Samstag, 30. Januar 2021

Einfache Kommunikationsmodelle taugen nichts …

Viele Hundehalter und Hundetrainer haben bei der Kommunikation mit ihrem Hund noch ein einfaches Sender-Empfänger-Modell im Kopf. Doch das ist veraltet und verdeutlicht viele Reaktionen der Hunde nicht. So erklärt sich auch so manches Kommunikationsproblem mit dem Hund. Da unsere Vierbeiner soziale Wesen sind, sollten wir daher komplexere Kommunikationsmodelle verwenden …

Ich wundere mich immer wieder bei unseren Gassi-Begegnungen und ­Recherchen, wie viele Halter, aber – und das ist noch seltsamer – auch Hundetrainer mit dem veralteten Sender-Empfänger-Modell der Kommunikation hantieren. Dieses von den beiden Mathematikern Claude E. Shannon und Warren Weaver (daher auch Shannon-Weaver-Modell genannt) Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelte Modell war in der Kommunikationswissenschaft bereits Mitte der 50er nicht mehr en vogue. Stellt es doch den Sender zu sehr in den Vordergrund und berücksichtigt weder die Botschaft, noch was der Empfänger damit anstellt. Dabei muss man gar nicht erst Kommunikationswissenschaftler sein; ein Blick in Wikipedia unter Kommunikationsmodelle genügt schon: „Das ­Shannon-Weaver-Modell orientiert sich an technischen Aspekten der Signalübertragung. […] Deshalb ist dieses Modell zur Beschreibung sozialer Kommunika­tionsprozesse nicht geeignet.“

Kommunikation zwischen Hund und Halter
Kommunikation zwischen Hund und Halter
Foto: Lutz Borger

Angesichts der sozialen Natur unserer Hunde ist es daher für mich nicht nachvollziehbar, warum so mancher damit noch arbeitet. Es degradiert diese wunderbar komplexen, sozialen Wesen quasi zu Radioempfängern. Und welcher Halter kennt das nicht: Trotz gleichem Befehl reagieren Hunde auch mal anders – sie sind also alles andere als bloße Signalempfänger. Die intendierte Wirkung ist eben nicht gleich der tatsächlichen. So müsste es aber nach dem Sender-Empfänger-Modell jedoch sein.

Klar, das Sender-Empfänger-Modell besticht durch seine Einfachheit. Wohl daher benutzen es auch heutzutage immer noch viele. Aber so bequem das auch sein mag, so fatal kann es beim Verständnis der Kommunikation mit unseren Hunden sein. Interaktionistische Kommunikationsmodelle sind da zur Analyse und Erklärung wesentlich geeigneter. Nehmen wir mal beispielsweise den Transaktionalen Ansatz nach Werner Früh und Klaus Schönbach (meiner persönlichen Meinung nach eignet er sich am besten für die Kommunikation zwischen Hund und Mensch und ist nicht ganz so kompliziert wie andere Modelle): Er integriert Wirkungs- (Stimulus-Response, S-O-R) und Nutzen­ansatz (Uses and Gratification), indem sowohl der Kommunikator als auch der Rezipient als aktive und als passive Kommunikationsteilnehmer verstanden werden.


Es ergänzt die Kommunikation zwischen zwei Wesen, auch Inter-­Kommunikation genannt, noch um die Ebene der ­Intra- Kommunikation – also des eigenen internen Kommunikationsprozesses, der Verarbeitung der eingehenden Signale anhand der Situation, des Erlernten, des Erfahrenen, aber auch der Emotionen und Mentalitäten.

Schließlich wissen wir ja schon lange, dass unsere Hunde nicht so dumm sind und Situationen durchaus unterscheiden können. Nicht selten klappt so manche Übung auf dem Trainingsplatz, doch in freier Wildbahn eben nicht. Oder denken wir nur daran, dass unsere Hunde manchmal einen Hund anbellen und manchmal nicht. Zum einen kommt es natürlich auch auf die Signale an, die der andere Hund sendet; aber vielfach kommt auch die so genannte Reiz­akkumulation zum Tragen. Auch hier finden interaktionistische Kommunikationsmodelle – im Gegensatz zum Sender-Empfänger-Modell – einen Grund: Denn auch wenn die Inter-Kommunika­tion zwischen Halter und Hund die gleiche sein mag, so ist die Intra-­Kommunikation des Hundes nun in dem Augenblick eine andere.

