Freitag, 11. Oktober 2019

[Watchdog] Skurrile Machenschaften im Tierschutz

Einige Tierschutzvereine engagieren Agenturen und Anwälte, statt die Spendengelder für die Tiere zu verwenden

Vor einiger Zeit kontaktierten mich gleich mehrere Tierschützer und ihre Vereine und baten um Rat. Was sie erzählten fand ich gelinde gesagt ziemlich skurril. Und vor allem stellte sich mir die Frage, ob DAS, was sie mir erzählten, ein sinnvoller Einsatz von Spendengeldern ist...


Rico und Leon schnüffeln gern auch unter der Oberfläche - besonders wenn es um das Wohl ihrer Fellfreunde geht!


Marketing-Agentur für Tierschutz

Gleich mehrere Tierschützer berichteten mir davon, dass der ein oder andere Verein beim Einsammeln von Spendengeldern sich von Marketing-Agenturen unterstützen lässt. Und nur kurze Zeit später meldete sich so ein Fall auch direkt bei mir - die Agentur fragte sogar, ob ich sie werbetechnisch nicht unterstützen könnte (am liebsten für umsonst, es wäre ja für einen guten Zweck...ne ist klar, und das eigene Agentur-Team arbeitet sicher auch für umsonst). Selbst wenn die Agenturen einen "Freundschaftspreis" dafür nehmen, werden die es sicher nicht umsonst machen (und wenn doch "offiziell", so gibt es andere Wege "hintenrum" abzukassieren - nicht selten nutzen die Agenturen dass auch noch für die Eigen-PR). Irgendwie fand ich es schräg für gemeinnützige Vereine, dass Spendengelder dafür ausgegeben werden, um noch mehr einzusammeln. Aber als 2. Gedanke kam mir, dass ja nur größere Vereine sich sowas leisten können und somit all die vielen idealistischen, kleinen Orgas dagegen sich das nicht leisten können. Das führt dann aber zu einer weiteren Konzentration der Spendengelder bei den größeren. Auch eine Art der ökonomischen Verdrängung, die man in der Wirtschaft ja schon öfters beobachten konnte - aber bei einem gemeinnützigen Verein? Sollte da das Wohl der Tiere nicht im Vordergrund stehen?


Gewerblicher Markenschutz bei gemeinnützigem Verein

Nicht weniger befremdlich fand ich den Fall, den mir ebenfalls mehrere Tierschützer berichteten und mir auch Fotos von den Anwaltsschreiben zukommen ließen als Beleg: Demnach hat eine Tierschutz-Orga sich ihr Logo und ihren Namen markenrechtlich schützen lassen. Sowas gibt es nicht umsonst und wenn ein Anwalt das übernimmt, dann wird es richtig teuer. Ob hierfür auch Spendengelder verwendet wurden, kann ich nur vermuten (die Kontoauszüge und Rechenschaftsberichte des Vereins könnten Gewissheit geben) - aber irgendwoher muss das Geld für das Anwaltshonorar ja herkommen. Und wenn nicht für die Markenanmeldung an sich, dann doch für die Abmahnschreiben, die der Verein dann an diverse andere Tierschutzvereine schickte, damit die ihren Namen ändern. Aber nicht nur, dass Spendengelder statt für die Tiere dann für Anwälte ausgegeben werden, fand ich "seltsam". Auch das Gebahren fand ich für einen gemeinnützigen Verein ziemlich befremdlich. Die argumentieren mit der "Markenreinheit" - eine typisch ökonomische Argumentation. Aber als gemeinnütziger Verein hat man doch hat man doch keine Gewinnabsicht - denn dann hätte man doch gleich eine GmbH gründen können, oder für einen wohltätigen Zweck eben eine gGmbH (gemeinnützige GmbH). Schließlich macht die Anmeldung einer Marke ja nur Sinn, wenn man diese auch gewerblich nutzen möchte - ansonsten reicht auch das Urheberrecht um sie zu schützen (aber da verdient hat dann der Anwalt nicht mit). Aber ich glaube auch nicht, dass vor einem Gericht die Argumentation bestand gehabt hätte, da es dabei um den Begriff "Pfote" und Abwandlungen in den Namen der verschiedenen Tierschutzvereine ging. Schwer vorstellbar, dass ein Richter einen so allgemein gängigen Begriff als "schützenswert" einstuft (ähnliche hat ein Gericht mal vor langer Zeit auch zum Begriff Schubkarre entschieden). Freilich wissen das gerade kleine Tierschutzvereine nicht, sie sind ja keine Anwälte und da sie meist auch weniger Spenden bekommen, können die sich auch keinen leisten...

Offenbar sehen das aber unsere Leser genau so. Eine kurze Umfrage erbrachte, dass die große Mehrheit (96%) das ebenfalls seltsam finden. Nur 4% fanden das "okay"...




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Donnerstag, 26. September 2019

Trainer ist nicht gleich Trainer

Klar! Oder doch nicht...?


Wir befinden uns im Jahr 2016 – mitten in Deutschland in ­einem der vielen ­Ausbildungsvereine. Wir stoßen auf veraltete Trainingsmethoden, auf Kettenwürger und Stachelhalsbänder, aber auf keine Erlaubnispflicht für Hundetrainer nach § 11 ­TierschG. Das Gesetz will es so. Doggenmix Rico vom Gassi­report hinterfragt.

Wie anders ist doch mein kleiner Rico. Mit viel Spaß ist er bei der Sache. Ganz ohne den Stress – ja, mit viel Freude. Wir laufen entspannt das Schema für Begleithunde – kann man ja immer wieder mal einbauen beim Gassigehen. Mein kleiner Doggen-Wookiee läuft gut bei Fuß (gut, nicht so „angeklebt“ wie ein Schäferhund, er hat als Molosser halt ein eigenes Distanzbedürfnis – so wie ich). Ich wechsle das Tempo, beinahe zeitgleich beschleunigt er auch. Dann werd‘ ich langsamer, nahezu zeitgleich auch Rico…

Rico mag die Übungen zur Unterordnung, aber keinen "Vereinsdrill"
Foto: Ira Prettycloud

Wie anders war die Situation dagegen in diversen Sportvereinen. Meist ging der Stress schon auf dem Parkplatz los. Nicht zuletzt auch wegen der vielen bellenden Hunde – in Boxen. Daher hielt der Stress auch an, bis wir an der Reihe waren. Das Rausholen von Rico war für mich dann meist das viel größere Abenteuer als das Training auf dem Platz – auf die Hinterbeine stellen und mit ganzem Körper blockieren (das heißt bei dem kleinen Doggen-Wookiee von knapp über 40 Kilo so halb auf meinen Armen) inklusive. Auf dem Platz angekommen, wischte ich mir nicht selten die Schweißperlen ab – dabei hatte das eigentliche Training noch gar nicht angefangen.

