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Freitag, 30. April 2021

Mehr Hunde, mehr Arbeit … aber auch mehr Spaß

Seitdem das Döggelchen und ich in einem Rudel leben, hat sich viel verändert. Eines ist mir jedoch sofort klar geworden: Das wird nicht einfach – aber auch sehr lustig. Denn so ein Rudel ist mehr als nur die Summe seiner Einzelteile, es entwickelt so seine ganz eigenen Dynamiken. Das erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit, mehr Arbeit, weniger Ruhe und Zeit für sich – aber unterm Strich fällt einem das kaum auf, denn die vielen Lacher dabei wiegen alles auf.

Das komplette Schweizer Rudel

Smilla schläft noch. Ruhig atmend liegt sie in ihrem Hundebett. Langsam nähert sich das Döggelchen Rico … Gaaaanz langsam zupft er an der Decke auf der sie ruht. Nun, mit der Ruhe sollte es bald vorbei sein. Denn als der kleine Doggen-Wookiee einen Zipfel der Decke ergattert, zieht er daran. So heftig, dass die hübsche Smilla davon wach wird. Sogleich springt sie auf und startet das morgendliche Ritual zwischen den beiden: Fröhliches Deckenzerren.

Noch ahnt Smilla nichts...

Unter den teils konsternierten Blicken der anderen Hunde spielen und toben die beiden, was das Zeug bzw. was die Decke (aus)hält. Keiner mischt sich ein. Das ist eben ihr gemeinsames Ding. Jedes Mal entlockt es mir ein Lächeln – mehrere Hunde bedeutet halt mehr Spaß.

Aber es bedeutet eben auch mehr Verantwortung und Aufmerksamkeit. Abends auf der Couch dann ist es ganz anders: Rico und Smilla liegen dicht beieinander. Po an Po. Aber dann bewegt sich das Döggelchen ein wenig – nur seine Hinterpfote, mehr nicht. Aber es reicht schon: Sogleich springt Smilla wuffend auf und beschwert sich (die junge Dame hat was dagegen, wenn man ihren Hintern im Schlaf berührt). Daraufhin gefriert Rico augenblicklich zur Statue, wagt es nicht sich zu bewegen. Nur sein Blick spricht Bände: „Was‘n los? Warum zickt das Weibchen jetzt wieder rum? Hab‘ doch nur meine Pfote um einen Zentimeter bewegt …“

Knutschi!
Sie verstehen sich im Gegensatz zu uns felllosen Primaten der Gattung Mensch auch ohne Worte. Alleine das Beobachten der Kommunikation zwischen den Hunden ist eine wahre Freude. All diese Nuancen der Blicke, der Mimik, der Körpersprache. Und bei mehreren Hunden kann man es den ganzen Tag über genießen und nicht nur bei den punktuellen Zusammentreffen beim Gassigang. Doch im Gegensatz zu einem Einzelhund erfordert so ein Rudel schon ein gewisses Austarieren der unterschiedlichen Charaktere. Gegenseitiges Verständnis hilft da besonders! Und das gilt auch für das gegenseitige Verstehen zwischen den Hunden. Wie sie sich gegenüber den anderen verhalten, wie sehr sie die momentane Stimmungslage des jeweils anderen zuerst „verstehen“ und dann am besten auch respektieren, umso reibungsloser läuft das Rudelleben.

Auf der "Liebesbank"

Wichtig für das gegenseitige Verstehen ist da aber selbstverständlich auch das Verhalten der menschlichen Partner. Denn sie sind es vor allem, an denen sich die Hunde orientieren. Dabei gilt es besonders die richtige Rudelbalance aufrecht zu erhalten. Da sind mir mehrere Stichworte wichtig:

Fairness
So individuell ich auch jeden Hund unseres Rudels behandle, schließlich hat jeder so seinen eigenen Kopf, seinen individuellen Charakter, sein diverses Temperament, seine unterschiedliche Tagesform und seine persönliche Vorlieben; so gleich versuche ich meine Aufmerksamkeit aufzuteilen und alle Regeln gelten für alle. So wichtig gerade Letzteres ist, so heißt das nicht, dass nicht mal der ein oder andere Hund gelegentlich eine Sonderrolle genießt (beispielsweise bei Krankheit oder Verletzung, oder aber einfach nur, weil er gerade was besonders Witziges gemacht hat). Hier kann man sich ebenfalls viel von den Hunden abgucken. Ich wundere mich (und zugegeben nicht ohne Stolz) jedes Mal, mit welchem „Gerechtigkeitssinn“ das Döggelchen Rico einschreitet, wenn es mal unter seinen Mädels zofft: Er bellt regelmäßig die an, die angefangen hat. 🙂

Balance
Hier meine ich nicht den Gleichgewichtssinn, den können Hunde eh besser auf einem Baumstamm trainieren; auch nicht die gerechte Futterverteilung (angesichts der Unterschiede zwischen den Hunden wäre das wohl auch eine falsch verstandene, eher menschliche Sicht von gerechtem Füttern – eventuell sogar mit medizinischen Konsequenzen wie Über- oder Untergewicht). Nein, vielmehr meine ich da das Ausbalancieren der unterschiedlichsten Temperamente und Stimmungen. Einfach damit es nicht zu „Spitzen“ kommt, so dass es nie zur Eskalation führt. Meiner Meinung nach unterschätzen da viele Halter noch die Wirkung ihrer eigenen Stimmung. Dabei können sie über die vielfach mehr Einfluss auf ihre Hunde nehmen als mit anderen Signalen. Ein Beispiel: Sind die Hunde besonders aufgedreht, bin ich meist sehr ruhig (was ich am besten durch meine Atmung beeinflussen kann), um sie nicht noch „aufzupeitschen“, ihnen ein Gegenpol zu sein und somit auch einen „Temperamentsanker“ zu bieten.

Regeln
Ob man sie nun mag oder nicht, aber das Zusammenleben mehrerer Individuen funktioniert nicht ohne Regeln. Das gilt für alle sozialen Wesen, die in Gruppen, Herden oder Rudeln leben. Und auch wenn es menschlich absolut verständlich ist, sich gegen einengende Regeln zu wehren, so darf man nicht vergessen, dass diese menschliche Revoluzzer-­Denke in dieser Form Hunden fremd sein dürfte. Sie sehen darin nichts Negatives, im Gegenteil, sie geben ihnen Orientierung und somit auch Verlässlichkeit.

