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Mittwoch, 30. Juni 2021

Hunde sind so wunderbar unideologisch

Daran sollten sich viele Menschen ein Beispiel nehmen!


Clash of Ideology – ob auf Hundeplätzen, der Straße oder im Wald – trifft man fanatische Ideologen. Statt den Hund als Lebewesen in den Mittelpunkt zu stellen, ist für sie der (Macht-)Kampf um ihre Ideologie wichtiger. Auf ihrem ideologischen Altar opfern sie – darunter nicht wenige „Hundeprofis“ – dabei das Wohlergehen unserer caniden Freunde. Wie wohltuend unideologisch ist doch da der Umgang von Hunden untereinander.

Egal ob beim Gassi in der Stadt, im Wald oder bei den virtuellen Runden in den Sozialen Medien: Irgend einen Anhänger der verschiedensten (Hunde-)Ideologien trifft man (leider) immer – egal ob es sich um einen Befürworter von Halsbändern oder von Geschirren, von an Bestechung grenzenden Leckerli-Verteilern oder rhythmischen Klickern handelt, ob um Barfer oder Fertigfütterer. Auch allgemeine Kastrations-Befürworter und -Gegner trifft man. Sie alle haben eines gemeinsam: ideologischen Fanatismus. Auf dem Altar ihrer an religiösen Fanatismus grenzenden Ideologie opfern sie Logik und Vernunft, für Sachargumente oder wissenschaftliche Ergebnisse sind sie in etwa so zugänglich wie ein Backstein.

An deren Geltungs- und Machtsucht hätte der Schüler Sigmund Freuds und Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler sicher seine helle (wissenschaftliche) Freude. Für mich sind diese Profilneurosen mehr als unverständlich. So lernte ich schon auf dem Gymnasium die so genannte Ideologiekritik, welche während meines Studiums der Geschichte und der Medienwissenschaft noch ihren methodischen Feinschliff bekam. Zugegeben, ich entwickelte in der Zeit sogar eine gewisse Ideologie-­Allergie. Aber es bedarf gar nicht des Besuchs einer Universität, schon die ­Beobachtung unserer Hunde reicht aus, um solche Ideologien kritisch zu sehen. Ein Beispiel: Meinem Döggelchen Rico ist es völlig egal, ob der Hund, der ihm gerade begegnet, ein Geschirr trägt oder ein Halsband, ob er gebarft wird oder nicht. Für Rico stehen ganz andere ­Fragen im Vordergrund: Ist er sozialisiert? Kann ich mit ihm spielen? Selbst bei Kastraten ist er recht tolerant und spielt mit ihnen, und das obwohl dieser Eingriff die Biologie so stark verändert, dass sie „anders“ riechen und daher auch oft von anderen Hunden gemobbt werden – aber diese Reaktion ist dann auch nicht ideologisch, sondern ­biologisch.

Wir sollten viel mehr die "Hunde-Ideologie" lernen, als unsere menschlichen Ideologien auf die Hunde zu übertragen!
Foto: Lutz Borger

Kurz gesagt: Für unsere Fellfreunde zählt der Charakter. Ideologie spielt bei Hundebegegnungen nicht mal eine ­untergeordnete Rolle, sie spielt nämlich gar keine. Auch in dieser Hinsicht ­können sich Halter und Hundetrainer ein Beispiel an unseren ältesten Freunden nehmen! Für unsere caniden Freunde zählt nur, ob es passt oder nicht – ganz frei von menschlicher Ideologie und Geltungsdrang. Während Menschen einen schon abwerten, wenn man nicht die richtige „Mode“ trägt, spielen Hunde mit Halsband ganz selbstverständlich mit denen mit Geschirr, die ­gebarften Hunde mit denen, die Fertigfutter bekommen etc.

Es mag auch daran liegen, dass Hunde keine (menschlichen) Minderwertigkeitskomplexe haben – ganz anders als bei vielen Menschen am anderen Ende der Leine. Sicher, auch unseren Fellfreunden ist „Status“ wichtig, aber in einem ganz anderen Zusammenhang. Einen Therapeuten brauchen sie dafür jedenfalls nicht, anders als bei vielen Menschen mit Geltungssucht. Schade ist dabei nur, dass das Wesentliche, der Hund, dabei auf der Strecke bleibt. Wichtiger als ihr canider Lebenspartner ist vielen Menschen ihre Profilierung.

Hund und Mensch sind ein Team - und keine ideologische Partei!
Foto: Lutz Borger

Keine Ahnung wie es Euch so geht, aber ich freue mich jedes Mal, wenn das Döggelchen einen passenden Spielkameraden gefunden hat. Ich berausche mich geradezu an ihrem Spiel – und dabei ist es mir völlig egal, ob der Hund ein Halsband oder Geschirr trägt oder was er am Vormittag im Napf hatte (das weiß Rico dank seiner Nase eh besser als ich, scheint aber kein wichtiges Auswahlkriterium für eine Freundschaft für ihn zu sein). Doch wenn der Halter mir mit irgendeiner Ideologie kommt, am besten noch fern von Logik und Vernunft, dann entwickle ich eine gewisse Antipathie gegen ihn (nicht gegen den Hund! Der kann ja nichts dafür) – fast wie ein ­psychischer Reflex. Nicht selten habe ich dann auch Mitleid mit dem anderen Hund, muss er doch die Ideologie ­ertragen, anstatt die Vernunft und Liebe zu genießen.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 06/2018; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Eure 2-Beiner- Ideologien sind uns Hunden völlig egal - also projiziert sie nicht auf uns!


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Donnerstag, 30. Juli 2020

„Glück ist tierisch leicht…“ – Interview mit Daniela Ben Said

Daniela Ben Said wuchs in Osnabrück als Tochter ­einer ­Deutschen und eines Tunesiers auf. Sie studierte ­Psychologie, machte u. a. Ausbildungen zur Heil­praktikerin und Fach­trainerin für Psychotherapie. Seit 1998 ist sie selbständige Vortragsrednerin und Coach. Sie arbeitet fast immer mit ihren Tieren, die sie auch auf die Bühne mitnimmt. Gassi­reporter Maximilian Pisacane hat sie zum Interview gebeten.

