Mittwoch, 30. September 2020

Die Leine als ­Kommunikationsmittel – Nicht nur Sender, auch Empfänger!

Plötzlich spüre ich es. Nicht vehement, in keinem Fall schmerzhaft, nur ein ganz leichter, ja fast schon zarter Druck in der Hand – die Leine ist leicht gestrafft. Ich blicke zu ­meinem Döggelchen Rico, er ist stehen geblieben und schaut mich fragend, ja fast schon um Erlaubnis fragend, an. Sofort wird mir klar: Er hat was gerochen und will dahin (manchmal gebe ich dem nach, manchmal nicht – je nach Zeit­management; und nicht selten entdecken wir die ein oder andere Skurrilität und somit Stoff für unsere Geschichten). Sein ­Signal ist bei mir angekommen.

Die Leine ist für mich mehr als nur eine gesetzliche Pflicht, sie ist ein Kommunikationsmittel. Und wie es die Natur der Kommunikation ist, sollte sie auch keine Einbahnstraße sein. Doch viel zu oft erleben wir auf unseren Gassirunden, dass die Leute damit nur Signale senden. Da ist ein Ruckeln und ein Zuppeln, ein Ziehen und Zerren. Nicht selten sind dies negative Signale, weiß Perdita Lübbe von der Hunde-Akademie: „Leider dient die Leine viel zu oft als Mittel im negativen Sinne, um zu strafen oder von etwas abzuhalten. Doch die Leine sollte stattdessen immer positiv belegt sein und nie ätzend für den Hund. Denn sie gibt ihm Sicherheit, Stabilität und Orientierung. Beispielsweise freuen sich meine Hunde, wenn ich die Leine in der Hand habe, und wollen angeleint werden, denn sie wissen: Hier bin ich geschützt.“

Lockeres Gassigehen - Hund und Mensch verbunden über die Leine

Für mich ist sie daher gar nicht mal so wichtig als Signalsender, viel wichtiger ist sie für mich als Signalempfänger. Vergleichbar mit einem Telegrafendraht. Denn die Signale, die Rico mir darüber sendet, geben mir ganz neue Informationen – und das auf eine sehr subtile, unauffällige, ja beinahe schon intime Art (so im Vergleich zum „dezenten“) Molosser-Stupser oder -Bodycheck) – denn diese Signale bekommt ja kein anderer mit, außer mir. Und das sind nicht nur seine Bedürfnisse und Wünsche! So manche Skurrilität wäre mir andernfalls entgangen, an der ich wohl achtlos vorbeigegangen wäre – und mit ein wenig Fantasie können der im Baum hängende Schnuller, die pfleglich zusammengestellten Damenschuhe auf dem Bürgersteig, die Ente auf dem Auto­dach ganz schön inspirierend wirken, auf jeden Fall aber zu einem Lächeln bringen. Okay, zugegeben, beim Fund eines Schafhaufens hört meine Inspiration dann auf, dafür fängt die von Doggen-Wookie Rico erst an – wenn er sich reinwirft und darin wälzt…

Leinentraining mal anders: Sich mal selber an der Leine führen lassen
Sehr hilfreich in dem Zusammenhang waren so Kinderspiele, die ich auch später im Alter noch wiederholt habe: sich mal an der Leine führen zu lassen von jemand anderem. Als Kind spielte ich ab und an in Rollenspielen den Hund und wurde so an der Leine geführt; später in der jugendlichen Neugierde war es dann kein Rollenspiel mehr, sondern einfach die Erfahrung „wie sich das anfühlt“, die mich reizte; als Erwachsener frischte ich diese Erfahrungen dann sogar unter professioneller Anleitung auf, wie beispielsweise bei einem Tellington-Touch-Workshop (da auch mal mit geschlossenen Augen, was die Konzentration auf die haptische Sensibilität erhöht). Ich kann diese Übung nur JEDEM Hundehalter wärmstens ans Herz legen!
 
