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Mittwoch, 25. August 2021

Erkenntnisgewinn durch Perspektivwechsel

Im Gespräch mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen


WUFF Gassireporter Maximilian Pisacane traf sich mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen zum Gespräch. Es geht um ein mehrperspektivisches Hundeerziehungs-Buch, in dem Trainer, Halter aber auch der Hund zu Wort kommen. Hundeerziehung aus Hundesicht? Spannend.

Als uns der Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen im vergangenen Jahr von seinem Projekt erzählte, waren wir schon schnüffelgespannt: Ein mehrperspektivisches Hundeerziehungs-Buch, in dem Trainer, Halter aber auch der Hund zu Wort kommen sollen. Klar fand ich das interessant, schreiben wir doch in unserem Blog auch oft aus der Hundeperspektive, um dem Leser so auf humorvolle Weise das Sich-Hineinversetzen näher zu bringen. Als das Buch „Wenn Hunde sprechen könnten und Menschen richtig zuhören“ nun vor Kurzem erschien, trafen wir Dirk auf dem Gelände seiner Hundeschule „animalstar“ zu einem netten Plausch. Ein bekanntes Filmprojekt, bei dem Dirk mitgewirkt hat, war beispielsweise der Hollywood-Streifen „Walküre“ mit Tom Cruise, aber auch im TV arbeitet er mit, wie beispielsweise bei diversen „Tatort“-Serien (Köln, Münster, Dortmund, Frankfurt a.M.) oder bei den Sendungen „Ladykracher“, „Knallerfrauen“, „switch reloaded“ etc. Zu seinen Kunden zählen unter anderem auch Faber-Castell, Henkel, Bosch oder Mercedes.

Sich in den anderen hineinversetzen - DAS ist die hohe Kunst des Verstehens.
Foto: Lutz Borger

Im Gespräch mit Dirk Lenzen


Pisacane: Da ich ja selber in unserem Blog auch mal satirisch aus Hundeperspektive schreibe, interessiert mich brennend: Wie hattest du die Idee zu dem Buch? Vor allem – es aus drei Perspektiven (Hundetrainer, Halter und Hund) zu verfassen?

Lenzen: Mein Co-Autor, ein früherer Kunde, und ich hatten die Idee gemeinsam. Eigentlich haben wir über viele Projekte nachgedacht, aber wir entschieden uns für dieses Buch, da wir fanden, dass es am Verständnis für den Hund mangelt. Und bei meinen Workshops erkläre ich auch immer schon aus der Sicht des Hundes. Da bot sich das geradezu an. Zumal es so ein Buch in der Form noch nicht gab. Zwar gibt es durchaus Bücher, wo Hunde auch zu Wort kommen, aber eben nicht im Bereich Hundeerziehung. Und durch das Buch und die Recherche dazu haben wir noch mehr Material und Ideen gesammelt – mal sehen, was wir daraus als Nächstes entwickeln.

Dirk Lenzen mit Rico

Pisacane:
Hunde sind Makrosmatiker, wir Menschen orientieren uns eher optisch. Inwiefern können wir uns überhaupt bei so einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Umwelt in Hunde hineinversetzen? Stoßen wir da nicht auch an physische Grenzen?

Lenzen: Natürlich, ja, es gibt da keine 100 Prozent. Dennoch finde ich, ähnlich wie du es ja auch in deinem Blog öfter schreibst, dass man es dennoch versuchen sollte, sich in den Hund hineinzuversetzen. Es geht eben nicht nur darum, dass der Hund auf einen achtet, sich an seinem Halter orientiert, sondern eben auch, dass wir Menschen mehr auf unsere Hunde achten. Er darf dabei nicht zu kurz kommen!

Pisacane: Durch gegenseitiges Verstehen kommt auch Verständnis. Und für das gegenseitige Verständnis bedarf es aber Wissen, ähnlich wie bei den Vokabeln einer Fremdsprache, als auch Empathie. Ersteres können Hundetrainer und Bücher vermitteln, aber bei Zweiterem können die Meisten nicht weiterhelfen, oder?

Lenzen: Bücher vermitteln die allgemeinen Situationen, aber man muss das bei Hunden natürlich individuell sehen. Denn jeder Hund ist anders. Man sollte Bücher lesen, um sich zu informieren, aber immer auch die eigene individuelle Situation im Auge behalten und das Gelesene transferieren. Hier setzt der Hundetrainer ein.
Dafür habe ich auch die Workshops mit Lesung entwickelt. Einige Kapitel, die sich dafür eignen, werden so auch in der Praxis geübt. Der Halter bekommt durch die Übung nicht nur eine andere Perspektive aufgezeigt, sondern durch das Training und das größere Verständnis für seinen Hund meist auch mehr Selbstsicherheit und Vertrauen in seinen Hund. Ich kann natürlich jemandem auch nicht Empathie vermitteln, wenn er Null davon hat, aber man kann den ein oder anderen anstupsen und auf neue Gedankengänge bringen, die die Empathie dann wecken.



Pisacane: Du beschreibst in deinem Buch fünf Halter-Typen. Müssten vollständigkeitshalber nicht auch ein paar „Hunde-Typen“ aufgelistet werden?

Lenzen: Ja, da hast du Recht. Aber eigentlich habe ich ja indirekt mehrere beschrieben, bei jedem Fall-Beispiel beschreibe ich auch verschiedene Hundetypen, benenne sie nur nicht. Ich wollte so beim Leser den Effekt erreichen, dass der sich denkt: „typisch meiner!“, ohne dem direkt einen Stempel aufzudrücken.

Pisacane: Was sind denn die häufigsten Fehler in der Hundeerziehung?

Lenzen: Ganz einfach: Dinge zu persönlich nehmen, vor allem wenn wir dadurch in peinliche Situationen geraten, ob zu Hause oder auf der Straße oder in Wald und Wiese. Am häufigsten sind Fehlinterpretationen, wie beispielsweise: „Das hat er absichtlich gemacht! Um mich zu ärgern …“ Nicht selten habe ich dabei beobachtet, dass der Hund das ganz und gar nicht macht, um seinen Halter zu ärgern, sondern einfach nur, weil er einen, wenn auch kurzfristigen Vorteil für sich sieht.

Gerade bei Fehlinterpretationen spielen viele Faktoren eine Rolle: Nehmen wir nur mal das rassebedingte Aussehen, beispielsweise eine Dogge und ein Malinois, die nebeneinander sitzen – beide wirken völlig unterschiedlich: Der Malinois eher aufgeweckt, die Dogge eher gemütlich. Aber schaut man sich deren Körpersprache an und lässt sich nicht von deren rassetypischem Aussehen zu Fehlinterpretationen verleiten, dann kann in dem Moment die Dogge sehr aufgeweckt sein und der Malinois eben gerade schlapp oder abgelenkt.