Daniela Ben Said mit Bullterrier Frieda

Auf einem meiner – wie ich sie gern nenne – „virtuellen Gassigänge“ lief uns Daniela Ben Said über den Weg und sprach uns an. Die Heilpraktikerin hat bereits viele Bücher geschrieben und hält Vorträge zu den Themen Führung, Kundenverblüffung und Persönlichkeitsentwicklung. Spiegel Wissen schrieb 2009 über sie: „Sie gehört zu den Top-Trainern Deutschlands“, und 2014 erhielt sie die Auszeichnung „Female Speaker of the Year“. Sie lebt auf ihrem historischen Niedersachsen­hof mit Pferden, Ponys, Hühnern, Gänsen, Eseln, Hängebauchschweinen, Hunden, Katzen, Enten und einem Bussard. Alle Tiere tragen einen Namen, denn für Daniela sind sie Mitbewohner, Freunde und Gefährten. Sie beobachtet deren Verhalten und Gewohnheiten, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die sich auf das menschliche Leben über­tragen lassen. „Menschen handeln häufig so, wie es die Gesellschaft, der Partner, die Eltern oder der Chef vermeintlich erwarten. Das macht auf Dauer unzufrieden und unglücklich. Tiere sind authentisch und leben so, wie es ihrer Natur entspricht. Wir Menschen können daher von Tieren lernen unser Leben so zu gestalten, dass es unserem Wohlbefinden entspricht“, meint Daniela.

Da kann und will ich ihr nicht widersprechen. Schon aus meiner eigenen Erfahrung heraus könnte ich das gar nicht. Wenn ich bedenke, wie viel ich durch mein Döggelchen Rico wieder neu ­gelernt habe und viel Neues immer wieder lerne … Aber nun zu dem Interview mit Daniela Ben Said, die aus ihren Beobachtungen ein eigenes Bühnenprogramm entwickelt hat: „Glück ist tierisch leicht – was wir von Tieren lernen können“

Interview mit Daniela Ben Said

Gassireport: Wie kamst Du auf die Idee eines Bühnenprogramms?
Daniela: Etwas vereinfacht gesagt: durch Beobachtung. Weißt Du, ich bin mit Tieren aufgewachsen und lebe mit ihnen zusammen. Und jeder, der ein Tier hat, wird irgendwann merken, wie glücklich es einen macht. Daher stellte ich mir die Frage: Was machen Tiere eigentlich besser? Zunächst einmal machen sie sich keine Gedanken und vor allem keine Sorgen um die Zukunft, sie konzentrieren sich auf ihre grundlegenden Bedürfnisse. Tiere kennen nicht dieses „weiter, schneller, ­höher und immer besser“, das uns Menschen oft antreibt.

Auch eine Eule gehört zu Danielas Familie, sie heißt Hedwig

Gassireport: Meinst Du damit unsere Gesellschaft?
Daniela: Genau. In ihr herrscht derzeit das Ideal von Karriere, im Sinne eines ­Immer-mehr-haben-wollens. Meist mehr als man konsumieren kann. Diese Tendenz ist nicht gut, weder für die Umwelt, noch für die menschliche Psyche. Das Ergebnis sehen wir ja an der Zunahme psychischer Erkrankungen. Übrigens, auch bei einem anderen Problemthema können wir viel von Tieren lernen: in Beziehungsangelegenheiten.

Gassireport: Ich hab‘ zwar eine Ver­mutung, wie Du das meinst, aber kannst Du das bitte konkretisieren?
Daniela: Nun, viele Beziehungen zwischen Menschen scheitern. Die steigenden Scheidungsraten in vielen Ländern bestätigen das. Häufig scheitern Beziehungen, weil wir mit unserem Partner nicht mehr zufrieden sind, weil wir wieder „Mehr“ oder etwas „Besseres“ wollen; oft scheitern sie aber auch, weil wir die Voraussetzungen für eine funktionierende Beziehung vergessen. Warum haben Tiere und ganz besonders Hunde so eine innige Beziehung zu uns? Sie sind treu, loyal, ihre Gefühle sind aufrichtig, sie veranstalten keine emotionalen oder psychologischen Machtspielchen – das sind die Grundlagen, die ich meine. So funktionieren Beziehungen.

Ein Pony darf natürlich auch nicht fehlen...

Gassireport: Und warum ein Bühnenprogramm und nicht ein Buch?
Daniela: Auf der Bühne kann ich vieles unter Mithilfe meiner Tiere besonders gut veranschaulichen. Das ist lebendiger. Man muss diese„tierischen Glücklich­macher“, ihre unmittelbare Wirkung eben auch „erleben“.

Gassireport: Und wer tritt da mit Dir auf?
Daniela: Da ist zum Beispiel mein Mini-Bullterrier Frieda. Frieda ist ein Listenhund, und ich will auch gegen die Vorurteile angehen, mit denen diese Hunde­rassen zu kämpfen haben. Am Beispiel Hund lässt sich vor allem die Loyalität besonders gut demonstrieren. Des Weiteren bringe ich meinen Bussard Banu und die Riesenschildkröte Morla mit auf die Bühne.

Mit Frieda gegen Listenhund-Vorurteile

Gassireport: Und wie kann man sich das vorstellen? Ähnlich wie Stand-Up-Comedy mit Tieren?
Daniela: Nein, ganz und gar nicht. Ich erzähle Geschichten, die erfreuen und erheitern sollen. Und die eben auch lehrreich sind. Darüber hinaus sollen sie auch unser Verantwortungsbewusstsein schärfen.

Gassireport: Wie meinst Du das?
Daniela: Diese unglaublichen, vielfältigen Geschöpfe mit all ihren Fähigkeiten, diese „tierischen Glücklichmacher“ – sie wurden uns Menschen anvertraut, nicht ausgeliefert. Dementsprechend sollten wir auch mit ihnen umgehen.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 07/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Macht es euch nicht so schwer! Denn: "Glück ist tierisch leicht..." 