Das hilft nicht nur die Kraft einzuschätzen, die auf so eine Leine wirkt – so mancher merkt erst da, was für eine Wucht hinter einem „leichten Leinenruck“ stecken kann. Außerdem: So ein Perspektivenwechsel ist mehr als nur lehrreich. Es ist ein empathisches Erlebnis, welches das Verständnis für­einander fördert. „Ein Perspektiven­wechsel kann mehr als nur die Augen öffnen, er eröffnet dem Halter eine ganz neue Welt der Kommunikation mit seinem Hund. Wer die Leine nur als Signalgeber benutzt, der beschränkt seine Kommunikation mit seinem Vierbeiner. Denn jede Bewegung und viele ­Körpersignale werden über die Leine in Richtung Mensch übertragen – man muss nur offen sein, diese Signale zu empfangen“, weiß ­Wilfried Theißen von derhundehaltercoach.de.

Erst wendet sich der Köpf, dann die Körperachse und mit leichtem Zug, zeigt Rico wohin er gern möchte...

Statt die Leine also als nötiges Übel oder gar als Einschränkung der Freiheit zu sehen, sollten wir Zweibeiner sie vielleicht eher positiv besetzen. Der direkte Draht zu unseren Hunden, ja quasi eine Kommunikations-Nabelschnur. Falls das mit dem positiven Besetzen der Leine Schwierigkeiten macht, so wissen ja Hundehalter, wie sie sich dazu konditionieren können… 🙂

Beim Mantrailing übernimmt der Hund die "Führung"...
Die richtig hohe Kunst scheint es aber zu sein, wenn man sich sogar gezielt vom Hund führen lassen kann, wie beispielsweise beim Mantrailing: „Die Leine stellt eine mentale Verbindung zum Hund dar. Sie wird in der Arbeit beim Mantrailing nicht als ­Korrekturmittel eingesetzt! Sie soll stattdessen dem Hund Sicherheit geben. Und für den ­Mantrailer ist Leinentechnik ein un­ersetzbares Handwerkszeug. Wie soll er sich sonst vom Hund zum Zielobjekt führen lassen? Im besten Fall erkennt und spürt er ­darüber unterschiedliche Signale des Hundes rechtzeitig und kann über die Leine wiederum unterstützend einwirken, indem er ihn bestätigt“, berichtet Kerstin Hennings, Leiterin des Suchhunde­zentrums Schweiz.

Also so weit sind wir – oder besser ­gesagt: ich nicht. Denn ich bin überzeugt, dass mein Döggelchen Rico da mehr spürt als ich. Uns Zweibeinern fehlt es ja zuweilen doch an „hündischer Sensibilität“…


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 09/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Die Leine als "direkter Draht"


PS: In Zusammenarbeit mit dem Hundeausrüster und Zughundesport-Spezialisten Zampa haben wir eine spezielle Hundeleine und Halsband entwickelt (am Geschirr arbeiten wir gerade noch) - besonders sicher, robust, vielseitig und dennoch leicht.

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Mittwoch, 9. September 2020

Doppeltes Jubiläum: Vom Team zum Rudel

Ricos Einzug änderte alles

Es ist nun 8 Jahre her, da zog der kleine Rico bei mir ein. Vom ersten Augenblick an veränderte er alles im Leben. Ich meine damit jetzt nicht, die ganze Organisation, oder den Alltagsrhythmus etc. Nein, er verschob vom ersten Moment an, schon bei unserem ersten Zusammentreffen, meine Prioritäten - oder genauer gesagt: er stellte sie völlig auf den Kopf. Denn von jetzt auf gleich war er das Zentrum, während ich selber weit hinten anstand.