Oder nehmen wir doch nur die ganzen Sympathieträger mit hellem Fall oder dem niedlichen Fleck an einem Auge – die werden viel öfter positiv interpretiert als beispielsweise schwarze oder gestromte Hunde. Wie heißt es doch so schön bei uns Menschen: Kleider machen Leute – und Fell ist eben auch nur eine Form von „Kleid“.

Viele erziehen auch den ganzen Tag an ihrem Hund rum, aber leider bleibt das Grenzen-setzen dabei oft auf der Strecke. Klar kann das auch bei dem ein oder anderen Hund gut gehen, aber das funktioniert meist nur bei sehr unterwürfigen und futterorientierten Hunden.

Pisacane: Ich habe den Eindruck, dass einer der häufigsten Fehler bereits bei der Anschaffung begangen wird: Viel zu selten scheinen sich die Leute zu fragen, ob der Hund zu ihnen passt – beispielsweise was Rasse (oder seine Mischung), Geschlecht, Größe etc. angeht. Wie ist deine Erfahrung dazu? Und wie kann man deiner Meinung nach entgegenwirken?

Lenzen: Ja, stimmt, hast Recht. Es gibt viel zu wenige Menschen, die eine Beratung VORHER buchen, gerade auch Erst-Hundehalter. So fällt das Kind meist schon in den Brunnen, bevor sie sich Hilfe suchen. Wie man dagegenwirken kann? Gute Frage … Wenn ich da was wüsste, würde ich es anbieten. (lacht) So bleibt nur die mühselige Aufklärung, wie ich mit meinem Buch oder durch Magazine wie die WUFF oder Du mit Deinem Blog. Und so die Leute zum kritischen Nachdenken zu animieren.

Pisacane: Du beschreibst auch 20 Alltagssituationen, die wohl jeder Halter mehr oder weniger kennt – ebenfalls aus verschiedenen Perspektiven – und gibst dazu dann Lösungstipps. Nun sind Hunde ja Individuen und nicht dumm; zuweilen finden sie recht originelle „Lösungswege“. Ein Beispiel: Dem kleinen Doggen-Wookiee Rico konnte ich erfolgreich das Kotfressen abgewöhnen – zumindest solange ich aufpasse. Erwische ich ihn doch mal bei der Absicht zuzubeißen, weil er denkt, ich wäre abgelenkt, reagiert er auf das Pfui zunächst, indem er aufschaut und sich dann darin wälzt – selbstverständlich um danach mit einem zufriedenen Blick mir auf der Meta-Ebene mitzuteilen: „Hey Alter, was willste? Hab‘s doch nicht gefressen.“ Die Frage ist daher: Kann man überhaupt Patentlösungen geben, bei so vielen unterschiedlichen Hundecharakteren und dem Erfindungsreichtum unserer Fellfreunde?

Lenzen: (lacht) Ja stimmt. Für individuelle Lösungen mache ich ja die Workshops, da kann ich auch auf die unterschiedlichen Hund-Halter-Konstellationen eingehen. Schließlich kannst du nicht alle über einen Kamm scheren, schon weil die Hunde unterschiedlich reagieren. Es sind Hunde dabei, die muss ich am Ende loben, andere wiederum umlaufen die Wurst, um mir zu zeigen: da liegt was.

Um diesem individuellen Charakter der Hunde Rechnung zu tragen, zeige ich in meinen Workshops verschiedene Trainingsmethoden – denn nicht jede Methode passt zu jedem Hund. Ich unterscheide ja auch zwischen unterwürfigen und eher kernigen Hunden, die müssen auch unterschiedlich trainiert werden.

Was den Erfindungsreichtum angeht, da gebe ich dir Recht. Was das angeht, da werden Hunde auch oft unterschätzt. Daher sage ich immer nach jedem Training, dass sie ihren Hund weiterhin beobachten sollen. Und wenn er dann ein anderes Verhalten zeigt, müssen sie ­darauf reagieren.

Pisacane: Und wie findet man da das richtige Maß?

Dirk Lenzen und Rico

Lenzen:
Das gehört sicher zu den größten Schwierigkeiten. Dass man sich da auch mal vertut, dagegen ist kein Halter, aber auch kein Trainer gefeit. Es gibt Momente, da ist eine Korrektur übertrieben, aber dafür auch mal untertrieben – Gleiches gilt fürs Loben. Es gibt halt keine „Karte“, die Verständigung zwischen Hund und Mensch ist dafür zu grobkörnig. Doch solange man nicht in Extreme verfällt, ist es auch nicht schlimm, wenn wir mal das Maß in die eine oder andere Richtung ein wenig übertreiben – Hunde verzeihen uns da sehr viel.

Pisacane: Danke für das Gespräch.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 08/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Interview mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen über sein neues Buch, worin auch Hunde zu Wort kommen


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Dienstag, 30. März 2021

Hundefitness – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – das gilt auch für Hunde

Wer rastet, der rostet. Das gilt für unsere Hunde fast mehr als für uns Zweibeiner. Daher brauchen unsere Hunde mehr regelmäßige Bewegung als nur die Runde um den Block. Mit wohldosiertem Workout lassen sich der Alterungsprozess verzögern und auch degenerative Krankheiten abmildern. Und ähnlich wie beim Sport von Menschen, wo Freundschaften geschlossen und der Teamgeist gestärkt wird, so fördert es auch die Bindung zwischen Hund und Halter.

Da, der Baum, er liegt mitten im Wald und hat genau den richtigen Umfang. Ich hüpfe drüber und Rico folgt mir nahezu zeitgleich – nur wesentlich eleganter und geschmeidiger. Auch beim Balancieren über einen Baumstamm macht der kleine Doggen-Wookiee eine bessere Figur als ich. Später erspähe ich einen anderen Baum, seine Rinde ist ideal. In die Rillen drücke ich ein paar Leckerchen – unter den wachsamen Augen des Döggelchens. Kaum gebe ich sie frei, springt Rico auch schon mit seinen Vorderpfoten hoch und knabbert die Leckerchen aus der Borke.