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Donnerstag, 5. März 2020

Gassi gegen Vorurteile

Das klappt nicht nur bei Hunden …

Wer kennt sie nicht, die Vorurteile gegen manche Hunde? Kurzhaarig, muskulös, vielleicht sogar noch gestromt? Damit sind alle Alarmzeichen erfüllt, damit die „selbst geBILDeten“ Vorurteile an den Tag kommen können. Die Mehrheit der Menschen wird von manchen Boulevard Medien bewusst verhetzt. Für die Auflage halt. Um jeden Preis. Hundehalter müssen die Sache selber in die Hand nehmen …

Kaum begegneten sie sich, wollten sie schon aufeinander los. Ganz schön heftig die Reaktion meines kleinen Doggen-Wookiees. Zähnefletschend, aufbäumend, sich kaum zurückhalten lassend (dabei lässt er sich in der Regel zwar widerwillig, aber doch recht verlässlich zurückrufen). Quasi Doggen-Chewbacca im Godzilla-Modus 🙂 Kommt in der Form ja nicht so oft vor bei meinem Döggelchen. Nicht weniger heftig war aber auch die Reaktion von Jackson. Alles klar, die beiden waren schon mal keine Freunde …

Jackson und Rico - anfangs gar nicht erfreut, wurden sie schnell Schnüffel-Kumpels
Foto: Der Papagraf

Was war los? Hatten die beiden etwa „Vorurteile“? In der Art wie wir Menschen wohl kaum. Viel wahrscheinlicher war die Ressourcenverteidigung – Rüden halt. Aber ein Urteil hatten sie jedenfalls über den jeweils anderen gefällt und die authentische Reaktion dazu gezeigt. Mit allem Rüden-Brimborium, was dazugehört – inklusive einer kleinen Sabber-Dusche für mich von ihrem Geifer.

Ganz unschuldig bin ich daran wohl nicht, denn ich und Jackson verstanden uns auf Anhieb. Klar, quasi canilogisch, dass die beiden aufeinander los wollten. Den Spaß und die Knuddeleien mit mir wollte Jackson weiter genießen, da war Rico für ihn natürlich ein Störfaktor; und der Doggen-Wookiee meldete seine Ansprüche an und zeigte sich mal von seiner unschönen Seite …

Jackson ist der Hund von Sandra M., einer Leserin und Bekannten von uns, er ist ein Staff-Boxer-Mix, ein so genannter „Listenhund“. Wie einige unserer Freunde und Bekannten muss auch sie oft gegen Vorurteile ankämpfen. Und zum Glück ist sie eine sehr gechillte und geduldige Hundehalterin – und das bezieht sich nicht nur auf ihren Hund! Sie erträgt diese Vorurteile gelassen. Ich vermute mal, sie ist wohl mittlerweile da auch abgehärtet. Wenn ich da nur an die Vorurteile gegenüber großen – und vor allem auch noch gestromten – Hunden denke, denen wir selber beinahe täglich ausgesetzt sind. Aber immerhin haben wir nicht das Stigma einer „Liste“.

Egal ob groß oder klein - es sind alles Hunde!
Foto: Der Papagraf

Dabei frag‘ ich mich schon seit langem, warum wir gegen alle Vernunft, diverse Bissstatistiken und auch derzeit wissenschaftlichen Stand noch immer dieser Mär von so genannten „Kampfhunden“ nachhängen. Zumal, wer die darunter fallenden Rassen kennt, der weiß, dass viele von denen sehr menschenbezogen sind. Wie in den meisten Fällen, es kommt auch hier auf das andere Ende der Leine an. In den falschen Händen kann jeder Hund zum „Kampfhund“ gemacht werden – das ist ja schon fast Allgemeinwissen (auch bei vielen Nicht-Hundehaltern!). Ist es wirklich sinnvoll, seine Vorurteile zu bestärken? Und damit auch seine eigenen Ängste zu schüren? Oder macht es nicht viel mehr Sinn, sich der Situation zu stellen und daraus zu lernen?

So wie übrigens auch Rico und Jackson. Die vergaßen ihre Vorurteile einfach irgendwann. Je länger wir spazieren gingen, umso besser verstanden sie sich. Am Ende hingen die beiden immer mehr zusammen – bis hin zum gemeinsamen Kumpelschnüffeln. Und wieder lehrte mein Hund mich etwas: Lerne jemand kennen und vergiss dein Vorurteil ihm gegenüber!

So mancher Verein engagiert sich für diese Listenhunde, so beispielsweise Listiversum oder TS Pit, Staff & Co., der regelmäßig „SoKa-Runs“ (SoKa=so genannte Kampfhunde) organisiert, bei denen wir auch schon mitliefen. Auch in Facebook wollen die Tieraktivisten auf die Problematik aufmerksam machen und aufklären. Nicht immer erreichen sie trotz ihres bewundernswerten Engagements dabei diejenigen, die am meisten Angst und Vorurteile haben. Aber vielleicht könnte das auch mal ein Ansatz für die vielen engagierten Tierschützer sein – neben der Aufklärung sich auch mal mit den Ängsten der anderen auseinanderzusetzen. Nicht nur Toleranz verlangen, sondern auch Verständnis haben. Wie wäre es denn mal mit „Aufklärungswalks“ mit den Ängstlichen zusammen? Oder vielleicht besser gesagt: „Gassi gegen Angst und Vorurteile“? Sprechen Sie doch einmal gezielt Psychische Kliniken und Ärzte an und fragen, ob Sie ihnen bei Angstpatienten eventuell behilflich sein können. Denn Hunde können viel besser zeigen, was wir Menschen nur erklären können. Ist vielleicht nicht einfach, zugegeben, aber das war der Gassigang mit Rico und Jackson anfangs auch nicht. Doch mit Geduld (weniger meine, als vielmehr die von Sandra) war es am Ende eine große Bereicherung! Ja, mehr noch! Nicht nur wegen der Lehren, die mir die Hunde wieder mal erteilt haben. Schon der Anblick der beiden nun kumpelhaft am Rhein schnüffelnden und schlendernden Hunde war purer Canigenuss!


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 03/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag "Vorurteile" sind für uns Hunde wie Datenmüll...😃

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Samstag, 2. November 2019

Von Canigrapschern, Kynotatschern…

…und anderen Hunde-Belästigungen


Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch die Stadt und alle paar Minuten streicht Ihnen jemand Fremder durchs Haar. Ganz einfach, weil Sie ihm gefallen oder weil er auf Blonde steht. Das gefällt Ihnen? Nein? Eben – und vielen Hunden gefällt es auch nicht, wenn sie von Canigrapschern und Kynotatschern befummelt werden.