Denn die Realität ist ja bekanntlich ein Konstrukt. Nicht zuletzt basiert sie auf der Wahrnehmung. Und diese ist aufgrund der anderen Sinnesprioritäten beim Hund (anders als bei uns Menschen orientieren sich Hunde ja stärker an Gerüchen) dann eine ganz andere. Ihre Realitätskonstruktion ist folglich eine ganz andere.

Neben Inter- und Intra-­Kommunikation berücksichtigen interaktionistische Ansätze auch eine Feedback-Schleife. Auf die Kommunikation zwischen Hund und Halter wäre hier (unter anderem) das weite und wichtige Feld der Stimmungsübertragung zu verorten – oder wie es das Döggelchen Rico in unserem Blog gerne flappsig-metaphorisch nennt: semi-telepathische Verbindung. 😉

Kommunizier mit mir - aber richtig!

Sicher, diese Kommunikationsmodelle wurden ursprünglich für die menschliche Kommunikation entwickelt. Aber meiner Ansicht nach eignen sie sich ganz allgemein bei der Kommunikation zwischen sozialen Wesen – nur die Signale, also quasi die „Sprache“ ändert sich. Wir sollten endlich anfangen, unsere Hunde als individuelle und soziale Wesen wahrzunehmen. Als wesentlichem Bestandteil kommt der Kommunikation da eine maßgebliche Rolle zu. Und als soziale Wesen sollten wir sie auch dabei ernst nehmen und nicht nur als reine Empfänger unserer zuweilen doch recht widersprüchlichen Signale. Es ist für mich daher immer ein kleines Wunder, wenn Hunde uns „felllose Primaten“ dennoch verstehen. Eine Eigenschaft, die wir oft nicht mal innerhalb der eigenen Art schaffen.



Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 01/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Nehmt uns Hunde als Kommunikationspartner ernst!


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Mittwoch, 23. Dezember 2020

Ein Blick in den Mikro-­Kosmos der Geruchspartikel

Die Geruchswelt der Hunde bleibt uns Menschen ein Geheimnis. Dabei ist sie der Schlüssel zu ihrer Wahrnehmung. Es lohnt also mal , sich hineinzuversetzen und den Blick auf Geruchsquellen zu richten.
 
Alles verschwimmt vor meinen Augen. Nur unscharf erkenne ich Konturen. Voll konzentriert, schiebt sich vor mein geistiges Auge eine Schablone, ähnlich einer Sonnenbrille – oder in diesem Fall besser – eine geistige „Geruchsbrille“.
 
Nase an Nase - es gibt immer was Spannendes zu erschnüffeln!
 
Kennen Sie schon „Odorisation“? Nein!? Nun, das ist keine Schande, denn so nenne ich ein neues Spiel (aus Odor = lat. für Geruch und Imagination = psychische Fähigkeit, Bilder im Geiste zu entwickeln und diese mit dem inneren geistigen Auge anschaulich wahrzunehmen). Ich ersann es nach meinem Besuch beim SHZ Suchhundezentrum in der Schweiz, wo ich vor allem sehr viel über die Verteilung von Geruchspartikeln gelernt habe: Ich verstelle meinen Augenfokus, schon um von den visuellen Reizen nicht ganz abgelenkt zu sein; außerdem hat durch die Unschärfe ja alles eine gewisse Aura, die in diesem Fall quasi die intensive Geruchsaura darstellt. Bevor einer meckert: ja, der Vergleich hinkt, aber ich kann nichts dafür, dass unsere Menschensinne nicht identisch mit dem unserer Hunde sind – daher verwende ich auch mal „hinkende“ Hilfsmittel, um mich in sie hineinzuversetzen (wie sehr mich die Geruchswelt der Hunde fasziniert, hatte ich ja bereits in unserer Kolumne in WUFF 01/2017 erzählt).
 