Immer wieder baue ich solche Übungen bei unseren Gassigängen ein. Zum Einen, weil es uns Spaß macht, zum Anderen auch um Rico fit zu halten. Aber reicht das? „Das ist auf jeden Fall schon ein toller Ansatz und auch das, was ich prinzipiell jedem Hundehalter ans Herz lege. Denn so kann ich schon einiges dafür tun, dass Rico „in Bewegung“ bleibt“, sagt mir Martina Flocken von Doggy Fitness, die Webinare zum Thema Hundefitness entwickelt hat. Prima, mache ich also doch nicht alles falsch – so als einfacher, unwissender Halter. Aber wie finde ich das richtige Maß? „Das ist immer individuell – aber deine Übungen hören sich schon einmal gut an. Grundsätzlich macht es Sinn, alle Körperbereiche anzusprechen und dabei zu wissen, was man warum tut“, erklärt mir die Autorin und aus dem Dog Dance bekannte Carmen Heritier, die derzeit zusammen mit der Tierphysiotherapeutin Sandra Rutz an einem Buch zum Thema Hundefitness schreibt (erscheint im April 2018 im Kynos Verlag).



Carmen Hertier mit Rico

Das Toben mit anderen Hunden reicht jedenfalls nicht aus um Hunde fit zu halten, weiß Sandra Rutz: „Es ist eine bequeme Art, den Hund körperlich auszulasten, aber es ist kein gezieltes Training. Das Toben mit anderen Hunden kommt eher einem Ringkampf gleich (Schnellkraft). Dies stellt zwar ein Ganzkörperworkout dar, ist aber voll mit Belastungsspitzen. Die Spielpartner sollten körperlich gleichberechtigt sein und es ist auch sinnvoll, die Hunde vorher ein Stück an der Leine zu lassen, das einem warm up gleich kommt.“

Und ähnlich wie bei uns Menschen, ist Sport auch gesund. So kann gezieltes Training auch degenerative Erscheinungen abmildern, weiß Martina Flocken: „Bei unseren Hunden ist es wie mit uns Menschen: wer rastet, der rostet.“ Ja sogar der Alterungsprozess kann somit verzögert werden, erklärt sie mir. Ähnlich sieht es auch Sandra Rutz: „Wir sorgen mit einem Fitnesstraining für mehr Beweglichkeit, Muskelaufbau und Koordination. Wir verzögern den Alterungsprozess und gleichen bei orthopädischen Defiziten Bewegungseinschränkungen aus.“

Aber nicht nur für den Körper ist so ein Fitnessprogramm gut! Das gemeinsame Trainieren fördert auch die Bindung: „Mein Ansatz des Trainings ist genau dieser: man tut nicht nur etwas für die Gesundheit des Hundes, man verbringt gemeinsame Zeit, stärkt Bindung und Vertrauen und hat gemeinsam Spaß. Deshalb ist es immer wichtig, dass das Training positiv gestaltet wird und Mensch und Hund Erfolgserlebnisse und Spaß haben“, berichtet Martina Flocken. Und auch Carmen Heritier sieht das so: „Gemeinsames Training ist sicherlich förderlich für die Bindung, insbesondere da im Fitnesstraining immer mit positiver Bestärkung gearbeitet werden sollte und die Übungen für den Hund nachvollziehbar und kleinschrittig erarbeitet werden. Das gibt nicht nur ihm ein gutes Gefühl, sondern das gemeinsame Erarbeiten von oftmals ziemlich detailreichen Übungen verbindet immer.“



Nun sollte man aber nicht einfach so wild loslegen. Denn vieles ist zu beachten! So brauchen auch Hunde in der kalten Jahreszeit eine längere Aufwärmphase. Ein vorheriger Gesundheitscheck – ähnlich wie es auch bei Menschen vor dem Start eines neuen Trainings angeraten wird – ist daher sehr wichtig. „Ein kleiner Checkup der bewegenden Strukturen und ein Fitness-Test macht Sinn. Falls schon gesundheitliche Probleme bekannt sind, bitte vorher mit Tierarzt und Physiotherapeut besprechen, welche Übungen nicht in Frage kommen“, rät daher Sandra Rutz.

Nun bestens informiert und auch um einige neue Übungen inspiriert, macht das Training noch mehr Spaß – auch wenn das Döggelchen Rico immer noch die bessere Figur macht als ich. Gut für die Gesundheit ist es allemal und zwar nicht nur körperlich, denn auch für Hunde gilt: „Mens sana in corpore sano.“ (Lat. für „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.“) Oder wie Carmen Heritier gern Aristoteles zitiert: „Das Leben besteht in der Bewegung.“

Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 03/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Hundefitness - Das leben ist Bewegung

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Mittwoch, 13. November 2019

[Buchvorstellung] "Der Hund" herausgegeben von Ádám Miklósi, bietet einen umfassenden Rundumschlag zum Thema Hund

Das Thema "Hund" mit vielen anerkannten Autoren

Der bekannte Verhaltensforscher und Kynologe Ádám Miklósi hat mit dem Buch „Der Hund: Geschichte, Biologie, Rassen“ aus dem Haupt-Verlag ein ausführliches Nachschlagewerk herausgegeben. Zusammen mit seinen nicht weniger bekannten Mitautoren, wie z.B. Tamás Faragó, Claudia Fugazza, Márta Gácsi, Enikõ Kubinyi, Péter Pongrácz und József Topál (sie sind Wissenschaftler und Experten im Family Dog Project, dessen Mitbegründer Miklósi ist), erhält der Leser einen guten Überblick über den heutigen Forschungsstand zum Thema „Hund“. Doch obwohl es ein Fachbuch ist, ist es überhaupt nicht trocken, zudem lockern die zahlreichen Abbildungen und Fotos es auf und machen es so abwechslungsreich.


Foto: Haupt-Verlag


Gut strukturierter Inhalt

Alles über Hunde, egal ob klein oder groß
Foto: Eric Isselee
Zunächst irritierte mich die recht emotionale Mahnung von Miklósi in der Einleitung – fand ich irgendwie ungewöhnlich für ein wissenschaftlich orientiertes Werk. Doch mein zweiter Gedanke waren all die seltsamen Auswüchse in der Hundebranche und die Halter, die irgendwelchen falschen Scharlatanen auf den Leim gehen und teilweise die aberwitzigsten und logikarmen Methoden anwenden, für die ist so eine Mahnung mehr als angebracht. Das 224 Seiten starke Buch ist gut strukturiert in 6 Kapitel: Am Anfang erhält der Leser Infos zur Evolution & Ökologie des Hundes. Die folgenden Kapital handeln über die Anatomie & Biologie; Verhalten & Sozialleben; sensorische Wahrnehmung, Denken & Persönlichkeit und das wichtige Thema Zusammenleben von Hunden & Menschen; den Abschluss bildet ein Verzeichnis einiger Hunderassen.