Schön, das Schlendern von Baum zu Baum beim Gassigang … Mein kleiner Rico ist relaxt, ich bin es auch. So könnte es unseretwegen weitergehen. ABER DANN: Ein Schnalzen … ich drehe mich um und spüre gleichzeitig wie meine Stimmung kippt. Eben war alles noch in Ordnung, plötzlich bin ich angespannt – nahezu ­gleichzeitig, überträgt sich meine Stimmung auf ­meinen kleinen Doggen-Wookiee (er spricht zuweilen wie der Wookiee ­Chewbacca aus Star Wars). Ich bleibe stehen und schenke dem Schnalzer einen langen finsteren und genervten Blick – das wirkt. Den Trick hab‘ ich mir schon als Kind von Hunden abgeschaut. Und by the way: Ich bin sehr stolz darauf, dass Rico ebenfalls nur mit einem Blick auf solche Leute reagiert (wenngleich nicht so finster wie meiner, seiner sagt mit gerunzelter Strin eher: „Was willst du denn, Menschlein …?“) und nicht direkt darauf zu läuft.

🐶 Nanu, wer bist denn du? Und warum stellst dich nicht erstmal hundehöflich vor?

Wer kennt das nicht bei seinen Gassigängen? Vorbeilaufende Passanten, die ihre Begeisterung für Hunde mit Lockrufen zum Ausdruck bringen und nicht unterdrücken. Bei Hunden würde man wohl Impulskontrolle trainieren. Sie meinen es ja nicht böse …aber sie wissen eben auch nicht, was sie tun. Den ein oder anderen erträgt man ja noch, aber spätestens beim zehnten Pfiff oder Schnalzer ist wohl jeder menschliche Hundepartner (und auch so mancher Vierbeiner) entnervt. Und nicht jeder Hund reagiert darauf ja so wie mein kleines Döggelchen. So mancher fängt dann an zu ziehen oder auch zu bellen. Aber so langfristig scheinen solche Leute nicht zu denken – ist ja dann auch das Problem des Halters. Sehr rücksichtsvoll und vorausschauend … 😉

Nicht selten wird erst gefragt, ob der Hund beißt, wenn die Hand schon am Fell ist. Solchen Canigrapschern und Kynotatschern antworte ich meist mit dem Spruch: „Der beißt nicht, der schluckt im Ganzen!“ Oder ich entgegne: „Schwupps, das hätte Ihre Hand sein können!“. Solche Sprüche können sich aber offenbar weibliche Halter eher erlauben als die männlichen. Und einige scheinen eine Denkstruktur zu haben, die in etwa die Tiefe eines Blattes Papier hat. So auch beispielsweise bei folgender Begegnung: Wir trafen einen alten Freund von mir und ich unterhielt mich kurz mit ihm; Rico stellte sich, nachdem auch er begrüßt worden war, hinter mich. Plötzlich höre ich sein Bellen und drehe mich um. Vor mir steht ein vor Schreck bleicher Herr. Er hatte versucht den kleinen Doggen-Wookiee zu streicheln. Dummerweise von oben und hat sich dabei über ihn gebeugt. „Selber schuld, warum fragen Sie auch nicht vorher?“, warf ich ihm verärgert entgegen. „Aber er hat doch mit dem Schwanz gewedelt …“, versuchte sich der Mann zu erklären, der immer noch nicht wagte sich zu bewegen. „Das tun Hunde auch, wenn sie ein Karnickel erlegen“, sagte ich ihm. Doch das wusste der Mann nicht. „Wenn Sie keine Ahnung haben, warum fassen Sie dann fremde Hunde an? Oder springen Sie auch Fallschirm, ohne vorher die Anleitung zu lesen oder den Lehrer zu fragen?“ Darauf kam als Antwort nur Schweigen.

Selbst auf freundliche Hinweise, dass man ja eigentlich vorher fragen sollte, reagieren diese Canigrapscher irritiert oder gar verärgert. Ja, manche sind sogar selber Hundehalter und meinen, deswegen nicht fragen zu müssen. Offenbar ist denen nicht bewusst, dass sie damit ihre ­Intelligenz völlig entwerten, denn Nicht-Hundehalter können sich ja wenigstens mit Un­wissenheit rausreden.

Der Gipfel ist dann erreicht, wenn von solchen Kynotatschern sogar mit Nahrungsmitteln gelockt wird! Kommt nicht oft vor, aber hier könnte ich manchmal schon ausrasten. Es ist ja nicht so, dass man jedem gleich Giftköder unterstellen möchte. Aber verantwortungslos handeln diese Personen allemal. Schließlich kann so ein Hund krank sein oder eine Allergie haben. Oft haben solche Leute gar keine Ahnung, was für Hunde gut und was giftig ist (beispielsweise Schokolade). Und so nebenbei brechen solche Leute auch Gesetze: So traurig es auch ist, aber Hunde werden vom Gesetz her wie eine Sache angesehen – also ver­greifen sich lockende Passanten an fremdem Eigentum. Würden sie Ähn­liches bei einem Kind machen, wäre der Aufschrei wohl ungleich größer.

Vor Längerem wies ich mal jemanden freundlich darauf hin, dass es ja höflich wäre vorher zu fragen, schon weil der Hund bissig oder krank sein könnte (also zum Schutz der sich eigentlich unrichtig verhaltenden Person). Und wie reagiert der darauf? „Wenn der bissig oder krank ist, sollten Sie ihn zu Hause behalten!“ Meine Antwort: „Ne, ist klar, den Hund den ganzen Tag zu Hause einsperren – nur weil solche wie du nicht mitdenken. Mensch, kauf dir `ne Gehirnprothese!“ Okay, zugegeben, ­souverän ist anders, aber zuweilen verliere auch ich die Impulskontrolle 🙂

Es könnte so entspannt für alle - Hund und Mensch - ablaufen...
Foto: Ira Prettycloud

Liebe Halter und Hunde-Liebhaber, denkt bitte daran, mit dem Streicheln ist es bei Hunden wie bei uns Menschen mit dem Küssen: Sie lieben es, aber nicht von jedem! Immer wieder ist zu lesen, wie sich Hunde benehmen sollen und wie man das ihnen mit allen möglichen Methodenvarianten beibringt – aber wo steht, wie Menschen sich gegenüber Hunden verhalten sollen? Das Tierschutzgesetz zähle ich jetzt mal nicht dazu, das ist ja quasi nur eine Mindestanforderung. Bringt ihnen also den gleichen Respekt entgegen, den ihr euch auch selber wünscht – dann sind solche Begegnungen viel entspannter und die Hunde können die Fremd-Streichler genießen.



Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 11/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Statt dauernd über unser Benehmen zu diskutieren, macht euch mal Gedanken über euer Benehmen uns gegenüber!


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Sonntag, 28. Juli 2019

Partner oder Bodyguard?