Mit diesem verschwommenen (und auch leicht glasigen) Blick laufe ich nun Gassi, das Döggelchen Rico schlendert entspannt neben mir – die Nase am Boden. Seine Körperachse verrät mir schon, in welche Richtung die Spur geht. Ich konzentriere mich auf die bereits erwähnte gedankliche „Schablone“, nutze die Technik der Imagination und versuche alle möglichen Gerüche schon im Vorfeld mir zu visualisieren (ich muss den Umweg über die Augen machen, mein Riechzentrum ist ja ausgebreitet nur so groß wie eine Briefmarke, seines hingegen wie ein DIN A 4 Blatt). Da ist ein Mülleimer, voller verlockender Gerüche, teils schon verdorbene Speisen (für Hunde ja oft eine Leckerei), kleinste Restpartikel vom Inhalt haften auch noch an Verpackungen … Will er dahin? Da erblicken meine auf Odorisation gestellte Augen (verschwommen) den Baum, am unteren Ende ein dunkler Fleck; hier hat wohl jemand markiert. Der Wind kommt leicht von der Seite … DAS ist sicher sein Ziel, denke ich. Zur Überprüfung blicke ich auf Rico: In der Tat ist seine Körperachse direkt auf den Baum gerichtet, nur minimal, denn der Mülleimer steht keine zwei Meter neben dem Baum.
 
Um zu VERSTEHEN, muss man sich in den anderen HINEINVERETZEN!

Für uns zwar unsichtbar, aber die Welt ist voller Partikel, genauer gesagt Geruchspartikel. Unsere Sprache hat nicht einmal genug Begriffe, um alle Geruchsvarianten differenziert zu benennen. Wir Menschen nehmen nur einen Bruchteil davon wahr: So hat geruchstechnisch der Wahrnehmungsraum eines Hundes in etwa die Größe einer Lagerhalle, wir felllosen Primaten kommen da gerade auf die Größe eines Schuhkartons. Und dieser Mikrokosmos funktioniert nach seinen eigenen Regeln, weiß Kerstin Hennings, Leiterin des SHZ Suchhundezentrums: „Lebewesen hinterlassen klebende und schwebende Spuren, bestehend eben aus schweren und leichteren Partikeln. Man muss sich diese wie Cornflakes vorstellen. Sie werden beeinflusst von Temperaturschwankungen, Wind, Regen und Sonne, sowie so genanntem Mikro-Klima, wie es durch die Umgebung entsteht – z.B. kleine Luftverwirbelungen in zugigen Ecken oder Ähnliches.“
 
Sicher, mein Odorisations-Blick kann es nicht wirklich mit einer Hundenase aufnehmen. Seine Differenziertheit kann er gar nicht erreichen. Und schon bei Gerüchen, die nicht auf sichtbaren Dingen haften, findet er seine ­Grenzen, so beispielsweise im Sand. Oder auch, wenn zu viele sichtbare Sachen vorhanden sind, wie dichtes Gebüsch und Blätterwerk im Wald. Oder aber gerade jetzt zur Weihnachtszeit, mit all ihren typischen Düften, von Bratwürsten, Glühwein, gebrannten Mandeln und Gebäck. Umso mehr sollten wir Menschen Respekt haben, dass unsere Hunde selbst in so einer Duft-Disco eine aufgenommene Spur verfolgen können – trotz Geruchs-Cocktails, Aroma-Stroboskopen, Stinke-Spots und verlockender Odor-Orgel.
 
Gemeinsam mit unterschiedlichen Sinnen die Welt erkunden...
 