Dezente Fragen nach dem Sinn solcher Boxen wurden nicht selten abgebügelt. Manchmal rühmte man sich auch damit, dass ja die Gesetzesnormen erfüllt werden oder man sogar knapp darüber liegt. Aha, na hoffentlich interessiert sich der Hund darin dann auch für die gesetzlich vorgeschriebene Mindest­größe. So verfährt man mit Sportge­räten, die sperrt man in einen Spind, aber doch keine Trainingspartner! Hm, wie wäre es, wenn wir die Fußballer auch in entsprechende Boxen stecken vor einem Spiel – mindert vielleicht das Verletzungsrisiko in der Umkleide­kabine. So knapp über Sarggröße müsste doch reichen für so einen Fußballspieler, was meint ihr? 🙂

Interessant fand ich auch, wenn da auf Gesetze verwiesen oder sogar ange­geben wurde, dass man die Norm (über-) erfüllt. Denn nicht selten waren das die gleichen Leute, denen es egal war, tierschutzrelevante Methoden beim ­Training einzusetzen – vom Würger ohne Stopp bis hin zu Stachelhals­bändern oder Teletakt. „Äh, warum das? Hier gibt es doch auch Gesetze, oder?“, wollte ich nicht selten wissen und stellte mich wie so oft bei solchen Gelegen­heiten besonders dumm. Häufigste ­Antwort: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Aha, na dann bin ich ja froh, dass niemand von denen damals bei der Erfindung des Rades dabei ge­wesen ist…

Diesen Satz hatte auch die Sachverständige Mona Göbel schon häufiger als Begründung gehört. Aus ihrer Erfahrung weiß sie: „Sämtliche Gebrauchshundevereine, besonders die, die auch Schutzdienst-Ausbildung (VPG) an­bieten, müssen kritisch gesehen werden. Vor allem in Schäferhundvereinen und Rottweilerklubs habe ich so manch tierschutzrelevante Ausbildungsmethode erlebt. Teilweise auch in anderen ­Hundesportvereinen, aber da meist in abgemilderter Form – zumindest was den Bereich „Unterordnung“ angeht. Hier habe ich schon häufiger den ­Einsatz von Stachler oder Würger beobachtet.“

Und dennoch brauchen ­Vereinstrainer keine Erlaubnispflicht (nach § 11 ­TierschG) wie andere Hundetrainer. Ist das fair? Nun, juristisch korrekt ist es: denn sie trainieren ja nur privat und nicht gewerblich – so das häufigste Argument. Hier auch wieder die Frage: Ob sich der Hund für solche juristischen Spitzfindigkeiten interessieren würde? Wohl kaum. Weil es eben schon so schön war, projizieren wir es doch wieder auf die Menschenwelt: Dann ­wären also sagen wir mal dazu „härtere“ Methoden erlaubt, sofern es nur privat bleibt … Hm, mal überlegen: Also beim Sport darf der Junior dann beim Kickboxen auch ohne Mundschutz trainieren oder Töchterchen ohne Helm reiten – ist ja nur privat. Als Profi bekommt er natürlich die Deluxe-Schutzausrüstung. Klar, der Hund ist kein Mensch – aber ein Familienmitglied! So kann ich verstehen, wenn sich Hundetrainerin Ixe Schäfer echauffiert: „Wenn es wirklich um Tierschutz gehen soll, dann muss jeder seine Qualifikationen nach­weisen – dazu gehören für mich ALLE Trainer, egal ob aus einer Hundeschule oder einem Verein. Gewerblich, wie es immer heißt, ist irrelevant. Gleichermaßen gehören die Halter in die Pflicht genommen. Sie tragen die Verantwortung gegenüber ihrem Hund und der Gesellschaft.“

Zumal es auch in anderer Hinsicht irrelevant ist: Nicht selten haben sich um solche Vereine kleine ­„Industrien“ angesiedelt – vom Hundeshop bis zur Physiotherapie. Von den ­Züchtern ganz zu schweigen – und so ein ­ausgebildeter Schutzhund kann schnell über 10.000 Euro kosten.

Immerhin scheint sich ein neuer Trend abzuzeichnen: „Der moderne Hunde­sport für private Zwecke ist nur Spiel – wenn er seriös ausgeführt wird. Es basiert auf Beutespielen, so sieht man beispielsweise, dass die Hunde auf den Beißarm fixiert sind, sofort loslassen und nicht mehr zubeißen, sobald auch der Mensch ihn loslässt – es geht nur um das Spiel, ähnlich wie mit einem Ball. Also reines Beutespiel um ein Spielzeug und keine Mannschärfe“, sagt die Hundetrainerin und Sachverständige Manuela Schüer. Zwar kennt auch sie Schwarze Schafe, „aber die gibt es überall“. Manuela weiß aber auch: „Bei guten Trainern, die die Hunde lieben, wird schon seit einiger Zeit ein Hund und seine Muskulatur langsam aufgebaut, vor dem Training gibt es meist eine Aufwärmphase – ähnlich wie beim Menschensport ja auch. Außerdem achten sie auch auf gesundheitliche Aspekte. Dieser Trend wird immer stärker.“ Allerdings wie schon gesagt, gibt es rund um einige Vereine schon kleine „Geschäftsnetzwerke“, und Halter sollten auch hier kritisch bleiben und sich nicht alles aufschwatzen lassen.

Bei allem Training darf der Spaß nie zu kurz kommen!
Foto: Ira Prettycloud

Sicher, auf dem Platz, da hatte Rico auch Freude daran, sofern ich ihn führte… Doch wenn ein „Trainer“ etwas vorführen wollte, nicht selten sträubte er sich dagegen, was die „Trainer“ meist mit mehr Gegendruck zu beantworten suchten… keine so gute Idee bei einem Molosser. Schon mal gar nicht, wenn er meinen Dickkopf zusätzlich widerspiegelt. 😉 Meist hörte ich dann von Trainern einen Vorwurf (zumindest meinten sie es vorwurfsvoll, ich fasste es irgendwie eher als Kompliment auf): „Das liegt daran, weil der so ’ne starke Bindung zu dir hat!“ Seltsamerweise waren das oft die gleichen Leute, die uns vor­warfen, dass unsere Bindung nicht so gut sei, weil Rico nicht so an meinem Bein kleben würde (zur Info: Ich mag so ein Aneinanderkleben selber nicht – in­sofern kannte ich den Vorwurf zwar schon, aber dann eher von Ex-Freundinnen als von Hundetrainern). Naja, viel Logik fand ich eh nicht in ­solchen ­Vereinen – einzelne Personen als Ausnahmen gab es aber immer.

Und so begriff ich schnell, dass es vor allem die Interaktion mit mir war, die Rico Freude bereitete – nicht der Verein und vor allem nicht das Drumherum. Na ­prima, dann kann ich meinem Döggelchen ja den Stress vorher und nachher ersparen – mir somit auch. An Hundesport haben wir weiterhin Spaß (auch wenn jeder Vereinsrichter wohl die Hände und seine Hunde die Pfoten über die Köpfe schlagen würden). Und so sieht man uns zuweilen im Park oder am Rhein immer wieder das Schema laufen – nicht perfekt, aber ohne un­nötigen Stress, ohne enge Boxen oder gar Würger, aber dafür mit viel Spaß und Freude.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 10/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Manche Trainer sind wohl "gleicher" als andere - statt Logik lieber Rosinenpicken.


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Sonntag, 22. September 2019

Neues vom Rüdenteam: 3 Anekdoten aus dem Hundeleben

Lustige Anekdoten aus dem Hundeleben

In unserem vergangenen Blogbeitrag, dem zu unserem doppeltem Jubiläum, dem „gemeinsamen Geburtstag“, hatte ich ja bereits einige Neuerungen angekündigt. Eine davon war, dass es von unserem Rudel weniger in Social Media geben wird, dafür aber mehr Beiträge hier. Daher wandert die Rubrik „Rüdenteam“ nun von Facebook auf unseren Blog. Wir, (also Leon, Rico und ich) wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Two an a half Rüden: Leon, Maximilian und Rico (v.l.n.r.)

Da sag noch einer, Ordnungsamt-Mitarbeiter wären nicht auch cool und hundefreundlich...

Wir stehen an einer Ampel einer vierspurigen (2 in jeder Richtung) Straße. Gegenüber steht eine ältere Frau auf dem Fahrrad. Ich erspar euch mal die Details der Beschreibung (sonst fühlt sich wieder irgendjemand angegriffen 😉), nur so viel: Es war schon sehr geeignet für Karneval. 😄 Ich mag ja so skurrile Typen, die beleben eine Stadt, finde ich. Allerdings weiß ich auch, dass Hunde auf solche extremen „Kostümierungen“ zuweilen reagieren – zumal das Fahrrad ebenfalls etwas „dekoriert“ war. Doch darüber machte ich mir keine Gedanken, denn das Döggelchen Rico ist ja auch solche Menschen gewohnt (nur zu Karneval kommentiert er das mit nem Wuffer, da sind es einfach zu viele) und das kleine Leönchen (sprich: Lööönchen) ist ja noch jung, recht harmlos und findet alles supi-spannend.

