eher aufgeweckt, die Dogge eher gemütlich. Aber schaut man sich deren Körpersprache an und lässt sich nicht von deren rassetypischem Aussehen zu Fehlinterpretationen verleiten, dann kann in dem Moment die Dogge sehr aufgeweckt sein und der Malinois eben gerade schlapp oder abgelenkt.

Oder nehmen wir doch nur die ganzen Sympathieträger mit hellem Fall oder dem niedlichen Fleck an einem Auge – die werden viel öfter positiv interpretiert als beispielsweise schwarze oder gestromte Hunde. Wie heißt es doch so schön bei uns Menschen: Kleider machen Leute – und Fell ist eben auch nur eine Form von „Kleid“.

Viele erziehen auch den ganzen Tag an ihrem Hund rum, aber leider bleibt das Grenzen-setzen dabei oft auf der Strecke. Klar kann das auch bei dem ein oder anderen Hund gut gehen, aber das funktioniert meist nur bei sehr unterwürfigen und futterorientierten Hunden.

Pisacane: Ich habe den Eindruck, dass einer der häufigsten Fehler bereits bei der Anschaffung begangen wird: Viel zu selten scheinen sich die Leute zu fragen, ob der Hund zu ihnen passt – beispielsweise was Rasse (oder seine Mischung), Geschlecht, Größe etc. angeht. Wie ist deine Erfahrung dazu? Und wie kann man deiner Meinung nach entgegenwirken?

Lenzen: Ja, stimmt, hast Recht. Es gibt viel zu wenige Menschen, die eine Beratung VORHER buchen, gerade auch Erst-Hundehalter. So fällt das Kind meist schon in den Brunnen, bevor sie sich Hilfe suchen. Wie man dagegenwirken kann? Gute Frage … Wenn ich da was wüsste, würde ich es anbieten. (lacht) So bleibt nur die mühselige Aufklärung, wie ich mit meinem Buch oder durch Magazine wie die WUFF oder Du mit Deinem Blog. Und so die Leute zum kritischen Nachdenken zu animieren.

Pisacane: Du beschreibst auch 20 Alltagssituationen, die wohl jeder Halter mehr oder weniger kennt – ebenfalls aus verschiedenen Perspektiven – und gibst dazu dann Lösungstipps. Nun sind Hunde ja Individuen und nicht dumm; zuweilen finden sie recht originelle „Lösungswege“. Ein Beispiel: Dem kleinen Doggen-Wookiee Rico konnte ich erfolgreich das Kotfressen abgewöhnen – zumindest solange ich aufpasse. Erwische ich ihn doch mal bei der Absicht zuzubeißen, weil er denkt, ich wäre abgelenkt, reagiert er auf das Pfui zunächst, indem er aufschaut und sich dann darin wälzt – selbstverständlich um danach mit einem zufriedenen Blick mir auf der Meta-Ebene mitzuteilen: „Hey Alter, was willste? Hab‘s doch nicht gefressen.“ Die Frage ist daher: Kann man überhaupt Patentlösungen geben, bei so vielen unterschiedlichen Hundecharakteren und dem Erfindungsreichtum unserer Fellfreunde?

Lenzen: (lacht) Ja stimmt. Für individuelle Lösungen mache ich ja die Workshops, da kann ich auch auf die unterschiedlichen Hund-Halter-Konstellationen eingehen. Schließlich kannst du nicht alle über einen Kamm scheren, schon weil die Hunde unterschiedlich reagieren. Es sind Hunde dabei, die muss ich am Ende loben, andere wiederum umlaufen die Wurst, um mir zu zeigen: da liegt was.

Um diesem individuellen Charakter der Hunde Rechnung zu tragen, zeige ich in meinen Workshops verschiedene Trainingsmethoden – denn nicht jede Methode passt zu jedem Hund. Ich unterscheide ja auch zwischen unterwürfigen und eher kernigen Hunden, die müssen auch unterschiedlich trainiert werden.

Was den Erfindungsreichtum angeht, da gebe ich dir Recht. Was das angeht, da werden Hunde auch oft unterschätzt. Daher sage ich immer nach jedem Training, dass sie ihren Hund weiterhin beobachten sollen. Und wenn er dann ein anderes Verhalten zeigt, müssen sie ­darauf reagieren.

Pisacane: Und wie findet man da das richtige Maß?

Dirk Lenzen und Rico

Lenzen:
Das gehört sicher zu den größten Schwierigkeiten. Dass man sich da auch mal vertut, dagegen ist kein Halter, aber auch kein Trainer gefeit. Es gibt Momente, da ist eine Korrektur übertrieben, aber dafür auch mal untertrieben – Gleiches gilt fürs Loben. Es gibt halt keine „Karte“, die Verständigung zwischen Hund und Mensch ist dafür zu grobkörnig. Doch solange man nicht in Extreme verfällt, ist es auch nicht schlimm, wenn wir mal das Maß in die eine oder andere Richtung ein wenig übertreiben – Hunde verzeihen uns da sehr viel.

Pisacane: Danke für das Gespräch.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 08/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Interview mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen über sein neues Buch, worin auch Hunde zu Wort kommen


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Mittwoch, 30. Juni 2021

Hunde sind so wunderbar unideologisch

Daran sollten sich viele Menschen ein Beispiel nehmen!