Seit über einem Jahr ein Rudel: Rico, Leon und Maximilian

Alleine deswegen schon, weckte er "das Kind in mir". Mein in die Jahre gekommener Egoismus schrumpfte dahin - schneller als ein Schneemann im Solarium. Aber in noch größerem Maße weckte er das Kind: Durch seine ausgeprägte Impulskontrolle (die mich ja von Anfang an fasziniert hatte), musste ich ihn manchmal aus der Reserve locken. Und nicht selten verfiel ich dafür in eine kindliche Albernheit, die wohl selbst 6-Jährigen peinlich gewesen wäre.

Kein Wunder also, dass genau diesen Aspekt nun der kleine Leon widerspiegelt. Denn er, der vor etwas einem Jahr zu uns kam, hat wesentlich weniger Impulskontrolle, ist alberner, verspielter... Das, diese Leichtigkeit, verdankt er dir mein Rico - und gleich im doppelten Maße: einmal direkt, durch dein selbstsicheres Auftreten, aber auch, weil due meine Kind-Seite befreit hast.



In all den Jahren wuchsen wir immer mehr zusammen. Ich bezeichnete dich mal als "biologischen Satelliten" (der mir durch sein Verhalte und Körpersprache Signale sendet). Doch die Verbindung geht viel tiefer, eigentlich bist du mittlerweile mein einziges Organ außerhalb meines Körpers (und mit eigenem Willen 😉).


Blog-Jubiläum

Vor nun 7 Jahren, also ein Jahr nach Ricos Einzug, starteten wir unseren Blog GASSIREPORT. Ja ich sage ganz bewusst "unseren", denn er ist genaus meiner, wie der meiner Ricos. Denn er ist da der Chefredakteur, er bestimmt die Themen, erschnüffelt Gegenden und setzt die Akzente. 

Ich kann es nur immer wieder wiederholen: Es war vielleicht nicht die vernünftigste Entscheidung damals Rico aufzunehmen, doch sicher einer der besten meines Lebens. Denn er erweckte auch die "Hundewelt" in mir neu - eine Welt, die ich aus meiner Kindheit kannte und immer genossen habe. Aber durch das Hamsterrad von Job und Karriere irgendwie auf der Strecke geblieben war. Ja ohne Rico hätte ich meinen Burnout wohl nicht so gut überstanden.

Vieles Schwierigkeiten haben wir gemeinsam durchgestanden: Anfeindungen aus der Branche (so manch einer reagierte eben allergisch auf Kritik und Logik), Intrigen, Lügenmärchen (meist von Leuten, die uns gar nicht kannten...oder von verlassenen Exen, die immer noch an mir hängen und dafür sogar andere gefrustete Frauen für so manchen Shitstorm vor ihren Karren gespannt haben), ja selbst geschäftsschädigende Aktionen kamen von den ganzen Neidern (wahrscheiblich aus Angst wegen ihres Mangels an Talenten und Können). Apropos Exen: Wenn ich bedenke, wie oft du mich durch deine feine Spürnase vor fehlern bewahrt hast. Also was das angeht, ist Don Ricotta ein absoluter Frauenkenner. So manchen feghler half er zu vermeiden, denn durch seine Signale wusste ich weit mehr über meine Dates, als denen lieb war (und meist sagte ich es ihnen nicht, denn genau dieser Typus hat die Wahrheit gar nicht verdient). Auf seine Einschätzung konnte ich mich da IMMER verlassen.

In all dieser Zeit wuchsen wir immer mehr zusammen. Rico ist weit mehr für mich als "nur" ein Hund, er ist mein animalischer Bruder. Daher feierten wir bisher diesen Tag als Rico einzog als doppeltes Jubiläum, ja sogar als einen gemeinsamen Geburtstag. Denn all die Veränderungen, die er brachte, waren für mich wie der ebginn eines neuen Lebens, das ich fast vergessen hatte...


Und nun sind wir ein Rudel...

