Freitag, 27. November 2020

Kastration – bequem, aber für wen?

„Ihr Rüde ist ja intakt“, sagt die Dame mit mehr als deutlicher Verwunderung in der Stimme. Um sie noch mehr zu irritieren, antworte ich mit gewissem Stolz in der Stimme und einem süffisanten Lächeln: „Stimmt, er ist nicht kaputt.“ Zugegeben, das war etwas (absichtlich) provokant. Aber wie das Wort schon sagt, bedeutet „intakt“ so viel wie „ganz, heil, in Ordnung“. Insofern war meine Wortwahl also richtig, denn das Gegenteil davon ist ja dann „nicht heil, kaputt“. Die Selbstverständlichkeit in meiner Stimme schien die Dame zu irritieren, mit deutlich nervösem Vibrato in ihrer Stimme entgegnete sie mir: „Also ich habe unseren Rüden, kurz nachdem er zu uns kam, kastrieren lassen.“ Nicht nur aus ­beruflicher Neugierde wollte ich wissen, warum. Ihre Antwort: „Weil mir sein Rüdengehabe auf die Nerven ging!“ Warum sie sich dann überhaupt einen Rüden geholt hätte, wollte ich wissen, denn die logische Schlussfolgerung wäre doch dann, dass sie ein Weibchen nimmt. „Neeee, die sind dann zweimal im Jahr verwirrt, und außerdem tropfen die dann alles voll …“

 

Nun ist es aber nicht so, dass uns solche skurrilen Fälle bei unseren Gassigängen nur im ­Zusammenhang mit Rüden ­vorkamen. Erst kurz zuvor erklärte uns eine andere Halterin, dass sie ihr Weibchen hat kastrieren lassen, „damit die nicht so verwirrt ist wie bei der Läufigkeit typischerweise; außerdem: so bleibt die Wohnung sauber und ich kann sie ganzjährig im Bett schlafen lassen.“ Aus ihrer Sicht mögen das vielleicht ­plausible Gründe sein. Doch in ­meinen Augen erscheint mir das nicht nur unlogisch, es zeigt auch einen ge­wissen Mangel an Respekt vor dem Leben und dessen Unversehrtheit. Vor allem zeigt es aber, wie sehr der Mensch aus egoistischen Gründen bereit ist in die Natur zu pfuschen – oder besser gesagt: zu schnippeln. Damit es für IHN passt und bequem ist. Doch was ist mit den Hunden? Der darf dann alle Nachteile alleine mit sich schleppen …

 

Statt Bequemlichkeit lieber Freundschaft
Foto: Lutz Borger

 

Am liebsten würde ich solchen Haltern empfehlen, sich doch besser ein Stofftier zuzulegen – die sind dann noch pflegeleichter. Oder auch die relativ neuen „Roboter-Dogs“, die kann man sogar ausschalten. Gesetzlich ist die Lage klar: Das Amputieren von Körperteilen (ohne medizinische Indikation) ist laut Paragraph 6 des Tierschutzgesetzes verboten. Ein Verstoß kann – sofern es zur Anklage kommt – mit Geldbußen und Halteverbot bestraft werden. Sollte dann noch Tierquälerei nachgewiesen werden (beispielsweise durch unsachgemäße Operation durch jemanden, der kein Tierarzt ist), wird das Ganze sogar zur Strafsache – dann können sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren verhängt werden.

 

Damit spiegelt die Gesetzeslage durchaus auch den derzeitigen Stand der ­Wissenschaft wider: Aus verhaltensbiologischer Sicht birgt die Kastration sowohl von Rüden (Udo Gansloßer in WUFF 12/2010) als auch von Hündinnen (Sophie Strodtbeck in WUFF 2/2011) mehr Risiken als Vorteile. Sofern man überhaupt von Vorteilen sprechen kann – denn den „genießen“ dann über­wiegend die Menschen, mit den Nach­teilen haben dann die Hunde zu kämpfen.