Der falsch verstandene Beschützer


Gefahr im Verzug? Ricos Kopf pendelt hin und her. Seine Nasenflügel vibrieren im schnellen Rhythmus, öfter als sonst schnaubt er. Teils um seine Nase wieder frei für neue Geruchsmoleküle zu bekommen, teils aber auch aus ­Unwillen. Bei jedem Schritt kommen seine Schulterblätter hervor, wie bei einem lauern­den Tiger. Ganz klar: Irgendwas ist anders an dieser morgendlichen Gassi­runde. Irgendwas, das meinem Rico gegen den Strich geht – sein Nackenhaar sträubt sich, Alarmstufe Rot.

Auch weniger subtile Signale gibt mir mein kleiner Doggen-Wookie: beispielsweise häufigeres Markieren als sonst (ohne das Klappern oder Sabbern, das auf eine leckere Hündin schließen lässt) oder das energische Scharren danach. All das sagt mir, neue Hunde sind hier in seinem Revier. Und nicht irgendwelche Hunde, sondern ­welche, deren Geruchszusammensetzung offenbar meinem Döggelchen missfällt (was eigentlich recht selten vorkommt und wohl auch von der Gemütslage des anderen Hundes abhängt, die können unsere Fellfreunde nämlich erriechen).

Bild von skeeze auf Pixabay

Schon an der nächsten Ecke sehen wir auch einen. Einen Schäferhund mit ­imposanter Erscheinung, der sich sogleich aufbaut. Steif steht er da, Fixierung gleich mit eingeschlossen. Und weil heute Provokation gerade im Sonderangebot zu sein scheint, bellt er sogleich los. Man ist ja schließlich Schäferhund 😉

Zeitgleich mit dem Bellen hat Rico schon sein Fell weiter gesträubt. Vom Nacken bis zum Hinterteil. Klarer Fall für Alarmstufe 1. Ich sage noch „Nein“, aber leider dauert die Aussprache eines Wortes Zeit. Und die reicht meinem athletischen Doggen-Wookie völlig aus: Er hält sich gar nicht mit Imponier­gehabe auf, statt dessen bäumt er sich auf, steht auf den Hinterbeinen und bellt mit seinem Bass-Wuff zurück. Ein Weitergehen ist für den Schäfi-Halter nicht mehr möglich. Denn am anderen Ende der Leine hängt ein zwar attraktives, aber völlig überfordertes zartes Frauchen von schätzungsweise 50 Kilo auf Stöckelschuhen...

In den folgenden Tagen trafen wir sie öfters. Wirklich im Griff hatte sie ihren Hund nie. Und plötzlich mehrten sich solche Begegnungen auch mit Anderen. Beispielsweise eine andere Nachbarin, diesmal mit einem Rottweiler an der Roll-Leine. Der reagierte zwar freund­licher als der Schäfi, aber dafür hörte er auf seine Halterin nicht im geringsten. Ein anderes Mal war es ein Herrchen, der seinen Dogo Argentino nur dadurch in den Griff bekam, dass er die Leine um den Baum wickelte. Und die folgende Ridgeback-Dame ging eher mit ihrer minderjährigen Halterin spazieren und nicht umgekehrt.

Auch eine Bekannte aus dem Viertel war darunter. Sie hat sich einen recht großen Mischling aus dem Tierheim zugelegt. Wir kamen ins Gespräch und eine Sache ließ mich aufhorchen: „Naja, auch zur Sicherheit ist ja so ein großer Hund gar nicht mal so übel für eine Frau wie mich. Es passieren ja immer mehr beängstigende Sachen.“

Ist das etwa ein neuer Trend? Der Hund statt Tränengas? Hatten die ­Übergriffe in der Silvesternacht in Köln dazu geführt, dass einige aus der „Armlänge Abstand“ eine „Leinenlänge“ machen wollten? Nun bin ich von Natur aus, aber auch aus beruflicher Erfahrung ja skeptisch gegenüber meinen subjektiven Be­obachtungen. Doch dann berichtete mir Wilfried ­Theißen von „derhunde­haltercoach“, dass er immer mehr An­fragen hat, dem Hund „Fass!“ beizubringen: „Die hab‘ ich dann erst mal über die rechtliche Situation aufgeklärt“, sagt er. Und die sieht folgendermaßen aus: In dem Moment, wo ein Halter einen wie auch immer kodifizierten Befehl gibt (dem Hund ist es ja egal, ob er bei „Fass!“ oder „Sing!“ zubeißen soll), nutzt er seinen Hund quasi als Waffe. Das Ganze bekommt so also eine strafrechtliche Komponente!

Auch der in der Szene bekannte Normen Mrozinski berichtete in Facebook über solche Erfahrungen. Und Ähn­liches erzählten uns auch Sabine und Klaus Haumann von „Canis Familiaris“. Außerdem bemerkten sie: „Wir beobachten, dass seit einiger Zeit bei den derzeit beliebten Hunderassen wie Weimaraner oder Ridgebacks wieder deren „Mannschärfe“ betont wird. Einige schienen damit geradezu zu werben, während das in der Vergangenheit gern mal verharmlost und eher die Familientauglichkeit betont wurde.“.

Ist das nun die neue Aufgabe, die wir unseren Hunden stellen? Als Ersatz für Tränengas? Oder als billige Alternative zu einem Bodyguard? Leute, der Hund ist unser PARTNER! Ja mehr noch, wir sind, eine gute Beziehung vorausgesetzt, eh das Zentrum seines Universums. Wenn jemand seinen Menschen angreift, dann würde (fast) jeder Hund ­seinen ­Halter automatisch verteidigen. Und jeder verantwortungsbewusste Halter sollte ihn davon besser abhalten! Nicht nur zum Schutz des Menschenlebens, auch zum Schutz des eigenen Hundes. Denn schnell drohen da ­Gefahren wie lebenslange Maulkorbpflicht oder das Verbot der Hundehaltung (womit der Hund dann ins Tierheim kommt und dank des Vorfalls wohl zu den schwerer zu vermittelnden gehört), oder vielleicht sogar das Einschläfern des Hundes. Mal ehrlich: Würdet ihr euren menschlichen Freunden denn auch beibringen, auf Befehl anzugreifen, oder spendiert ihr denen einen Selbstverteidigungs-Kurs? Wohl wissend, dass ihnen dann Knast droht?!

Meine Befürchtung ist, dass wir in Zukunft dadurch steigende Beißvorfälle bekommen. Und als Folge davon kommt erst die Medienhysterie und dann die populistischen Politiker mit ­schärferen Gesetzen wie Maulkorbpflicht und ­Leinenzwang – dann für ALLE Hunde.