Als die Ampel auf Grün schaltete, fuhr sie los. Direkt auf uns zu. Sehr nah fuhr sie an Leon vorbei. Was den wachsamen Don Rico zu einem halbherzigen Beschwerde-Wuffer veranlasste - er meint halt, er müsse auf den Kleinen aufpassen. Ich sagte nur: „Schluss! Weiter!“ und gut war. Bis hierhin war aus meiner Sicht alles noch Routine. Doch als wir auf der anderen Straßenseite waren und die Hunde dort auf der Wiese schnüffelten, hörte ich ihr lautes, hysterisches Gezeter. Ich hab kaum ein Wort verstanden – wie gesagt, war eine vierspurige Straße – nur einige Fetzen: „Gemein gefährlich“ und „Hunde nicht im Griff“ und ähnliche Vorwürfe und Unterstellungen... Ich wunderte mich schon ein wenig über ihren extremen Logikmangel, denn 1) hätte ich meine Hunde nicht im Griff gehabt, wäre sie wohl schon Angesichts deren Gewichts kaum unbeschadet auf die andere Straßenseite gekommen und 2) hätte sie bei einem Fußgängerübergang streng genommen ihr Fahrrad eigentlich schieben müssen – aber hey, ich bin nicht die Polizei. (Ganz davon abgesehen, dass wohl jeder vernünftige Mensch mit einem gewissen Abstand an Hunde vorbeifahren würde!) Da ich eh kaum ein Wort verstand, dachte ich, dass auch bei Hunden bekannte Taktik, die geschickteste ist: Ignorieren. Doch die Alte schrie immer weiter...

Gechilltes Gassigehen!

Wer mich kennt, weiß, wie schwer es mir fällt auf Dauer die Klappe zu halten. Und da meine Zunge wegen aller mir gerade einfallenden möglichen Antworten im Mund schon zuckte, schrie ich irgendwann mal rüber: „Entschuldigung, ich spreche nur mit hübschen Frauen.“ 😂😎 Klar ist nicht die feine Englische Art (falls es die seit der ganzen Brexit-Posse überhaupt noch gibt), aber ich wollte sie so schnell wie möglich einfach ruhig bekommen – ihr schrilles, hysterisches Geschrei fing nämlich langsam an zu nerven. Da schrie sie zurück: „Du bist so ein Arschloch!“ Worauf ich lachend antwortete: „Damit hast du in deinem Fall sogar Recht!“ 😂

Doch das war noch gar nicht die Pointe! 😉 Mit diesen letzten Worten gingen wir 3 dann weiter über die Wiese (die beiden Jungs hatten ihr Schnüffeln endlich beendet) und setzten unseren Weg durch den Hofgarten fort (das ist quasi der Stadtpark im Herzen Düsseldorfs, an dessen Grenze wir um die Ecke wohnen). Als wir dort auf unserer Runde um eine Ecke biegen, kommen uns 2 kräftige Kerle vom Ordnungsamt entgegen. Während der eine näher kommt und mich anspricht, bleibt der andere „absichernd“ in einiger Entfernung stehen. Der eine Herr vom Ordnungsamt sprach mich auf die Situation von eben an und meinte: „Ihren Spruch fand ich cool!“ Und lächelte mich freundlich an. Danach unterhielten wir uns ein wenig über die Hunde. Und in dieser Situation dankte ich dem Schicksal...

Denn wie es der Zufall so wollte, kamen gerade 2 ältere Damen mit ihren Fiffis vorbei. Leider ganz klischeehaft kläfften die beiden uns hysterisch an – also die Hunde, nicht die Damen. Und klar antwortete Klein-Leon darauf und zog an der Leine, während Rico anfänglich ruhig die Szenerie beobachtete, aber irgendwann genervt einen seiner dunklen Wuffer abließ. Auch hier sagte ich wieder „Schluss! Zurück!“ Worauf das Döggelchen sofort reagierte und sich sogar direkt neben mir hinsetzte (obwohl ich das gar nicht angesagt hatte). Obwohl die beiden Molosser-Halunken Rico und Leon sonst keine Gelegenheit aus lassen, mich zu blamieren, wenn es hart auf hart kommt, kann ich mich dennoch auf sie verlassen (naja, sagen wir mal zumindest auf Rico). Auch Leon befahl ich aufzuhören – leider nicht mit dem gleichen Erfolg. 😄 Er kläffte die beiden Hündchen weiter an und zog an der Leine (er kam zwar auf meinen Befehl zu mir, nur um sofort zurück zu springen und die hysterisch-kläffenden Hündchen zum Spielen aufzufordern). Dennoch sah ich den anerkennenden Blick in den Augen der beiden Männer. Schulterzuckend mit Blick auf Leon sagte ich: „Er ist noch jung, knapp über 6 Monate.“ Mit einem Lächeln verabschiedeten sie sich von uns. Da sag noch einer, die Leute vom Ordnungsamt wären nicht cool und hundefreundlich...

Der kleine Halunke Leon legt die (wenigen) Regeln auf seine Art aus...

Also die Hunde dürfen ja viel bei mir. Haben sie doch massig Freiheiten. Das gilt gerade in der Wohnung. Da komme ich mir ja selber manchmal vor, wie in einer überdimensionalen Hundehütte, wo ich netterweise ein Bett rein stellen darf. Dennoch gibt es ein paar Regeln: So dürfen das Döggelchen und das Leönchen (sprich: Löööönchen) zwar jederzeit ins Bett oder auf die Couch – aber eben nicht mit Futter oder Spielzeug. Nennt mich spießig, aber ich hab halt keinen Bock auf die Krümel und das Gesabber – zumal ja meist ich derjenige bin, der sich da hineinsetzt oder -legt.


Leon hat die "Unschuldsmiene" voll drauf! 😊

Nun lagen wir abends spät im Bett. Das Döggelchen ganz eng an mich gedrückt. Da sprang Klein-Leon auf, runter vom Bett in den Hundekorb und schnappte sich dort seine Kauwurzel (Rico hat das Ding immer verschmäht, doch für Leon ist es eines seiner Hauptspielzeuge). Damit im Maul sprang er sogleich wieder ins Bett, legte sich hin und wollte gerade anfangen, darauf genüsslich zu kauen. Doch da kam in ermahnendem Tonfall von mir: „Leon....“ zum „Aus!“ kam ich gar nicht, denn er spuckte das Holzstück sofort aus. Dummerweise kullerte es aber nicht vom Bett, sondern blieb auf der Matratze liegen. Während er mich mit Unschuldsmiene anschaute, schubste er das Ding mit der Vorderpfote vom Bett. Sein Blick sagte deutlich: „War was?“ 😆

Anti-Bell-Halsband reagiert nicht auf Leons Gebell, dafür auf seine Rülpser...

Leons Rülpser brint so manches Anti-Bell-Halsband zum Piepen 😆
Leon hat wie eine nervige Angewohnheit: Wenn er was haben will – und sei es nur Aufmerksamkeit – dann fiept er wie ein quengelndes Kleinkind. Kann ziemlich nervend sein, vor allem wenn Abgabetermine bei mir drücken. Daher lieh mir eine befreundetes Pärchen so ein Piep-Halsband, dass immer einen Ton abgibt, wenn der Hund sich akustisch äußert. Als sie und ihr Freund mal einen Tag auf Leon aufgepasst haben, haben sie damit gut Erfahrung bei ihm gemacht, weil er wohl anfangs ziemlich ausdauernd (Molosser-Dickschädel halt!) gefiept und gebellt hat. Tja, was soll ich sagen? Bei mir piepte der Aparillo nicht richtig. Statt eines Piepens, wenn Leon einen fiepte oder quengelte, kam Stille – dafür meldete es sich immer, wenn das Leönchen (sprich: Lööööönchen) rülpste... :-D

Hier die vergangenen Anekdoten aus Facebokk zum Rüdenteam (in chronologischer Reihenfolge; die anderen findet ihr in folgenden Beiträgen):

Und wieder ein Zahn weniger...