Dennoch finde ich, kann der Odorisations-Blick es fast mit dem Röntgen­blick aufnehmen. Vor allem im Zusammenspiel mit dem Lesen der ­Körpersprache. Nicht selten erkenne ich an den Körper­signalen von Rico, dass uns um die Ecke ein anderer Hund entgegen kommt. Auf jeden Fall hilft er mir vorausschauend schon das ein oder andere Interessante für meinen Hund zu erkennen. Aber auf jeden Fall hilft es mir auch, mich mehr in ihn hinein zu versetzen und ihn zu verstehen. Dafür nehme ich dann auch in Kauf, dass ich über die ein oder andere Wurzel ­stolpere, weil mein Odorisations-Blick wieder in weite Ferne schweift und ich nicht erkenne, was vor meinen Füßen liegt.
 
PS: Falls Sie es selber ausprobieren wollen, wundern Sie sich nicht über die Passanten, die Sie dann anstarren – es liegt an Ihrem glasigen Blick …
 
 
Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 12/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Im Riechen sind Hunde den Menschen mehr als eine Nasenlänge voraus


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Mittwoch, 16. Dezember 2020

Über unseriösen Tierschutz und wie ihr das erkennen könnt

Tierschutz ist nicht gleich Tierschutz!

Immer wieder flimmern irgendwelche Spendenaufrufe von Tierschutzvereinen über den Bildschirm - vor allem vor Weihnachten. Meist hoch emotionalisiert, mit teilweise schockierenden Bildern. In der Tat gibt es viele Tiere, die Hilfe brauchen und die Vereine sind auf Spenden angewiesen. Aber leider gibt es auch viele Schwarze Schafe, die die Tierliebe ausnutzen, um die eigenen Taschen zu füllen. Doch wie erkennt ihr die seriösen und trennt sie von den unseriösen Tierschützern?

 

Das Döggelchen Rico stammt aus dem Tierschutz: Er war eine Beschlagnahmung durch den Amtsveterinär, weil er seine ersten 11 Lebenswochen nur in einem völlig verdreckten Keller verbrachte...
 

Gemeinnützigkeit statt Gewinnabsicht

Da wäre zunächst die Gemeinnützigkeit. Die kann ein Verein beantragen und wenn er gewisse Bedingungen erfüllt, bekommt er die zugesprochen. Ist für Vereine eine tolle Sache, denn dadurch sparen sie Steuern - dürfen aber auch keine Gewinne erwirtschaften. Ist ja auch logisch: Bei einer Gewinnorientierung handelt es sich um ein Unternehmen. Dabei ist das Kürzel "e.V." kein "Gütesiegel", denn es bedeutet nur, dass es eben ein eingetragener Verein ist, eine Gemeinnützigkeit ist damit nicht automatisch gegeben. 

Hier mal ein "skurriles" Beispiel: Ein Tierschutzverein, der auf Facebook sehr umtriebig ist, ruft immer wieder zu Spenden auf. Angeblich für Tierschutzprojekte in Osteuropa. Immer wieder werden herzzerreißende Fotos gepostet und der "Erfolg" mit Fotos angezeigt. Doch schaut man sich diese Fotos mal genauer an, fällt etwas auf: Oft wird nur eine Bretterwand an anderer Stelle aufgestellt oder ein Metallzaun verschoben, damit es anders aussieht als die zuvor geposteten Fotos. Offenbar fiel dem Finanzamt anhand der Rechenschaftsberichte irgendwas auf, so dass sie diesem Verein dann die Gemeinnützigkeit aberkannten. Und was macht der Verein? Obwohl er die Steuervorteile verloren hat (und somit das Geld weniger den Tieren zu Gute kommt), lässt er sich von seinen "Jüngern" feiern, weil man ja jetzt mit weniger Auflagen den Tieren helfen könnte. Ja ne, ist klar...also wer auf den platten PR-Trickversuch hereinfällt, lässt sich wohl jeden Bären aufbinden.