 

So sind kastrierte Rüden nicht selten Opfer von Mobbing durch andere Hunde. Doch statt den Sinn der Kastration zu hinterfragen, reagiert so mancher Halter da mit wenig nachvollziehbarer Logik (vermutlich, weil er sich selber ­keinen Fehler eingestehen will). So war der Lösungsvorschlag von so manchem Hundehalter, um dieses Mobbing zu verhindern, dass es das Beste sei, wenn doch alle Rüden kastriert wären – denn so wären die ja dann alle unter sich und keiner würde gemobbt. Eine solche Lösung ­bewahrt zwar den jeweiligen Hunde­halter davor, sich seinem Irrtum zu stellen, doch die gesundheitlichen Konsequenzen wischt es nicht hinweg. So steigt beispielsweise das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken mit der Kastration (nach derzeitigem Kenntnisstand sogar mehr, als dass sie andere Tumorarten verhindert).

 

Umso erstaunlicher ist es, dass sogar Tierschützer manchmal skurrile Wege gehen und die Kastration von vermittelten Hunden sogar vertraglich verlangen. Ganz davon abgesehen, dass solche Klauseln in Verträgen ungültig – weil rechtswidrig – sind, scheint diesen Tierschützern nicht bewusst zu sein, dass sie damit auch dem illegalen Hunde­handel in die Hände spielen. (übrigens: der Tierhandel ist nach dem Menschen- und Waffenhandel das lukrativste Geschäft für das organisierte Verbrechen siehe auch Artikel ab Seite 24)

 

Probleme stehen wir gemeinsam durch - als Team
Foto: Lutz Borger

 

Aber warum akzeptieren so viele Halter denn nicht ihren Hund, so wie er ist? Denn schließlich „ist der Hund unser Bindeglied zur Natur“, wie Günther Bloch weiß (Interview in WUFF 9/2016). Warum ihn also dann nicht belassen, wie die Natur es vorgesehen hat? Sicher, das ist vielleicht unbequem und nicht immer einfach. Aber mal Hand aufs Herz: Wer ­würde denn sein Kind kastrieren, wenn es in die Pubertät kommt? Und welche ­Triebe sich da Bahn brechen, weiß ja sicher jeder noch aus eigener Erfahrung.

 

Von daher bleibt mein Döggelchen Rico unkastriert, solange es nicht medizinisch notwendig werden sollte. Die Nachteile stehen wir schon durch – gemeinsam!


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 11/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Kastration aus Bequemlichkeit ist unfair gegenüber uns Hunden


--------------------------------------------

Im GASSIREPORT findet ihr immer Hunde-Geschichten in Text, Bild und Video - mal amüsant, informativ, kritisch, kontrovers oder satirisch, aber immer authentisch! Daneben gibt es auch andere Projekte, wie z.B. die GASSIREPORT-Treffen u.Ä. Das alles kostet Herzblut, Zeit und Arbeit. Für euren Support erhaltet ihr tolle Prämien. Und so unterstützt ihr Leser den GASSIREPORT: 

► Paypal: https://www.paypal.me/gassireport

► Patreon: http://www.patreon.com/gassireport

► Mit jedem Einkauf über unsere Amazon-Links*: https://amzn.to/2SaJ9ON

*Affiliate-Links: Ich werde beim Kauf eines Produktes oder dem Abschluss eines für 30 Tage kostenfreiem Probeabos am Umsatz beteiligt oder bekomme eine Prämie. Für Dich entstehen KEINE Mehrkosten.



Samstag, 31. Oktober 2020

Flirtfaktor Hund? – Eher eine „Auswahlhilfe“ 😉

Ist der Hund ein klassischer Flirtfaktor? Unbestritten ist, dass Hundehalter in der Regel keine großen Schwierigkeiten haben, Kontakte zu knüpfen. Der Hund ist also ein idealer Kommunikator, aber hilft er auch beim Flirten? Gassi­reporter Maximilian Pisacane mit seinem charmanten Doggen-Mix ­Rico hat einige Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt …

 