Es wären noch viele weitere wichtige Punkte zu nennen, wie beispielsweise die Kommunikation, die Empathie oder einfach nur die Beachtung der unterschiedlichen Altersstufen etc. Wichtiger ist aber, sich aller Unterschiede bewusst zu sein – und sie auch zu genießen! Gerade dieses Individuelle unserer Hunde macht es ja aus. Das sollten sie auch ausleben dürfen. Daher plädiere ich immer wieder dafür: Unterdrücke nie die Individualität deiner Hunde! Und ja, mehr Hunde bedeutet auch mehr Arbeit und vor allem auch mehr Aufmerksamkeit, man hat nie wirklich seine Ruhe als Mensch (was ich seltsam finde, da man ja den Hunden durchaus auch ihren temporären Rückzug gönnt, aber ich habe es bisher nicht geschafft, dem Döggelchen zu erklären, dass auch ich mal meine Rückzugszeit brauche, seitdem wir im Rudel leben). Aber am Ende des Tages wird man auch viel häufiger durch Lachanfälle belohnt.

Bei dem Kontaktliegen, wer braucht da noch eine Decke...


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 04/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Zusammenführung eines Hunderudels

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Mittwoch, 23. Dezember 2020

Ein Blick in den Mikro-­Kosmos der Geruchspartikel

Die Geruchswelt der Hunde bleibt uns Menschen ein Geheimnis. Dabei ist sie der Schlüssel zu ihrer Wahrnehmung. Es lohnt also mal , sich hineinzuversetzen und den Blick auf Geruchsquellen zu richten.
 
Alles verschwimmt vor meinen Augen. Nur unscharf erkenne ich Konturen. Voll konzentriert, schiebt sich vor mein geistiges Auge eine Schablone, ähnlich einer Sonnenbrille – oder in diesem Fall besser – eine geistige „Geruchsbrille“.
 
Nase an Nase - es gibt immer was Spannendes zu erschnüffeln!
 
Kennen Sie schon „Odorisation“? Nein!? Nun, das ist keine Schande, denn so nenne ich ein neues Spiel (aus Odor = lat. für Geruch und Imagination = psychische Fähigkeit, Bilder im Geiste zu entwickeln und diese mit dem inneren geistigen Auge anschaulich wahrzunehmen). Ich ersann es nach meinem Besuch beim SHZ Suchhundezentrum in der Schweiz, wo ich vor allem sehr viel über die Verteilung von Geruchspartikeln gelernt habe: Ich verstelle meinen Augenfokus, schon um von den visuellen Reizen nicht ganz abgelenkt zu sein; außerdem hat durch die Unschärfe ja alles eine gewisse Aura, die in diesem Fall quasi die intensive Geruchsaura darstellt. Bevor einer meckert: ja, der Vergleich hinkt, aber ich kann nichts dafür, dass unsere Menschensinne nicht identisch mit dem unserer Hunde sind – daher verwende ich auch mal „hinkende“ Hilfsmittel, um mich in sie hineinzuversetzen (wie sehr mich die Geruchswelt der Hunde fasziniert, hatte ich ja bereits in unserer Kolumne in WUFF 01/2017 erzählt).
 
Mit diesem verschwommenen (und auch leicht glasigen) Blick laufe ich nun Gassi, das Döggelchen Rico schlendert entspannt neben mir – die Nase am Boden. Seine Körperachse verrät mir schon, in welche Richtung die Spur geht. Ich konzentriere mich auf die bereits erwähnte gedankliche „Schablone“, nutze die Technik der Imagination und versuche alle möglichen Gerüche schon im Vorfeld mir zu visualisieren (ich muss den Umweg über die Augen machen, mein Riechzentrum ist ja ausgebreitet nur so groß wie eine Briefmarke, seines hingegen wie ein DIN A 4 Blatt). Da ist ein Mülleimer, voller verlockender Gerüche, teils schon verdorbene Speisen (für Hunde ja oft eine Leckerei), kleinste Restpartikel vom Inhalt haften auch noch an Verpackungen … Will er dahin? Da erblicken meine auf Odorisation gestellte Augen (verschwommen) den Baum, am unteren Ende ein dunkler Fleck; hier hat wohl jemand markiert. Der Wind kommt leicht von der Seite … DAS ist sicher sein Ziel, denke ich. Zur Überprüfung blicke ich auf Rico: In der Tat ist seine Körperachse direkt auf den Baum gerichtet, nur minimal, denn der Mülleimer steht keine zwei Meter neben dem Baum.
 
Um zu VERSTEHEN, muss man sich in den anderen HINEINVERETZEN!

Für uns zwar unsichtbar, aber die Welt ist voller Partikel, genauer gesagt Geruchspartikel. Unsere Sprache hat nicht einmal genug Begriffe, um alle Geruchsvarianten differenziert zu benennen. Wir Menschen nehmen nur einen Bruchteil davon wahr: So hat geruchstechnisch der Wahrnehmungsraum eines Hundes in etwa die Größe einer Lagerhalle, wir felllosen Primaten kommen da gerade auf die Größe eines Schuhkartons. Und dieser Mikrokosmos funktioniert nach seinen eigenen Regeln, weiß Kerstin Hennings, Leiterin des SHZ Suchhundezentrums: „Lebewesen hinterlassen klebende und schwebende Spuren, bestehend eben aus schweren und leichteren Partikeln. Man muss sich diese wie Cornflakes vorstellen. Sie werden beeinflusst von Temperaturschwankungen, Wind, Regen und Sonne, sowie so genanntem Mikro-Klima, wie es durch die Umgebung entsteht – z.B. kleine Luftverwirbelungen in zugigen Ecken oder Ähnliches.“
 
Sicher, mein Odorisations-Blick kann es nicht wirklich mit einer Hundenase aufnehmen. Seine Differenziertheit kann er gar nicht erreichen. Und schon bei Gerüchen, die nicht auf sichtbaren Dingen haften, findet er seine ­Grenzen, so beispielsweise im Sand. Oder auch, wenn zu viele sichtbare Sachen vorhanden sind, wie dichtes Gebüsch und Blätterwerk im Wald. Oder aber gerade jetzt zur Weihnachtszeit, mit all ihren typischen Düften, von Bratwürsten, Glühwein, gebrannten Mandeln und Gebäck. Umso mehr sollten wir Menschen Respekt haben, dass unsere Hunde selbst in so einer Duft-Disco eine aufgenommene Spur verfolgen können – trotz Geruchs-Cocktails, Aroma-Stroboskopen, Stinke-Spots und verlockender Odor-Orgel.
 