Und nun, da gehört auch Klein-Leon seit etwas mehr als einem Jahr dazu. Er ist so ganz anders als Rico, aber genau deswegen ergänzen die beiden sich auch so gut. Mittlerweile sind wir zu einem kleinen Rudel zusammengewachsen - nun hab ich 2 animalische Brüder, die mein Leben bereichern. Ich danke euch nicht nur von Herzen, denn ein Herz ist zu klein dafür um eure tollen Seelen gerecht zu werden, sondern mit jeder Zelle meines Körpers. Kein Tag, keine Minute, keine Sekunde mit euch hab ich je bereut und ich freue mich auf jeden weiteren Augeblick in der Zukunft. Denn solange ihr bei mir seid, ist für mich alles bestens - egal welche Schwierigkeit auch gerade wieder vor der Tür steht. Auf weitere pfotenstarke Abenteuer und wuffastische Erlebnisse, meine animalischen Brüder! 🐾

   
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Montag, 31. August 2020

Das Dilemma mit ­skurrilen Tier-Anfragen

Tierheime wollen ihre Tier nicht rausrücken? Das hört man immer wieder mal. Aber wenn man hinter die ­Kulissen blickt, versteht man, wie es dazu kommt. In Tierheimen tauchen regelmäßig „seltsame Gestalten“ auf, die für eine Hunde­haltung einfach nicht geeignet sind. Gassireporter ­Maximilian Pisacane hat den Tierheim-Alltag hinterfragt.

„Hey, wir hätten gern ’nen ­Pitbull!“, artikuliert das junge Pärchen, das einem schlechten Film entsprungen scheint: Sie sieht aus wie eine junge Version von Courtney Love und wirkt auch ähnlich verpeilt, so als sei sie schon auf halbem Weg ins Nirwana. Hektisch ist ihr Blick, Augenkontakt ist kaum möglich, immerhin geben ihre vielen Piercings ein paar Fixpunkte in ihrem Gesicht. Er hält sich im Hintergrund, wirkt dabei aber nur noch skurriler, vom Aussehen her das Idealbild eines Junkies. Selbst mein ansonsten an den Anblick skurriler Menschen gewohntes Döggelchen Rico betrachtete sie konsterniert. (Da wir in der Düsseldorfer Altstadt wohnen, hat er schon als Welpe Menschen in sämtlichen Aggregatzuständen gesehen und angeschnüffelt.) „Was wisst ihr denn über die Rasse?“, fragte die Tierheim-Mitarbeiterin mit einer Geduld in der Stimme, die man wohl nur durch unendliche Szene-Wiederholungen erlangt. Ich schnappe Fetzen der Antwort auf: „Hab‘ Fotos gesehen … immer schon mein Traumhund … die schauen so süß … voll ey!“ und ähnlich informationsgehaltvolle Worte. 😉

„Ihr wisst aber schon, dass es sich dabei um Listenhunde handelt?“, fragt die Tierheim-Mitarbeiterin. In ihrer ­Stimme vibriert das schon an Präkognition grenzende Wissen um die Antwort: „Ja klar, aber das macht uns nichts, dass der auf einer Liste steht. Wir haben da keine Vorurteile.“ Na das ist ja mal toll – aber wie sieht es mit dem Wissen darum aus, was da alles dranhängt – besondere Sachkunde, höhere Steuern, Maulkorb- und Leinenzwang (von dem man sich zwar befreien lassen kann, was aber Mühe und Zeit kostet)…?