„Und wer bereitet bei euch das ­Essen?“, fragte die Dame mit einem süffisanten Lächeln. Da war sie wieder: DIE Frage, schon zig-mal bei Begegnungen mit Halterinnen gestellt bekommen – durch die linke Brust einmal quer durch den Körper und raus aus dem rechten Auge. Sofort war mir klar: Sie wollte ab­checken, ob wir noch Single sind. Da ich mir gern bei solchen indirekten – und extrem leicht durchschaubaren – ­Fragen einen Spaß er­laube, antwortete ich: „Das lassen wir uns liefern.“ Das Lächeln der Dame fror ob der nun fortgesetzten Unwissenheit …

 

Sie brauchte ein paar Sekunden, bis sie sich eine Folgefrage ausgedacht hatte: „Wer hat denn den Hund ausgesucht?“ Den Spaß, sie weiter in Unwissenheit zu lassen, konnte ich so weiter auskosten: „Der Hund hat entschieden.“ 😉

 

"Flügelmann" Hund
Foto: Lutz Borger

Hunde müssen ja heutzutage viele Rollen spielen. Auch die des Flirtgehilfen. Und nein, ich meine damit nicht eine dieser Aktionen meines Doggen-Wookies Rico, wo er mal wieder seine kalte Nase unter den Rock einer Fremden steckt. Als Flirthilfe erleichtern Hunde die Kontaktaufnahme – aber eben auch so seltsame Verhöre wie eingangs geschildert. Da kommt man(n) sich glatt ausgeschnüffelt vor … Das ist wohl das Pendant zur Analkontrolle bei Hunden …

 

Irgendwie auch nachvollziehbar, dass man mehr über einen potenziellen Partner erfahren will. Aber muss das unbedingt innerhalb der ersten Minuten sein? Okay, Hunde checken sich auch ab: Kurze Überprüfung der Gerüche. ­Zugegeben, so einfach wünsche ich es mir bei uns Menschen nicht. ;-)ABER: Den Hund nur als Gesprächsthema und Aushorchmöglichkeit zu nehmen ist doch recht platt. Damit vergeuden viele eine andere – wie ich finde – viel wichtigere Hilfestellung, die Hunde beim Flirten geben können. Ich für meinen Teil beobachte viel lieber die Hunde, statt den Haltern Fragen zu stellen. Die verraten mir im Zweifelsfall eh viel mehr – und ehrlicher. Vor allem das Zusammenspiel mit meinem Döggelchen gibt mir da viele Aufschlüsse. Nicht selten stellt sich eine Halterin im besten Lichte dar, doch ihr Hund ist die reinste Zicke und spiegelt somit ihren eigent­lichen Charakter wider …

 

Doch nicht nur der Hund des Möchtegern-Flirtpartners verrät einem viel. Schließlich spiegeln die wie bereits geschrieben vieles ihrer Halter wider. Noch viel aufschlussreicher ist da der eigene Hund. Mein kleiner Doggen-Wookiee Rico weiß meist sofort, wer zu uns passt. Sein Repertoire reicht vom Ignorieren (= ist mir egal), über Meiden (= die ist mir nicht geheuer) bis hin zum Blocken (= die geht ja mal gar nicht, vor der muss ich dich beschützen). Klare, unverschnörkelte Signale ohne Schnick und Schnack, die mir sagen, ob jemand zu uns passt oder nicht. Ganz besonders aber zeigt er mir, wen er sympathisch findet. So beispielsweise durch Anlehnen (= die ist toll, die ist erlaubt) oder aber in ganz seltenen Extremfällen, wenn er sogar mit ihr spricht (also in seiner Dog-Wookiee Hundesprache). Dann hat Rico quasi sein Okay ge­geben – und ich vertraue seiner Nase da mittlerweile mehr als allen Fragen, die ich stellen könnte.

 

Hunde riechen, wer passt und wer nicht
Foto: Lutz Borger

 

Was ich aber nicht verstehe: Warum ist das überhaupt immer wieder ein Gesprächsthema? Oder gibt es etwa Menschen, die sich aus diesem Grund einen Hund anschaffen? Um andere Menschen kennen zu lernen? Wie muss ich mir das vorstellen? Der Hund quasi als Übersetzer der Liebesbotschaften? Das würde das Interesse daran erklären – schließlich nehmen die Singlehaushalte zu. Aber kämen diese Leute auch auf die Idee, sich deswegen ein Baby anzulachen? Wohl kaum (hoffe ich). Für mich beginnt daher ein gelungener Flirt damit, dass man sich am gemeinsamen Spiel der Hunde erfreut und sich so langsam kennen lernt. Auch wenn die Hunde da schon lange Bescheid wissen. Sie sind uns halt in Vielem voraus. Klar, sie riechen es ja förmlich.