Wie begrüße ich einen Hund richtig?!

Ein Abschnitt, dem ich besonders viel Aufmerksamkeit schenkte, war der wie man Hunde richtig(!) begrüßt. Denn immer wieder begegnen uns Canigrapscher und Kynotatscher, die ohne zu fragen den Hund anfassen (womöglich sich noch drüber beugen inklusive Fixieren mit den Augen und am besten auch noch den Kopf tätscheln wollen)... Nun werden viele sagen, das ist eher was für Nicht-Hundehalter und die würden so ein Buch ja nicht lesen – doch meiner Erfahrung nach sind es oft erstaunlicherweise sogar selber Hundehalter. Insofern hat dieser Abschnitt für mich absolute Berechtigung!


Dem coolen Rico gefiel der Inhalt auch sehr

Neueste Ergebnisse der Wissenschaft gegen Mythen

Das Buch räumt auch mit hartnäckigen Mythen auf, die immer noch in einigen Köpfen und den (a)sozialen Medien rumgeistern. So beispielsweise der Mythos um den „Alpha“: Nach neuen Forschungsergebnissen brauchen Hunde jemanden, an dem sie sich orientieren können und der die Führung übernimmt. Wenn sie das nicht bekommen, übernehmen sie die „Führung“, was sich dann oft in Problemverhalten äußert. Eine Erziehung a la Lassez-Faire ist also nicht ratsam. Doch muss man den Hund deswegen NICHT unterdrücken! Denn Hund und Mensch bilden einen Sozialverband; und wie bei uns Menschen auch, hat die Führung nicht der „Stärkere“ oder der „Gewalttätige“, sondern wer mit liebevoller Autorität weiß „wo es lang geht“ und dem Hund so Sicherheit bietet.

Der kleine Leon war geradezu begeistert von dem Buch - da musste er einfach "zuschnappen" 😉😃

Ausführlicher Anhang

Was ich persönlich sehr gut finde, ist der ausführliche Anhang und das Literaturverzeichnis am Ende. Denn damit hat der Leser die Möglichkeit die Aussagen zu überprüfen und weiter zu recherchieren. Alles in Allem ein sehr gut gelungenes Buch, das den derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht nur verständlich rüber bringt, sondern es eignet sich auch immer wieder zum Nachschlagen.

Wuffige "Qualitätsprüfung": Das Buch "schmeckt" auch Hunden 😃

Übrigens: Der kleine Leon fand es auch sehr interessant, man könnte sagen, er wollte es geradezu „verschlingen“... 😉😂




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Sonntag, 5. Mai 2019

[Buchvorstellung] "Die Welt der Gerüche" von Frank Rosell eröffnet Einblicke in die dem Menschen unbekannte Wahrnehmung unserer Hunde

Die regelmäßigen Leser unseres Blogs wissen ja, wie sehr mich die Geruchswahrnehmung unserer Hunde interessiert (eine Auswahl an Links zu Artikeln findet ihr am Ende dieses Beitrages). Denn durch mein Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft weiß ich, wie wichtig die individuelle Realitätskonstruktion für das gegenseitige Verstehen und somit auch Verständnis ist. Dieses Verständnis für die Realitätskonstruktion ist essentiell wichtig für die Kommunikation. Was bei uns Menschen schon schwierig ist, stößt bei unseren Hunden auf nahezu unüberwindliche Hindernisse wegen unserer physischen Unzulänglichkeit in der Hinsicht. Nur ein Beispiel: Während der Wahrnehmungsraum was Gerüche angeht beim Menschen in etwa die Größe eines Schuhkartons hat, liegt er bei unseren Fellfreunden in der Größenordnung einer Lagerhalle.



Umso mehr sind wir 2-Beiner daher auf theoretische Informationen angewiesen, die unsere Vorstellungskraft (quasi eine Form der "Geruchs-Empathie" wie der von mir bereits mal in WUFF - Das Hundemagazin beschriebene "Odorisations"-Blick) inspirieren und so unser Verständnis vergrößern. Ein hierfür wirklich empfehlenswertes Buch ist *Die Welt der Gerüche von Prof. Dr. Frank Rosell (336 Seiten, Kynos-Verlag). 
Prof. Dr. Frank Rosell
Foto: Elisabeth Berge

In verständlicher Sprache, mit vielen, unterhaltenden Geschichten gespickt, führt der Verhaltensbiologe den Leser in diese für uns fremde Wahrnehmungswelt ein. Daher eignet es sich auch für den Anfänger. Aber Profis werden es gern als Nachschlagewerk schätzen und zur Auffrischung ihres Wissens nutzen - und wohl auch die ein oder andere für sie neue Info finden. Besonders gut gefallen mir die zahlreichen Quellenangaben und die Bibliographie, zwecks weiterer, vertiefender Recherche.


Als ich das Buch das 1. Mal in Händen war, war ich zugegebenermaßen skeptisch als ich ins Inhaltsverzeichnis schaute: Wegen der späteren Kapitelkategorisierung nach Aufgabengebieten (ab Kapitel 4) dachte ich, ob sich da nicht viele Otto-Normal-Hundehalter nicht angesprochen oder gar abgeschreckt fühlen? Ich hoffe jedenfalls nicht, denn viele der dort beschriebenen Infos lassen sich auch auf unsere Fellfreunde übertragen, die jetzt keine Arbeitsaufgabe haben oder für die Hobby-Sportler. Doch auch diejenigen, deren Hund als Profi-Spürnase tätig ist, sollte nicht nur das Kapitel lesen, in das sein Hund fällt (z.B. der Rettungshund, der Jagdhund, der Polizeihund, der Zollhund), sondern auch die anderen Kapitel, die der Überschrift nach zu urteilen vielleicht nichts mit dem Aufgabengebiet des eigenen Hundes zu tun haben. Denn das wäre meiner Meinung nach ein großer Fehler, weil man dort ebenfalls zahlreiche Infos findet, die auch für andere Arbeitsgebiete hilfreich sind.

So ganz nebenbei lernen die Leser aber nicht nur viel über den Geruchssinn und seine Einsatzmöglichkeiten, sondern auch viele zahlreichen Details zur Geschichte unserer Hunde und ihrer Domestizierung. Alles in allem also ein Buch, dass unser Verständnis für den besten und ältesten Freund des Menschen, sowie er seine Umwelt wahrnimmt, fördert.