Ein neues Zuhause sollte gut gewählt sein, damit es nicht nur ein weiterer Parkplatz ist... Foto:Lutz Borger
Ein neues Zuhause sollte gut gewählt sein, damit es nicht nur ein qeiterer Parkplatz ist...
Foto: Lutz Borger

Mit bewundernswerter Geduld und recht emotionslos antwortete die Tierheim-Mitarbeiterin: „Wir haben gerade nur einen Pitbull und der ist reserviert, aber ihr dürft euch gern umschauen, ob ihr einen anderen Hund sympathisch findet, und dann schauen wir weiter.“ Warum ich ihre Geduld bewundere? Ganz einfach, meine Antwort wäre gewesen: „Tut euch, der Umwelt und vor allem dem Hund einen Gefallen und kauft euch ein Stofftier!“ (Jaja, ich weiß: ich bin zuweilen sehr direkt ;-)). Immer wieder hören wir Geschichten, dass Tierheime besonders hohe Hürden für die Adoption eines Hundes aufstellen. Ja, viele meinen sogar, es wäre kaum noch möglich, aus einem Tierheim einen Hund zu bekommen. Das stimmt nach meiner Erfahrung, es ist im Vergleich zu früher wirklich nicht mehr so einfach. In meiner Kindheit ging man ins Tierheim, suchte sich einen Hund aus, ­unterschrieb ein paar Blätter und das war es. Aber ist einfach auch immer besser? Wohl kaum, zumal die Rücklaufquote so sicherlich größer ausfällt.

Und so stehen Tierheime seit einiger Zeit unter Beschuss, sind die Bösen. Weil sie doch die armen Tiere lieber in Zwingern halten, als sie den ach so „­fürsorglichen“ Besuchern einfach so mitzugeben. Wobei ich mich immer frage, ob zur ­Fürsorge nicht auch das Vorab-Informieren gehört. Aber gut, offenbar sehe ich das zu logisch. Denn wenn ich solche Leute darauf ansprach, ob sie sich vorher mal informiert haben, erhielt ich Antworten wie „Ich will ­einen Hund, keine Doktorarbeit schreiben …“. Tja, wenn ein paar grundsätzliche Infos schon reichen, um einen Doktor-Titel zu bekommen, dann wundere ich mich mal, warum nicht mehr Menschen einen haben …

Sicher, es mag Tierheime geben, die es übertreiben. Immer wieder hört man ja so Horror-Stories, dass man keinen Hund bekommen hätte. Die Sozialen Medien (oder wie ich sie gern nenne: Netzwerke der Soziopathen) sind ja voll davon. Verständlich, dass die Betroffenen konsterniert sind – handeln sie doch in der Überzeugung eine gute Tat zu tun. Ebenso verständlich ist es auch, dass sie einige Gründe der Ablehnung verschweigen. Wer will schon zugeben, dass man sich durch Unwissenheit blamiert hat? Doch die Regel ist es nicht, dass Tierheime „nix rausrücken“! Dagegen sprechen nicht nur die zahlreichen Hunde aus dem Tierschutz, die durch die Sozialen Medien wuffen, sondern auch die Statistik: Es werden jährlich wesentlich mehr Hunde bei Tasso eingetragen, als Züchter Nachwuchs beim Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) melden. Die Mehrheit, die in diese Lücke fällt, kommt aus dem Tierschutz (ein gewisser Teil leider auch aus so genannten Vermehrer-Betrieben im In- und Ausland).

Sicher, im Tierschutz ist auch nicht alles grün. Auch darunter mischen sich schwarze Schafe, die eher ihr Geschäft im Sinn haben als die Hunde. Nicht selten bildet sich rund um eine Tierschutz-Organisation eine ganze Industrie. Sie kooperieren mit Hunde­trainern, Ernährungsberatern, Tierärzten, Physio­therapeuten, Hundefriseuren und anderen Geschäften zusammen. Nicht selten rückt der Hund dabei aus dem ­Fokus und das Geschäft gewinnt Priorität. Ja, einige Tierschutz-Organisationen arbeiten sogar mit illegalen Tierhändlern zusammen. Aber alle unter einen Generalverdacht zu stellen ist mehr als unfair. Zumal sich mancher Besucher an der eigenen Nase packen sollte, vor allem wenn er sich so informiert hat, wie das anfangs erwähnte Beispiel-­Pärchen. Es reicht halt nicht zu wissen, dass ein Hund vier Beine hat und ein Fell (zumindest die meisten Rassen), um ihm ein artgerechtes Leben bieten zu können.
 