Vor allen Dingen hüten sollten sich Halter vor dubiosen Anbietern! Nicht umsonst ist in Deutschland diese Aus­bildung genehmigungspflichtig. Denn ein schlecht ausgebildeter, scharf gemachter Hund kann im Zweifelsfall eher zur ­Gefahr werden – auch für den Halter! Wohl dem, der dann doch ­Pfefferspray in der Tasche hat...


Anmk: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 07/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Unsicherheit ist der denkbar schlechteste Grund, sich einen Hund anzuschaffen.


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Donnerstag, 11. Oktober 2018

Vertrauen ist die Basis einer jeden guten Beziehung!

🐶 Ihr 2-Beiner seid manchmal echt nervig. Was wir Hunde alles so lernen müssen: Sitz, Platz, Fuß und noch vieles mehr. Jeden Tag lernen wir dazu, weil wir in eurer so schnell veränderlichen Welt leben - immer neue Gerüche, Geräusche undundund. Das sind natürlich alles auch wichtige Sachen, schließlich lernen eure Menschenkinder ja auch in der Schule. Aber schon VORHER lernen sie sehr viel. Besonders wichtig ist dabei das Vertrauen - zu anderen, aber auch zu sich selber. Denn Vertrauen ist quasi ein Basisbaustein für jede Beziehung - das gilt auch für eure Beziehungen zu uns Hunden! *jawohlwoaff*

Vertrauen zu sich selber?, fragt ihr euch. Klar, denn wie mein Oller in unserer Kolumne im Hundemagazin WUFF schrieb, Vertrauen kommt auch von Zutrauen. Und wenn ihr kein Vertrauen zu euch selber habt, wie könnt ihr dann anderen vertrauen? *ohrennachvorn* Und bezogen auf Hunde: Wenn ihr euren Fellfreunden nicht vertraut und nichts zutraut, wie sollen sie dann selbstsicher werden oder euch vertrauen?


Um zu einem Team zusammenzuwachsen bedarf es Vertrauen!
Foto: Ruggero De Pellegrini

Nun kann man aber Vertrauen nicht "trainieren" wie Sitz-Übungen oder so. Denn Vertrauen muss man sich verdienen! Und es wächst langsam! Aber wie fragt ihr euch. Nun, so schwer ist das gar nicht. Wichtig in dem Zusammenhang sind gewisse Basics. Am ehesten schafft ihr Vertrauen mit Verlässlichkeit und Offenheit (Transparenz), auch eine gewisse Berechenbarkeit (im positiven Sinne!) schafft vertrauen, eben auch weil dann Handlungen vertraut sind. Nicht vergessen darf man natürlich so wichtige Eigenschaften wie Authentizität und Wahrhaftigkeit.


Es wächst zusammen, was zusammen was erlebt!

Aber wie haben wir das in der Praxis gemacht? Mein menschliches Cerebral-Interface Maximilian hat es sich da ein wenig einfach gemacht, also keine komplizierten Aktionen oder sowas. Er hat einfach dafür gesorgt, dass wir beide möglichst viele gemeinsame Erlebnisse hatten. So besuchte er mit mir viele verschiedene Orte: Er ging mit mir auf die Kirmes (das 1. Mal extra am frühen Vormittag, als alles noch zu war; aber für mich waren alle Gerüche noch sehr präsent und so waren dann auch irgendwann Besuche als die Kirmesbuden geöffnet waren kein Problem für mich); ging mit mir ins Kaufhaus, zeigte mir Straßenbahnfahren, ebenso mit Bus oder Boot, er zeigte mir verschiedene Städte, Wälder, das Meer und vieles mehr (für euch felllose Primaten mag das ja nichts besonderes sein, für uns Hunde sind das aber durchaus kleine oder mittelgroße Abenteuer). So lernte ich ihn in den unterschiedlichsten Situationen immer besser kennen - und vertrauen.

Rico am Meer
Ich vertrau dir Partner!
Foto: Beatrix von Winterfeld-Heuser





Ich kenne ja "unsere" Regeln und Grenzen. Und die sind nicht mal einengend! Im Gegenteil, denn diese Regeln und Grenzen geben mir eine gewisse Sicherheit und somit auch Freiheit (zum Glück erkennen ja in letzter Zeit immer mehr Hundetrainer, dass zu einer Erziehung nicht nur Lob gehört, sondern auch Grenzen setzen; wie sollen wir Hunde denn auch was lernen, wenn wir nur wissen, was richtig ist, aber eben ihr uns nicht sagt, was falsch ist. Als wir damals schon zu den Anfängen unseres Blogs darüber wufften, wurden wir noch angegriffen - aber zum Glück gibt es ja auch ein paar Hundetrainer, die nicht gedanklich stehen bleiben bei ihrer Ideologie, sondern auch dazu lernen).

So wuchs ich zu einem sehr selbstsicheren Hund heran - und das trotz meiner Vorgeschichte! Denn vor allem das Vertrauen meines Cerebral-Interface Maximilian, gab mir wiederum Selbstvertrauen. Aber überfordert eure Hunde nicht! Achtet auf sie, welche Signale sie euch senden! Besser ein paar kurze "abenteuerliche" Erlebnisse, als zu viel und zu lange des Guten. Auch lasst uns Hunden die Ruhe und Zeit alles zu verarbeiten. Und denkt daran: Jeder Hund ist anders, ganz individuell - DAS müsst ihr immer berücksichtigen und darauf eingehen. *jawohlwoaff*


Ich vertrau dir!
Foto: Lutz Borger

Doch nicht nur meinen Ollen lernte ich so besser kennen und so auch vertrauen. Nein, es wuchs auch mein Selbstvertrauen. Während ich mich früher nur wenige Meter von meinem Ollen entfernt habe, so traue ich mir jetzt schon einen weit größeren Aktionsradius zu. Denn eines habe ich ja durch die Erlebnisse erfahren, dass mir nichts passiert, wenn der Olle bei mir ist. Wieso? Ganz einfach canilogisch: Bisher ist ja auch nichts passiert, wenn er bei mir war - er passt ja mindestens so sehr auf mich auf, wie ich auf ihn. *kopfschrägohrennachvorn*


PS: Dies ist der ergänzende Blogbeitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (11/2018) "Auch Hunde brauchen Vertrauen!"