Das Rudel auf dem WIU-Fest


Offenbar dürfen manche Hunde nur spielen, wenn sie körperlich überlegen sind...



Molosser-Knibbeln kann echt weh tun...


Rudelgespräche mit olfaktorischer Zugabe

Leon dekoriert die Wohnung um...

Übers Markieren und Beinchen heben...

Seltsame Begegnung...



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Sonntag, 15. September 2019

*Die multifunktionelle GASSIREPORT-Hundeleine "Goliath"

(*Werbung in eigener Sache)
Auch wenn viele es oft unterschätzen: Aber sie ist unsere direkte Verbindung zum Hund beim Gassi – die Hundeleine. Quasi die künstliche Nabelschnur, an deren feinen Vibrationen und Zuckungen wir schon viel von unserem Hund mitbekommen und mit ihm kommunizieren können. Wie wichtig sie ist, habe ich ja bereits mehrfach geschrieben. Umso mehr freut es mich, zusammen mit dem Schweizer Zughundesport-Experten Zampa dieses so wichtige Alltagsutensil für unsere Hunde zu entwickeln.

Die Hundeleine verbindet uns mit unseren caniden Freunden!

Was braucht der so lange um eine Hundeleine herzustellen? Das werden sich sicher viele unserer Leser gefragt haben; schließlich brauchte es 1 Jahr und 3 Prototypen. Sicher, wenn man sich keine Mühe macht, einfach so eine simple Leine ohne Sinn und Verstand, dann geht das ruckzuck. Aber genau das wollte ich ja nicht. Denn wie viele Hundehalter brauche ich eine Leine mit verschiedenen Längen. Klar, in der Fußgängerzone brauche ich eine andere Länge als im Park oder in der Straßenbahn. Und erst recht gilt das für brenzlige Situationen. Doch gerade bei letzterem ist ein schnelles Umstecken bei den meisten Leinen so schnell nicht möglich. Außerdem erhöhen die vielen Ringe die Verletzungsgefahr – jedenfalls kenne ich viele Hundehalter, die mit einem Finger in so einem Ring hängen blieben und ihn sich dadurch brachen. Also praktikabel sah für mich daher anders aus. Auf längeren Wanderungen bemerkte ich zudem das höhere Gewicht. Auch logisch, mehr Ringe und Karabiner wiegen eben auch mehr. Doch jeder, der längere Wanderungen kennt, weiß, dass es da auf jedes Gramm ankommt.

Denn zwar lebt unser Rudel in der City, aber wer uns kennt, weiß auch, dass wir sehr gerne und daher auch oft in der Natur unterwegs sind. Daher wollte ich eine Leine, die sowohl für die Stadt, als auch für Outdoor geeignet ist. Dem ganzen voraus gegangen waren Tests zahlreicher Hundeleinen, viele waren davon hilfreich, ganz besonders die Schlechten, denn sie waren am inspirierendsten. Aber auch viele gute Ideen habe ich gesehen, gerade bei den Jagd- und bei den Einsatz-Leinen. Und so kombinierte ich all die Vorteile und ließ die Nachteile weg.

Die Aufgabenstellung war demnach klar: Wie umgehe ich all diese und noch andere Probleme und habe dennoch eine sichere und in der Länge verstellbare Leine sowohl für die City als auch für Outdoor. Dank der Zusammenarbeit mit dem Zughundesport-Profi Zampa (an dieser Stelle auch vielen Dank für all das, was ich bei euch lernen durfte, wie beispielsweise zum Material etc.), ist nun nach dem 3. Prototypen endlich die GASSIREPORT-Leine auf dem Markt. Aber was ist das Besondere, wollt ihr sicher wissen. Nun das erzähl ich euch gleich Punkt für Punkt, aber so viel verrate ich euch jetzt schon: Ihr habt damit 4 Leinenlängen, aber müsst sie dafür nur einmal umstellen – und zwar ohne zusätzliche Karabiner und damit anfälliger „Technik“ und Gewicht.


Spezial-Karabiner

Fangen wir mit dem Karabiner für Halsband oder Geschirr an: Er wiegt nur 50 Gramm, dennoch ist dieses Leichtgewicht aus Aluminium sehr stark und hält einer Belastung von 24 Kilonewton aus (das entspricht umgerechnet einer Zugkraft von über 2447 Kilogramm!). Unter Belastung öffnet er sich nicht. Im Selbstversuch hat sich ein erwachsener Mann an die Leine gehängt, während der Karabiner an einem in die Wand gebohrten Ring hing. Mit allergrößter Kraftanstrengung und unter Schmerzen in den Fingern gelang es mir einen der beiden Haken zu öffnen, die Leine hing dennoch fest am Ring, denn der 2. Haken hielt das locker aus. Wenn der Ring, an dem der Karabiner befestigt werden soll, groß genug ist (so wie bei unserem GASSIREPORT-Halsband „Goliath“), dann schnappt der Karabiner von alleine zu, bei kleinen Ringen schließt ihr ihn einfach händisch. Diesen Kobra-Karabiner setzen unter anderem Bergsteiger oder auch die Feuerwehr ein (immerhin hält er sogar Drahtseile aus!).

Endschlaufe und die lange Version für mehr Freiraum

Voll „ausgefahren“ hat die Leine eine Länge von 185 Zentimetern. Damit entspricht sie den gesetzlichen Vorgaben vieler Gemeinden, aber auch anderer Länder, was die Maximallänge angeht (gerade für Listenhund-Halter nicht unwichtig!). Diese Länge ist in Parks oder Naturgebieten wo Leinenpflicht herrscht erlaubt. Und genau dafür nutze ich sie auch: Eben immer dann, wenn Leinenpflicht besteht oder es einfach zu gefährlich für Freilauf wäre, ich aber meinen Hunden dennoch so viel Freiraum geben möchte wie möglich. Die Schlaufe (wie auch alle anderen) ist mit angenehmen und robustem Distanzstoff gepolstert.



Hauptlänge für den Alltag

Mit nur einem Griff, was gerade für mich als Mehrhundehalter nicht unwichtig ist, habe ich die Leine gekürzt: Einfach durch den Ring ziehen, und schon ist die Leine 110 Zentimeter lang. Diese Länge nutze ich am häufigsten in der Stadt. Sie entspricht auch den gesetzlichen Vorgaben, denn in Städten dürfen sie meist nicht länger als 120 Zentimeter sein. Den Ring, haben wir extra so platziert, dass er zwar leicht erreichbar ist, aber dennoch keinem im Weg ist – weder dem Menschen noch dem Hund. Die große Schlaufe lässt sich zudem locker über die Schulter werfen, so dass man dann auch mal beide Hände frei hat – bei mir beispielsweise beim Fotografieren oder beim Zahlen an der Kasse sehr praktisch. (wenn man diese geschulterte Variante extra zählen würde, wären das sogar 5 Leinenlängen 😉)


Kurze Variante wenn es mal enger wird

Durch die Verkürzung befindet sich die Endschlaufe quasi auf halber Länge. Die kurze Leine (55 cm lang) nutze ich beispielsweise in einer stark besuchten Fußgängerzone, im Kaufhaus, Unterführungen, oder aber auch, wenn ich mit Rico oder Leon Treppen steige. Auch als zusätzliche Sicherung, greife ich mit der anderen Hand öfter hier rein, um so die Leine mit beiden Händen zu halten – beim Straßenüberqueren oder auch bei Hundebegegnungen in der City (wahrscheinlich weiß es ja eh jeder Halter, aber ich sag's nur mal zur Sicherheit: Je länger die Leine, umso großer die Wucht – ist halt blöd für Hund und Halter). Bei dieser Länge hat ein Hund von Ricos Größe aber immernoch genug Bewegungsfreiheit und kann beispielsweise den Kopf bis zum Boden senken um zu schnüffeln.