Chantal sucht ein Zuhause 

Chantal wurde aufgrund ihrer Unverträglichkeit abgegeben. Im Tierheim Düsseldorf wird mit ihr zusammen mit einer ­Hundetrainerin trainiert und sie macht sich seitdem super. Es wird für sie daher ein erfahrener Hundehalter gesucht. Die etwa 4,5 Jahre alte Doggen-­Mischlingshündin wiegt ca. 50 Kilo und ist kastriert. Sie ist unheimlich verschmust und menschenbezogen. Aufgrund einer bereits operierten Ellenbogendysplasie sollte Chantals neues Zuhause ebenerdig sein. Sie kann alleine bleiben, ist stubenrein und auch im Auto zu fahren, bereitet ihr keinerlei Probleme.

Training mit Chantal
Training mit Chantal

Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 08/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Tierheime sind genauso unperfekt wie Hunde und Menschen, sie aber unter Generalverdacht zu stellen ist unfair

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Donnerstag, 30. Juli 2020

„Glück ist tierisch leicht…“ – Interview mit Daniela Ben Said

Daniela Ben Said wuchs in Osnabrück als Tochter ­einer ­Deutschen und eines Tunesiers auf. Sie studierte ­Psychologie, machte u. a. Ausbildungen zur Heil­praktikerin und Fach­trainerin für Psychotherapie. Seit 1998 ist sie selbständige Vortragsrednerin und Coach. Sie arbeitet fast immer mit ihren Tieren, die sie auch auf die Bühne mitnimmt. Gassi­reporter Maximilian Pisacane hat sie zum Interview gebeten.

Daniela Ben Said mit Bullterrier Frieda

Auf einem meiner – wie ich sie gern nenne – „virtuellen Gassigänge“ lief uns Daniela Ben Said über den Weg und sprach uns an. Die Heilpraktikerin hat bereits viele Bücher geschrieben und hält Vorträge zu den Themen Führung, Kundenverblüffung und Persönlichkeitsentwicklung. Spiegel Wissen schrieb 2009 über sie: „Sie gehört zu den Top-Trainern Deutschlands“, und 2014 erhielt sie die Auszeichnung „Female Speaker of the Year“. Sie lebt auf ihrem historischen Niedersachsen­hof mit Pferden, Ponys, Hühnern, Gänsen, Eseln, Hängebauchschweinen, Hunden, Katzen, Enten und einem Bussard. Alle Tiere tragen einen Namen, denn für Daniela sind sie Mitbewohner, Freunde und Gefährten. Sie beobachtet deren Verhalten und Gewohnheiten, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die sich auf das menschliche Leben über­tragen lassen. „Menschen handeln häufig so, wie es die Gesellschaft, der Partner, die Eltern oder der Chef vermeintlich erwarten. Das macht auf Dauer unzufrieden und unglücklich. Tiere sind authentisch und leben so, wie es ihrer Natur entspricht. Wir Menschen können daher von Tieren lernen unser Leben so zu gestalten, dass es unserem Wohlbefinden entspricht“, meint Daniela.

Da kann und will ich ihr nicht widersprechen. Schon aus meiner eigenen Erfahrung heraus könnte ich das gar nicht. Wenn ich bedenke, wie viel ich durch mein Döggelchen Rico wieder neu ­gelernt habe und viel Neues immer wieder lerne … Aber nun zu dem Interview mit Daniela Ben Said, die aus ihren Beobachtungen ein eigenes Bühnenprogramm entwickelt hat: „Glück ist tierisch leicht – was wir von Tieren lernen können“