Gemeinsam mit unterschiedlichen Sinnen die Welt erkunden...
 
Dennoch finde ich, kann der Odorisations-Blick es fast mit dem Röntgen­blick aufnehmen. Vor allem im Zusammenspiel mit dem Lesen der ­Körpersprache. Nicht selten erkenne ich an den Körper­signalen von Rico, dass uns um die Ecke ein anderer Hund entgegen kommt. Auf jeden Fall hilft er mir vorausschauend schon das ein oder andere Interessante für meinen Hund zu erkennen. Aber auf jeden Fall hilft es mir auch, mich mehr in ihn hinein zu versetzen und ihn zu verstehen. Dafür nehme ich dann auch in Kauf, dass ich über die ein oder andere Wurzel ­stolpere, weil mein Odorisations-Blick wieder in weite Ferne schweift und ich nicht erkenne, was vor meinen Füßen liegt.
 
PS: Falls Sie es selber ausprobieren wollen, wundern Sie sich nicht über die Passanten, die Sie dann anstarren – es liegt an Ihrem glasigen Blick …
 
 
Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 12/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Im Riechen sind Hunde den Menschen mehr als eine Nasenlänge voraus


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Samstag, 31. Oktober 2020

Flirtfaktor Hund? – Eher eine „Auswahlhilfe“ 😉

Ist der Hund ein klassischer Flirtfaktor? Unbestritten ist, dass Hundehalter in der Regel keine großen Schwierigkeiten haben, Kontakte zu knüpfen. Der Hund ist also ein idealer Kommunikator, aber hilft er auch beim Flirten? Gassi­reporter Maximilian Pisacane mit seinem charmanten Doggen-Mix ­Rico hat einige Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt …

„Und wer bereitet bei euch das ­Essen?“, fragte die Dame mit einem süffisanten Lächeln. Da war sie wieder: DIE Frage, schon zig-mal bei Begegnungen mit Halterinnen gestellt bekommen – durch die linke Brust einmal quer durch den Körper und raus aus dem rechten Auge. Sofort war mir klar: Sie wollte ab­checken, ob wir noch Single sind. Da ich mir gern bei solchen indirekten – und extrem leicht durchschaubaren – ­Fragen einen Spaß er­laube, antwortete ich: „Das lassen wir uns liefern.“ Das Lächeln der Dame fror ob der nun fortgesetzten Unwissenheit …

Sie brauchte ein paar Sekunden, bis sie sich eine Folgefrage ausgedacht hatte: „Wer hat denn den Hund ausgesucht?“ Den Spaß, sie weiter in Unwissenheit zu lassen, konnte ich so weiter auskosten: „Der Hund hat entschieden.“ 😉

"Flügelmann" Hund
Foto: Lutz Borger

Hunde müssen ja heutzutage viele Rollen spielen. Auch die des Flirtgehilfen. Und nein, ich meine damit nicht eine dieser Aktionen meines Doggen-Wookies Rico, wo er mal wieder seine kalte Nase unter den Rock einer Fremden steckt. Als Flirthilfe erleichtern Hunde die Kontaktaufnahme – aber eben auch so seltsame Verhöre wie eingangs geschildert. Da kommt man(n) sich glatt ausgeschnüffelt vor … Das ist wohl das Pendant zur Analkontrolle bei Hunden …


Irgendwie auch nachvollziehbar, dass man mehr über einen potenziellen Partner erfahren will. Aber muss das unbedingt innerhalb der ersten Minuten sein? Okay, Hunde checken sich auch ab: Kurze Überprüfung der Gerüche. ­Zugegeben, so einfach wünsche ich es mir bei uns Menschen nicht. ;-)ABER: Den Hund nur als Gesprächsthema und Aushorchmöglichkeit zu nehmen ist doch recht platt. Damit vergeuden viele eine andere – wie ich finde – viel wichtigere Hilfestellung, die Hunde beim Flirten geben können. Ich für meinen Teil beobachte viel lieber die Hunde, statt den Haltern Fragen zu stellen. Die verraten mir im Zweifelsfall eh viel mehr – und ehrlicher. Vor allem das Zusammenspiel mit meinem Döggelchen gibt mir da viele Aufschlüsse. Nicht selten stellt sich eine Halterin im besten Lichte dar, doch ihr Hund ist die reinste Zicke und spiegelt somit ihren eigent­lichen Charakter wider …


Doch nicht nur der Hund des Möchtegern-Flirtpartners verrät einem viel. Schließlich spiegeln die wie bereits geschrieben vieles ihrer Halter wider. Noch viel aufschlussreicher ist da der eigene Hund. Mein kleiner Doggen-Wookiee Rico weiß meist sofort, wer zu uns passt. Sein Repertoire reicht vom Ignorieren (= ist mir egal), über Meiden (= die ist mir nicht geheuer) bis hin zum Blocken (= die geht ja mal gar nicht, vor der muss ich dich beschützen). Klare, unverschnörkelte Signale ohne Schnick und Schnack, die mir sagen, ob jemand zu uns passt oder nicht. Ganz besonders aber zeigt er mir, wen er sympathisch findet. So beispielsweise durch Anlehnen (= die ist toll, die ist erlaubt) oder aber in ganz seltenen Extremfällen, wenn er sogar mit ihr spricht (also in seiner Dog-Wookiee Hundesprache). Dann hat Rico quasi sein Okay ge­geben – und ich vertraue seiner Nase da mittlerweile mehr als allen Fragen, die ich stellen könnte.


Hunde riechen, wer passt und wer nicht
Foto: Lutz Borger

Was ich aber nicht verstehe: Warum ist das überhaupt immer wieder ein Gesprächsthema? Oder gibt es etwa Menschen, die sich aus diesem Grund einen Hund anschaffen? Um andere Menschen kennen zu lernen? Wie muss ich mir das vorstellen? Der Hund quasi als Übersetzer der Liebesbotschaften? Das würde das Interesse daran erklären – schließlich nehmen die Singlehaushalte zu. Aber kämen diese Leute auch auf die Idee, sich deswegen ein Baby anzulachen? Wohl kaum (hoffe ich). Für mich beginnt daher ein gelungener Flirt damit, dass man sich am gemeinsamen Spiel der Hunde erfreut und sich so langsam kennen lernt. Auch wenn die Hunde da schon lange Bescheid wissen. Sie sind uns halt in Vielem voraus. Klar, sie riechen es ja förmlich.