 

Aber vielleicht ist man als Hundehalter auch kein typischer Flirtpartner mehr. Die konventionellen Flirtmethoden und -spielchen wirken eventuell auf uns nicht mehr so (oder gar negativ). Wir haben ja durch unsere Hunde zusätzliche „Sinne“ – wir müssen uns nur darauf einlassen und sie zu lesen wissen. Auf jeden Fall hat man bei dieser Herangehensweise nicht das Gefühl eines Verhöres – und zum Lachen hat man auch sicher mehr. 😉


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 10/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Flirtfaktor Hund - Ein paar Enthüllungen und Tipps eines Rüden über die Gattung "Herrchen"


--------------------------------------------

Im GASSIREPORT findet ihr immer Hunde-Geschichten in Text, Bild und Video - mal amüsant, informativ, kritisch, kontrovers oder satirisch, aber immer authentisch! Daneben gibt es auch andere Projekte, wie z.B. die GASSIREPORT-Treffen u.Ä. Das alles kostet Herzblut, Zeit und Arbeit. Für euren Support erhaltet ihr tolle Prämien. Und so unterstützt ihr Leser den GASSIREPORT: 

► Paypal: https://www.paypal.me/gassireport

► Patreon: http://www.patreon.com/gassireport

► Mit jedem Einkauf über unsere Amazon-Links*: https://amzn.to/2SaJ9ON

*Affiliate-Links: Ich werde beim Kauf eines Produktes oder dem Abschluss eines für 30 Tage kostenfreiem Probeabos am Umsatz beteiligt oder bekomme eine Prämie. Für Dich entstehen KEINE Mehrkosten.


Mittwoch, 30. September 2020

Die Leine als ­Kommunikationsmittel – Nicht nur Sender, auch Empfänger!

Plötzlich spüre ich es. Nicht vehement, in keinem Fall schmerzhaft, nur ein ganz leichter, ja fast schon zarter Druck in der Hand – die Leine ist leicht gestrafft. Ich blicke zu ­meinem Döggelchen Rico, er ist stehen geblieben und schaut mich fragend, ja fast schon um Erlaubnis fragend, an. Sofort wird mir klar: Er hat was gerochen und will dahin (manchmal gebe ich dem nach, manchmal nicht – je nach Zeit­management; und nicht selten entdecken wir die ein oder andere Skurrilität und somit Stoff für unsere Geschichten). Sein ­Signal ist bei mir angekommen.

Die Leine ist für mich mehr als nur eine gesetzliche Pflicht, sie ist ein Kommunikationsmittel. Und wie es die Natur der Kommunikation ist, sollte sie auch keine Einbahnstraße sein. Doch viel zu oft erleben wir auf unseren Gassirunden, dass die Leute damit nur Signale senden. Da ist ein Ruckeln und ein Zuppeln, ein Ziehen und Zerren. Nicht selten sind dies negative Signale, weiß Perdita Lübbe von der Hunde-Akademie: „Leider dient die Leine viel zu oft als Mittel im negativen Sinne, um zu strafen oder von etwas abzuhalten. Doch die Leine sollte stattdessen immer positiv belegt sein und nie ätzend für den Hund. Denn sie gibt ihm Sicherheit, Stabilität und Orientierung. Beispielsweise freuen sich meine Hunde, wenn ich die Leine in der Hand habe, und wollen angeleint werden, denn sie wissen: Hier bin ich geschützt.“