Clash of Ideology – ob auf Hundeplätzen, der Straße oder im Wald – trifft man fanatische Ideologen. Statt den Hund als Lebewesen in den Mittelpunkt zu stellen, ist für sie der (Macht-)Kampf um ihre Ideologie wichtiger. Auf ihrem ideologischen Altar opfern sie – darunter nicht wenige „Hundeprofis“ – dabei das Wohlergehen unserer caniden Freunde. Wie wohltuend unideologisch ist doch da der Umgang von Hunden untereinander.

Egal ob beim Gassi in der Stadt, im Wald oder bei den virtuellen Runden in den Sozialen Medien: Irgend einen Anhänger der verschiedensten (Hunde-)Ideologien trifft man (leider) immer – egal ob es sich um einen Befürworter von Halsbändern oder von Geschirren, von an Bestechung grenzenden Leckerli-Verteilern oder rhythmischen Klickern handelt, ob um Barfer oder Fertigfütterer. Auch allgemeine Kastrations-Befürworter und -Gegner trifft man. Sie alle haben eines gemeinsam: ideologischen Fanatismus. Auf dem Altar ihrer an religiösen Fanatismus grenzenden Ideologie opfern sie Logik und Vernunft, für Sachargumente oder wissenschaftliche Ergebnisse sind sie in etwa so zugänglich wie ein Backstein.

An deren Geltungs- und Machtsucht hätte der Schüler Sigmund Freuds und Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler sicher seine helle (wissenschaftliche) Freude. Für mich sind diese Profilneurosen mehr als unverständlich. So lernte ich schon auf dem Gymnasium die so genannte Ideologiekritik, welche während meines Studiums der Geschichte und der Medienwissenschaft noch ihren methodischen Feinschliff bekam. Zugegeben, ich entwickelte in der Zeit sogar eine gewisse Ideologie-­Allergie. Aber es bedarf gar nicht des Besuchs einer Universität, schon die ­Beobachtung unserer Hunde reicht aus, um solche Ideologien kritisch zu sehen. Ein Beispiel: Meinem Döggelchen Rico ist es völlig egal, ob der Hund, der ihm gerade begegnet, ein Geschirr trägt oder ein Halsband, ob er gebarft wird oder nicht. Für Rico stehen ganz andere ­Fragen im Vordergrund: Ist er sozialisiert? Kann ich mit ihm spielen? Selbst bei Kastraten ist er recht tolerant und spielt mit ihnen, und das obwohl dieser Eingriff die Biologie so stark verändert, dass sie „anders“ riechen und daher auch oft von anderen Hunden gemobbt werden – aber diese Reaktion ist dann auch nicht ideologisch, sondern ­biologisch.

Wir sollten viel mehr die "Hunde-Ideologie" lernen, als unsere menschlichen Ideologien auf die Hunde zu übertragen!
Foto: Lutz Borger

Kurz gesagt: Für unsere Fellfreunde zählt der Charakter. Ideologie spielt bei Hundebegegnungen nicht mal eine ­untergeordnete Rolle, sie spielt nämlich gar keine. Auch in dieser Hinsicht ­können sich Halter und Hundetrainer ein Beispiel an unseren ältesten Freunden nehmen! Für unsere caniden Freunde zählt nur, ob es passt oder nicht – ganz frei von menschlicher Ideologie und Geltungsdrang. Während Menschen einen schon abwerten, wenn man nicht die richtige „Mode“ trägt, spielen Hunde mit Halsband ganz selbstverständlich mit denen mit Geschirr, die ­gebarften Hunde mit denen, die Fertigfutter bekommen etc.

Es mag auch daran liegen, dass Hunde keine (menschlichen) Minderwertigkeitskomplexe haben – ganz anders als bei vielen Menschen am anderen Ende der Leine. Sicher, auch unseren Fellfreunden ist „Status“ wichtig, aber in einem ganz anderen Zusammenhang. Einen Therapeuten brauchen sie dafür jedenfalls nicht, anders als bei vielen Menschen mit Geltungssucht. Schade ist dabei nur, dass das Wesentliche, der Hund, dabei auf der Strecke bleibt. Wichtiger als ihr canider Lebenspartner ist vielen Menschen ihre Profilierung.

Hund und Mensch sind ein Team - und keine ideologische Partei!
Foto: Lutz Borger

Keine Ahnung wie es Euch so geht, aber ich freue mich jedes Mal, wenn das Döggelchen einen passenden Spielkameraden gefunden hat. Ich berausche mich geradezu an ihrem Spiel – und dabei ist es mir völlig egal, ob der Hund ein Halsband oder Geschirr trägt oder was er am Vormittag im Napf hatte (das weiß Rico dank seiner Nase eh besser als ich, scheint aber kein wichtiges Auswahlkriterium für eine Freundschaft für ihn zu sein). Doch wenn der Halter mir mit irgendeiner Ideologie kommt, am besten noch fern von Logik und Vernunft, dann entwickle ich eine gewisse Antipathie gegen ihn (nicht gegen den Hund! Der kann ja nichts dafür) – fast wie ein ­psychischer Reflex. Nicht selten habe ich dann auch Mitleid mit dem anderen Hund, muss er doch die Ideologie ­ertragen, anstatt die Vernunft und Liebe zu genießen.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 06/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Eure 2-Beiner- Ideologien sind uns Hunden völlig egal - also projiziert sie nicht auf uns!


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