Weitere "Geruchs-Artikel" 😉






*Werbelink

Donnerstag, 7. Februar 2019

[Buchvorstellung] "Der Mensch im Tier" von Norbert Sachser zeigt die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Tieren

Mensch und Tier haben mehr gemeinsam als viele glauben!
Allzu gern sehen sich die Menschen ja als "Krönung der Schöpfung". Dass dem nicht so ist, ist die Kernaussage in dem Buch "Der Mensch im Tier" von Prof. Dr. Norbert Sachser, Leiter des Institutes für Verhaltensbiologie der Uni Münster. Er fasst die neuesten Forschungsergebnisse darin allgemein verständlich zusammen und kommt zu dem Schluss, dass wir Menschen wesentlich mehr Gemeinsamkeiten mit den Tieren haben, als bisher angenommen. Das gilt vor allem für soziale, in Gruppen lebende Säugetiere (und dazu zählen ja auch Hunde!), aber auch für so manche Vogelart.


Prof. Dr. Norbert Sachser, Leiter des Instituts für Verhaltensbiologie: "Mensch und Tier haben viel gemeinsam."
Foto: Willi Weber

In den vergangenen 30 Jahren hat sich so einiges getan in der Forschung. Dies führte zu einem regelrechten Paradigmenwechsel: Manche Tiere sind zu einsichtigem Verhalten fähig, können sogar denken. Sie erkennen sich selber im Spiegel, was auf ein Ich-Bewusstsein schließen lässt. Und so manche ihrer Emotionen ist mit denen von uns Menschen bis in verblüffende Details vergleichbar - noch vor einigen Jahren hatte die Mehrheit den Tieren Emotionen abgesprochen. Sie sind aber eben mehr als nur instinktgeleitete Wesen, wie viele bis heute denken.

Und das gilt nicht zuletzt für Hunde: "Im Laufe der Haustierwerdung haben Hunde die Fähigkeit erworben, den Menschen immer besser zu verstehen, was wesentlich dazu beiträgt, dass wir uns mit Hunden so gut verständigen können", sagt Sachser im Interview ich mit ihm führte (ihr findet es in der derzeit aktuellen Ausgabe 03/2019 von Der Hund auf Seite 40-41).

Immer wieder bringt Sachser in seinem Buch viele Beispiele von Tieren mit herausragenden Leistungen. Und so erkennt der Leser anschaulich, dass nicht nur der Mensch die Fähigkeit zu denken und den Erfindungsreichtum gepachtet hat. All diese Erkenntnisse aus der Wissenschaft der vergangenen Jahre zeigen eines deutlich: Wir sind den Tieren näher gerückt.

Auch zum Thema Stress schreibt Sachser in seinem Buch. In unserer Gesellschaft hat dieses Wort ja einen allgemein negativen Beiklang. Als Wissenschaftler weiß er dabei genau zu differenzieren zwischen Dauerstress, der gesundheitsschädlich sein kann, und eben punktuellen Stress. Im Interview, welches ich mit ihm führte sagt er:  "Der Begriff Stress ist in der heutigen Zeit allgemein negativ besetzt, dabei ist er eigentlich was Positives. Denn physiologisch dient er dazu schnell viel Energie zur Verfügung zu stellen – zum Beispiel zur Flucht oder für den Angriff. Stressreaktionen sind demnach also sinnvoll für das Überleben." 

Hunde, die die sozialen Regeln kennen, spielen viel entspannter mit Artgenossen!

Außerdem räumt der Verhaltensbiologe Sachser in seinem Buch auch mit einigen Mythen und laienhaften Vorstellungen auf: So denken viele Menschen noch immer, dass die wichtigste Prägephase das Welpenalter ist. Doch neuere Forschung zeigt, dass die Pubertät genauso wichtig ist. Denn in dieser Phase lernen Tiere die sozialen Regeln im Miteinander mit Artgenossen. Apropos Miteinander mit Artgenossen: Ohne den Kontakt zu Artgenossen zeigen soziale Tiere wie unsere Hunde Verhaltensstörungen. Dies ist eine Erkenntnis des Kaspar-Hauser-Versuches von Harry Harlow (der heutzutage aus Tierschutzgründen wohl verboten wäre!), schreibt Sachser in seinem Buch. Ja mehr noch, dieser umstrittene Versuch zeigte, dass sogar die Mutter ersetzbar ist: Denn wenn die Jungtiere mit gleichaltrigen Artgenossen aufwuchsen, dann zeigten sie ebensowenig Verhaltensstörungen, als wenn sie nur mit der Mutter zusammen heranwachsen.


Wenn Hunde gut sozialisiert sind, verstehen sie sich besser.

Das mag gewissen "Helikopter-Haltern" (über die ich ja auch bereits schrieb), zwar missfallen, aber sie tun ihren Hunden eben keinen Gefallen, wenn sie ihrem Fellpartner alle Erfahrungen vorenthalten. Und so hat Sachser auch eine klare Botschaft für solche Helikopter-Halter: "Alles was sie ihrem Schützling vorenthalten, macht ihn ängstlich und verursacht dadurch unnötigen Stress. Die Folgen sind oft soziale Inkompetenz und Verhaltensstörungen. Beides kann dann bei Begegnungen mit Hunden und Menschen sogar gefährlich werden."

Bleibt zu hoffen, dass sich diese Erkenntnis, dass Mensch und Tier mehr als nur ähnlich "ticken" und viele Gemeinsamkeiten haben im Denken, Fühlen und Verhalten, möglichst rasch bei vielen rumspricht.





Mittwoch, 11. Juli 2018

Interview mit dem Filmtier- und Hundetrainer Dirk Lenzen über sein neues Buch, worin auch Hunde zu Wort kommen

🐶 Und wieder hat mein menschliches Cerebral-Interface es getan, ein Interview in unserer Kolumne im Hundemagazin WUFF. *wedelfreu* Dabei weiß mein Oller doch, wie schwer es mir fällt, zu einem Interview einen begleitenden Blogartikel zu schreiben. Aber diesmal hab ich den Ollen ausgetrickst! *frechwedelfreu* Denn wisst ihr, bei so einem Interview werden meist mehr Fragen gestellt, als abgedruckt werden. Während die beiden sich auf dem Gelände von Dirk Lenzens Hundeschule animalstar unterhielten, habe ich gelauscht. *ohrennachvorn* Und so habe ich ihm das Interview stibitzt...ich war also schnüffel-investigativ unterwegs. *megafrechwedel* Mein Cerebral-Interface Maximilian hat sich mit dem bekannten Filmtiertrainer, der bereits schon mit Hollywood-Stars wie Tom Cruise gedreht hat, über sein neues Buch "Wenn Hunde sprechen könnten und Menschen richtig zuhören" (Co-Autor Sebastian Brück; erschienen im GU Verlag) unterhalten. Darin kommen nämlich Trainer, Halter und - was mich besonders freut - wir Hunde zu Wort. *jawohlwoaff* Lest nun den Teil, den mein Oller rausgekürzt hat:


Dirk Lenzen und Gassireporter Rico

Wie sind denn so bisher die Reaktionen der Halter auf das Buch?
Dirk Lenzen (DL): Natürlich, weil es so noch nicht gegeben hat, nur gute. (lacht) Vor allem loben alle die Verständlichkeit, keiner sagt, es wäre zu kompliziert. Auch nutzen es viele zum Nachschlagen.