Transparenz schafft Vertrauen

Sie ist ein starkes Indiz für die Seriosität des Tierschutzvereins: Transparenz. Da es sich ja um einen Verein handelt und nicht um eine Privatperson, zieht das Argument der "Privatsphäre" nicht - es sei denn, man will was verheimlichen. Hier solltet ihr euch mal die Satzung anschauen, denn da steht schon mal grob drin, was der Verein macht und wofür die Gelder ausgegeben werden sollen. Noch konkreter ist der Rechenschaftsbericht, denn er zeigt wohin die Gelder im jeweiligen Jahr tatsächlich geflossen ist (den müssen Vereine erstellen, damit sie die Gemeinnützigkeit beibehalten können) - der Vorstand legt damit vor seinen Mitgliedern Rechenschaft ab. Beides müssen sie aber ihren Mitgliedern zukommen lassen (und wenn es Änderungen gibt, dann müssen sie ihre Mitgleider darüber informieren). Die meisten seriösen Vereine veröffentlichen daher Satzung und Rechenschaftsbericht auf ihren Webseiten. Sie sind dazu gesetzlich nicht verpflichtet, aber das bietet für sie viele Vorteile: Weniger Papierverbrauch und Portokosten, weniger Organisation etc. Und diesen Vereinen ist halt auch bewusst, dass sie mit Transparenz eben Vertrauen schaffen.

So sehen das auch unsere Leser: Bei einer Umfrage gaben 99% an, dass mangelnde Transparenz sie stutzig, ja misstrauisch macht.

Eure Meinung ist gefragt! #Transparenz schafft Vertrauen: So mancher #Tierschutzverein macht aus seiner Satzung ein...

Gepostet von Gassireport am Donnerstag, 7. November 2019

Doch auch bei solchen Vereinen, die weder Satzung, noch Rechenschaftsbericht veröffentlichen, könnt ihr sie einsehen, denn Vereine sind verpflichtet sie bei den zuständigen Behörden einzureichen: Im Vereinsregister (leider aber nicht kostenlos, aber es ist auch nicht sehr teuer).

"Verschleierungstechniken" von Tierschützern

Auch hier gibt es prominente Beipsiele: So existiert ein Tierschutzverein, der weder Satzung, noch Rechenschaftsberichte veröffentlicht - ja mehr noch: Denn sie haben gar keine Webseite. Das alleine ist schon seltsam, denn ein Verein hat ja ein berechtigtes Interesse daran, möglichst viele Leute zu erreichen. ja mehr noch, es ist eine der Kernaufgaben von Vereinen, Öffentlichkeit herzustellen. Warum also versteken. Als ich dann weiter recherchierte erfuhr ich so einiges: So schließen Mitglieder mit ihrem Beitritt einen Vertrag mit einer Versicherung. Nur so zur Info: Versicherungen zahlen für so eine Vermittlung so genannte Kick-backs, also Provisionen. 

Diese Intransparenz vergraulte auch die aus dem TV bekannte Schirmherrin. Mir liegt eine E-Mail vor, indem sie die fehlende Transparenz als Trennungsgrund angab. Gerüchten zu Folge, soll bei ihr wegen des Tierschutzvereins auch schon mal das Finanzamt geklingelt haben. Mehrere Leute berichteten mir beispielsweise, dass ein Grundstück zu Trainingszwecken für die Suchhunde angeschafft wurde. Nur lag dieses Grundstück geografisch so ungünstig gelegen, dass außer der Vereinsführenung keiner was davon hat.

In dem Zusammenhang stieß ich dann auf weitere "skurrile" Fälle. So sammelte eine in der Szene prominente Hundetrainerin regelmäßig Spenden für ihre Tierschutzprojekte im Ausland. Dabei erweckte sie den Eindruck, dass es sich um Vereine handelt. Doch dem war nicht so, es waren einfach nur Spendenaktionen - und sie liefen über das Konto des oben beschriebenen Tierschutzverein, der nicht mal eine Webseite hat. Das muss nicht, aber kann sehr geeignet sein, um zu verschleiern, wohin die Gelder dann tatsächlich fließen und wofür sie ausgegeben werden. Offenbar ist man aber irgendwann wohl vorsichtig geworden (vielleicht durch meine Recherchen aufgeschreckt?) und hat dann doch einen eigenen Verein gegründet - der hat sogar eine Webseite, aber Satzung und Rechenschaftsbericht sucht man da vergeblich (obwohl zur Gründung des Vereins bei Anfragen das in Aussicht gestellt wurde). Meine persönliche Meinung: Vertrauen schafft man anders!

