Mittwoch, 21. Juli 2021

Das schlechte Image von Hundehaltern ist hausgemacht

Bald ist Urlaubszeit und viele nehmen ihre vierbeinigen Familienmitglieder mit. Doch leider benehmen sich einige Halter dermaßen daneben, dass so mancher Anbieter die Lust verliert. Auch wenn es nicht die Mehrheit sein mag, so werfen genau diese Halter ein schlechtes Licht auf alle.

Der „gemeine Hundehalter“ hat ja nicht gerade das beste Image. Vieles davon ist leider hausgemacht. Wenn ich da nur an die vielen Horror-Storys denke, die mir die Betreiber von Hotels und Ferienwohnungen erzählen, wenn wir unterwegs sind, wundert es mich, dass überhaupt noch jemand Hunde und ihre Halter als Gäste aufnimmt.

Wir Hunde können für das schlechte Image nichts, das seid ihr Halter selber schuld...
Foto: Lutz Borger

Da springen die nicht erzogenen Fiffis über Betten und Sofas – die umfallenden Vasen sind da nur der Collateralschaden. Da muss jemand unbedingt seinen Hund duschen, der das ganz offensichtlich nicht mag und offenbar auch nicht kennt – was die vielen Kratzspuren in der Wanne belegen. Oder auch der nach einem Besuch einer Marslandschaft ähnelnde Garten. „Der Garten ist ja auch für die Hundebesucher gedacht, aber nicht um ihn völlig umzupflügen. Mehrere Säcke Erde musste ich kaufen, um die teils einen halben Meter tiefen Löcher wieder zuzuschütten – schon damit sich die folgenden Gäste nicht verletzen“, ­berichtete mir eine Betreiberin einer ­Ferienwohnung.

Was ist nur los mit solchen Hundehaltern? Ist es ein grenzenloses Anspruchsdenken und purer Egoismus? Dann bedienen sie damit genau das negative Image, welches viele von Hundehaltern haben. Sicher, ich weiß auch, dass gerade die Negativ-Beispiele im Gedächtnis haften bleiben. Aber auch wenn es nicht die Mehrheit sein mag, so determinieren diese negativen Erfahrungen auch menschliche Handlungen. Nicht selten entscheiden sich eigentlich hundefreundliche Anbieter von Hotel- und Gästezimmern dann um und verbieten Hunde oder beschränken zumindest deren Anzahl.

Dabei geben sich viele
Hotels so viel Mühe...
Schaut man auf den einschlägigen Webseiten für Urlaub mit Hund nach, bestätigt sich das. Die meisten Anbieter akzeptieren einen oder auch zwei Hunde – doch spätestens mit drei Fellfreunden (noch dazu von den Ausmaßen unserer Rudelmitglieder) wird es schon schwieriger. „Bei mehr Hunden ist die Gefahr einfach zu groß“, verrät mir ein Anbeiter, „wenn das dann einer der Halter ist, die ihren Hund nicht erzogen und sozialisiert haben, dann haben wir als Betreiber und die nachfolgenden Gäste Pech gehabt“.

Dabei wird den Hunden gar kein Vorwurf gemacht: „Die zeigen halt nur die Defizite, die ihnen ihre jeweiligen Halter eingebrockt haben“, erklärt ein Hotelbetreiber. Die Anbieter von Unterkünften mit Hund sind dabei alles andere als realitätsfremd: „Wenn man auch Hunde als Gäste akzeptiert, muss man schon eine höhere Toleranzschwelle haben und ganz klar, da kann auch mal was zu Bruch gehen – das sind halt Unfälle, damit muss man rechnen. Aber wenn der Hund sich ungezogen verhält und dann der ­Halter nicht die geringsten Anstalten macht, das zu unterbinden, das ist schon mehr als unverschämt.“ Wie so oft liegt das Problem mal wieder am anderen Ende der Leine …

Ist es wirklich so schwierig, die banalsten Anstandsregeln zu beachten? Es geht hier nicht um das Einhalten irgendwie gearteter Benimmregeln, die einige mit kindischem Gemüt auch gern ohne Argumentation als „spießig“ deklarieren – wahrscheinlich machen sie das eh nur, um von ihrer mangelnden Erziehung abzulenken. Vielmehr geht es um den Respekt und die Rücksichtnahme, wie sie sich auch im Umgang (auch den Umgangsformen!) miteinander (und mit fremdem Eigentum) widerspiegelt. Denn ohne funktioniert ein Miteinander nicht!

Bei so vielen Anbietern sind Hunde willkommen, denn es sind meist die Halter, die sich nicht benehmen...

Eigentlich ist es ja auch ganz einfach: Man muss sich nur die Frage stellen, was man selber von Gästen nicht möchte, und dann auch selber danach handeln, wenn man Gast ist. Gern würde ich mal solche Leute besuchen, die sich bei anderen daneben benehmen, und denen den Spiegel vorhalten – das wäre sicher ein schelmischer Spaß. Manchmal überlege ich ernsthaft, ob ich dem Döggelchen Rico nicht einen „Ungezogenheits-Modus“ für solche Fälle beibringe. So dass er auf ein Signal hin sich als Hund benimmt wie so mancher Ballermann-Tourist auf Malle (natürlich ohne Sangria-Eimer). Die Vorstellung, wie der kleine Doggen-Wookiee über das volle Buffet springt oder das Dekolletee einer aufgetakelten Proleten-Tussi ausschleckt, treibt mir jedes Mal ein Grinsen ins Gesicht …

Wir haben es daher zur Regel gemacht, wenn wir unterwegs sind und woanders übernachten müssen, immer ein paar Dinge dabei zu haben: Beispielsweise eigene Bettwäsche und Laken oder Decken für Sofas und Bett. Und auch wenn die Reinigung des Zimmers im Preis inbegriffen ist, so fegen wir zumindest mal durch. Auch erkundigen wir uns bei Ankunft, was erlaubt ist und was nicht (nicht selten gibt es so was wie eine „Hunde-Hausordnung“ in den Zimmern bzw. Wohnungen, man muss sie halt nur lesen!).

Mir ist durchaus bewusst, dass es wenig Sinn macht, bei solchen unsozialen Leuten auf Rücksichtnahme und Vernunft zu hoffen. Daher appelliere ich an das, was bei dieser Art Halter am stärksten ausgeprägt ist – ihren Egoismus. Wo wollt ihr denn mit euren Hunden hinfahren, wenn immer weniger Anbieter wegen eures Verhaltens Hunde bei sich aufnehmen? Oder seid ihr bereit, die wegen eures mangelnden Benehmens gestiegenen Preise zu zahlen? Wohl kaum …

Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 07/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag An manchen Menschen ist die Evolution und Zivilisation vorbei gegangen


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