Kurzführer wenn es besonders "eng" wird

So viel Freiheit bietet der Kurzführer, der direkt hinter der Kobra-Schnalle beginnt, nicht. Auf beiden Seiten ebenfalls mit Distanzstoff gepolstert, nutze ich ihn in Fahrstühlen, vollen Straßenbahnen, engen und vollen Gassen oder eben auch in besonders „brenzligen“ Situationen (z.B. Besoffene oder provozierende Hunde). Aber auch für so manche Übung habe ich ihn schon verwendet, wenn ich Rico beispielsweise sanft um etwas herum führen wollte.

Kederapplikationen für mehr Sicherheit

An ausgesuchten Stellen sind reflektierende Kederstreifen eingenäht für mehr Sicherheit. Klar ersetzen die kein vollwertiges Leuchti oder Warnweste, aber sie geben zusätzlichen Schutz in der Dunkelheit und machen auch die Leine sichtbarer.

Robustes Material

Wie schon beschrieben, besteht die Polsterung der Griffe aus Distanzstoff. Wir haben bei der Kurzführerschlaufe extra beide Seiten gepolstert, da man im „Eifer des Gefechts“ nicht immer die eigentlich dafür vorgesehene und deswegen leicht ausgebeulte Schlaufe ergreift. Die Leine selber besteht aus Polyamid, welches sich durch seine hervorragenden Festigkeit und Zähigkeit auszeichnet. Daher wird es vor allem für die Herstellung von unzerbrechlichen Gegenständen und technischen Teilen, die sehr abriebfest sein müssen eingesetzt: Bekleidung, Fallschirme, Ballons, Segel, Angelschnüre, aufgrund ihrer einheitlich glatten Oberfläche eignen sie sich gut als Nahtmaterial in der Chirurgie und selbst die Borsten eurer Zahnbürsten bestehen daraus. Selbstverständlich gibt es die Leine in unterschiedlichen Farben (s. Foto). Die ganze Leine wiegt dabei nur 144 Gramm! Gerade bei längeren Wanderungen, wo es auf jedes Gramm ankommt, ein wahrlich spürbarer Vorteil gegenüber schwereren Leinen. 😊



Die Leine wird von Zampa in Schweizer Handarbeit gefertigt. Der Preis beträgt für die Leine alleine 89 Euro (zzgl. Versandkosten); in Verbindung mit dem GASSIREPORT-Halsband beläuft sich der Preis für beides zusammen auf 169 Euro. (Wer zuvor unser Halsband gekauft hat als es die Leine noch nicht gab, kontaktiert uns bitte! Ihr erhaltet einen Spezial-Preis.) Also falls ihr auch diese tolle GASSIREPORT-Multifuktionsleine "Goliath" haben wollt, schreibt uns einfach eine e-Mail!


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Montag, 9. September 2019

Doppeltes Jubiläum! Zeit für einen Rück- und Ausblick

An diesem Tag zog Rico ein und änderte alles, auf den Tag genau ein Jahr später starteten wir unseren Blog. Seit dem ist viel passiert und seit dem Einzug von Leon sind wir ein kleines, verrücktes Rudel. Dieses doppelte Jubiläum wollen wir mal in eigener Sache nutzen und euch ein paar Neuerungen ankündigen. Denn eines ist nun klar: So wie bisher wird es mit dem GASSIREPORT nicht weiter gehen...

Als Rico kam, änderte sich alles...

Vor nun 7 Jahren zog das Döggelchen Rico bei mir ein, genau ein Jahr später starten wir unseren GASSIREPORT. Daher feiern wir diesen Tag auch seit dem als „gemeinsamen Geburtstag“, denn am Tag von Ricos Einzug änderte sich alles für mich. Dieses kleine Häufchen Elend, mit stumpfen, löchrigem Fell, mit Plattfüßen, dessen Welt bisher nur aus einem Keller und einem Tierheim-Zwinger bestand, verschob sämtliche Prioritäten, eröffnete neue Perspektiven – und zeigte mir nach langer Zeit, auf was es wirklich im Leben ankommt.

Rico änderte alles!

Nur ein Jahr später starteten WIR unseren Blog. Jawohl, ich schreibe „wir“. Nicht als Pluralis Majestatis, wie viele eindimensionale Personen eventuell glauben (mögen), sondern weil aus uns in diesem Jahr ein Wir gewachsen war. Diese Jahr war mehr als ereignisreich, denn während ich gerade aus Frankfurt zurück nach Düsseldorf gezogen war, kämpfte ich noch mit den Auswirkungen meines Burnout, den ich im Anflug von Selbstüberschätzung mit einem 1 monatigem Urlaub kurieren wollte – schon damals sagte jeder, dass ich spinne. Und diesen Monat verbrachte ich hauptsächlich mit Rico. Denn ich wollte die Zeit so intensiv wie möglich nutzen, bevor ich meinen neuer Job als Leiter der Presseabteilung eines Immobilienunternehmens antreten würde. Da wusste ich noch nicht, dass ich über 1 Jahr lang nur Krisenkommunikation machen würde (Kenner der Branche wissen was das bedeutet....)

Ich stand zwischen 5 und 6 Uhr morgens auf um mit Rico Gassi zu gehen. Sicher, es hätte auch gereicht, wenn ich mit ihm erst um 7 Uhr raus gegangen wäre, aber dann hätte ich ja weniger Zeit mit ihm verbracht. Tagsüber konnte sich damals noch meine Mutter um ihn kümmern, da er ja noch relativ klein war und daher handelbar für meine Mutsch; aber für die Tage, an denen sie nicht konnte, hatte ich einen Hundesitter engagiert; meine damalige Lebensabschittsgefährtin half auch mit – zumindest ab und zu, denn sie benutzte das Döggelchen auch als Druckmittel (immer wenn ich nicht das tat, was sie sich gerade „wünschte“, zog sie kurzfristig ihr Versprechen zurück), weswegen ich auch oft Mittags mit dem Taxi nach Hause fuhr um mich selber um ihn zu kümmer (das viele Geld für die Fahrten war mir völig egal, Rico stand immer an 1. Stelle). Und so kam es wie es kommen musste: Mein Burnout verschlimmerte sich. Mit meinem damaligen Arbeitgeber vereinbarte ich, dass ich die schwierige Zeit (sie hatten Planinsolvenz beantragt) ihn in Sachen Kommunikation unterstütze und danach ein Sabbatical einlege.

Genau in dieser Zeit, meinem Sabbatical, startete ich dann unseren Blog. Damals waren die Hintergedanken, dass ich so ein Tagebuch als Erinnerung habe, für all die schönen tollen Erlebnisse. Aber auch wollte ich schreiben – das war seit meiner Kindheit meine Passion – allerdings über andere Themen als bisher und auch Darstellungsformen, die in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen waren, die ich aber seit meinen Anfängen als Journalist sehr schätzte (z.b. Reportagen, Glossen, Kommentare etc.). Ich war damals selber über den raschen Erfolg erstaunt, denn schon bald meldeten sich die ersten Zeitschriften und fragten nach Beiträgen. War schon lustig, denen erst mal zu erklären, dass ich nicht Rico heiße. 😊

Mit wachsender Bekanntheit wuchs der Spaß, aber auch die Zahl der Neider...