Tja, Tierschutz ist eben nicht gleich Tierschutz. So mancher will nur Geld machen und nutzt dafür die Tierliebe aus. Selbstverständlich bedeutet eine solche mangeldne Transparenz nicht zwangsweise, dass etwas unseriös ist. Aber es macht doch stutzig, wenn solche Konstruktionen gewählt werden und man muss sich fragen: Was wollen die verbergen? und warum?

 

Auch Leon ist ein Tierschutzhund: Da man seine schwangere Mutter auf einer Müllhalde fand, wurde er in einem Tierheim geboren und verbrachte dort seine ersten Lebenswochen...
 

Tierschutz ist wichtig! Denn diese armen Tiere brauchen unsere Hilfe und unseren Schutz. Ich selber habe so eine irrationale Dankbarkeit für den Tierschutz: Klar, verdanke ich ihnen doch so gut wie alle meine Hunde. Aber genau deswegen finde ich es um so wichtiger, die seriösen von den unseriösen Tierschützern zu trennen - damit die Hilfe wirklich den Tieren zu Gute kommt und nicht der Geldbörse oder Urlaubskasse irgendwelche Möchtegern-Tierschützer, die sich nur profilieren wollen.

Ein letzter Tipp: 

Schlagt doch den Tierschützern Sachspenden vor. Wenn die dann schon abwinken und lieber Geld wollen, solltet ihr misstrauisch werden und euch über den Verein und die dahinter stehenden Personen informieren BEVOR ihr was spendet. Damit eure Hilfe auch wirklich bei denen ankommt, die sie wirklich brauchen: den Tieren.

 

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Freitag, 27. November 2020

Kastration – bequem, aber für wen?

„Ihr Rüde ist ja intakt“, sagt die Dame mit mehr als deutlicher Verwunderung in der Stimme. Um sie noch mehr zu irritieren, antworte ich mit gewissem Stolz in der Stimme und einem süffisanten Lächeln: „Stimmt, er ist nicht kaputt.“ Zugegeben, das war etwas (absichtlich) provokant. Aber wie das Wort schon sagt, bedeutet „intakt“ so viel wie „ganz, heil, in Ordnung“. Insofern war meine Wortwahl also richtig, denn das Gegenteil davon ist ja dann „nicht heil, kaputt“. Die Selbstverständlichkeit in meiner Stimme schien die Dame zu irritieren, mit deutlich nervösem Vibrato in ihrer Stimme entgegnete sie mir: „Also ich habe unseren Rüden, kurz nachdem er zu uns kam, kastrieren lassen.“ Nicht nur aus ­beruflicher Neugierde wollte ich wissen, warum. Ihre Antwort: „Weil mir sein Rüdengehabe auf die Nerven ging!“ Warum sie sich dann überhaupt einen Rüden geholt hätte, wollte ich wissen, denn die logische Schlussfolgerung wäre doch dann, dass sie ein Weibchen nimmt. „Neeee, die sind dann zweimal im Jahr verwirrt, und außerdem tropfen die dann alles voll …“

 

Nun ist es aber nicht so, dass uns solche skurrilen Fälle bei unseren Gassigängen nur im ­Zusammenhang mit Rüden ­vorkamen. Erst kurz zuvor erklärte uns eine andere Halterin, dass sie ihr Weibchen hat kastrieren lassen, „damit die nicht so verwirrt ist wie bei der Läufigkeit typischerweise; außerdem: so bleibt die Wohnung sauber und ich kann sie ganzjährig im Bett schlafen lassen.“ Aus ihrer Sicht mögen das vielleicht ­plausible Gründe sein. Doch in ­meinen Augen erscheint mir das nicht nur unlogisch, es zeigt auch einen ge­wissen Mangel an Respekt vor dem Leben und dessen Unversehrtheit. Vor allem zeigt es aber, wie sehr der Mensch aus egoistischen Gründen bereit ist in die Natur zu pfuschen – oder besser gesagt: zu schnippeln. Damit es für IHN passt und bequem ist. Doch was ist mit den Hunden? Der darf dann alle Nachteile alleine mit sich schleppen …