Und wie sind die Reaktionen anderer Hundetrainer?
DL: Auch da habe ich positive Reaktionen von Kollegen, die sich darüber freuen, weil ich so deren Arbeit vereinfache. Ein Hundetrainer-Kollege, soll mein Buch sogar seinen Kunden weiterempfehlen. Allerdings im so genannten „Flurgeflüster“ bekomme ich schon mit, dass dem ein oder anderen Kollegen, das Buch missfällt – und sei es nur, weil er mit anderen Methoden trainiert.


Was wünschst du dir von Hundehaltern, das sie im Umgang mit ihrem Hund aber auch anderen Haltern, beachten sollten?
DL: Da wünschte ich mir:
1) Mehr Rücksicht – sie sollten sich im Klaren sein, dass der Gegenüber einen anderen Hundecharakter hat als der eigene.
2) Die Grunderziehung zumindest im 1. Jahr ernster nehmen und sich nicht von der Putzigkeit des Welpen oder Junghundes erweichen lassen. Ich kenne dieses Gefühl, aber als Profi kann ich das ausschalten, um sachlich mit der Sache umzugehen.
3) Mehr Verständnis für andere Hunde, für andere Halter, aber auch für die Nicht-Halter
4) Mehr Verantwortungsbewusstsein - einen Hund durchs Leben zu führen sehe ich ähnlich wie das Autofahren. Mit 180 km/h über die Autobahn, ohne Rücksicht auf andere Fahrer und dabei auf der Rückbank noch ein Leberwurstbrot schmieren; das bringt nicht nur einen selber in Gefahr, sondern ist verantwortungslos gegenüber seiner Umwelt. So sollten Halter ihren Hund nicht durchs Leben führen!

5) Weniger Wettbewerb, wie ich ihn oft im Hundesport oder auf Ausstellungen gesehen habe. Denn wo der Wettbewerb anfängt, hört der Tierschutz meist auf.


Aber förderst du nicht mit deinen Castings solchen Wettbewerb? Kommen da nicht auch Leute, die ihren falschen Ehrgeiz auf den Hund projizieren?
DL: Ja, die gibt es natürlich. Aber ehrlich gesagt, muss ich die meist gar nicht aussortieren, das machen die oft schon ganz alleine durch ihr gestörtes Verhältnis zum Hund. Denn dann funktioniert es meist auch nicht mit den beiden als Team vor der Kamera.

Für Dirk Lenzen ist die Perspektive der Hunde mindestens so wichtig, wie die von Trainern oder Haltern

Wie sollte deiner Meinung nach denn der „optimale“ Hundehalter sein? Welcher Typ oder Mischtyp hat am wenigsten und/oder seltensten Probleme?
DL: Zunächst die Basics: Er muss finanziell in der Lage sein, seinen Hund zu Versorgen, sowohl im Alltag als auch in Notfallsituationen medizinisch. Das Zeitmanagement ist auch wichtig, kann man den Hund mit der eigenen Lebensführung vereinbaren? Das sollte man sich vorher genau überlegen. Besonders förderliche Charaktereigenschaften sind Gelassenheit, Choleriker haben bei den meisten Hunden schlechte Karten, und Souveränität. Auch sollte man nicht empfindlich sein und sich beispielsweise aufregen, weil der Hund den Knochen auf dem Teppich frisst und den somit verdreckt.


Welcher Halter-Typ hat denn deiner Erfahrung nach am häufigsten Missverständnisse mit seinem Hund?
DL: Die vor lauter Nervosität gar nicht überlegt haben, dass sie sich auf einen Deal eingelassen haben, wenn sie einen Hund übernehmen. Zu den Nervösen und Unüberlegten gesellen sich dann noch diejenigen, die die Verantwortung abgeben wollen, die glauben, dass der Hundetrainer schon alles richtet.
Schwierig sind auch diese festgefahrenen Ideologen, die sind schwer zu knacken. Ein offener Charakter ist da für den Hund in mehrerer Hinsicht förderlicher.

Zwischendurch war auch Zeit für die ein oder andere kleine Übung

Du bist ja auch Filmtiertrainer. Kannst du bitte kurz umreißen, welche Eigenschaften ein Hund haben sollte und was er auf jeden Fall bereits können sollte?
DL: Ganz wichtig ist ein stabiles Wesen! Menschenfreundlich, kinderlieb muss auch sein, da sie ja vor und hinter der Kamera, egal ob für Film oder Foto, damit zu tun haben. Oft wird auch mit anderen Tieren zusammen gedreht, beispielsweise mit Katzen – da wäre so ein ausgesprochener Katzenjäger fehl am Platz. Sie sollten die Grundkommandos beherrschen, also: Sitz, Platz, Bleib etc. Idealerweise können sie das auf Handzeichen und auf Entfernung, denn der Halter und ich stehen ja hinter(!) der Kamera. Aber im Vergleich zu früher muss ich den Hunden gar nicht mehr so viel Neues beibringen, da heutzutage viele Halter denen schon den ein oder anderen Trick beibringen auf dem ich dann auch aufbauen kann. Heutzutage bin ich daher eher eine Art Scout, der auch darauf achtet, dass die Tierschutzverordnungen eingehalten werden, die ganze Abwicklung begleitet, eben alles, was so noch dahinter steckt.
 



PS: Dies ist der ergänzende Blogbeitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (08/2018) "Erkenntnisgewinn durch Perspektivwechsel"



Samstag, 18. November 2017

[Gastbeitrag] Nadine Wolf räumt mit BARF Mythen auf!