Doch mit steigendem Bekanntheitsgrad kamen auch immer mehr Neider und Trolle. In all den Jahren mussten wir so einiges ertragen: Defamierungen, Denunzierungen, ja selbst vor geschäftsschädigenden Praktiken schreckten viele nicht zurück (sehr häufig aus juristischer Unkenntnis heraus, wie ich oft feststellen musste) – so manches Mal kam ich mir vor, als ob ich stellvertretend für viele Leser und Halter die Prügel kassiere. So manchen Shitstorm beobachtete ich durchaus mit beruflichem Interesse, oft auch mit Belustigung (zumal sich die meisten Trolle ja selber widersprachen oder durch mangelnde Logik entlarvten), aber immer auch mit einem gewissen Unverständnis. Denn schließlich gab es unsere Geschichten umsonst im Web, wenn sie jemandem gefielen: gut, wenn nicht: also ich wäre einfach weitergezogen. Ich beschwer mich ja bei einem All-You-Can-Eat-Buffet auch nicht, dass an der Theke das ein oder andere Essen nicht meinem Geschmack entspricht, ich nehme einfach aus den Schüsseln, die mir schmecken. Ähnlich verfahre ich mit Büchern in Büchereien - hab mich jedenfalls noch nie darüber beschwert, dass da auch Bücher drin stehen, die nicht meinem Geschmack entsprechen. Ist einfach für mich vergeudete Lebenszeit, mich über sowas aufzuregen - zumal ja jedes Kleinkind schon den Spruch lernt "über Geschmack lässt sich streiten". Aber offenbar haben einige Leute da eine andere Einschätzung was ihre eigene Lebenszeit angeht (vielleicht aber auch eine "andere" Erziehung, wenn überhaupt, darauf deutet jedenfalls ihr Benehmen)...oder aber so viel Frust und Neid, dass es sie zum Shitstorm trieb. Wenn die mitbekommen hätten, wie sehr ich mich über solche Shitstorms gefreut habe. Denn 1) waren sie gut für den Bekanntheitsgrad des GASSIREPORT und erhöhten seine Reichweite; 2) war es sehr inspirierend für weitere Geschichten und 3) brachte es mich wegen der sehr entlarvenden Kommentare erst auf die Spur von sehr interessanten, teils skurrilen Geschichten.

Es war eine tolle Zeit! Denn abseits der Shitstorms gab es viel Erfreuliches: Allem voran die vielen tollen Hunde und Menschen, die wir so kennelernen und beschnüffeln durften. Auch habe ich so viel gelernt über Hunde, was ich zuvor nicht gewusst habe. Jedoch musste ich auch lernen, wie die Hundebranche, vor allem die Hundetrainer, so „ticken“ - um es mal diplomatisch auszudrücken. Ich kannte zwar die Warnungen von Günther Bloch aus seinen Büchern, aber früher hatte ich zwar immer mit Hunden zu tun und war sehr interessiert, hatte aber wegen meines Jobs wenig Zeit tiefer in die Hundeszene einzutauchen. Wobei dieser Tauchgang manchmal weniger einem in klaren Wasser in der Karibik ähnelte, als vielmehr in eine Güllegrube der charakterlichen Untiefen (wer glaubt, dass Banker keine Moral habe, dem kann ich in den meisten Fällen nur beipflichten – allerdinsg verkaufen die ihre Seele für Summen, wo so mancher Mensch wenigstens nachdenken würde; dagegen verkauft so mancher Hundetrainer seine Großmutter für schon 10 Euro...)

Die größte Neuerung ist das neue Rudelmitglied Leon

Jedenfalls hat sich seit dem viel geändert. In jüngster Zeit vor allem durch den Rudelzuwachs Leon. Denn 2 Hunde beanspruchen eben auch mehr Zeit. Außerdem verursachen sie auch mehr Kosten. Und um die abzudecken, muss ich mehr Aufträge annehmen – worunter wiederum der GASSIREPORT litt. Schon seit einiger Zeit spielte ich mit dem Gedanken, die Leser da mehr zur Unterstützung einzubinden, eben doch darüber Honorar zu erhalten, um so weiterhin für euch zu schreiben. Aber finanzier dich doch weiter mit Werbung, wird der ein oder andere einwerfen. Nun, das ist nicht ganz so einfach, wie einige denken, denn 1) müsste ich dann Werbeangebote annehmen, die ich früher abgelehnt habe, weil ich nicht dahinter stand; 2) wäre ich damit abhängiger von den Werbekunden und könnte somit nicht frei, dem Leser verpflichtet, schreiben; 3) decken die Werbeeinnahmen gerade mal 10% der Kosten (und da ist meine Arbeitszeit noch nichtmal eingerechnet). Aber wie gesagt, ich spielte mit dem Gedanken und hatte einige Ideen, die Leser mehr einzubinden, aber zur Umsetzung kam es nicht. Bis dann ein anderes Ereignis eintrat...

Two and a half Rüden - Das Rudel des GASSIREPORT


Das Leben ist ein einiger, großer Gassigang...
Denn wie so oft war es ein recht harmloses, aber dafür weitreichendes Ereignis, was mich erst zum Handeln brachte. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere wie ich euch berichtet hatte, dass Rico meine Kamera gecrasht hat. Es war eine von diesen Alltagsgeschichten, die immer wieder mal im Blog erscheinen. Ich hatte keinen Spendenaufruf oder so gestartet, umso mehr erstaunte mich die Resonanz dieses eigentlich harmlosen Beitrages – und vor allem der Wille zu helfen einiger Leser rührte mich ungemein. Ja ich gebe es zu, es kullerten sogar ein paar Tränen über meine Wangen.


Und so zahlten ein paar Leser ein Honorar für unsere Geschichten. Mit jedem nahm ich Kontakt auf, telefonierte mit ihnen. Nicht nur, um mich zu bedanken, sondern auch weil ich mich für sie und ihr Engagement interessierte. Vor allem ein Telefonat brachte einiges ins Rollen. Eine Leserin, die besonders viel zahlte, sagte: „Ich lese euch schon seit einigen Jahren, sieh es einfach als rückwirkendes Honorar für all die schönen Geschichten.“ In der Tat kannte ich die Leserin bereits aus den Sozialen Medien – zumindest dem Namen nach. Denn sie gehört zu den eher „passiven“ Lesern, sie liked zwar viel aber kommentiert so gut wie nie. Und da bemerkte ich, dass ich viel zu lange den falschen Leuten Aufmerksamkeit und Lebenszeit gewidmet habe – eben den Trollen und Neidern. Dabei gibt es doch so tolle Leser, die eben nicht so auffallen. Und genau DIESEN Lesern will ich mich in Zukunft mehr widmen. Denn wisst ihr, gerade diejenigen, die uns am wenigsten unterstützt haben, kamen seltsamerweise am häufigsten (mit teils unrealistischen, ja manchmal sogar realitätsfremden – und oft logikfernen) Ansprüchen (eine Erfahrung, die ich auch mit anderen teile, wie beispielsweise vor Kurzem auch der Giftköder-Radar schrieb).

Jedenfalls löste das alles einiges bei mir aus. Und so entschied ich mich, einige Neuerungen im GASSIREPORT einzuführen. Keine Sorge, es kommt nicht alles auf einmal, aber schrittweise werde ich einiges ändern. Eine der 1. Neuerungen war die Einrichtung eines Accounts bei Patreon. Diese Plattform kennen vielleicht einige von euch bereits, darüber können Leser und Unternehmen Kreative und Contenschaffende unterstützen. In den USA funktioniert das schon prima, hierzulande herrscht dagegen eher die „Geiz-ist-geil-Mentalität“. Entsprechend dieser Mentalität sind eben dann auch viele Leser, daher bedarf es eines „Türstehers“ in Form von Honorar. Keine Bange, der GASSIREPORT ist kostenlos und belibt es einstweilen auch, aber unsere Patronus, ich nenne sie GASSIREPORT-Guardians, erhalten je nach gewählter Stufe zusätzliche Prämien und Extras (sogar welche, die für Unternehmen interessant sind).