Mittwoch, 5. September 2018

Mit Hunden hört das Lernen nie auf

🐶 Ihr Menschen seid schon komische Wesen. Und damit meine ich jetzt nicht eure ach so tolle Technik, wie den weißen Zauberschrank, wo ihr immer wieder was zu Futtern heraus holt – ich glaub ihr nennt ihn Kühlschrank. *sabberschmatz* Vielmehr meine ich euer Verhalten: Ihr habt durch die Evolution einen großen Vorteil erhalten – euer Hirn. Aber warum benutzen es viele von euch felllosen Primaten dann nicht? *ohrennachvorn*

So manches Mal mussten wir erleben, wie Wissen und Informationen von euch Zweibeinern diskriminiert werden. Mein menschliches Cerebral-Interface Maximilian schrieb ja darüber auch in unserer aktuellen Kolumne im Hundemagazin WUFF. Offenbar selektieren viele Menschen Informationen nach „Sympathie“. Also die Infos, die ihnen passen oder die ihr vorgefasste Meinung bestätigen, die sind euch genehm. Doch andere Infos werden dagegen schnell „abgebügelt“. *brummm*

Immer was Neues erschnüffeln ist absolut pansig, denn so lernt Mensch und Hund dazu

Irgendwie ist das ja nachvollziehbar. Schließlich setzen neue Informationen, vor allem wenn sie eurer vorgefassten Meinung widersprechen, euch einem Anpassungsdruck aus. Ihr müsstet halt euren Standpunkt überdenken, eventuell sogar ganz revidieren. Man nennt das auch umgangssprachlich „Dazulernen“. Das ist natürlich unbequem. Daher auch verständlich, wenn viele von euch sich dagegen verwehren. Doch vernünftig ist es nicht! UND: Wenn ihr eure Hunde liebt, dann solltet ihr auch bereit sein, Neues dazu zu lernen!

Bei manchen ist es schon keine Diskriminierung mehr, sondern schon eine voll ausgebildete Ignoranz. Ein Beispiel: So schrieb jemand mal einen Kommentar, in dem der Satz vorkam „Ich weiß schon alles, was ich wissen muss“. DER sagt ja schon alles! Vor allem zeigt dieser Satz, dass die Person sich schon allwissend fühlt und daher nicht nötig hat, Neues dazu zu lernen. Eine geistige Weiterentwicklung ist somit nicht möglich...

Aber vielleicht hilft euch einfach mal ein Perspekivwechsel: Seht doch das Dazulernen nicht als Versagen oder Irrtum in der Vergangenheit an, sondern vielmehr als ein „Mehrwissen“, welches euch hilft eure Hunde besser zu verstehen. Schließlich will man doch verstehen, was man liebt.

Was man liebt, will man verstehen - das gilt für Mensch und Hund!
Foto: Ruggero De Pellegrini

Klar, der ein oder andere wird auch dann nicht dazu lernen. Wahrscheinlich weil er irgendeiner Ideologie anhängt. Oder, was schlimmer ist, weil wirtschaftliche Interessen dagegen sprechen. Aber die sind eh verloren, denn die verweigern gewisse Informationen ja absichtlich. Diskutieren ist da also sinnlos, denn sie diskriminieren Wissen ja bewusst. Klar, schließlich müssen gewisse Leute ja irgendwie ihre Seminare, Workshops etc. verkaufen... *brummm*

Also ihr lieben felllosen Primaten, denkt daran, dass wir Hunde vor Jahrtausenden einen Pakt mit euch schlossen. Nicht zuletzt weil wir uns so wunderbar ergänzen. Wenn ihr aber euren Verstand nicht nutzt, so erfüllt ihr euren Teil des Paktes nicht. Wundert euch also nicht, wenn wir Hunde uns dann auch nicht mehr daran gebunden fühlen und euch nicht mehr ernst nehmen.


PS: Dies ist der ergänzende Blogbeitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (10/2018) "Gegen Wissensdiskriminierung in der Hundeszene"


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Donnerstag, 7. Juni 2018

An manchen Menschen ist die Evolution und Zivilisation vorbei gegangen

🐶 Auch wenn es mir nicht leicht fällt, aber ich muss leider zugeben, dass das schlechte Image von Hundehaltern leider sehr häufig hausgemacht ist. *brummm* Statt Rücksichtnahme erlebe ich sehr häufig, dass sie davon ausgehen, die anderen würden Rücksicht nehmen. Schon seltsame 2-Beiner Logik...hat euch keiner gesagt, dass die Welt sich nicht um euch dreht? Aber noch caniunlogischer finde ich, wenn ihr felllosen Primaten euch so verhaltet, wie ihr selber nicht behandelt werden wollt. So beispielsweise oft in euren Urlauben (davon berichtet ja mein menschliches Cerebral-Interface Maximilian in unserer Kolumne im Hundemagazin WUFF).

🐶 Manchmal kann ich mich über das Verhalten so mancher felllosen Primaten nur wundern - offenbar war die Evolution sehr ungerecht im Verteilen von Talenten... *frechwedel* 🐾

Gerade in der Urlaubszeit zeigt sich, wie unzivilisiert ihr euch benehmen könnt. Nein, ich meine jetzt nicht eure Ballermann-Touren oder diesen kleinlich-spießigen Handtuch-Krieg am Swimmingpool. Sondern wie ihr euch als Gäste benehmt und mit fremden Eigentum umgeht. Wisst ihr nicht, dass ihr durch euer Benehmen allen anderen zeigt, wie ihr selber behandelt werden wollt? *ohrennachvorn*

Ihr diskutiert ja immer wieder gern über unser Benehmen und die Erziehung von Hunden. Aber wie sieht es denn mit eurer Erziehung aus? Manchmal benehmt ihr felllosen Primaten so, als wärt ihr erst vor einer Stunde aus der Höhle gekrochen...oder schlimmer: als hättet ihr erst gestern die Bäume verlassen. Dabei habt ihr doch so eine tolle Evolution hinter euch und so wuffig interessante Entwicklungen wie die Zivilisation. Nur merkt man es einigen 2-Beinern nicht an. Fast könnte man meinen, dass bei denen der Frontallappen (wo einige ja den Sitz des "zivilisierten Denkens" ausmachen) die Evolution nicht mitgemacht hat. Dafür scheint die Amygdala stärker gewachsen zu sein. *pansigfrechwedel*

🐶 Menschen mit starker Amygdala und unterentwickeltem Frontallappen braucht kein Hund... *skeptischschau* 🐾

Ist es für einige von euch echt so schwierig logisch zu denken? Vorausschauend mitdenken wird offenbar immer seltener. Aber dann frag ich als Hund mich mal, was für ein Sinn hat der Pakt, den einst unsere Vorfahren mit euch schlossen noch? Denn wir Hunde erfüllen noch unsere Aufgabe darin, ja mehr noch, im Laufe der Zeit haben wir noch weitere Aufgaben dazu bekommen - neben der Funktion als Jagdpartner und Stammesbewacher sind wir mittlerweile viel mehr Sozialpartner.