Aber vielleicht ist man als Hundehalter auch kein typischer Flirtpartner mehr. Die konventionellen Flirtmethoden und -spielchen wirken eventuell auf uns nicht mehr so (oder gar negativ). Wir haben ja durch unsere Hunde zusätzliche „Sinne“ – wir müssen uns nur darauf einlassen und sie zu lesen wissen. Auf jeden Fall hat man bei dieser Herangehensweise nicht das Gefühl eines Verhöres – und zum Lachen hat man auch sicher mehr. 😉


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 10/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Flirtfaktor Hund - Ein paar Enthüllungen und Tipps eines Rüden über die Gattung "Herrchen"


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Mittwoch, 15. April 2020

Unter Wölfen …

Zu Besuch beim Wolfsexperten


Schon bei der ersten vorsichtigen Berührung spüre ich ihn, den Unterschied. Irgendwie kräftiger, aber auch drahtiger, fester – irgendwie fühlt es sich „purer“ als bei den meisten Hunden an. Und sogleich nach dieser ersten Berührung ist das Eis zwischen mir und Kiba gebrochen. Er springt mich an, will an meinem Mund und meiner Nase lecken. Ein typisches Unterwürfigkeitsignal bei Hunden – nur ist Kiba ein Wolf.

Die Natur im Auge: Wolfsblick
Foto: Ira Prettycloud

Im Gespräch mit Jos de Bruin
Foto: Ira Prettycloud
Jos de Bruin – er leitet seit fast 20 Jahren eine Auffangstation für Wölfe verschiedener Arten in ­Sonsbeck – erklärt: „Die Signale sind ähnlich, nur sind sie bei Wölfen im Vergleich zu Hunden übertrieben“. Auch die sehr wolfähnlichen Hunderassen wie Saarloos und Amerikanische Wolfshunde nimmt er bei sich in Wolves Un­limited auf. „Mit Saarloos, dieser recht ursprünglichen Rasse, habe ich damals ja angefangen“, erinnert er sich. Meist kommen die Tiere aus Zoos und Zirkussen, deren Bestand zu groß geworden ist. „Nicht selten melden die sich selber bei mir, das ist dann ganz unproblematisch.“ Doch das ist nicht immer so, denn manche wollen ihre Wölfe nicht herausgeben, schließlich verdienen sie damit Geld. Das gilt vor allem für Jungtiere: „Die wollen die nicht immer jung abgeben, weil die Babys Geld einbringen.“ Und was macht er, wenn es Probleme gibt mit den Haltern? „Da arbeite ich dann auch mit Tierschützern und Veterinärämtern zusammen“, erklärt Jos.

Wölfischer Welpencharme
Foto: Ira Prettycloud

Ich bin kein Wolfsexperte so wie Jos, dennoch würde ich die Kommunikation anders bezeichnen. Nicht „übertrieben“, eher kommt sie mir „ungeschliffener“ und „überdeutlich“ vor. Eigentlich auch logisch, denn in seiner Entwicklung an der Seite von Menschen brauchte der Hund diese Eigenschaften nicht. Wir Zweibeiner haben viele dieser Signale ja eh nicht oder falsch verstanden.

Jung und alt gemeinsam...
Foto: Ira Prettycloud

Wölfe und Hunde machten eine Koevolution durch
Foto: Ira Prettycloud
Im Laufe ihrer Koevolution mit dem Menschen haben Hunde daher viel ihrer Ursprünglichkeit verloren, meint Jos. „Dennoch kann man noch viel von ­Wölfen und ihrem Verhalten lernen“, betont er, „gerade weil vieles deutlicher ist als bei den domestizierten ­Hunden.“ Er vergleicht es ein wenig mit der ­Primatenforschung: „Wir haben auch nicht mehr viel mit Affen gemeinsam und dennoch aus der Forschung mit ihnen viel über uns selber erfahren.“

Gefahr: Die wilde und ungezähmte Natur des Wolfes lockt so manchen Hundehalter...
Foto: Ira Prettycloud

Derzeit beobachtet der Wolfsexperte einen Trend, der ihm Sorgen macht: „Es gibt ein ‚Zurück-zur-Natur‘, was ich ja ganz gut finde. Doch einigen reicht der Hund als Verbindung zur Natur nicht. Wegen ihrer Ursprünglichkeit ist es derzeit Mode, Wolfshybriden anzuschaffen – ohne das nötige Wissen dafür.“ Dabei ist ein Wolf noch viel mehr ein Wildtier, hat er doch keine Domestikation durchgemacht wie unser Haushund. Außerdem wird auch viel Mist erzählt in dem Zusammenhang – meist aus Profilierungssucht: „So mancher erzählt gern, sein Wolfshybrid hat 80 oder 90 Prozent Wolfsgene, in Wahrheit sind es aber nur 50 oder 60 Prozent. Wer das mitbekommt, denkt sich, dass der ja noch sehr ‚hundemäßig‘ ist. Und wenn er sich dann selber auf der Basis des Erlebten einen anschafft und an einen ­Händler gerät, der das nicht angibt, dann bekommt er einen, der wirklich 80 oder mehr Prozent Wolfsgene hat – dann ist das Geschrei um die vorprogrammierten Probleme groß.“ Nicht selten wird Jos auch zu solchen Fällen gerufen. „Und es werden immer mehr. Diese Mode ist schlimm, denn Auffangstationen wie meine können nicht alle aufnehmen.“

Trotz seiner großen Sozialkompetenz und Kommunikationsstärke bleibt der Wolf ein wildes Tier...
Foto: Ira Prettycloud

Wieder auswildern kann er die Wölfe und Wolfshybriden jedoch nicht. „Die haben die natürliche Scheu von Wölfen nicht mehr. Von daher würden sie anders als Wölfe bei einer Gefahren­situation auch nicht weglaufen und so auch zu einer Gefahr für Menschen werden.“ Aber was geschieht dann mit ihnen? Häufig vermittelt sie Jos in Zoos, deren Bestand noch klein ist oder die frisches Blut für ihr Rudel ­brauchen. ­Finanziert wird das Ganze durch Spenden und Workshops. Mit Letzteren leistet Jos neben der ­praktischen Hilfs­arbeit auch die theoretische Aufklärungsarbeit. Beides ist wichtig, um das Wesen des Wolfes zu verstehen!