Die Buchautorin und Bloggerin (Der BARF-Blog; Facebook-Seite Der BARF-Blog) Nadine Wolf kennt sich mit BARF aus! Die artgerechte Ernährung unserer 4-Beiner ist für sie mehr als ein Job, es ist auch ihre Leidenschaft. Ob als Autorin, Bloggerin, Kolumnistin, Dozentin oder auch Tierheilpraktikerin, alles dreht sich bei ihr um Hunde und deren Gesundheit. Schon einige interessante Telefonate haben wir geführt und dabei nicht nur über die Ernährung gesprochen. Vor Kurzem lernten wir sie dann auch mal persönlich kennen und der sympathische Eindruck vom Telefon bestätigte sich noch. Daher freuen wir uns sehr, dass sie hier in unserem Blog einen Gastbeitrag zu dem Thema BARF beisteuert und mit ein paar Mythen aufräumt.

Als Rico Nadine auch real beschnuppern konnte, beanspruchten die Fleischbällchen auf der Tiefkühltruhe seine Aufmerksamkeit. 😃


2 BARF-Mythen

von Nadine Wolf

Um das Thema BARF kursiert eine ganze Reihe von Mythen, die Ängste schüren und Einsteiger verunsichern. Natürlich birgt auch BARF gewisse Risiken, aber so manche negative Darstellung zum Thema gehört schlichtweg ins Reich der Märchen. Davon sollte man sich als BARF-Interessent nicht zu sehr beeindrucken lassen.

Nadine mit ihrem "Puppenmann"
Foto: Der BARF-Blog

 

BARF liefert zu viel Eiweiß

Das Vorurteil, BARF sei zu eiweißreich und damit schädlich für den Hund, hält sich hartnäckig. Die Frage, die sich zunächst stellt, ist, warum eine überhöhte Eiweißaufnahme überhaupt problematisch sein könnte. Denn Organschädigungen aufgrund einer langfristigen Überversorgung konnten bisher nicht nachgewiesen werden, ein Zuviel gibt es also eigentlich nicht. Unabhängig davon sollte aber geklärt werden, wie viel Eiweiß ein Hund überhaupt benötigt und wie viel mit BARF tatsächlich aufgenommen wird. Ein ausgewachsener 30 kg schwerer Hund, der normal aktiv ist, benötigt 64 g verdauliches Eiweiß am Tag. Dieser Hund bekäme mit BARF etwa 600 g Futter am Tag, darin im Durchschnitt enthalten 240 g durchwachsenes Fleisch, 100 g Pansen, je 70 g Innereien und fleischige Knochen, 120 g Obst und Gemüse sowie ein paar Zusätze. Diese Mischung liefert etwa 87 g Protein, respektive ca. 70 g verdauliches Eiweiß am Tag, deckt also gerade den Bedarf des Hundes. Bekäme der gleiche Hund etwa 360 g Trockenfutter einer bekannten Tierarztmarke mit 26 % Protein, wären es 94 g Eiweiß. Wie die Berechnung zeigt, ist die Zufuhr bei beiden Rationen etwa gleich, BARF liefert sogar etwas weniger Eiweiß als das Trockenfutter. Die Behauptung, BARF würde im Gegensatz zum Fertigfutter zu viel Eiweiß liefern, trifft also überhaupt nicht zu. Bei konzeptloser Rohfütterung mag das anders aussehen, nicht aber bei BARF. Erfolgt die Orientierung am Beutetier, so werden neben anderen Komponenten beispielsweise auch automatisch ausreichende Mengen an Fett zugeführt, um eben nicht Unmengen an Fleisch verfüttern zu müssen. Das senkt automatisch den Eiweißgehalt in der Nahrung. Ergo: Dass BARF zu viel Eiweiß liefern soll, ist ein Mythos ohne Wahrheitsgehalt.

Eine beispielhafte BARF-Ration
Foto: Der BARF-Blog

 

Die Orientierung am Wolf macht keinen Sinn

Es wird oft angeführt, dass die Orientierung am Wolf völliger Unfug wäre, weil der Hund ja nun einmal kein Wolf sei und völlig anders leben würde. Das ist richtig, aber es ist eindeutig belegt, dass sich das Verdauungssystem von Hunden im Laufe der Domestikation fast gar nicht verändert hat. Hunde und Wölfe sind derart nah miteinander verwandt, dass diese Spezies sogar so miteinander verpaart werden können, dass zeugungsfähige Nachkommen entstehen. Das ist beispielsweise bei Pferden und Eseln nicht möglich, denn die entstehenden Hybriden sind fast immer unfruchtbar. Und niemand würde auf die Idee kommen, diese beiden Tierarten grundlegend anders zu ernähren. Es gibt natürlich Unterschiede, aber sie sind nicht eklatant wie die Kluft zwischen Beutetier und trockenen Pellets mit 50 % (und mehr) Getreideanteil. Warum also einen Hund so grundlegend anders ernähren als seinen biologischen Vorfahren? Das macht keinen Sinn!

Bayo mit Knochen
Foto: Der BARF-Blog

Als weiteres Argument gegen die Orientierung einer Fütterungsmethode für Hunde an jener von Wölfen wird die Tatsache angeführt, dass diese in Freiheit ohnehin nur 4–5 Jahre alt werden. Das würde eindeutig zeigen, dass deren Ernährung nicht auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet sei. Bei dieser Begründung wird jedoch verschwiegen, warum Wölfe in Freiheit nicht besonders alt werden. Die meisten Wölfe sterben durch Menschenhand frühzeitig: Sehr viele Tiere werden überfahren, erschossen oder vergiftet. Weitere sterben an Infektionen oder verhungern. In Gefangenschaft werden Wölfe durchaus 13–17 Jahre alt. In Zoos und Wildgehegen ernähren sie sich ebenfalls wie ihre wilden Artgenossen von Beutetieren, sind aber vor anderen Risiken geschützt und werden medizinisch versorgt, wenn sie krank werden. Nicht die Art der Fütterung bedingt also die geringe Lebenserwartung der Tiere in Freiheit, sondern die übrigen Lebensumstände.

Hat man dieses Argument entkräftet, wird dann auch noch bemängelt, dass BARF für Hunde nicht bedarfsdeckend sei, die Beutetierfütterung für Wölfe hingegen schon, weil diese schließlich täglich 10 kg fressen würden. Erst durch diese hohen Mengen wäre die Bedarfsdeckung gewährleistet - logisch, denn je mehr Futter, desto mehr Nährstoffe. Hunde hingegen bekämen mit BARF wesentlich weniger Futter: Ein Hund in Wolfsgröße nur etwa 1 kg pro Tag. Da haben wir sie, die Äpfel und die Birnen. Ein Wolf in Freiheit ist nicht mit einem Wohnungshund zu vergleichen. Hier muss wieder der Wolf in Gefangenschaft herangezogen werden, denn der Energieverbrauch im Tierparkgehege entspricht eher dem des Haushundes. Und siehe da: In Tierparks fressen die Wölfe im Schnitt 5-mal pro Woche etwa 1-2 kg Futter pro Tier. Das entspricht ungefähr der Menge, die ein Hund dieser Größe mit BARF bekommen würde, wenn auch er zwei Tage pro Woche fasten müsste. Auch bei diesen Argumenten wird klar, dass sie sich als Mythen entpuppen, wenn man sie hinterfragt.