Lockeres Gassigehen - Hund und Mensch verbunden über die Leine

Für mich ist sie daher gar nicht mal so wichtig als Signalsender, viel wichtiger ist sie für mich als Signalempfänger. Vergleichbar mit einem Telegrafendraht. Denn die Signale, die Rico mir darüber sendet, geben mir ganz neue Informationen – und das auf eine sehr subtile, unauffällige, ja beinahe schon intime Art (so im Vergleich zum „dezenten“) Molosser-Stupser oder -Bodycheck) – denn diese Signale bekommt ja kein anderer mit, außer mir. Und das sind nicht nur seine Bedürfnisse und Wünsche! So manche Skurrilität wäre mir andernfalls entgangen, an der ich wohl achtlos vorbeigegangen wäre – und mit ein wenig Fantasie können der im Baum hängende Schnuller, die pfleglich zusammengestellten Damenschuhe auf dem Bürgersteig, die Ente auf dem Auto­dach ganz schön inspirierend wirken, auf jeden Fall aber zu einem Lächeln bringen. Okay, zugegeben, beim Fund eines Schafhaufens hört meine Inspiration dann auf, dafür fängt die von Doggen-Wookie Rico erst an – wenn er sich reinwirft und darin wälzt…

Leinentraining mal anders: Sich mal selber an der Leine führen lassen
Sehr hilfreich in dem Zusammenhang waren so Kinderspiele, die ich auch später im Alter noch wiederholt habe: sich mal an der Leine führen zu lassen von jemand anderem. Als Kind spielte ich ab und an in Rollenspielen den Hund und wurde so an der Leine geführt; später in der jugendlichen Neugierde war es dann kein Rollenspiel mehr, sondern einfach die Erfahrung „wie sich das anfühlt“, die mich reizte; als Erwachsener frischte ich diese Erfahrungen dann sogar unter professioneller Anleitung auf, wie beispielsweise bei einem Tellington-Touch-Workshop (da auch mal mit geschlossenen Augen, was die Konzentration auf die haptische Sensibilität erhöht). Ich kann diese Übung nur JEDEM Hundehalter wärmstens ans Herz legen!
 
Das hilft nicht nur die Kraft einzuschätzen, die auf so eine Leine wirkt – so mancher merkt erst da, was für eine Wucht hinter einem „leichten Leinenruck“ stecken kann. Außerdem: So ein Perspektivenwechsel ist mehr als nur lehrreich. Es ist ein empathisches Erlebnis, welches das Verständnis für­einander fördert. „Ein Perspektiven­wechsel kann mehr als nur die Augen öffnen, er eröffnet dem Halter eine ganz neue Welt der Kommunikation mit seinem Hund. Wer die Leine nur als Signalgeber benutzt, der beschränkt seine Kommunikation mit seinem Vierbeiner. Denn jede Bewegung und viele ­Körpersignale werden über die Leine in Richtung Mensch übertragen – man muss nur offen sein, diese Signale zu empfangen“, weiß ­Wilfried Theißen von derhundehaltercoach.de.

Erst wendet sich der Köpf, dann die Körperachse und mit leichtem Zug, zeigt Rico wohin er gern möchte...

Statt die Leine also als nötiges Übel oder gar als Einschränkung der Freiheit zu sehen, sollten wir Zweibeiner sie vielleicht eher positiv besetzen. Der direkte Draht zu unseren Hunden, ja quasi eine Kommunikations-Nabelschnur. Falls das mit dem positiven Besetzen der Leine Schwierigkeiten macht, so wissen ja Hundehalter, wie sie sich dazu konditionieren können… 🙂

Beim Mantrailing übernimmt der Hund die "Führung"...
Die richtig hohe Kunst scheint es aber zu sein, wenn man sich sogar gezielt vom Hund führen lassen kann, wie beispielsweise beim Mantrailing: „Die Leine stellt eine mentale Verbindung zum Hund dar. Sie wird in der Arbeit beim Mantrailing nicht als ­Korrekturmittel eingesetzt! Sie soll stattdessen dem Hund Sicherheit geben. Und für den ­Mantrailer ist Leinentechnik ein un­ersetzbares Handwerkszeug. Wie soll er sich sonst vom Hund zum Zielobjekt führen lassen? Im besten Fall erkennt und spürt er ­darüber unterschiedliche Signale des Hundes rechtzeitig und kann über die Leine wiederum unterstützend einwirken, indem er ihn bestätigt“, berichtet Kerstin Hennings, Leiterin des Suchhunde­zentrums Schweiz.

Also so weit sind wir – oder besser ­gesagt: ich nicht. Denn ich bin überzeugt, dass mein Döggelchen Rico da mehr spürt als ich. Uns Zweibeinern fehlt es ja zuweilen doch an „hündischer Sensibilität“…


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 09/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Die Leine als "direkter Draht"


PS: In Zusammenarbeit mit dem Hundeausrüster und Zughundesport-Spezialisten Zampa haben wir eine spezielle Hundeleine und Halsband entwickelt (am Geschirr arbeiten wir gerade noch) - besonders sicher, robust, vielseitig und dennoch leicht.

--------------------------------------------
Im GASSIREPORT findet ihr immer Hunde-Geschichten in Text, Bild und Video - mal amüsant, informativ, kritisch, kontrovers oder satirisch, aber immer authentisch! Daneben gibt es auch andere Projekte, wie z.B. die GASSIREPORT-Treffen u.Ä. Das alles kostet Herzblut, Zeit und Arbeit. Für euren Support erhaltet ihr tolle Prämien. Und so unterstützt ihr Leser den GASSIREPORT: 



► Paypal: https://www.paypal.me/gassireport

► Patreon: http://www.patreon.com/gassireport

► Mit jedem Einkauf über unsere Amazon-Links*: https://amzn.to/2SaJ9ON

*Affiliate-Links: Ich werde beim Kauf eines Produktes oder dem Abschluss eines für 30 Tage kostenfreiem Probeabos am Umsatz beteiligt oder bekomme eine Prämie. Für Dich entstehen KEINE Mehrkosten.


Mittwoch, 9. September 2020

Doppeltes Jubiläum: Vom Team zum Rudel

Ricos Einzug änderte alles

Es ist nun 8 Jahre her, da zog der kleine Rico bei mir ein. Vom ersten Augenblick an veränderte er alles im Leben. Ich meine damit jetzt nicht, die ganze Organisation, oder den Alltagsrhythmus etc. Nein, er verschob vom ersten Moment an, schon bei unserem ersten Zusammentreffen, meine Prioritäten - oder genauer gesagt: er stellte sie völlig auf den Kopf. Denn von jetzt auf gleich war er das Zentrum, während ich selber weit hinten anstand.

Seit über einem Jahr ein Rudel: Rico, Leon und Maximilian

Alleine deswegen schon, weckte er "das Kind in mir". Mein in die Jahre gekommener Egoismus schrumpfte dahin - schneller als ein Schneemann im Solarium. Aber in noch größerem Maße weckte er das Kind: Durch seine ausgeprägte Impulskontrolle (die mich ja von Anfang an fasziniert hatte), musste ich ihn manchmal aus der Reserve locken. Und nicht selten verfiel ich dafür in eine kindliche Albernheit, die wohl selbst 6-Jährigen peinlich gewesen wäre.

Kein Wunder also, dass genau diesen Aspekt nun der kleine Leon widerspiegelt. Denn er, der vor etwas einem Jahr zu uns kam, hat wesentlich weniger Impulskontrolle, ist alberner, verspielter... Das, diese Leichtigkeit, verdankt er dir mein Rico - und gleich im doppelten Maße: einmal direkt, durch dein selbstsicheres Auftreten, aber auch, weil due meine Kind-Seite befreit hast.



In all den Jahren wuchsen wir immer mehr zusammen. Ich bezeichnete dich mal als "biologischen Satelliten" (der mir durch sein Verhalte und Körpersprache Signale sendet). Doch die Verbindung geht viel tiefer, eigentlich bist du mittlerweile mein einziges Organ außerhalb meines Körpers (und mit eigenem Willen 😉).


Blog-Jubiläum

Vor nun 7 Jahren, also ein Jahr nach Ricos Einzug, starteten wir unseren Blog GASSIREPORT. Ja ich sage ganz bewusst "unseren", denn er ist genaus meiner, wie der meiner Ricos. Denn er ist da der Chefredakteur, er bestimmt die Themen, erschnüffelt Gegenden und setzt die Akzente. 