Eine 2. Neuerung ist fielen aufmerksamen Lesern schon aufgefallen: Ich bin weniger aktiv in den Sozialen Medien. Und ja, bis auf weiteres wird das auch so bleiben, die tägliche Bespassung via Facebook hat bis auf weiteres ein Ende. Sorry, aber bitte versteht, dass ich die Zeit mit meinen Hunden verbringen und für sie auch Geld verdienen muss. Sobald der GASSIREPORT selber genug abwirft, werde ich das natürlich ändern.  

Was mich zur 3. und weitreichenderen Neurung führt. Wie beschrieben, finanzierte sich der GASSIREPORT teilweise ein wenig durch Werbung. Doch falls ihr glaub, dass ich davon meine Rechnungen zahlen konnte, so liegt ihr falsch. Daher will ich jetzt auch mit dem Blog Geld verdienen. Mehr Werbung will ich aber nicht machen (in der Tat muss ich die meisten Anfragen sogar ablehnen, weil sie eben nicht zu uns passen), auch schon deswegen, weil ich frei und vor allem dem Leser und deren Hunden verpflichtet schreiben will. Um aber mit dem Blog selber Geld zu verdienen, das zumindest teilweise meinen Lebensunterhalt und den meiner Hunde abdeckt, wird es in den kommenden Monaten einige Änderungen geben. Die ein oder andere wird zwar nicht besonders aufwändig sein, euch aber dennoch sofort auffalen, wie das Layout; andere werden dafür weniger auffällig sein, dafür aber umso auffwändiger. Lasst euch überraschen, werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. Dazu gehört auch der vielfache Wunsch zahlreicher Leser nach mehr Videos. Doch deren Produktion ist sehr aufwändig, zeit- und kostenintensiv. Hier würde ich gern sogar jemanden einstellen, doch dafür müssten die Einnahmen erstmal reichen... Auch das ein oder andere Event für unsere Unterstützer ist in Planung... Ideen hab ich viele, einige auch als Konzept ausgearbeitet und ein paar schon ins Rollen gebracht.

Ich hoffe sehr, dass ihr dafür Verständnis habt. Aber bedenkt, dass so ein Blogbeitrag nicht nur viel Herzblut und Engagement fordert, es braucht auch viel Zeit, Kreativität und Arbeit dafür (nur so als Beispiel: Von der Idee bis zum fertigen Blogbeitrag braucht es meist 2-3 Arbeitstage (oft auch länger), die nicht selten auf mehrere Wochen – wegen der Recherche, Fotos etc. – verteilt sind; vom nötigen Equipment und Orga garnicht zu Reden und die „Nacharbeit“ in den Sozialen Medien dauert meist noch länger). Aber nur wenn der GASSIREPORT mehr zu unserem Rudel-Lebensunterhalt beiträgt, kann ich auch wieder öfter und regelmäßiger Storys für euch verfassen. Die Alternative wäre, den GASSIREPORT kostenpflichtig zu machen, doch das möchte ich eigentlich nicht, denn es widerspricht meinen Idealen.

Sprung ins neue Leben - gemeinsam!

In diesem Sinne wünsche ich euch weiterhin viel Spaß hier mit unseren Erlebnissen und freut euch auf die vielen Neuerungen für euch! Bleibt also mit der Nase dran!

Euer GASSIREPORT-Team
Maximilian, Rico und Leon


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Freitag, 16. August 2019

Hunde sind sehr gute Lehrmeister - Interview mit Günther Bloch

Interview mit Günther Bloch

Dieses Mal führte unsere Gassirunde uns in die Eifel. Denn dort hatten Rico und ich einen ganz besonderen Termin: mit einem der renommiertesten Kynologen – Günther Bloch. Nach einer kleinen Runde an der nahen Erft war es so weit und wir trafen ihn. Günther Bloch spricht ungeniert aus, was viele denken, aber nicht zu sagen wagen …

Bevor sich Günther Bloch unseren Fragen stellte, musste Rico ihn natürlich beschnüffeln. Nur sehr selten stellte sich ihm jemand so hunde-höflich vor, so souverän und ruhig – schon daran erkennt man die immense Erfahrung von Günther Bloch. Rico war jedenfalls ganz begeistert von ihm – vor allem von seiner Jacke. Daran schnüffelte mein kleiner Doggen-Wookiee ganz besonders intensiv. Wahrscheinlich hatte die Jacke schon mehr Hunde und Wölfe gesehen als mein Rico (und auch ich) in seinem bisherigen Leben …



Während des Interviews passte das Döggelchen Rico auf
Foto: Ira Prettycloud

Das Interview

Du forschst ja schon fast eine Ewigkeit über Wölfe. Nun kritisieren ja einige, dass nicht alles vom Wolf auf den Hund übertragbar sei. Wie stehst du zu dieser Kritik? Und wie viel kann man auf den Hund transferieren?

Ich forsche seit 1992 an frei lebenden ­Wölfen. Zum Thema Vergleich: Denn wollten wir es richtig machen, ­müssten wir jede einzelne Hunderasse mit dem Wolf vergleichen, um zu präzisen Ergebnissen zu kommen. Ansonsten sprechen wir von Basiswerten. Und diese Nullwerte könnten wir dann für weitere wissenschaftliche Vergleiche heranziehen. Immerhin sind ja nicht alle Rassen gleich, so sind die so genannten „nordischen Hunde“ meist näher am ­Wolfsverhalten dran als beispielsweise Möpse oder ­Französische Bulldoggen.

Die von dir zuletzt Genannten sind ja auch wegen der Überzüchtung ins ­Gerede gekommen …


Sprich es ruhig aus: Qualzucht! Das kommt auch daher, weil die Kritiker zum Hundezuchtgeschehen immer mehr aussterben. Beispielsweise Dr. Hans Räber aus der Schweiz, oder der kürzlich verstorbene Genetiker Dr. Hellmuth Wachtel, der stets kritisch über Degenerationserscheinungen geschrieben hat. Und jüngere Forscher sind bisher nicht viele nachgewachsen. Ganz schlimm ist das Thema Qualzucht ja bei dieser neuen Mode der Hundeverzwergung: den Tea Cup Dogs. Die kannst du gar nicht mehr richtig auf Kinder oder Artgenossen sozialisieren.

Wieso nicht?

Alleine körperlich: Die kannst du doch mit keinen anderen Hunden spielen ­lassen. Die Knochen könnte doch selbst ein tollpatschiger Chihuahua brechen. Aber auch mit anderen Menschen geht das kaum: Nimm beispielsweise mal ­Kinder. Wie willst du denen erklären, dass sie mit dem Hund vorsichtiger spielen sollen als mit einer Porzellanpuppe?

Was ist denn das Hauptproblem bei der Zucht?

Meist ist es die viel zu kleine Population, der allseits bekannte genetische Flaschenhals. Daraus ergeben sich die meisten Degenerationserscheinungen und Krankheitsbilder. Das können auch charakterliche Auffälligkeiten sein, wie extreme Unsicherheit, Panik und Angstaggression.

Aber es gibt doch auch eine Gegenbewegung. Immer mehr setzen auf Retro-Zucht …

Ja klar, einigen ist es damit auch ernst. Aber viele wittern hier nur das nächste lukrative Geschäft. Auch diese ­Retro-Zucht verkommt bei einigen Züchtern zum Etikettenschwindel.

Du sprichst ja häufig im Zusammenhang mit Hunden über Rudel. Doch streng genommen ist der Begriff doch bei Hunden falsch, oder?

Ganz wissenschaftlich korrekt ist der Begriff Rudel ein wenig schwammig. Dennoch ist ein Rudel zunächst einmal laut Definition vieler Wissenschaftler wie beispielsweise Marc Bekoff eine Gruppe von Individuen, die gemeinsam wandert, schläft, ruht, nach Futter sucht oder jagt. Das passt also!

Günther Bloch und Rico
Foto: Ira Prettycloud
Und was macht dann eine gute „Rudelführung“ aus?

An erster Stelle steht da immer, einen Führungsanspruch und Verantwortung übernehmen. Im kollektiven Sinne für die Gruppe, aber auch individuell für jedes Mitglied. Ich muss Schutz und Geborgenheit bieten. Das ist formale ­Dominanz im richtig verstandenen Sinne.

Du hast in deinen Vorträgen Rudelführung des öfteren mit Moderation verglichen. Wie meintest du das?

Genau wie u.a. ein guter Moderator bei einem Gespräch ausgleichend wirkt, den Schüchternen öfter anspricht, den Übermütigen öfter bremst, so muss auch ein „Rudelführer“ ausgleichend wirken. Damit keine Spitzen aufkommen und Situationen eskalieren. Kurz gesagt: Er muss für Ruhe und Ordnung sorgen, für Berechenbarkeit und Einschätzbar­keit.

Du sprachst ja schon Modeerscheinun­gen in der Hundeszene an. Derzeit hört man auch immer öfter den Begriff ­„Problemhund“ oder Ähnliches. Du selber hast dem in deinem Buch „Der Mensch-Hund-Code“ ein Kapitel gewidmet. Ist das auch so eine Modeerscheinung?

Oh ja! Und sogar eine sehr schlimme! Denn damit lässt sich trefflich Geld verdienen. Streng genommen gibt es nämlich kaum Problemhunde. Der Hund hat beispielsweise kein Problem damit, wenn er einem Hasen nachjagt. Selbst wenn er aggressiv gestimmt ist, hat der Hund damit absolut kein Problem. Das ist für ihn sogar völlig normal! Hunde sind eben authentisch und kommunizieren auch aggressiv-gestimmt. Aber schnell werden solche biologisch sinnvollen Verhaltenstendenzen als Problem dargestellt. Und was braucht man dann? Eine Therapie! Und die lässt sich wunderbar verkaufen, wenn man den Leuten einredet, sie hätten einen Problemhund.



Aber es gibt doch Hunde mit Ver­haltensauffälligkeiten …

Ja, aber in vielen Fällen kommen die Leute oftmals mit dem eigenen ­Leben nicht mehr klar und stülpen ihre eigenen Unfähigkeiten auf den Hund. Daher bin ich ja auch für eine Sach­kundeprüfung für Hundehalter VOR dem Anschaffen eines Hundes. Und der Beruf des Hundetrainers sollte ein ­Lehrberuf werden – mit Theorie und Praxis.

Bei den vielen Denk- und Schulrichtungen, was Hundeerziehung angeht, wird das aber schwierig. Die haben sich doch schon untereinander immer in den Haaren bzw. im Fell. Wie willst du das realisieren?

Es müsste ein gewisser Grundkanon vermittelt werden. Der besteht eigentlich aus nur zwei Grundrichtungen: Erstens, dem verhaltenstherapeutisch-medizinischen Ansatz und zweitens, dem verhaltensbiologischen Ansatz, einschließlich genauer Kenntnisse zum hundlichen Ausdrucksverhalten. Die müssten beide gelehrt werden, damit alle Trainer ein einheitliches Rüstzeug hätten. Danach kann ja jeder sich spezialisieren. Das ist bei anderen Lehrberufen wie Schreiner, Kaufmann oder andere auch nicht anders. Und da sollte es auch keine Ausnahmen geben, wie jetzt.

Welche meinst du?

Na, die Hunde-Vereine, die bisher von der Regelung nach § 11 des Tierschutzgesetzes befreit sind und keine extra Erlaubnis brauchen, um Hunde zu trainieren. Nimm nur diejenigen, die oft noch mit ihren veralteten Methoden nach wie vor machen, was sie wollen. Viele davon sind sogar tierschutz­relevant, insofern macht die Ausnahme sogar keinen Sinn! Und wieso sind Tierärzte eigentlich in einer bevorzugten Position?

Und woran scheitert das deiner Ansicht nach?

Ach, vielen geht es doch gar nicht um den Hund, sondern nur ums Recht-­haben! Und oftmals ums eigene Portemonnaie! Das Ganze ist ja mittlerweile eine richtige Industrie geworden. Zu meiner Zeit als Kind gab es kaum Hundeschulen. Das Konkurrenzdenken ist bei vielen dermaßen groß und das Niveau so niedrig, dass sie sich den ganzen Tag lieber mit Diffamierungen und Verleumdungen beschäftigen als mit ihrem eigentlichen „angeblichen“ Beruf, dem des Hundetrainers. Und wer forscht noch? Zum Vergleich: Ich habe stets 25% meines Umsatzes für selbst finanzierte Freilandforschungsprojekte ausgegeben.

Günther Bloch hat viel Interessantes zu berichten: über Hunde, aber auch über die Hundeszene...
Foto: Ira Prettyclud

Sind das die Leute, die du in deinem Buch „Der Mensch-Hund-Code“ als Scharlatane bezeichnest?

Genau die meine ich! Die Idee kam mir zusammen mit einer Humanpsychologin. Wir wollten den Haltern ein gewisses Rüstzeug mitgeben, ihnen erklären, wie diese „antisozialen“ Personen denken und agieren. So wie ein psychologischer Kompass. Damit sie besser informiert sind, wie solche Leute halt ticken, und so nicht so leicht über den Leisten gezogen werden können.

Denn die Zeiten haben sich geändert: heute heißt es nicht mehr „im Zweifel für den Angeklagten“. In der Hundeszene gibt es derzeit so viele „antisoziale“ Auswüchse, dass man heutzutage besser zu vorsichtig ist und im Zweifel halt auch gegen den Angeklagten. Denn wir haben ja die Verantwortung für unsere Hunde, also müssen wir sie auch vor solchen Leuten beschützen. Aber auch uns selber, denn wenn der Halter verwirrt ist, ist es der Hund auch …


Du meinst wegen der Stimmungsübertragung?

Absolut! Ein Hund spürt das sofort und reagiert darauf. Und diese Leute machen die Halter auch verrückt. Viele sind absolut egoistisch, rücksichtslos, mit maximaler Profitorientierung und verfolgen einen rigorosen Plan. Den haben die meisten Hundehalter aber nicht, weswegen sie ihnen gegenüber schon im Nachteil sind. Die Halter sollten den Glauben ablegen, dass alle „Hundemenschen“ oder solche, die sich dafür ausgeben, ihnen nur was Gutes wollen. Dem ist nicht so.



Und was wünschst du dir von den ­Haltern? Da gibt es doch sicher auch was zu kritisieren?

Klar! Dass sie sich besser informieren! Am besten aus mehreren Quellen und VOR dem Hundekauf. Wir bieten beispielsweise seit 40 Jahren auf der Hundefarm Eifel eine kostenlose Beratung an. Doch die wird so gut wie kaum nachgefragt …

Doch am meisten wünschte ich mir, dass sie mehr beziehungsrelevante (!) Zeit mit ihrem Hund verbringen. Und nicht dabei noch am Handy hängen oder im Internet surfen. Der Hund ist unser Bindeglied zur Natur. Das sollten wir nutzen und genießen. Außerdem sollten Halter ihre Hunde genau beobachten. Aber auch das ganze Drumherum. Hunde sind sehr gute Lehrmeister!



Anmk: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 09/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Was ist ein "Hunde-Interview"?.


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