Nadine mit ihren Hunden
Foto: Der BARF-Blog
Da haben wir wieder was dazugelernt: BARF ist gar nicht so kompliziert wie viele glauben. Und wie so oft im Leben, kommt es auf die Ausgewogenheit an. Das Döggelchen Rico wird ja "Mischgefüttert"; das heißt, dass er sowohl Fertigfutter bekommt, aber auch rohes Fleisch und auch Küchenreste. Von Nadine wissen wir, dass das schon sehr abwechlungsreich und ausgewogen ist. Vielen Dank Nadine für deinen informativen Beitrag in unserem Blog, der mit ein paar Mythen aufräumt!


Sonntag, 16. Juli 2017

Unsere erste gemeinsame Buchlesung auf einer Hundemesse

Vor einiger Zeit waren wir ja auf dem Hundefestival Bunte Hunde, das parallel mit der Pferdemesse Equinus auf der Kölner Galopprennbahn stattfand. Denn wir sollten da bei einer Lesung aus dem Buch "Mein Hund heißt NEIN!" mitmachen, da ja 2 der 44 Geschichten von uns sind. So lernten wir auch endlich Antonietta Matteo, Klarissa Klein und Burkhard Thom kennen - so persönlich und ganz analog. Wir verstanden uns auf anhieb und haben an den Tagen viel gelacht und geredet.

Wir 2 beim Vorlesen :-)

Tolle Autoren und jetzt auch neue Freunde: Antonietta, Burkhard und Klarissa (v.l.n.r.)

🐶 Und erst die Streicheleinheiten von Antonietta... oder auch von Burkhard, der gab mir immer so viele Leckerlis...*leftzenleck*

Antonietta und Burkhard auf unserem kleinen Buchstand - an dem manchmal mehr los war, als an größeren ;-)

Leckerchen von Atonietta


Burkhard ist ein dufte Kumpel

Ja, vorzugsweise wenn ich nicht hingeschaut habe. Alles in allem,war ein echt tolles Erlebnis. Auch wenn sich die Besucherzahl in Grenzen hielt... Naja, bei 14 Euro Eintritt für das Festival irgendwie auch nachvollziehbar... Und du hattest sichtlich deinen Spaß daran mich jedesmal bei meiner Lesung mit der Leine zu fessen. Woher hast du das eigentlich? Hast du heimlich nen Bondage-Kurs gemacht?

🐶 Das war gekonnt, was?! Aber wie du daraus geklettert bist und dabei weiterglesen hast war auch nicht schlecht!




Jedenfalls freuen wir uns, euch nun einen Auszug aus dem Buch zu präsentieren (Geschichten von uns kennt ihr ja zu genüge. Achja, übrigens: Der Erlös des Buches geht an 2 Tierschutzvereine! An Sos-Dog e.V. und IG Gegen Rasselisten e.V. Und nun viel Spaß beim Lesen von Antonietta Matteos Geschichte aus dem Buch "Mein Hund heißt NEIN!".


Eine weite Reise


Psst, Antonietta liest vor!
… Mein Name ist Paolo. Paolo aus Spanien. … Ich war noch ganz klein, da bin ich auf der Straße gelandet und musste mir mein Essen selbst besorgen. Das war vielleicht schwer! Da waren doch noch so viele andere Tiere, die waren meistens schneller als ich. Deswegen hatte ich immer Hunger und bin ganz dünn geworden. Eines Tages kamen so komische Leute und haben mich eingefangen. Puh, da hatte ich vielleicht Angst! Aber zum Glück ist mir nichts Schlimmeres passiert, denn ich wurde in einer Pflegefamilie aufgenommen. Warum, weiß ich nicht so genau, aber vielleicht lag es daran, dass ich noch so klein war und sie mir den Aufenthalt in dem Tierheim nicht zumuten wollten. Dort haben sie mich wieder ein wenig aufgepäppelt. Ich durfte zwei Monate bleiben.

Obwohl ich eigentlich gehofft hatte, dass ich dort nicht wieder weg muss. Doch dann wurde ich eines Tages zum Tierarzt gebracht, wurde kastriert und geimpft und einen Chip habe ich auch bekommen. Ich wusste ja nicht, warum die das machen, aber spätestens, als ich plötzlich in einer Box im Flugzeug saß, war mir klar, dass man mich wieder weggeschickt hatte. Vielleicht habe ich mich dort nicht so gut benommen und die wollten mich nicht behalten? Ich weiß es nicht. Wir waren mehrere Hunde und meist zu zweit in diesen Boxen eingesperrt. Das war aber ganz gut, so fühlte ich mich nicht so alleine. Und die meiste Zeit haben wir sowieso geschlafen. Als wir wieder aus den Boxen rausgeholt wurden, wartete eine Frau auf mich. Gut, dachte ich, dann darf ich vielleicht bei der bleiben? Verstanden habe ich erst einmal gar nichts. Alles roch so anders, die Menschen sprachen so komisch. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht, alles war ganz neu für mich.

Das hat mir sehr Angst gemacht und das ist immer noch so bei unbekannten Menschen und Sachen. Aber nicht mehr ganz so schlimm wie am Anfang. Die ersten Tage habe ich in einem Ort hier in der Nähe verbracht mit ganz vielen anderen Hunden und Katzen. Da kamen oft irgendwelche Menschen vorbei und jedes Mal war ein paar Tage später ein Hund weg. Das hab ich zwar nicht so mitbekommen, da ich nur eine Woche dort war, aber die anderen haben mir das erzählt. Mit den Hunden habe ich mich schon verstanden und die Katzen dort waren auch ganz nett.

Und dann kamen wieder Menschen, die haben sich mich angeguckt. MICH! Die waren tatsächlich meinetwegen da! …


Lust auf weitere wuffige Geschichten? Alle Autoren haben auf ihr Honorar verzichtet, der Erlös geht an 2 Tierschutzvereine! Das Buch erhaltet ihr hier:



Weitere Berichte zur Messe und unseren Lesungen findet ihr hier: