Mittwoch, 9. September 2020

Doppeltes Jubiläum: Vom Team zum Rudel

Ricos Einzug änderte alles

Es ist nun 8 Jahre her, da zog der kleine Rico bei mir ein. Vom ersten Augenblick an veränderte er alles im Leben. Ich meine damit jetzt nicht, die ganze Organisation, oder den Alltagsrhythmus etc. Nein, er verschob vom ersten Moment an, schon bei unserem ersten Zusammentreffen, meine Prioritäten - oder genauer gesagt: er stellte sie völlig auf den Kopf. Denn von jetzt auf gleich war er das Zentrum, während ich selber weit hinten anstand.

Seit über einem Jahr ein Rudel: Rico, Leon und Maximilian

Alleine deswegen schon, weckte er "das Kind in mir". Mein in die Jahre gekommener Egoismus schrumpfte dahin - schneller als ein Schneemann im Solarium. Aber in noch größerem Maße weckte er das Kind: Durch seine ausgeprägte Impulskontrolle (die mich ja von Anfang an fasziniert hatte), musste ich ihn manchmal aus der Reserve locken. Und nicht selten verfiel ich dafür in eine kindliche Albernheit, die wohl selbst 6-Jährigen peinlich gewesen wäre.

Kein Wunder also, dass genau diesen Aspekt nun der kleine Leon widerspiegelt. Denn er, der vor etwas einem Jahr zu uns kam, hat wesentlich weniger Impulskontrolle, ist alberner, verspielter... Das, diese Leichtigkeit, verdankt er dir mein Rico - und gleich im doppelten Maße: einmal direkt, durch dein selbstsicheres Auftreten, aber auch, weil due meine Kind-Seite befreit hast.



In all den Jahren wuchsen wir immer mehr zusammen. Ich bezeichnete dich mal als "biologischen Satelliten" (der mir durch sein Verhalte und Körpersprache Signale sendet). Doch die Verbindung geht viel tiefer, eigentlich bist du mittlerweile mein einziges Organ außerhalb meines Körpers (und mit eigenem Willen 😉).


Blog-Jubiläum

Vor nun 7 Jahren, also ein Jahr nach Ricos Einzug, starteten wir unseren Blog GASSIREPORT. Ja ich sage ganz bewusst "unseren", denn er ist genaus meiner, wie der meiner Ricos. Denn er ist da der Chefredakteur, er bestimmt die Themen, erschnüffelt Gegenden und setzt die Akzente. 

Ich kann es nur immer wieder wiederholen: Es war vielleicht nicht die vernünftigste Entscheidung damals Rico aufzunehmen, doch sicher einer der besten meines Lebens. Denn er erweckte auch die "Hundewelt" in mir neu - eine Welt, die ich aus meiner Kindheit kannte und immer genossen habe. Aber durch das Hamsterrad von Job und Karriere irgendwie auf der Strecke geblieben war. Ja ohne Rico hätte ich meinen Burnout wohl nicht so gut überstanden.

Vieles Schwierigkeiten haben wir gemeinsam durchgestanden: Anfeindungen aus der Branche (so manch einer reagierte eben allergisch auf Kritik und Logik), Intrigen, Lügenmärchen (meist von Leuten, die uns gar nicht kannten...oder von verlassenen Exen, die immer noch an mir hängen und dafür sogar andere gefrustete Frauen für so manchen Shitstorm vor ihren Karren gespannt haben), ja selbst geschäftsschädigende Aktionen kamen von den ganzen Neidern (wahrscheiblich aus Angst wegen ihres Mangels an Talenten und Können). Apropos Exen: Wenn ich bedenke, wie oft du mich durch deine feine Spürnase vor fehlern bewahrt hast. Also was das angeht, ist Don Ricotta ein absoluter Frauenkenner. So manchen feghler half er zu vermeiden, denn durch seine Signale wusste ich weit mehr über meine Dates, als denen lieb war (und meist sagte ich es ihnen nicht, denn genau dieser Typus hat die Wahrheit gar nicht verdient). Auf seine Einschätzung konnte ich mich da IMMER verlassen.

In all dieser Zeit wuchsen wir immer mehr zusammen. Rico ist weit mehr für mich als "nur" ein Hund, er ist mein animalischer Bruder. Daher feierten wir bisher diesen Tag als Rico einzog als doppeltes Jubiläum, ja sogar als einen gemeinsamen Geburtstag. Denn all die Veränderungen, die er brachte, waren für mich wie der ebginn eines neuen Lebens, das ich fast vergessen hatte...


Und nun sind wir ein Rudel...

Und nun, da gehört auch Klein-Leon seit etwas mehr als einem Jahr dazu. Er ist so ganz anders als Rico, aber genau deswegen ergänzen die beiden sich auch so gut. Mittlerweile sind wir zu einem kleinen Rudel zusammengewachsen - nun hab ich 2 animalische Brüder, die mein Leben bereichern. Ich danke euch nicht nur von Herzen, denn ein Herz ist zu klein dafür um eure tollen Seelen gerecht zu werden, sondern mit jeder Zelle meines Körpers. Kein Tag, keine Minute, keine Sekunde mit euch hab ich je bereut und ich freue mich auf jeden weiteren Augeblick in der Zukunft. Denn solange ihr bei mir seid, ist für mich alles bestens - egal welche Schwierigkeit auch gerade wieder vor der Tür steht. Auf weitere pfotenstarke Abenteuer und wuffastische Erlebnisse, meine animalischen Brüder! 🐾

   
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Montag, 31. August 2020

Das Dilemma mit ­skurrilen Tier-Anfragen

Tierheime wollen ihre Tier nicht rausrücken? Das hört man immer wieder mal. Aber wenn man hinter die ­Kulissen blickt, versteht man, wie es dazu kommt. In Tierheimen tauchen regelmäßig „seltsame Gestalten“ auf, die für eine Hunde­haltung einfach nicht geeignet sind. Gassireporter ­Maximilian Pisacane hat den Tierheim-Alltag hinterfragt.

„Hey, wir hätten gern ’nen ­Pitbull!“, artikuliert das junge Pärchen, das einem schlechten Film entsprungen scheint: Sie sieht aus wie eine junge Version von Courtney Love und wirkt auch ähnlich verpeilt, so als sei sie schon auf halbem Weg ins Nirwana. Hektisch ist ihr Blick, Augenkontakt ist kaum möglich, immerhin geben ihre vielen Piercings ein paar Fixpunkte in ihrem Gesicht. Er hält sich im Hintergrund, wirkt dabei aber nur noch skurriler, vom Aussehen her das Idealbild eines Junkies. Selbst mein ansonsten an den Anblick skurriler Menschen gewohntes Döggelchen Rico betrachtete sie konsterniert. (Da wir in der Düsseldorfer Altstadt wohnen, hat er schon als Welpe Menschen in sämtlichen Aggregatzuständen gesehen und angeschnüffelt.) „Was wisst ihr denn über die Rasse?“, fragte die Tierheim-Mitarbeiterin mit einer Geduld in der Stimme, die man wohl nur durch unendliche Szene-Wiederholungen erlangt. Ich schnappe Fetzen der Antwort auf: „Hab‘ Fotos gesehen … immer schon mein Traumhund … die schauen so süß … voll ey!“ und ähnlich informationsgehaltvolle Worte. 😉

„Ihr wisst aber schon, dass es sich dabei um Listenhunde handelt?“, fragt die Tierheim-Mitarbeiterin. In ihrer ­Stimme vibriert das schon an Präkognition grenzende Wissen um die Antwort: „Ja klar, aber das macht uns nichts, dass der auf einer Liste steht. Wir haben da keine Vorurteile.“ Na das ist ja mal toll – aber wie sieht es mit dem Wissen darum aus, was da alles dranhängt – besondere Sachkunde, höhere Steuern, Maulkorb- und Leinenzwang (von dem man sich zwar befreien lassen kann, was aber Mühe und Zeit kostet)…?


Ein neues Zuhause sollte gut gewählt sein, damit es nicht nur ein weiterer Parkplatz ist... Foto:Lutz Borger
Ein neues Zuhause sollte gut gewählt sein, damit es nicht nur ein qeiterer Parkplatz ist...
Foto: Lutz Borger

Mit bewundernswerter Geduld und recht emotionslos antwortete die Tierheim-Mitarbeiterin: „Wir haben gerade nur einen Pitbull und der ist reserviert, aber ihr dürft euch gern umschauen, ob ihr einen anderen Hund sympathisch findet, und dann schauen wir weiter.“ Warum ich ihre Geduld bewundere? Ganz einfach, meine Antwort wäre gewesen: „Tut euch, der Umwelt und vor allem dem Hund einen Gefallen und kauft euch ein Stofftier!“ (Jaja, ich weiß: ich bin zuweilen sehr direkt ;-)). Immer wieder hören wir Geschichten, dass Tierheime besonders hohe Hürden für die Adoption eines Hundes aufstellen. Ja, viele meinen sogar, es wäre kaum noch möglich, aus einem Tierheim einen Hund zu bekommen. Das stimmt nach meiner Erfahrung, es ist im Vergleich zu früher wirklich nicht mehr so einfach. In meiner Kindheit ging man ins Tierheim, suchte sich einen Hund aus, ­unterschrieb ein paar Blätter und das war es. Aber ist einfach auch immer besser? Wohl kaum, zumal die Rücklaufquote so sicherlich größer ausfällt.

Und so stehen Tierheime seit einiger Zeit unter Beschuss, sind die Bösen. Weil sie doch die armen Tiere lieber in Zwingern halten, als sie den ach so „­fürsorglichen“ Besuchern einfach so mitzugeben. Wobei ich mich immer frage, ob zur ­Fürsorge nicht auch das Vorab-Informieren gehört. Aber gut, offenbar sehe ich das zu logisch. Denn wenn ich solche Leute darauf ansprach, ob sie sich vorher mal informiert haben, erhielt ich Antworten wie „Ich will ­einen Hund, keine Doktorarbeit schreiben …“. Tja, wenn ein paar grundsätzliche Infos schon reichen, um einen Doktor-Titel zu bekommen, dann wundere ich mich mal, warum nicht mehr Menschen einen haben …

Sicher, es mag Tierheime geben, die es übertreiben. Immer wieder hört man ja so Horror-Stories, dass man keinen Hund bekommen hätte. Die Sozialen Medien (oder wie ich sie gern nenne: Netzwerke der Soziopathen) sind ja voll davon. Verständlich, dass die Betroffenen konsterniert sind – handeln sie doch in der Überzeugung eine gute Tat zu tun. Ebenso verständlich ist es auch, dass sie einige Gründe der Ablehnung verschweigen. Wer will schon zugeben, dass man sich durch Unwissenheit blamiert hat? Doch die Regel ist es nicht, dass Tierheime „nix rausrücken“! Dagegen sprechen nicht nur die zahlreichen Hunde aus dem Tierschutz, die durch die Sozialen Medien wuffen, sondern auch die Statistik: Es werden jährlich wesentlich mehr Hunde bei Tasso eingetragen, als Züchter Nachwuchs beim Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) melden. Die Mehrheit, die in diese Lücke fällt, kommt aus dem Tierschutz (ein gewisser Teil leider auch aus so genannten Vermehrer-Betrieben im In- und Ausland).

Sicher, im Tierschutz ist auch nicht alles grün. Auch darunter mischen sich schwarze Schafe, die eher ihr Geschäft im Sinn haben als die Hunde. Nicht selten bildet sich rund um eine Tierschutz-Organisation eine ganze Industrie. Sie kooperieren mit Hunde­trainern, Ernährungsberatern, Tierärzten, Physio­therapeuten, Hundefriseuren und anderen Geschäften zusammen. Nicht selten rückt der Hund dabei aus dem ­Fokus und das Geschäft gewinnt Priorität. Ja, einige Tierschutz-Organisationen arbeiten sogar mit illegalen Tierhändlern zusammen. Aber alle unter einen Generalverdacht zu stellen ist mehr als unfair. Zumal sich mancher Besucher an der eigenen Nase packen sollte, vor allem wenn er sich so informiert hat, wie das anfangs erwähnte Beispiel-­Pärchen. Es reicht halt nicht zu wissen, dass ein Hund vier Beine hat und ein Fell (zumindest die meisten Rassen), um ihm ein artgerechtes Leben bieten zu können.
 

Chantal sucht ein Zuhause 

Chantal wurde aufgrund ihrer Unverträglichkeit abgegeben. Im Tierheim Düsseldorf wird mit ihr zusammen mit einer ­Hundetrainerin trainiert und sie macht sich seitdem super. Es wird für sie daher ein erfahrener Hundehalter gesucht. Die etwa 4,5 Jahre alte Doggen-­Mischlingshündin wiegt ca. 50 Kilo und ist kastriert. Sie ist unheimlich verschmust und menschenbezogen. Aufgrund einer bereits operierten Ellenbogendysplasie sollte Chantals neues Zuhause ebenerdig sein. Sie kann alleine bleiben, ist stubenrein und auch im Auto zu fahren, bereitet ihr keinerlei Probleme.

Training mit Chantal
Training mit Chantal

Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 08/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Tierheime sind genauso unperfekt wie Hunde und Menschen, sie aber unter Generalverdacht zu stellen ist unfair

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Donnerstag, 30. Juli 2020

„Glück ist tierisch leicht…“ – Interview mit Daniela Ben Said

Daniela Ben Said wuchs in Osnabrück als Tochter ­einer ­Deutschen und eines Tunesiers auf. Sie studierte ­Psychologie, machte u. a. Ausbildungen zur Heil­praktikerin und Fach­trainerin für Psychotherapie. Seit 1998 ist sie selbständige Vortragsrednerin und Coach. Sie arbeitet fast immer mit ihren Tieren, die sie auch auf die Bühne mitnimmt. Gassi­reporter Maximilian Pisacane hat sie zum Interview gebeten.

Daniela Ben Said mit Bullterrier Frieda

Auf einem meiner – wie ich sie gern nenne – „virtuellen Gassigänge“ lief uns Daniela Ben Said über den Weg und sprach uns an. Die Heilpraktikerin hat bereits viele Bücher geschrieben und hält Vorträge zu den Themen Führung, Kundenverblüffung und Persönlichkeitsentwicklung. Spiegel Wissen schrieb 2009 über sie: „Sie gehört zu den Top-Trainern Deutschlands“, und 2014 erhielt sie die Auszeichnung „Female Speaker of the Year“. Sie lebt auf ihrem historischen Niedersachsen­hof mit Pferden, Ponys, Hühnern, Gänsen, Eseln, Hängebauchschweinen, Hunden, Katzen, Enten und einem Bussard. Alle Tiere tragen einen Namen, denn für Daniela sind sie Mitbewohner, Freunde und Gefährten. Sie beobachtet deren Verhalten und Gewohnheiten, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die sich auf das menschliche Leben über­tragen lassen. „Menschen handeln häufig so, wie es die Gesellschaft, der Partner, die Eltern oder der Chef vermeintlich erwarten. Das macht auf Dauer unzufrieden und unglücklich. Tiere sind authentisch und leben so, wie es ihrer Natur entspricht. Wir Menschen können daher von Tieren lernen unser Leben so zu gestalten, dass es unserem Wohlbefinden entspricht“, meint Daniela.

Da kann und will ich ihr nicht widersprechen. Schon aus meiner eigenen Erfahrung heraus könnte ich das gar nicht. Wenn ich bedenke, wie viel ich durch mein Döggelchen Rico wieder neu ­gelernt habe und viel Neues immer wieder lerne … Aber nun zu dem Interview mit Daniela Ben Said, die aus ihren Beobachtungen ein eigenes Bühnenprogramm entwickelt hat: „Glück ist tierisch leicht – was wir von Tieren lernen können“

Interview mit Daniela Ben Said

Gassireport: Wie kamst Du auf die Idee eines Bühnenprogramms?
Daniela: Etwas vereinfacht gesagt: durch Beobachtung. Weißt Du, ich bin mit Tieren aufgewachsen und lebe mit ihnen zusammen. Und jeder, der ein Tier hat, wird irgendwann merken, wie glücklich es einen macht. Daher stellte ich mir die Frage: Was machen Tiere eigentlich besser? Zunächst einmal machen sie sich keine Gedanken und vor allem keine Sorgen um die Zukunft, sie konzentrieren sich auf ihre grundlegenden Bedürfnisse. Tiere kennen nicht dieses „weiter, schneller, ­höher und immer besser“, das uns Menschen oft antreibt.

Auch eine Eule gehört zu Danielas Familie, sie heißt Hedwig

Gassireport: Meinst Du damit unsere Gesellschaft?
Daniela: Genau. In ihr herrscht derzeit das Ideal von Karriere, im Sinne eines ­Immer-mehr-haben-wollens. Meist mehr als man konsumieren kann. Diese Tendenz ist nicht gut, weder für die Umwelt, noch für die menschliche Psyche. Das Ergebnis sehen wir ja an der Zunahme psychischer Erkrankungen. Übrigens, auch bei einem anderen Problemthema können wir viel von Tieren lernen: in Beziehungsangelegenheiten.

Gassireport: Ich hab‘ zwar eine Ver­mutung, wie Du das meinst, aber kannst Du das bitte konkretisieren?
Daniela: Nun, viele Beziehungen zwischen Menschen scheitern. Die steigenden Scheidungsraten in vielen Ländern bestätigen das. Häufig scheitern Beziehungen, weil wir mit unserem Partner nicht mehr zufrieden sind, weil wir wieder „Mehr“ oder etwas „Besseres“ wollen; oft scheitern sie aber auch, weil wir die Voraussetzungen für eine funktionierende Beziehung vergessen. Warum haben Tiere und ganz besonders Hunde so eine innige Beziehung zu uns? Sie sind treu, loyal, ihre Gefühle sind aufrichtig, sie veranstalten keine emotionalen oder psychologischen Machtspielchen – das sind die Grundlagen, die ich meine. So funktionieren Beziehungen.

Ein Pony darf natürlich auch nicht fehlen...

Gassireport: Und warum ein Bühnenprogramm und nicht ein Buch?
Daniela: Auf der Bühne kann ich vieles unter Mithilfe meiner Tiere besonders gut veranschaulichen. Das ist lebendiger. Man muss diese„tierischen Glücklich­macher“, ihre unmittelbare Wirkung eben auch „erleben“.

Gassireport: Und wer tritt da mit Dir auf?
Daniela: Da ist zum Beispiel mein Mini-Bullterrier Frieda. Frieda ist ein Listenhund, und ich will auch gegen die Vorurteile angehen, mit denen diese Hunde­rassen zu kämpfen haben. Am Beispiel Hund lässt sich vor allem die Loyalität besonders gut demonstrieren. Des Weiteren bringe ich meinen Bussard Banu und die Riesenschildkröte Morla mit auf die Bühne.

Mit Frieda gegen Listenhund-Vorurteile

Gassireport: Und wie kann man sich das vorstellen? Ähnlich wie Stand-Up-Comedy mit Tieren?
Daniela: Nein, ganz und gar nicht. Ich erzähle Geschichten, die erfreuen und erheitern sollen. Und die eben auch lehrreich sind. Darüber hinaus sollen sie auch unser Verantwortungsbewusstsein schärfen.

Gassireport: Wie meinst Du das?
Daniela: Diese unglaublichen, vielfältigen Geschöpfe mit all ihren Fähigkeiten, diese „tierischen Glücklichmacher“ – sie wurden uns Menschen anvertraut, nicht ausgeliefert. Dementsprechend sollten wir auch mit ihnen umgehen.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 07/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Macht es euch nicht so schwer! Denn: "Glück ist tierisch leicht..." 


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Samstag, 13. Juni 2020

Kleinhund versus Großhund: Fronten sind menschengemacht

Kleinhund versus Großhund – ein immer wieder ­präsentes Thema unter Hundehaltern. Gassireporter Maximilian ­Pisacane geht diesem Thema mit seinem Riesenbaby Rico auf die Spur. Schnell trifft er auf einen kläffenden und sich wild gebärdenden Kleinhund. Doch die Begegnung läuft ganz anders als erwartet …

Ob klein oder groß - Freundschaft bemisst sich bei Hunden nach anderen Kriterien
Foto: Der Papagraf

Wild kläffte der kleine Racker am Zaun. Als Nachfahre von Terriern (das war dem Mischling deutlich anzusehen) gab das kleine Hundchen alles – sofern es sein Mut zuließ: Unsicher sprang er vor und zurück, das eh schon struppige Fell so weit aufgerichtet, dass er wie eine süße Plüschversion eines hüpfenden ­Kugel­fisches aussah. Dabei nahezu hysterisch bellend. Selbst mein Döggelchen Rico war offensichtlich irritiert – sein Blick sagte: Was ist das? Erst dann besann er sich seines Hundseins und antwortete entsprechend mit seinem Bariton-Wuff.

Der freche Kleine braucht mal eine Abreibung …

Nicht minder überrascht war ich aber von der Reaktion der Halterin. Sie war höchstens Ende 20 – und für die Verhältnisse der Modestadt Düsseldorf recht „natürlich“ attraktiv. Irgendwie hatte sie was Kameradschaftliches an sich. ­Jemand, mit dem man schon nach ­kurzer Zeit Äpfel stehlen würde … Sie stand innerhalb des eingezäunten Auslaufgebietes im Park und sagte: „Kommen Sie ruhig rein, der freche Kleine braucht mal eine Abreibung.“

Ich war so baff, dass mir nicht sogleich eine Antwort einfiel – kommt ja nicht oft vor. Offenbar bemerkte auch Rico meine Verwunderung, denn er vergaß für einen Augenblick sein Bellen. Wollte sie etwa ihren Hund los werden? Gut, mein kleiner Doggen-Wookiee ist zwar recht geduldig und will lieber spielen, aber irgendwann reißt ihm halt auch der Faden. Oder wollte sie ihn gar in einem Ritual von New-Age-Hexen opfern? 😉

Leinen los

Eigentlich hatten wir gar nicht vor, in den Auslauf zu gehen; machen wir eh dort nicht so gerne, ist für Ricos Größe ein wenig zu „eng“. Aber gut, nun ­waren wir neugierig, und da Don ­Ricotta sich eh wieder an sein ­Bellen ­erinnert hatte, konnten wir auch genau so gut reingehen. Doch am Tor beschlichen mich wieder Zweifel: „Sind Sie wirklich sicher?“, fragte ich daher. „Klar!“, sagte sie mit einem freundlich-spöttischen Lächeln, „Sie sind ja süß, Sie machen sich ja mehr Sorgen um meinen Hund als ich.“ Süß? Okay, das war ein Volltreffer ins Zentrum der Testosteron-Ehre. 😉 Wenn sie es so haben wollte, bitte. Also wischte ich meine Zweifel beiseite und trat ein. Und während der kleine Scottie (so hieß der höchstens 15 Kilo schwere Hund) immer hysterischer um uns herumsprang und bellte, machte ich Rico los …

Auch mit kleinen Hunden können große Schnüffelspannendes entdecken...

Okay, ich vertraue da meinem Döggel­chen; schließlich habe ich ihn vom Welpenalter daran gewöhnt, auch mit kleineren Hunden zu spielen. Da geht das nicht so wild, wie er es mit seinen Molosser-Freunden in seiner Gewichtsklasse machen kann. Aber hund kann ja auch anders spielen. Dennoch war ich bereit, Rico sogleich zurück zu rufen, ja, ich hatte sogar schon Luft geholt, als er auf Scottie los stürmte. Doch im letzten Moment bremste er ab, Scottie schrie vor Schreck nahezu auf, und mit zwei Hüpfern forderte Rico den Kleinen zum Spiel auf. So als wollte er sagen: „Hey, chill mal und lass uns lieber spielen.“

Das begriff der ängstliche Terrier zum Glück recht schnell. Und es war eine Wonne, die beiden dann gemeinsam beim Spielen zu beobachten. Gerade weil es so anders war als mit Spielkameraden von Ricos Gewichtsklasse. Viel vorsichtiger, weniger wild. Wieder einmal staunte ich über die Komplexität dieser Tiere, unserer Hunde. Wie gut sie unterscheiden können und sich darauf auch physisch einstellen. „Sehen Sie, habe ich es doch geahnt, als ich Sie beide von weitem schon sah“, sagte die junge Frau wie zur Bestätigung, „und so nebenbei lernt meiner auch ein wenig was und verliert auch seine Angst vor größeren Hunden – besser so, unter kontrollierten Verhältnissen, als später auf der Straße.“ Ich wünschte, mehr Menschen hätten so viel Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Hund und ihrer Umwelt.

Gleichzeitig war ich dankbar, dass die beiden Hunde mir wieder eines bestätigten: Egal welcher Größe – es sind alles Hunde! Die Front zwischen Klein- und Großhundehaltern ist meines Erachtens nur eine menschliche Grenze. Hunde können zwar unterscheiden, aber eine Grenze ziehen sie nicht: sie erkennen auch kleine Hunde als das an, was sie sind – eben Hunde.


Die unterschiedliche Größe hält Hunde nicht vom gemeinsamen Spielen ab
Foto: Brigitte Klemke

Klar muss man vorsichtig sein. Und gerade wenn der Größenunterschied besonders groß ist, sollte man die Aufsicht nicht vernachlässigen. Denn bei aller Anpassungsfähigkeit, ein wahres Gefühl für ihre Kraft und ihr Gewicht haben sie wohl nicht. Schnell kann da der gut gemeinte und als Aufforderung gedachte Pfotenstupser Schmerzen verursachen. Und bei allzu wildem Spiel kann ein unglücklicher Hüpfer sogar verletzen.

Dennoch, was soll dieses ­kleinkarierte Kleinhund vs. Großhund? Es ist doch gerade die Vielseitigkeit unserer ältesten tierischen Freunde, die uns ­begeistert. Wenn wir ihnen den Kontakt unter­einander verbieten, so sind doch Probleme geradezu vorprogrammiert. Hunde lernen halt nicht rein theoretisch. Klar, dass die kleinen Fiffis unsicher alles versuchen zu verbellen, in dessen Schatten sie verschwinden könnten. Und genauso klar ist es, dass dann die ­Großen darauf reagieren (der eine früher, der ­andere später). Aber es braucht in solchen Situationen nur einen Augenblick der Unaufmerksamkeit, nur eine kurze menschliche Schwäche oder was auch immer. Und schon stürmt dann der Größere auf den Kleinen zu – und zeigt was Sache ist. Spätestens dann ist das Geschrei groß.

Ist doch viel schöner und entspannter zu sehen, wie sich dagegen die beiden ­beschnüffeln. Ich genieße jedenfalls ­immer unsere Gassireport-Walks mit vielen unterschiedlichen Freunden – ­darunter sind auch viele kleine Fellfreunde mit großem Hundeherz.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 06/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Ob klein oder groß - es sind alles Hunde!


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Dienstag, 2. Juni 2020

So kommt euer Hund fit aus der Corona-Krise in den Frühling!

In diesem Gastbeitrag erklärt euch Carmen Heritier, wie ihr euren Hund nach der Corona-Krise wieder fit bekommt. Sie ist ausgebildete Clickertrainerin und Canine Fitness Coach. Seit 2013 beschäftigt sie sich mit körperlicher und geistiger Fitness bei Hunden und ist Autorin der Bücher „Gymnastricks“ und „Praxisbuch Hundefitness“ im Kynos-Verlag. Über ihre Webseite bietet sie zudem Onlinekurse an. Für den Onlinekurs „Targettraining“, der die Basis für Fitnesstricks und Hundesport schafft, erhaltet ihr mit dem Code „Gassireport“ 10% auf den Juni-Kurs (www.gymnastricks.de).






Fit aus der Krise!

Die Coronakrise hat nicht nur Auswirkungen auf uns, sondern natürlich auch auf unsere Vierbeiner. Und nicht nur das, der Übergang zu einer Situation, die unserer Normalität wieder etwas ähnlicher sieht, hat es in sich. Einige von uns Menschen waren wochenlang im HomeOffice, also immer um unsere Hunde herum und hatten – dank wegfallender – Arbeitswege meist auch mehr Zeit für ausgedehnte Spaziergänge. Bei anderen wiederum sorgte die Krise für erheblichen Mehraufwand, durch wegfallende Kinderbetreuung, Mehrarbeit, existenzielle Sorgen usw., sodass unsere Hunde etwas zurückstecken mussten.

Für beide Fälle habe ich in diesem Artikel ein paar Ideen für euch, um eure Hunde mental auszulasten und sie dabei noch körperlich fit zu halten. Denn für die Hunde, die ausgedehntere Spaziergänge genießen durften, bedeutet ein Zurück zu normaleren Umständen weniger Zeit, was wiederum bedeutet, dass es ihnen gut tut, wenn ihr sie dennoch mit wenig zeitaufwendigen Tricks geistig und körperlich fördert. Und die Vierbeiner, die „so nebenher laufen“ mussten, freuen sich umso mehr über eure Aufmerksamkeit, sobald ihr hierfür wieder einen Kopf habt.


Gemeinsamer pfotenstarker Spaß hält geistig und körperlich fit!
Foto: Tierfotografie Winter

Hier also ein Workout aus meinen Gymnastricks – das sind gymnastizierende Tricks mit großem Spaßfaktor. Die hier vorgestellten Tricks sind so gewählt, dass sie im Prinzip von jedem gesunden erwachsenen Hund auszuführen sind, achtet aber bitte dennoch darauf, ob sich euer Hund wohlfühlt. Hat er keine Lust auf Tricksen, lasst ihn einfach in Ruhe. Oftmals tarnen sich nämlich Verspannungen oder Schmerzen als vermeintliche Unlust. Wichtig auch: hat euer Hund Vorerkrankungen, wie z.B. HD oder ist er noch nicht ganz ausgewachsen, sprecht die Übungen vorher mit einem Tierarzt oder einem Tierphysiotherapeuten ab.

Bevor euer Hund turnt noch ein paar Infos für euch: Ein Ganzkörperworkout sollte sich immer so zusammensetzen, dass alle 3 Bewegungsachsen des Körpers inbegriffen sind. Wenn man spezifisch etwas trainieren möchte, ist das etwas Anderes, da geht man dann gezielt vor und trainiert zum Beispiel eine zu schwache Hinterhand, ein Problem, das oftmals alte Hunde haben. Für ein grundsätzliches Fitnessprogramm im Bereich Flexibiltät, Koordination und Kraft gilt es aber die sogenannte Dorsalachse, Transversalachse und Sagittalachse zu beachten. Hört sich kompliziert an? Sind nur die Namen. Bei der Dorsalachse wird der Körper bildlich in oben und unten geteilt, bei der Transversalachse in vorne und hinten und bei der Sagittalachse in links und rechts. Und es geht eben darum, dass alle Bewegungsachsen angesprochen werden. Am einfachsten lässt sich das mit einem Beispiel erklären. Wenn ihr euren Hund nur Platz-Steh-Wechsel machen lasst, dann tut ihr nichts für die Flexibilität seiner Wirbelsäule, da er ja nur die Füße einklappt, stimmt’s? Und Rotieren muss die Wirbelsäule auch nicht – das heißt wir haben nur eine Bewegungsebene bedient, nämlich die Sagittalebene. Und um rundum flexibel und fit zu bleiben, braucht es eben alle Ebenen. Also, los geht’s:

Vor den Übungen solltest du sicherstellen, dass die Muskulatur deines Hundes etwas aufgewärmt ist, d.h. er sollte nicht direkt aus dem Ruhen heraus losturnen. Lauft gemeinsam ein paar Minuten oder verstreue einige Leckerlies im Garten, die dein Hund suchen darf, bevor es losgeht.


Die verschiedenen Ebenen des Hundes
Grafik: Andrea Christine Sickert

Platz-Steh-Wechsel (Sagittalebene)

Diese Übung ist vergleichbar mit den menschlichen Liegestützen und spricht neben Oberarm- und Oberschenkelmuskulatur auch die gesamte Rückenmuskulatur an.

Übungsaufbau: Vom Platz ins Steh zu wechseln ist eine leicht zu erlernende Übung, wobei ein typisches Einklappen der Beine erforderlich ist um den größtmöglichen Effekt zu erzielen.

Hilfsmittel: Plattform

Übungsschritte:

Die Startposition für diese Übung ist das Platz in typischer Sphinx-Stellung. Dabei hilft oftmals eine Plattform oder Erhöhung, wie z.B das Sofa, sodass der Hund gar nicht so viel Platz hat, sich hin- und herzubewegen.

Biete deinem Hund nun ein Leckerchen an. Dabei ist die Position des Leckerlies entscheidend, damit sich der Vierbeiner nicht hinsetzt, sondern direkt in die Stehposition wechselt. Das Leckerlie wandert in gerader Linie im 45° Winkel von der Hundeschnauze weg.
Die Endhöhe der Leckerliehand gibt der Hund vor, sie entspricht seiner Schnauzenhöhe in stehender Position. Clicke oder lobe deinen Hund zunächst wirklich für die Bewegung, das Leckerlie gibt es dann im Stehen. Im Idealfall klappt dein Hund wie ein Schweizer Taschenmesser auf und zu, bzw. hoch und runter. Das heißt, die Pfoten bewegen sich so wenig wie möglich.

Vom Stehen geht es dann direkt wieder ins Platz, diesen Positionswechsel kennen die meisten Hunde schon per Wortsignal, ansonsten hilft der Keks im 45° Winkel nach unten.

5 Mal wiederholen, fertig!

Enge Kreise (Dorsalebene)

Durch Drehungen um die eigene Achse wird die Flexibilität der Wirbelsäule trainiert.

Übungsaufbau: Mithilfe des Handtargets oder eines Leckerlies wird der Hund in engen
Kreisen geführt.

Hilfsmittel: ggf. Targetstick

Übungsschritte:

Frische das Berühren des Targetsticks oder Handtargets auf. Kennt dein Hund weder noch, zeige ihm, dass du Leckerlies hast, damit er weiß, dass sich das Training lohnt.

Führe deine Hand bzw. den Targetstick in einem Halbkreis von deinem Hund weg, z.B. nach rechts. Belohne das Folgen der Hand und belohne deinen Hund in der neuen Position.

Dann beschreibst du mit deiner Hand einen Viertelkreis und belohnst nun dort.

So verfährst du, bis du mehrere Umrundungen in eine Richtung erhälst. Wichtig ist dabei, dass dein Hund seine Hinterpfoten gezielt setzt und nicht anfängt, diese irgendwann nur noch „hinterherzuwerfen“.

Verfahre nun genauso mit der anderen Seite.

Klappen beide Seiten zuverlässig, wiederholst du die Drehungen abwechselnd links und rechts 3 Mal.

Elefantentrick (Transversalebene)

Der sogenannte Elefantentrick ist eine Übung, die in besonderem Maße die Koordination und Beweglichkeit des gesamten Rumpfes fördert und fordert.

Übungsaufbau: Zunächst ist es wichtig, die Hinterhand des Hundes zu aktivieren. Dazu behelfen wir uns zunächst eines anderen Tricks, um dann ein für den Hund logisches Seitwärtsgehen zu etablieren.

Hilfsmittel: kleiner Hocker, umgestülpter Blumentopf o.Ä. auf dem der Hund bequem mit beiden Vorderfüßen stehen kann.

Übungsschritte:

Stelle den Hocker erst auf den Boden, wenn du dich schon mit Leckerlies bewaffnet hast. Clicke bzw. lobe jegliches Interesse an diesem neuen Objekt und dein Hund wird recht zügig versuchen, seine Pfoten auf den Hocker zu stellen. Diesen Moment belohnst du großzügig, der Hund verbleibt dabei auf dem Hocker.

Begebe dich direkt vor deinen Hund, der sich noch mit seinen Vorderpfoten auf dem Hocker befindet und biete ihm den Handtarget (falls bekannt) oder ein Leckerlie auf Schnauzenhöhe mittig deines Körpers an. Wiederhole dies mindestens 5 Mal.

Jetzt kannst du anfangen, dich langsam um den Hocker herum im Kreis zu bewegen. Zunächst nur minimal, sodass dein Hund nur den Kopf zur Seite recken muss. Dies bitte clicken bzw. verbal loben und belohnen.

Jetzt etwas weiter vom Hund bewegen, allerdings in der gleichen Richtung wie zuvor. Halte den Handtarget oder das Leckerlie mittig vor deinen Körper. Dein Hund muss sich nun aktiv etwas drehen. Dabei ist es wichtig, dass du die Bewegung der Hinterhand clickst bzw. lobst. Schaue dazu am besten auf den Hintern deines Hundes. Sobald sich dieser seitwärts bewegt, clicke und belohne deinen Hund. Dein Hund sollte nun wieder gerade ausgerichtet vor Idir stehen. Wiederhole dies häufig.

Klappt diese Übung in eine Richtung, mache dich nun direkt an die andere Seite und gehe analog Punkt 3.) und 4.) vor.

Macht es deinem Hund keine Mühe, dir in beide Richtungen zu folgen, belohne jetzt erst nach 2 oder mehr Schritten. Variiere Richtung und Belohnungsrate.

Sobald 3 Umrundungen in jede Richtung möglich sind, ist der Gymnastrick fertig. Das kann aber dauern, also nicht verzagen!

Bei diesem Workout fehlt übrigens die Ausdauer. Die trainiert ihr - mehr oder minder intensiv – über ganz normale Spaziergänge, Fahhradfahren oder Schwimmen.
In diesem Sinne: Fit aus dem Frühling!


Vielen Dank Carmen, für diesen informativen Beitrag, sowie das Foto und die extra für diesen Beitrag erstellte Grafik. So manche Übung werden wir sicher auch mal ausprobieren.




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Samstag, 23. Mai 2020

Ist der „Tut-Nix-Hund“ der Gutmensch unter den Caniden…?

Da! Sie haben sich entdeckt. Mit einem Schlag bleiben sie stehen. Die Nasenflügel beginnen zu vibrieren. Erste Fernsondierung startet. Die Körperhaltung ist lauernd. Langsam kommen sie sich näher, pirschen sich heran. Und dann: Plötzlich, wie ein Kaltstart, auf ein den meisten Menschen entgehendes Signal hin, stürmen sie aufeinander los. Und dann pflügen die beiden Hunde mit sichtlicher Freude die Wiese um, rennen was das Zeug hält um die Wette und ­animieren sich immer wieder zum gegenseitigen Jagen. Ganz klar, hier hatte einer aus der Fraktion dieser „Der-Tut-Nix-Hunde“ unsere Gassirunde gekreuzt.

Gemeinsames Rennen und Toben
Foto: Brigitte Klemke

Endlich mal wieder ein normaler Hund, seufzte die Dame im mittleren Alter mit einem erleichterten Lächeln um die Lippen. Den Satz hatten wir zwar schon öfter gehört, aber selten mit so viel melancholischer Emotion. Interessanterweise brachte das Thema auch eine neue Bekannte nur wenig später zur Sprache. Sie hat auch einen dieser „Tut-nix-Hunde“. Er läuft auch immer freudig wuffend und hüpfend auf andere Fellgenossen zu. Doch dafür kassiert sie als Halterin immer öfter Schelte?...

Was ist nur geschehen? Warum haben seit einiger Zeit „Tut-nix-Hunde“ so ein schlechtes Image? Warum wird der Begriff schon abwertend verwendet? Irgendwie erinnert mich diese Umdeutung an die von AfD und Pegida beim Wort „Gutmensch“. So wie dieser, gilt „Tutnix“ fast schon als Schimpfwort – zumindest unter den „Hunde-Trumpisten“.

Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich meine hier die „Tutnixe“ im wahrsten Sinne des Wortes: also gut sozialisierte Hunde. Und für die ist es völlig normal, dass sie den Kontakt zu Artgenossen suchen. Ja mehr noch, in jedem Fachbuch wird dies sogar für eine gesunde Entwicklung empfohlen – auch wenn wir Menschen erstaunlicherweise die primäre Bezugsperson für unsere ­Canidenfreunde sind.

Rudel-Schnüffeln
Foto: Brigitte Klemke

Und nun sind sie „die Bösen“? Sollen gefälligst an der Leine bleiben? Also ich bin ja sehr für Rücksichtnahme – ist immer wieder ein Thema in unserem Blog. Aber irgendwie erscheint es mir auch unlogisch, dass sich die ­„normalen“ Hunde an die – nennen wir sie mal „weniger normalen“ – anpassen. Wir Menschen kommen doch auch nicht auf die Idee, uns an die weniger sozialisierten Menschen anzupassen. Im Gegenteil, wir versuchen ihnen mit Therapien zu helfen.

Die logische Konsequenz ist dann diese: wenn die „Tutnixe“ sich nicht ausleben können, werden sie sich auch weniger gut sozialisiert entwickeln. Das Problem gewinnt dadurch also nur an Breite. Damit wäre jedoch niemandem gedient (außer vielleicht Hundeschulen, in ­denen dann die Probleme mit der ein oder anderen Methode wegtrainiert werden sollen) und wir nehmen uns damit eine große Freude: spielenden Hunden zusehen.

Wie schon gesagt (man kann es auch nicht oft genug wiederholen): Halter sollten Rücksicht nehmen! Denn es gibt in der Tat Hunde, die keinen Kontakt wollen. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: schlechte Erfahrungen, Krankheit, Alter etc. Allerdings sollten sich Halter da vielleicht auch fragen, inwiefern der Hund sie nur widerspiegelt. Zumal neuere Studien nahelegen, dass die Persönlichkeitsmerkmale von Haltern wesentlich stärkeren Einfluss auf den Hund haben als bisher von vielen angenommen. Statt also andere abzuwerten, täte vielleicht ein wenig Selbstreflexion gut – schon dem eigenen Hund zuliebe.

Wir – also mein kleiner Doggen-Wookiee Rico und ich – freuen uns jedenfalls immer, wenn wir solche „Tutnixe“ treffen – also die echten jetzt. Mein Döggelchen hat im Idealfall einen neuen Spiel- und Schnüffelkameraden und ich genieße einfach den Anblick der fröhlich rumtobenden und rennenden Hunde. Ist es doch mit einer der ­Hauptgründe für unsere Gassirunde. Angesichts des schlechten TV-Programms meiner Meinung nach auf jeden Fall immer die bessere Alternative. Und wenn ich so die verzückten Gesichter anderer Halter nicht völlig fehlinterpretiere, erfreuen sie sich ebenso daran wie ich. Also liebe „Tutnixe“, tut bitte weiter das, was ihr bisher gemacht habt: eben ganz normale Kontaktaufnahme zu Artgenossen. Und wenn die Halter – egal ob von ­„Tutnixen“ oder nicht – gegenseitig Rücksicht nehmen, dürfte das Ganze auch echt kein Problem sein. Aber vielleicht ist es das ja: Eventuell brauchen wir Menschen ein Problem – einfach als Beschäftigungstherapie. Und wenn wir keines haben, suchen wir uns eben eines – die Einen die „Gutmenschen“, die Anderen eben die „Tutnixe“.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 05/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Echte "Tut-Nix-Hunde" find ich voll wuffig 😀


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Mittwoch, 15. April 2020

Unter Wölfen …

Zu Besuch beim Wolfsexperten


Schon bei der ersten vorsichtigen Berührung spüre ich ihn, den Unterschied. Irgendwie kräftiger, aber auch drahtiger, fester – irgendwie fühlt es sich „purer“ als bei den meisten Hunden an. Und sogleich nach dieser ersten Berührung ist das Eis zwischen mir und Kiba gebrochen. Er springt mich an, will an meinem Mund und meiner Nase lecken. Ein typisches Unterwürfigkeitsignal bei Hunden – nur ist Kiba ein Wolf.

Die Natur im Auge: Wolfsblick
Foto: Ira Prettycloud

Im Gespräch mit Jos de Bruin
Foto: Ira Prettycloud
Jos de Bruin – er leitet seit fast 20 Jahren eine Auffangstation für Wölfe verschiedener Arten in ­Sonsbeck – erklärt: „Die Signale sind ähnlich, nur sind sie bei Wölfen im Vergleich zu Hunden übertrieben“. Auch die sehr wolfähnlichen Hunderassen wie Saarloos und Amerikanische Wolfshunde nimmt er bei sich in Wolves Un­limited auf. „Mit Saarloos, dieser recht ursprünglichen Rasse, habe ich damals ja angefangen“, erinnert er sich. Meist kommen die Tiere aus Zoos und Zirkussen, deren Bestand zu groß geworden ist. „Nicht selten melden die sich selber bei mir, das ist dann ganz unproblematisch.“ Doch das ist nicht immer so, denn manche wollen ihre Wölfe nicht herausgeben, schließlich verdienen sie damit Geld. Das gilt vor allem für Jungtiere: „Die wollen die nicht immer jung abgeben, weil die Babys Geld einbringen.“ Und was macht er, wenn es Probleme gibt mit den Haltern? „Da arbeite ich dann auch mit Tierschützern und Veterinärämtern zusammen“, erklärt Jos.

Wölfischer Welpencharme
Foto: Ira Prettycloud

Ich bin kein Wolfsexperte so wie Jos, dennoch würde ich die Kommunikation anders bezeichnen. Nicht „übertrieben“, eher kommt sie mir „ungeschliffener“ und „überdeutlich“ vor. Eigentlich auch logisch, denn in seiner Entwicklung an der Seite von Menschen brauchte der Hund diese Eigenschaften nicht. Wir Zweibeiner haben viele dieser Signale ja eh nicht oder falsch verstanden.

Jung und alt gemeinsam...
Foto: Ira Prettycloud

Wölfe und Hunde machten eine Koevolution durch
Foto: Ira Prettycloud
Im Laufe ihrer Koevolution mit dem Menschen haben Hunde daher viel ihrer Ursprünglichkeit verloren, meint Jos. „Dennoch kann man noch viel von ­Wölfen und ihrem Verhalten lernen“, betont er, „gerade weil vieles deutlicher ist als bei den domestizierten ­Hunden.“ Er vergleicht es ein wenig mit der ­Primatenforschung: „Wir haben auch nicht mehr viel mit Affen gemeinsam und dennoch aus der Forschung mit ihnen viel über uns selber erfahren.“

Gefahr: Die wilde und ungezähmte Natur des Wolfes lockt so manchen Hundehalter...
Foto: Ira Prettycloud

Derzeit beobachtet der Wolfsexperte einen Trend, der ihm Sorgen macht: „Es gibt ein ‚Zurück-zur-Natur‘, was ich ja ganz gut finde. Doch einigen reicht der Hund als Verbindung zur Natur nicht. Wegen ihrer Ursprünglichkeit ist es derzeit Mode, Wolfshybriden anzuschaffen – ohne das nötige Wissen dafür.“ Dabei ist ein Wolf noch viel mehr ein Wildtier, hat er doch keine Domestikation durchgemacht wie unser Haushund. Außerdem wird auch viel Mist erzählt in dem Zusammenhang – meist aus Profilierungssucht: „So mancher erzählt gern, sein Wolfshybrid hat 80 oder 90 Prozent Wolfsgene, in Wahrheit sind es aber nur 50 oder 60 Prozent. Wer das mitbekommt, denkt sich, dass der ja noch sehr ‚hundemäßig‘ ist. Und wenn er sich dann selber auf der Basis des Erlebten einen anschafft und an einen ­Händler gerät, der das nicht angibt, dann bekommt er einen, der wirklich 80 oder mehr Prozent Wolfsgene hat – dann ist das Geschrei um die vorprogrammierten Probleme groß.“ Nicht selten wird Jos auch zu solchen Fällen gerufen. „Und es werden immer mehr. Diese Mode ist schlimm, denn Auffangstationen wie meine können nicht alle aufnehmen.“

Trotz seiner großen Sozialkompetenz und Kommunikationsstärke bleibt der Wolf ein wildes Tier...
Foto: Ira Prettycloud

Wieder auswildern kann er die Wölfe und Wolfshybriden jedoch nicht. „Die haben die natürliche Scheu von Wölfen nicht mehr. Von daher würden sie anders als Wölfe bei einer Gefahren­situation auch nicht weglaufen und so auch zu einer Gefahr für Menschen werden.“ Aber was geschieht dann mit ihnen? Häufig vermittelt sie Jos in Zoos, deren Bestand noch klein ist oder die frisches Blut für ihr Rudel ­brauchen. ­Finanziert wird das Ganze durch Spenden und Workshops. Mit Letzteren leistet Jos neben der ­praktischen Hilfs­arbeit auch die theoretische Aufklärungsarbeit. Beides ist wichtig, um das Wesen des Wolfes zu verstehen!

Schon während des Gesprächs leisteten uns zwei Wölfe Gesellschaft, die Jungen Kiba und Kayleigh. Doch danach ging es in eines der Gehege. Darin waren vier ausgewachsene Wölfe und Wolfshybriden. Es war zwar nicht das 1. Mal, dass ich diesen Wildtieren begegnete, aber: noch nie war ich ihnen so nah, so ganz ohne Abgrenzung, im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig auf die Pelle gerückt. Und zum 1. Mal berührte ich diese wunderbaren Tiere. Diese Kraft, diese Purheit. Irgendwie wirkten sie fast ­mager, alles nur Muskeln und Sehnen, kein Gramm zu viel, nichts Unnötiges – eben kein zivilisatorischer Ballast. Es war für mich ein mehr als nur beein­druckendes Erlebnis, diesen Tieren so nah zu sein und ihre Reaktionen auf mich zu beobachten. Jeder zeigte da seinen individuellen Charakter: Während mich Timber erst argwöhnisch beobachtete und dann sich ganz vorsichtig zum Schnuppern näherte, waren andere dagegen aufgeschlossener.

Dank seiner Erfindungsgabe stellen für Wölfe auch zivilisatorische Hindernisse kein Problem dar...
Foto: Ira Prettycloud

Sicher, diese Wolfsartigen haben mit unserem Haushund vielleicht nicht mehr viel gemeinsam. Aber am ehesten vergleichbar ist es, als ob wir Menschen in das Gesicht eines Gorillas oder Orang-Utans blicken. Ein Blick in die Vergangenheit, zurück zu unseren natürlichen Wurzeln. Und hier waren es eben die Wurzeln unserer ältesten Freunde, der Hunde.

Trotz der engen Verwandtschaft, bleibt der Wolf ein wilfes Tier und gehört in die freie Wildbahn und nicht ins Wohnzimmer!
Foto: Ira Prettycloud

Leider durfte Rico nicht mit. Denn seine Nähe hätte die Wölfe sicher irritiert. Aber bei der Verabschiedung konnte ich beobachten, wie er auf Jos reagierte: Mit äußerster Neugier. Seine Nasenflügel vibrierten, die Ohren zeigten nach vorne. Es war wohl das Dufttreffen mit seinen Vorfahren. Auch später roch er immer wieder an mir, jede Riechinfo schien ihn zu interessieren, ja mehr noch, ­beinahe zu bannen. Begriff er, dass es seine Vorfahren waren? Wohl kaum. Jedenfalls nicht so kognitiv wie wir Menschen. Sicher nahm er eine gewisse Ähnlichkeit wahr, aber auch das viele Fremde, das Wilde daran. Auf jeden Fall reagierte er anders als sonst bei ihm fremden Tieren. So war es für uns gemeinsam ein mehr als interessantes Erlebnis – für mich ganz direkt und mehr über die Augen, für Rico eher indirekt und schnüffel­spannend.

Infos

Linktipps
Der Rasse-Wahn und seine Folgen:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=37473

Wolfshybriden und Retro-Züchtungen:
https://www.3sat.de/page/?­source=/wissenschaftsdoku/­sendungen/170941/index.html



Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 04/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Während der Olle mit den Wölfen tanzte, durfte ich sie nur erriechen...

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