Schon während des Gesprächs leisteten uns zwei Wölfe Gesellschaft, die Jungen Kiba und Kayleigh. Doch danach ging es in eines der Gehege. Darin waren vier ausgewachsene Wölfe und Wolfshybriden. Es war zwar nicht das 1. Mal, dass ich diesen Wildtieren begegnete, aber: noch nie war ich ihnen so nah, so ganz ohne Abgrenzung, im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig auf die Pelle gerückt. Und zum 1. Mal berührte ich diese wunderbaren Tiere. Diese Kraft, diese Purheit. Irgendwie wirkten sie fast ­mager, alles nur Muskeln und Sehnen, kein Gramm zu viel, nichts Unnötiges – eben kein zivilisatorischer Ballast. Es war für mich ein mehr als nur beein­druckendes Erlebnis, diesen Tieren so nah zu sein und ihre Reaktionen auf mich zu beobachten. Jeder zeigte da seinen individuellen Charakter: Während mich Timber erst argwöhnisch beobachtete und dann sich ganz vorsichtig zum Schnuppern näherte, waren andere dagegen aufgeschlossener.

Dank seiner Erfindungsgabe stellen für Wölfe auch zivilisatorische Hindernisse kein Problem dar...
Foto: Ira Prettycloud

Sicher, diese Wolfsartigen haben mit unserem Haushund vielleicht nicht mehr viel gemeinsam. Aber am ehesten vergleichbar ist es, als ob wir Menschen in das Gesicht eines Gorillas oder Orang-Utans blicken. Ein Blick in die Vergangenheit, zurück zu unseren natürlichen Wurzeln. Und hier waren es eben die Wurzeln unserer ältesten Freunde, der Hunde.

Trotz der engen Verwandtschaft, bleibt der Wolf ein wilfes Tier und gehört in die freie Wildbahn und nicht ins Wohnzimmer!
Foto: Ira Prettycloud

Leider durfte Rico nicht mit. Denn seine Nähe hätte die Wölfe sicher irritiert. Aber bei der Verabschiedung konnte ich beobachten, wie er auf Jos reagierte: Mit äußerster Neugier. Seine Nasenflügel vibrierten, die Ohren zeigten nach vorne. Es war wohl das Dufttreffen mit seinen Vorfahren. Auch später roch er immer wieder an mir, jede Riechinfo schien ihn zu interessieren, ja mehr noch, ­beinahe zu bannen. Begriff er, dass es seine Vorfahren waren? Wohl kaum. Jedenfalls nicht so kognitiv wie wir Menschen. Sicher nahm er eine gewisse Ähnlichkeit wahr, aber auch das viele Fremde, das Wilde daran. Auf jeden Fall reagierte er anders als sonst bei ihm fremden Tieren. So war es für uns gemeinsam ein mehr als interessantes Erlebnis – für mich ganz direkt und mehr über die Augen, für Rico eher indirekt und schnüffel­spannend.

Infos

Linktipps
Der Rasse-Wahn und seine Folgen:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=37473

Wolfshybriden und Retro-Züchtungen:
https://www.3sat.de/page/?­source=/wissenschaftsdoku/­sendungen/170941/index.html



Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 04/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Während der Olle mit den Wölfen tanzte, durfte ich sie nur erriechen...

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Donnerstag, 5. März 2020

Gassi gegen Vorurteile

Das klappt nicht nur bei Hunden …

Wer kennt sie nicht, die Vorurteile gegen manche Hunde? Kurzhaarig, muskulös, vielleicht sogar noch gestromt? Damit sind alle Alarmzeichen erfüllt, damit die „selbst geBILDeten“ Vorurteile an den Tag kommen können. Die Mehrheit der Menschen wird von manchen Boulevard Medien bewusst verhetzt. Für die Auflage halt. Um jeden Preis. Hundehalter müssen die Sache selber in die Hand nehmen …

Kaum begegneten sie sich, wollten sie schon aufeinander los. Ganz schön heftig die Reaktion meines kleinen Doggen-Wookiees. Zähnefletschend, aufbäumend, sich kaum zurückhalten lassend (dabei lässt er sich in der Regel zwar widerwillig, aber doch recht verlässlich zurückrufen). Quasi Doggen-Chewbacca im Godzilla-Modus 🙂 Kommt in der Form ja nicht so oft vor bei meinem Döggelchen. Nicht weniger heftig war aber auch die Reaktion von Jackson. Alles klar, die beiden waren schon mal keine Freunde …

Jackson und Rico - anfangs gar nicht erfreut, wurden sie schnell Schnüffel-Kumpels
Foto: Der Papagraf

Was war los? Hatten die beiden etwa „Vorurteile“? In der Art wie wir Menschen wohl kaum. Viel wahrscheinlicher war die Ressourcenverteidigung – Rüden halt. Aber ein Urteil hatten sie jedenfalls über den jeweils anderen gefällt und die authentische Reaktion dazu gezeigt. Mit allem Rüden-Brimborium, was dazugehört – inklusive einer kleinen Sabber-Dusche für mich von ihrem Geifer.

Ganz unschuldig bin ich daran wohl nicht, denn ich und Jackson verstanden uns auf Anhieb. Klar, quasi canilogisch, dass die beiden aufeinander los wollten. Den Spaß und die Knuddeleien mit mir wollte Jackson weiter genießen, da war Rico für ihn natürlich ein Störfaktor; und der Doggen-Wookiee meldete seine Ansprüche an und zeigte sich mal von seiner unschönen Seite …

Jackson ist der Hund von Sandra M., einer Leserin und Bekannten von uns, er ist ein Staff-Boxer-Mix, ein so genannter „Listenhund“. Wie einige unserer Freunde und Bekannten muss auch sie oft gegen Vorurteile ankämpfen. Und zum Glück ist sie eine sehr gechillte und geduldige Hundehalterin – und das bezieht sich nicht nur auf ihren Hund! Sie erträgt diese Vorurteile gelassen. Ich vermute mal, sie ist wohl mittlerweile da auch abgehärtet. Wenn ich da nur an die Vorurteile gegenüber großen – und vor allem auch noch gestromten – Hunden denke, denen wir selber beinahe täglich ausgesetzt sind. Aber immerhin haben wir nicht das Stigma einer „Liste“.