 

Statt Bequemlichkeit lieber Freundschaft
Foto: Lutz Borger

 

Am liebsten würde ich solchen Haltern empfehlen, sich doch besser ein Stofftier zuzulegen – die sind dann noch pflegeleichter. Oder auch die relativ neuen „Roboter-Dogs“, die kann man sogar ausschalten. Gesetzlich ist die Lage klar: Das Amputieren von Körperteilen (ohne medizinische Indikation) ist laut Paragraph 6 des Tierschutzgesetzes verboten. Ein Verstoß kann – sofern es zur Anklage kommt – mit Geldbußen und Halteverbot bestraft werden. Sollte dann noch Tierquälerei nachgewiesen werden (beispielsweise durch unsachgemäße Operation durch jemanden, der kein Tierarzt ist), wird das Ganze sogar zur Strafsache – dann können sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren verhängt werden.

 

Damit spiegelt die Gesetzeslage durchaus auch den derzeitigen Stand der ­Wissenschaft wider: Aus verhaltensbiologischer Sicht birgt die Kastration sowohl von Rüden (Udo Gansloßer in WUFF 12/2010) als auch von Hündinnen (Sophie Strodtbeck in WUFF 2/2011) mehr Risiken als Vorteile. Sofern man überhaupt von Vorteilen sprechen kann – denn den „genießen“ dann über­wiegend die Menschen, mit den Nach­teilen haben dann die Hunde zu kämpfen.

 

So sind kastrierte Rüden nicht selten Opfer von Mobbing durch andere Hunde. Doch statt den Sinn der Kastration zu hinterfragen, reagiert so mancher Halter da mit wenig nachvollziehbarer Logik (vermutlich, weil er sich selber ­keinen Fehler eingestehen will). So war der Lösungsvorschlag von so manchem Hundehalter, um dieses Mobbing zu verhindern, dass es das Beste sei, wenn doch alle Rüden kastriert wären – denn so wären die ja dann alle unter sich und keiner würde gemobbt. Eine solche Lösung ­bewahrt zwar den jeweiligen Hunde­halter davor, sich seinem Irrtum zu stellen, doch die gesundheitlichen Konsequenzen wischt es nicht hinweg. So steigt beispielsweise das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken mit der Kastration (nach derzeitigem Kenntnisstand sogar mehr, als dass sie andere Tumorarten verhindert).

 

Umso erstaunlicher ist es, dass sogar Tierschützer manchmal skurrile Wege gehen und die Kastration von vermittelten Hunden sogar vertraglich verlangen. Ganz davon abgesehen, dass solche Klauseln in Verträgen ungültig – weil rechtswidrig – sind, scheint diesen Tierschützern nicht bewusst zu sein, dass sie damit auch dem illegalen Hunde­handel in die Hände spielen. (übrigens: der Tierhandel ist nach dem Menschen- und Waffenhandel das lukrativste Geschäft für das organisierte Verbrechen siehe auch Artikel ab Seite 24)

 

Probleme stehen wir gemeinsam durch - als Team
Foto: Lutz Borger

 

Aber warum akzeptieren so viele Halter denn nicht ihren Hund, so wie er ist? Denn schließlich „ist der Hund unser Bindeglied zur Natur“, wie Günther Bloch weiß (Interview in WUFF 9/2016). Warum ihn also dann nicht belassen, wie die Natur es vorgesehen hat? Sicher, das ist vielleicht unbequem und nicht immer einfach. Aber mal Hand aufs Herz: Wer ­würde denn sein Kind kastrieren, wenn es in die Pubertät kommt? Und welche ­Triebe sich da Bahn brechen, weiß ja sicher jeder noch aus eigener Erfahrung.

 

Von daher bleibt mein Döggelchen Rico unkastriert, solange es nicht medizinisch notwendig werden sollte. Die Nachteile stehen wir schon durch – gemeinsam!


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 11/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Kastration aus Bequemlichkeit ist unfair gegenüber uns Hunden


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