Ich kann es nur immer wieder wiederholen: Es war vielleicht nicht die vernünftigste Entscheidung damals Rico aufzunehmen, doch sicher einer der besten meines Lebens. Denn er erweckte auch die "Hundewelt" in mir neu - eine Welt, die ich aus meiner Kindheit kannte und immer genossen habe. Aber durch das Hamsterrad von Job und Karriere irgendwie auf der Strecke geblieben war. Ja ohne Rico hätte ich meinen Burnout wohl nicht so gut überstanden.

Vieles Schwierigkeiten haben wir gemeinsam durchgestanden: Anfeindungen aus der Branche (so manch einer reagierte eben allergisch auf Kritik und Logik), Intrigen, Lügenmärchen (meist von Leuten, die uns gar nicht kannten...oder von verlassenen Exen, die immer noch an mir hängen und dafür sogar andere gefrustete Frauen für so manchen Shitstorm vor ihren Karren gespannt haben), ja selbst geschäftsschädigende Aktionen kamen von den ganzen Neidern (wahrscheiblich aus Angst wegen ihres Mangels an Talenten und Können). Apropos Exen: Wenn ich bedenke, wie oft du mich durch deine feine Spürnase vor fehlern bewahrt hast. Also was das angeht, ist Don Ricotta ein absoluter Frauenkenner. So manchen feghler half er zu vermeiden, denn durch seine Signale wusste ich weit mehr über meine Dates, als denen lieb war (und meist sagte ich es ihnen nicht, denn genau dieser Typus hat die Wahrheit gar nicht verdient). Auf seine Einschätzung konnte ich mich da IMMER verlassen.

In all dieser Zeit wuchsen wir immer mehr zusammen. Rico ist weit mehr für mich als "nur" ein Hund, er ist mein animalischer Bruder. Daher feierten wir bisher diesen Tag als Rico einzog als doppeltes Jubiläum, ja sogar als einen gemeinsamen Geburtstag. Denn all die Veränderungen, die er brachte, waren für mich wie der ebginn eines neuen Lebens, das ich fast vergessen hatte...


Und nun sind wir ein Rudel...

Und nun, da gehört auch Klein-Leon seit etwas mehr als einem Jahr dazu. Er ist so ganz anders als Rico, aber genau deswegen ergänzen die beiden sich auch so gut. Mittlerweile sind wir zu einem kleinen Rudel zusammengewachsen - nun hab ich 2 animalische Brüder, die mein Leben bereichern. Ich danke euch nicht nur von Herzen, denn ein Herz ist zu klein dafür um eure tollen Seelen gerecht zu werden, sondern mit jeder Zelle meines Körpers. Kein Tag, keine Minute, keine Sekunde mit euch hab ich je bereut und ich freue mich auf jeden weiteren Augeblick in der Zukunft. Denn solange ihr bei mir seid, ist für mich alles bestens - egal welche Schwierigkeit auch gerade wieder vor der Tür steht. Auf weitere pfotenstarke Abenteuer und wuffastische Erlebnisse, meine animalischen Brüder! 🐾

   
--------------------------------------------
Im GASSIREPORT findet ihr immer Hunde-Geschichten in Text, Bild und Video - mal amüsant, informativ, kritisch, kontrovers oder satirisch, aber immer authentisch! Daneben gibt es auch andere Projekte, wie z.B. die GASSIREPORT-Treffen u.Ä. Das alles kostet Herzblut, Zeit und Arbeit. Für euren Support erhaltet ihr tolle Prämien. Und so unterstützt ihr Leser den GASSIREPORT: 



► Paypal: https://www.paypal.me/gassireport

► Patreon: http://www.patreon.com/gassireport

► Mit jedem Einkauf über unsere Amazon-Links*: https://amzn.to/2SaJ9ON

*Affiliate-Links: Ich werde beim Kauf eines Produktes oder dem Abschluss eines für 30 Tage kostenfreiem Probeabos am Umsatz beteiligt oder bekomme eine Prämie. Für Dich entstehen KEINE Mehrkosten.