Egal ob groß oder klein - es sind alles Hunde!
Foto: Der Papagraf

Dabei frag‘ ich mich schon seit langem, warum wir gegen alle Vernunft, diverse Bissstatistiken und auch derzeit wissenschaftlichen Stand noch immer dieser Mär von so genannten „Kampfhunden“ nachhängen. Zumal, wer die darunter fallenden Rassen kennt, der weiß, dass viele von denen sehr menschenbezogen sind. Wie in den meisten Fällen, es kommt auch hier auf das andere Ende der Leine an. In den falschen Händen kann jeder Hund zum „Kampfhund“ gemacht werden – das ist ja schon fast Allgemeinwissen (auch bei vielen Nicht-Hundehaltern!). Ist es wirklich sinnvoll, seine Vorurteile zu bestärken? Und damit auch seine eigenen Ängste zu schüren? Oder macht es nicht viel mehr Sinn, sich der Situation zu stellen und daraus zu lernen?

So wie übrigens auch Rico und Jackson. Die vergaßen ihre Vorurteile einfach irgendwann. Je länger wir spazieren gingen, umso besser verstanden sie sich. Am Ende hingen die beiden immer mehr zusammen – bis hin zum gemeinsamen Kumpelschnüffeln. Und wieder lehrte mein Hund mich etwas: Lerne jemand kennen und vergiss dein Vorurteil ihm gegenüber!

So mancher Verein engagiert sich für diese Listenhunde, so beispielsweise Listiversum oder TS Pit, Staff & Co., der regelmäßig „SoKa-Runs“ (SoKa=so genannte Kampfhunde) organisiert, bei denen wir auch schon mitliefen. Auch in Facebook wollen die Tieraktivisten auf die Problematik aufmerksam machen und aufklären. Nicht immer erreichen sie trotz ihres bewundernswerten Engagements dabei diejenigen, die am meisten Angst und Vorurteile haben. Aber vielleicht könnte das auch mal ein Ansatz für die vielen engagierten Tierschützer sein – neben der Aufklärung sich auch mal mit den Ängsten der anderen auseinanderzusetzen. Nicht nur Toleranz verlangen, sondern auch Verständnis haben. Wie wäre es denn mal mit „Aufklärungswalks“ mit den Ängstlichen zusammen? Oder vielleicht besser gesagt: „Gassi gegen Angst und Vorurteile“? Sprechen Sie doch einmal gezielt Psychische Kliniken und Ärzte an und fragen, ob Sie ihnen bei Angstpatienten eventuell behilflich sein können. Denn Hunde können viel besser zeigen, was wir Menschen nur erklären können. Ist vielleicht nicht einfach, zugegeben, aber das war der Gassigang mit Rico und Jackson anfangs auch nicht. Doch mit Geduld (weniger meine, als vielmehr die von Sandra) war es am Ende eine große Bereicherung! Ja, mehr noch! Nicht nur wegen der Lehren, die mir die Hunde wieder mal erteilt haben. Schon der Anblick der beiden nun kumpelhaft am Rhein schnüffelnden und schlendernden Hunde war purer Canigenuss!


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 03/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag "Vorurteile" sind für uns Hunde wie Datenmüll...😃

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Montag, 17. Februar 2020

Neues vom Rüdenteam: Übers Markieren und Beinchen heben

Auch das Markieren will geübt werden...

Seit längerer Zeit (schon seit ein paar Monaten, aber ich komme erst jetzt dazu es für euch aufzuschreiben) markiert das Leonchen (sprich: Lööönchen), ich hatte euch ja davon berichtet (den Facebook-Post findet ihr am Ende dieses und des verlinkten Beitrages). Das alleine wäre ja keine News, eine Story schon mal gar nicht - aber die Art und Weise ist dann doch zum Schießen. 😂


Gemeinsames Markieren des Reviers 😃


Leon schreibt gern auch längere "P-Mails" 😄
Denn wirklich koordiniert oder mit einem Plan markiert er anfangs nicht. Das sehe offenbar nicht nur ich so: Den Blicken von Rico nach zu urteilen, fragt er oft: "Was soll das jetzt hier?" 😂 So manches Mal hebt er das Bein nur halb, schaut mich und Rico fragend an und nimmt es dann wieder runter. Da er sich offenbar unsicher über den Sinn des Markierens ist (außerhalb des Urinlassens), hebt er oft einfach dort das Bein, wo Rico markiert hat. Aber das heißt nicht, dass Klein-Leon dann auch eine P-Mail schreibt: Überhaupt hebt er oft auch nur das Bein und es kommt nicht mal ein Tropfen raus. Fast so, als ob er das Beinheben und das Markieren nicht immer in einem Sinnzusammenhang sehen würde. 😉


Klein-Leon beim "Pinkel Stretching" 😄

Pinkeln und Schnüffeln gleichzeitig - das geht 😄
Doch nicht dieses Placebo-Pinkeln bringt mich regelmäßig zum Lachen (denn das habe ich schon öfters bei Hunden beobachtet). Am meisten amüsieren mich die verschiedenen "Formationen" in denen die beiden pinkeln: Mal mit dem Gesicht zueinander, mal Arsch an Arsch, manchmal auch in V-Formation und ab und an sogar über Kreuz... 😂 Und so manche akrobatische Einlage wird auch noch eingebaut: So sprang Rico auch schon nach Beendigung seines Markierens aus dem Stand über Klein-Leon. 😄


Beim Pinkeln umgekippt

Vor Lachen beinahe zusammegebrochen bin ich aber, als Klein-Leon dabei mal umkippte. Denn er hebt immer sein Bein sehr hoch, er streckt und reckt sich dabei - quasi sein "Pinkel-Stretching". 😂 Da ich einen halben Schritt hinter ihm stand (weil Don Rico noch an einer anderen Stelle schnupperte), drehte Leon seinen Kopf zu mir um und schaute mich dabei an. Das macht er sehr oft, mich dabei anschauen, so als ob er wissen möchte, ob er alles richtig macht - nur stehe ich dann eben meist direkt daneben oder vor ihm. Doch da er sich diesmal dafür auch nach Hinten verrenken musste, verlor er das Gleichgewicht und kippte beim Pinkeln um. 😂😅

Don Rico war davon so überrascht, dass er sein Schnüffeln dafür abbrach. Er sah erst auf den aufspringenden Leon, dann schaute er mich an (mit einer erhobenen Augenbrauen - ganz nach Spock-Manier): "Was hat der Kleine jetzt schon wieder?"