Interview mit Daniela Ben Said

Gassireport: Wie kamst Du auf die Idee eines Bühnenprogramms?
Daniela: Etwas vereinfacht gesagt: durch Beobachtung. Weißt Du, ich bin mit Tieren aufgewachsen und lebe mit ihnen zusammen. Und jeder, der ein Tier hat, wird irgendwann merken, wie glücklich es einen macht. Daher stellte ich mir die Frage: Was machen Tiere eigentlich besser? Zunächst einmal machen sie sich keine Gedanken und vor allem keine Sorgen um die Zukunft, sie konzentrieren sich auf ihre grundlegenden Bedürfnisse. Tiere kennen nicht dieses „weiter, schneller, ­höher und immer besser“, das uns Menschen oft antreibt.

Auch eine Eule gehört zu Danielas Familie, sie heißt Hedwig

Gassireport: Meinst Du damit unsere Gesellschaft?
Daniela: Genau. In ihr herrscht derzeit das Ideal von Karriere, im Sinne eines ­Immer-mehr-haben-wollens. Meist mehr als man konsumieren kann. Diese Tendenz ist nicht gut, weder für die Umwelt, noch für die menschliche Psyche. Das Ergebnis sehen wir ja an der Zunahme psychischer Erkrankungen. Übrigens, auch bei einem anderen Problemthema können wir viel von Tieren lernen: in Beziehungsangelegenheiten.

Gassireport: Ich hab‘ zwar eine Ver­mutung, wie Du das meinst, aber kannst Du das bitte konkretisieren?
Daniela: Nun, viele Beziehungen zwischen Menschen scheitern. Die steigenden Scheidungsraten in vielen Ländern bestätigen das. Häufig scheitern Beziehungen, weil wir mit unserem Partner nicht mehr zufrieden sind, weil wir wieder „Mehr“ oder etwas „Besseres“ wollen; oft scheitern sie aber auch, weil wir die Voraussetzungen für eine funktionierende Beziehung vergessen. Warum haben Tiere und ganz besonders Hunde so eine innige Beziehung zu uns? Sie sind treu, loyal, ihre Gefühle sind aufrichtig, sie veranstalten keine emotionalen oder psychologischen Machtspielchen – das sind die Grundlagen, die ich meine. So funktionieren Beziehungen.

Ein Pony darf natürlich auch nicht fehlen...

Gassireport: Und warum ein Bühnenprogramm und nicht ein Buch?
Daniela: Auf der Bühne kann ich vieles unter Mithilfe meiner Tiere besonders gut veranschaulichen. Das ist lebendiger. Man muss diese„tierischen Glücklich­macher“, ihre unmittelbare Wirkung eben auch „erleben“.

Gassireport: Und wer tritt da mit Dir auf?
Daniela: Da ist zum Beispiel mein Mini-Bullterrier Frieda. Frieda ist ein Listenhund, und ich will auch gegen die Vorurteile angehen, mit denen diese Hunde­rassen zu kämpfen haben. Am Beispiel Hund lässt sich vor allem die Loyalität besonders gut demonstrieren. Des Weiteren bringe ich meinen Bussard Banu und die Riesenschildkröte Morla mit auf die Bühne.

Mit Frieda gegen Listenhund-Vorurteile

Gassireport: Und wie kann man sich das vorstellen? Ähnlich wie Stand-Up-Comedy mit Tieren?
Daniela: Nein, ganz und gar nicht. Ich erzähle Geschichten, die erfreuen und erheitern sollen. Und die eben auch lehrreich sind. Darüber hinaus sollen sie auch unser Verantwortungsbewusstsein schärfen.

Gassireport: Wie meinst Du das?
Daniela: Diese unglaublichen, vielfältigen Geschöpfe mit all ihren Fähigkeiten, diese „tierischen Glücklichmacher“ – sie wurden uns Menschen anvertraut, nicht ausgeliefert. Dementsprechend sollten wir auch mit ihnen umgehen.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 07/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Macht es euch nicht so schwer! Denn: "Glück ist tierisch leicht..." 


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