Partner

Ihr werft dafür euren Verstand, eure Logik und nicht zuletzt das vorausschauende, planvolle Denken (welches euch dazu bewogen hat, Vorräte für schlechte Zeiten anzulegen, was ja auch meinen Vorfahren, den Stammeswölfen zu Gute kam). Aber wenn ihr das nicht mehr macht, dann kündigt ihr doch quasi den Pakt mit uns. Mittlerweile komme ich sogar fast zu der Frage, inwiefern sind solche unzivilisierten und unerzogenen 2-Beiner überhaupt in der Lage einen Hund zu erziehen? Denn wenn ihr selber nicht erzogen seid, könnt ihr es doch auch nicht weitergeben. Hoffe, das ist für euch felllose Primaten jetzt nicht zu canilogisch. *frechwedel* Und falls doch, dann denkt mal über folgendes nach: Zivilisierte Menschen haben die Wahl und somit die Freiheit sich eben zivilisiert oder unzivilisiert zu benehmen (je nach Situation kann ja Letzteres auch Spaß machen), diese Freiheit haben unzivilisierte Menschen nicht - ihnen bleibt eben nur die Primitivität. *doppelfrechwedel* 🐾


PS: Dies ist der ergänzende Blogbeitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (07/2018) "Das schlechte Image von Hundehaltern ist hausgemacht" 


Mittwoch, 11. Oktober 2017

Kastration aus Bequemlichkeit ist unfair gegenüber uns Hunden

🐶 Ihr 2-Beiner seid ja schon manchmal komisch... *frechwedel* Vor allem wenn ihr eure Ideologien ins Spiel bringt. *brummschnauff* So auch beim Thema Kastration, über das mein menschliches Cerabral-Interface Maximilian in unserer aktuellen Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin schreibt. Wohl kaum ein anderes Thema spaltet Halter so stark. Je nachdem führen Halter da ja verschiedene Argumente ins Feld: Prophylaxe, Tierschutz und ähnliche Selbst-Legitimationen hört hund (Menschensprache: man) da. Die allermeisten lassen sich jedoch entkräften, wie beispielsweise die oft genannte unkontrollierte Vermehrung. Schon seltsame Ausreden nehmt ihr felllosen Primaten... Keine Ahnung wo ihr euch so rumtreibt, aber in Deutschland gibt es keine Straßenhundproblematik. Im Gegenteil: Schaut man sich diverse Statistiken an, beispielsweise vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), so wird schnell klar, dass hierzulande gar nicht genug Hunde zur Welt kommen. Um die Nachfrage zu decken werden vielfach Hunde aus dem Ausland „importiert“ - nicht selten unter dem Deckmantel des Tierschutzes oder schlimmer: durch illegale Tierverkäufer...

So läuft das in einer Familie: Auch wenn es mal unbequem wird, als Partner stehen wir das gemeinsam durch!
Foto: Lutz Borger

Wer also für die grundsätzliche Kastration hierzulande ist, fördert damit auch den illegalen Tierhandel. Dieses Geschäft ist für einige Verbrechensorganisationen fast genauso lukrativ wie Waffen- oder Menschenhandel. Daher verstehe ich auch nicht, warum so mancher „Tierschützer“ die Halter in Abgabeverträgen zur Kastration zwingen möchte. Zumal solche Klauseln eh nicht rechtswirksam sind. Aber ich will mich gar nicht so breit über das Thema hier auslassen (das haben wir ja bereits hier getan). Vielmehr interessiert mich eine andere Frage: Warum könnt ihr uns Hunde nicht einfach so nehmen wie wir sind? *ohrennachvorn* Mit all unseren Trieben und unserer Natur? Macht euch Menschen so viel Spaß der Natur ins Handwerk zu pfuschen? Glaubt ihr ernsthaft, ihr könntet es besser als Mutter Natur? *kopfschrägohrennachvorn*

Auch von einer anderer Seite her, solltet ihr mal darüber nachdenken: "Der Hund ist unser Bindeglied zur Natur. Das sollten wir nutzen und genießen", sagt Günther Bloch im Interview zu uns. Nun überlegt mal ihr felllosen Primaten, wie sollen wir euer Bindeglied zur Natur sein, wenn ihr unsere Natur beschneidet.

Vor allem unfair finde ich, wenn ihr aus Bequemlichkeit uns Hunde kastriert. *knurrrr* Denn für eure zeitweilige Bequemlichkeit sollen wir Hunde dann ein ganzes Leben verstümmelt verbringen. Damit ihr nicht genervt seid, wenn ein Rüde geil auf eine läufigen Hündin ist, damit das Weibchen das ganze Jahr auf die Couch oder ins Bett kann, ohne es zu verdrecken... Ist schon sehr egoistisch von euch 2-Beinern. Wir Hunde opfern so viel für euch, ihr seid der Mittelpunkt unseres Lebens und wir nehmen euch wie ihr seid zu jeder Zeit. Doch an uns müsst ihr rumdoktern und schnibbeln, damit es für euch bequem passt. Also bitte, wenn ihr bequem sein wollt, meinetwegen. Aber dann schafft euch besser keinen Hund an. Denn ich verrate euch mal was: Wir Hunde sind grundsätzlich nicht bequem! *jawohlwoaff* Wir wollen raus und mit euch Gassi gehen, wir wollen Futter, sind auch mal krank und wir brauchen eure Aufmerksamkeit und Liebe. Also bitte, sofern es nicht medizinisch notwendig ist, lasst uns doch so, wie es natürlich ist. Wir lieben euch ja auch so, wie ihr seid – trotz mancher „Zivilisationskrankheit“. Oder wie würde euch es gefallen, wenn wir euch das Gehirn amputieren – wäre für uns je nach Halter sicher auch bequemer. *frechwedel*


Interessante Links zum Thema:


PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne im Hundemagazin WUFF (11/2017) "Kastration - bequem, aber für wen?"