Mittlerweile hat Leon aber den Pinkel-Dreh weitestgehend raus. Zumindest kippt er dabei nicht mehr um... 😆





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Donnerstag, 5. Dezember 2019

Abenteuer Gassigang

Der Hund, unser „Umweltsensor“


Der tägliche Gassigang wird bei vielen ­Hundehaltern zum alltäglichen Trott. Maximilian Pisacane ­erzählt uns in seiner Kolumne, wie er mit seinem ­Doggen-Mix ­Rico den Gassigang zum Abenteuer macht. Der Hund als­ ­unser „Umweltsensor“? Eine interessante ­Betrachtungsweise …

Kaum aus der Tür raus, beginnt das Abenteuer: Gassigang! Ob nun bei entspannter Runde sich mal auf die Sinne des Hundes einlassen und so ganz Neues entdecken oder ob nun beim Guerilla-Gassi inklusive Streiterei mit Hundehaltern vom Typus ­Besserwisser. So oder so, immer wieder spannend und lustig für mich und meinen Doggen-Mix Rico.

Abenteuer Gassigang
Foto: Ira Prettycloud

Sogleich geht sein Kopf runter, ­pendelt hin und her. Seine Nasenflügel vibrieren, jedes Geruchsmolekül wird auf Quantenebene analysiert und abgespeichert. So zeigt er mir die erste Frühlingsblume ebenso wie die Hinter­lassenschaften seiner Fellkollegen. Schafe und Kaninchen nehme ich dank des Dog-Radars nun viel eher wahr – ähnlich dem Spinnensinn von Spider-Man. Zuweilen findet er auch einen Schatz – manchmal den Hundeschatz Schafshaufen, manchmal den Menschenschatz verlorene Münzen, viel öfter aber menschliche und hündische Schätze in Form von Begegnungen. Die machen jeden Gassigang zu einem wahrlich lohnenden Abenteuer – Pfoten- und Lachattacken quasi garantiert.

So manche "Begegnung" ist "markierwürdig" 😂

Vieles entgeht mir denn auch, wenn Rico mal nicht dabei ist. So wie die einzelne Strumpfhose über der Ampel (was wohl aus der anderen geworden ist? Ob eine der beiden für einen maskierten Überfall genutzt wurde?) oder auch die ordentlich zusammengestellten Damenschuhe auf dem Bürgersteig (welche Frau setzt ihre Schuhe aus? Verlieren ist ja noch unwahrscheinlicher…). Ganz zu schweigen von den vielen Tieren: kein Eichhörnchen oder Hase entgeht mir – sei es (wenn ich Glück habe), dass ich ihn zuerst erspähe oder weil Rico ihn zuerst erschnüffelt (und ich das hoffentlich rechtzeitig an seiner Körperhaltung bemerke – der kleine Schuft vergewissert sich meist vorher, ob ich achtsam bin, bevor er losjagt). Auch die Ente auf dem Autodach oder so manches moderne Kunstwerk wäre mir wohl entgangen ohne die Spürnase meines Döggelchens. Ob ein neuer Hund in der ­Nachbarschaft ist, weiß ich oft schon, bevor ich ihn gesehen habe. Ebenso, ob die neue Bekanntschaft zu uns passt oder nicht. Denn mein kleines Döggelchen zeigt es mir durch seine Körpersprache an.

So ein Fellfreund erschließt einem eine wunderbare Welt. Im Team nehme ich viel mehr wahr, registriere Dinge, die mir ansonsten entgangen wären … Vom Misthaufen bis hin zur netten Bekanntschaft. Weil mein Hund mit anderen Sinnesprioritäten wahrnimmt und mir dieses wiederum signalisiert. Daher fühle ich mich irgendwie ­„amputiert“, wenn mein Doggen-Wookiee Rico nicht da ist (er spricht manchmal wie der Wookiee Chewbacca aus Star Wars – ich hätte mir wohl mit ihm als Welpe die Filme nicht anschauen sollen – naja, immer noch besser, als wenn er sich das Pfeifen von R2D2 zum Vorbild genommen ­hätte). Aber es ist nicht nur das Gefühl, als fehlte was. Nein, mehr noch, es ist als sei ich wahrlich „eingeschränkt“. Wie jemand, der die Welt nicht mehr zur Gänze wahrnimmt – so als sei man in eine abschirmende Watte gepackt, durch die Gerüche, Geräusche und andere Sinneswahrnehmungen nur noch gedämpft durchkommen.

Welch wunderbare Wesen doch diese Hunde sind, wie viel Energie sie darauf verwenden, uns – die oft ­irrationalen und inkonsequenten – felllosen ­Primaten zu verstehen. Und das über Artengrenzen hinweg. Wir Menschen schaffen das ja meist nicht einmal ­innerhalb der eigenen Art. Für mich ist es daher eine Form des Respektes, dass ich zumindest versuche, so viel Energie wie möglich darin zu stecken, meinen Hund zu verstehen. Und wenn man etwas versteht, dann wird es irgendwie auch zu einem Teil von einem selber …

Seit Kurzem hat sich durch Leon unser Abenteuer verdoppelt... 

Fast ist es so, als ob mein Hund wie ein biologischer Satellit ist, der mit exzentrischen Bahnen um mich kreist. Und dessen Sensoren mir viele Daten aus der Umwelt – SEINER Umwelt – liefern. Sie 
sind uns in so Vielem ähnlich, als soziale Tiere. Und ihre Wahrnehmung ist doch so anders, so komplementär zu unseren. Kein Wunder, dass viele Anthropologen und Prähistorkiker, die sich mit der Geschichte der Hunde beschäftigt haben, der Meinung sind, dass die Verbindung Hund-Mensch ein nahezu unschlagbares Team bildet. Und jeder Gassigang ist ja das moderne Pendant zu den Jagd-Streifzügen unserer Vorfahren, die vor Jahrzehntausenden Freundschaft mit Wölfen schlossen – und genau so ein Abenteuer.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 12/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Ob Routinerunde, Reviercheck oder Erkundungsschnüffeln neuer Gebiete - jeder Gassigang ist ein Abenteuer!


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Samstag, 25. Mai 2019

Qualzucht und ­Operationen

Ist das noch wahre Freundschaft?


Der Mops gehört zu den Rassen, die besonders unter der Qualzucht zu leiden haben
Foto: Eszter Hornyai by pixabay
Irgendwas stimmt nicht – und zwar ganz und gar nicht! Alarmglocken klingeln, ausgelöst durch Rico. Seine Schritte wirken konzentrierter, seine Kopfhaltung ­lauernder, sein Schnüffeln ­intensiver, sein Blick klarer fokussiert. Als ­Cerebral-Interface meines Hundes funktioniert die Signalübertragung zum Glück in beide Richtungen. Dank der deutlichen Vorwarnung meines ­vierbeinigen Kumpels und um den Überraschungseffekt weiter zu minimieren, schaue ich mich um. Das mache ich als rücksichtsvoller Hundehalter so, aber auch aus purem Eigennutz. Jeder, der einmal 40 oder mehr Kilogramm wildgewordenen Molosser an der Leine hatte, versteht mich. Die sind in ihrem Dickschädel eh schon schwer zu bändigen und mit Überraschungseffekt – noch dazu von so einem akrobatischen Talent wie meinem Rico (er ist dann so eine seltsame Mischung zwischen Bud Spencer und Bruce Lee) – nahezu ­unaufhaltsam. Doch ich kann nichts entdecken. Sicher hat er irgendwas gerochen, wahrscheinlich eine ­andere Fellnase. Da haben die Hunde uns ­Menschen gegenüber ja die Nase weit vorn.

Aber da muss mehr sein, irgendetwas passt ihm nicht. Sein Nackenfell sträubt sich. Okay, das ist so mindestens Alarmstufe 3 – je nachdem, wie doll es sich aufrichtet und wie breit, kann es auch zur Stufe 2 übergehen … dann zieht es sich schon am Rücken entlang. Erreicht es dann den Rutenansatz, also Alarmstufe 1, versucht sich Rico als canide Form eines Kugelfisches. Der Hund von Welt hat ja schließlich diverse Meeresdokus im TV gesehen (Rico mag übrigens Delfine). Doch was versetzt meinen Fellfreund so in Rage? Auf den Wettkampf der Nasen lasse ich mich gar nicht ein, da ist er mir haushoch überlegen (während mein Riechzentrum die Größe einer Briefmarke hat, ist seines DIN A4 groß). Doch ich kann nichts sehen und auch nichts hören. Wir biegen um die Ecke – zum Glück war ich vorbereitet!


🐶 Was kommt denn da seltsam röchelnd? *fellsträub* (rico)

Denn da stürmt uns ein röchelnder kleiner Französischer Bulldog zu. Die Nase als kleiner Knopf eingebettet in Falten irgendwo zwischen den Augen. Das Ringelschwänzchen zuckt mit den wippenden Bewegungen des Hinterteils. Die großen starren Kugelaugen blicken uns an. Keine Ahnung, ob uns der nun freundlich, ängstlich oder aggressiv entgegenkommt. Ich verstehe seine ­Körpersignale nicht. Naja, ich spreche aber vielleicht auch nicht gut genug die Hundesprache. Ein Blick zu Rico sagt mir jedoch, dass er den Dialekt auch nicht so recht versteht. Wie denn auch? So mit fester Mimik, ohne Schwanz, dann noch dieses röchelnde Geräusch. Letzteres hat Rico auch in Unmut versetzt, hat er es doch lange vor mir gehört. Also antwortet Rico damit, was dem – nach seiner cani-logischen Denke – am ähnlichsten kam. Und das ist in seinen Augen: Knurren!

So weit hat es der Mensch schon geschafft, so weit hat er den biblischen Auftrag umgesetzt, sich die Welt untertan gemacht, dass selbst Artgenossen sich nicht mehr verstehen. Durch Qualzucht erfüllen Hunde zwar die Kriterien von Schiedsrichtern und sammeln so Preise. Ein hundegerechtes Leben oder überhaupt ein beschwerdefreies Leben ist ihnen aber nicht mehr vergönnt. Denn ohne Rute, mit unbeweglicher Mimik, Atemwegen, die nur ein ­scharrendes Röcheln erlauben, so versteht sie kein anderer Hund (es sei denn, er ist mit ihnen aufgewachsen).


Aber auch andere Rassen sind von Qualzucht betroffen! Als Beispiel sei nur
der Deutsche Schäferhund mit seinem stark abfallenden Hinterteil genannt...
Die Tierkliniken sind gut gebucht und regelmäßig frequentiert mit diesen kranken Zuchttieren. Denn nicht selten müssen diese „erwünschten Fehlbildungen“ dann chirurgisch korrigiert werden, was der Mensch durch Zucht verhundst hat. Ja mehr noch, der neueste Trend in den USA ist die Schönheitschirurgie für Haustiere. Ganze 3,3 Milliarden US-Dollar werden jährlich dafür ausgegeben. Ja, sogar für Fettabsaugung. Da werden unsere ältesten Freunde erst gemästet und/oder zu wenig bewegt und dann wird ihnen der körperliche und psychische Stress einer OP angetan, um das zu korrigieren, was wir ihnen antaten: zu viel Leckerlis, zu wenig artgerechte Bewegung. Und wer weiß: Vielleicht erleben wir ja nach den Designer-Hunden bald die Frankenstein-Hunde …

Seit einiger Zeit regt sich der Widerstand: immer mehr Züchter versuchen sich an Rückzüchtungen, wo die Gesundheit im Vordergrund steht und nicht irgendwelche Standards (z.B. Retromops oder Continental Bulldog). Und selbst auf Facebook sammeln sich die Gegner, so beispielsweise in der Gruppe „Schluss jetzt, VDH! – Uns reicht‘s!“. Denn schließlich tun sich das wahre Freunde ja nicht an – und immerhin ist der Hund der älteste Freund des Menschen.

Den Qualzuchtrassen wurden ihre Kommunikationsmittel genommen. Es versteht sie keiner mehr, nicht einmal ihre Artgenossen. In etwa stelle ich mir das so vor, als ob man uns Menschen die Zunge entfernt, die Augen verbindet, das Gesicht mit Botox lähmt und uns in eine Zwangsjacke steckt. Als gelegentlicher Partygag, so als Scharade, mag das sicher lustig sein. Aber so leben? Doch genau so züchtet der Mensch und lässt sich dafür auf Ausstellungen noch feiern. Bleibt zu hoffen, dass nicht irgendwelche Menschen auf die Idee kommen, unseren caniden Freunden die Lippen oder das Hinterteil mit Silikon aufzuspritzen. Auf die dann folgenden Kommunikationsstörungen zwischen Hunden bin ich nicht wirklich gespannt – vor allem nicht, wenn mich der kleine wilde Molosser überrascht. Seiner deutlichen Körpersprache sei Dank! Was kümmern mich da fehlende Pokale, wenn ich dafür meinen Hund ver­stehe … naja, meistens jedenfalls 😉


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 05/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Der Frankenstein-Hund.


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