Donnerstag, 16. Juni 2016

[Interview] Das sagen verschiedene Hundetrainer zur Erlaubnispflicht nach §11 Tierschutzgesetz

Das folgende Interview stellt in mehrererleih Hinsicht etwas besonderes dar. Ich glaub ich habe noch nie so lange an einem Interview gearbeitet (wenn auch nicht an einem Stück) wie an diesem. Als Journalist hätte ich wohl schon zu Anfang das Interview professionell nett aber unwahr abgesagt, als Blogger wohl wenig später genervt mich anderen Themen gewidmet, doch als Hundehalter war ich zu wissbegierig. Noch nie gab es schon im Vorfeld so viel Austausch. Mehr als einmal wich ich auch von journalistischen Kriterien und Standards ab, ging Kompromisse ein - aber hey, es ist unser persönlicher Blog und mir ging es in erster Linie um den Wissensgewinn. Und den bekam ich gleich auch in mehrerer Hinsicht geliefert.

Schon des Öfteren bot ich ja unseren Blog als neutrale Plattform an, so beispielsweise beim Projekt "Hunde-Schweiz" um die verschieden Trainingsrichtungen mal zusammen zu bringen. Außerdem empfehlen wir ja eh immer wieder, sich aus mehreren Quellen zu informieren, so auch bei unseren Buchvorstellungen. Man muss ja schließlich mehrere Seiten hören und lesen um sich ein annäherndes Bild machen zu können. Denn wie heißt es noch so schön: Eine Medaille hat immer 2 Seiten - und ich ergänze oft noch: Und zusätzlich einen Rand.

Schon damals war deshalb angedacht auch Hundetrainer zum Thema Erlaubnispflicht nach §11 Tierschutzgesetz (TierSchG) zu interviewen. Daher freute ich mich sehr, als sich einige Hundetrainer bei mir meldeten, wegen des Interviews mit dem Leiter des Veterinäramtes Düsseldorf, Klaus Meyer. Die meisten mit Kritik - manche davon berechtigt, viele davon eher unsachlich, unlogisch, ja zuweilen sogar niedlich (wenn das Thema nicht so ernst wäre). Dennoch freute ich mich über JEDEN. Ja ich weiß, kommt einigen komisch vor - ist aber so bei Medienmenschen (und nach über 20 Jahren kann ich nicht aus meiner Haut). Denn das zeigte mir, dass ich das richtige Thema aufgegriffen hatte. Und ich verstand sogar die Entrüstung und auch Unsachlichkeit von einigen. Ging und geht es doch bei vielen Hundetrainern um ihre Existenz.

Es war daher nicht einfach, allen klar zu machen, dass ich zwar Verständnis habe, aber nicht deren Sprachrohr bin. Und schon mal gar nicht ihr Lobbyist! Wenn überhaupt sehe ich mich eher als Vertreter der Hundehalter! Die kommen mir bei den meisten Diskussionen eh zu kurz...aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls gab es einen Erkenntnisgewinn, der so nicht vorgesehen war: Denn wegen des ganzen Heckmecks zog sich das Interview in die Länge (okay, ich konnte auch nicht jeden Tag da mitdiskutieren, schließlich bezahlt der Blog ja nicht unsere Miete etc.). Im Nachhinein vermute ich aber, dass man das hinauszögern wollte. Warum? Nun, die Vermutung liegt nahe, denn als dann endlich die Fragen fertig waren, von allen akzeptiert, ja schon seit mindestens 2 Wochen in deren Mail-Postfächern lagen, da regte sich eine kleine skurrile Minderheit auf und stellte wieder alles in Frage. Seltsamerweise schrieb mich einen Abend zuvor einer der "Redelsführer" sogar an und schrieb mir, dass er die Fragen soweit fertig beantwortet hat. Einen Tag später war dann alles wieder Mist - doch diese andere Meinung äußerte er gegenüber anderen Interviewpartnern. Nun, ich war in dieser Diskussion nicht involviert, aber einige die zu dieser Gruppe gehörten waren selber überrascht über den plötzlichen Stimmungsumschwung ihrer Kollegen - was ja nur logisch und verständlich ist, war doch nur wenige Stunden zuvor noch alles in Ordnung. 

Dabei kam dann heraus, dass sie doch gar nicht so sehr was gegen die Fragen und das Interview haben. Ja einige gaben sogar zu, dass sie nicht mal was gegen mich persönlich oder unseren Blog haben. ABER: Da einige gewisse Hundeunternehmen in und um Düsseldorf nicht wollen, dass wir "mehr Publicity" bekommen (schon der Gedankengang ist ein Witz, da WIR doch wegen unserer Reichweite ja angesprochen wurden, da so mehr "Publicity" erreicht würde und alleine von der Leseranzahl her nicht die Publicity durch einzelne Hundetrainer brauchen - aber naja, manche eindimensionale Charaktere müssen sich wohl wichtig nehmen um ihre Komplexe zu kompensieren), wollten sie jetzt doch nicht mehr mitmachen. Dass sie damit die eigene Sache verraten, wegen mehr als moralisch zweifelhaften Seilschaften ihre Kollegen und auch übergeordnete Interessen im Stich lassen, war wohl sekundär. Bei einigen scheint auch eine gewissen Abhängigkeit eine Rolle gespielt zu haben. Wirklich Schade! Vor allem für den Berufstand der Hundetrainer. Und so sinnlos. Denn ihre Absicht, uns zu schaden, lief ins Leere! Vielmehr schadeten sie damit ihren Kollegen und der gemeinsamen Sache.  Ja, und irgendwie schadeten sie damit auch sich selber, denn mit ihren Lästereien vergraulten sie zahlreiche Leute, meist diejenigen, die sie gern als Kunden gehabt hätten, weil zahlungskräftiger und gebildeter (einige Hundetrainer hatten mich ja genau deswegen schon früher mal kontaktiert, weil ich ihnen dabei behilflich sein sollte, solche Kunden zu gewinnen); zurück blieben dann mehrheitlich die Kunden, über deren Ungebildetheit und mangelnde Zahlungskraft sie sich so gern beschweren und ablästern, wenn diese nicht dabei sind.

Diejeingen, bei denen sie uns diffamiert haben, gehören eh nicht zu unseren Zielkunden - einen wirtschaftlicher Schaden konnten sie also somit nicht erreichen. Im Gegenteil: So entlarvten sich auch einige Störer. Arbeitstechnisch war es sogar eine Erleichterung, da wir nun statt über 15 Interviews nur 4 auswerten mussten. Dafür stellen die Hundetrainer, die sich den Fragen gestellt haben, nicht ihre persönlichen Interessen und Animositäten vor einer größeren Sache. Im Gegenteil, ich weiß, dass der ein oder andere, der bei unserem Interview mitgemacht hat, nicht gerade ein Fan unseres Blogs ist. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor den Interviewpartnern für ihre Teilnahme! Ihnen gebührt größter Respekt, da sie sich so für die Sache der Hundetrainer einsetzen!

Sie alle haben nicht nur mehrjährige Erfahrung, sondern auch mehrere Referenzen vorzuweisen. Sie alle haben nicht prinzipiell etwas gegen die Erlaubnispflicht. Aber sie stellen wie ich finde, durchaus berechtigte Fragen zur Ausführung und äußern auch Kritik. Einige haben selber schon Trainer ausgebildet, die die Erlaubnis bekamen, sie selber jedoch nicht... Das findet ihr unlogisch? Nun, lest selber das Interview und bildet euch eure eigene Meinung!

Interviewpartner:
 


Unseren Standpunkt kennt ihr ja: Einen Hunde-Führerschein für ALLE Hundebseitzer VOR der Anschaffung! Und Hundetrainer sollte ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf sein!
Foto: Der Papagraf

Was ist eurer Meinung nach das Kernproblem bei der Umsetzung des §11?

Lothar Schneider: Das nicht ausreichend sach- und fachkundige Veterinäre Sachkunde beurteilen müssen. Außerdem vermute ich, dass in einzelnen Landkreisen durchaus persönliche Belange der Veterinäre mit reinspielen hinsichtlich Bereinigung der Anzahl der Hundeschulen um einigen wenigen ein besseres Auskommen ermöglichen zu können. Außerdem der nicht professionelle Abstand der Veterinäre zu dem Thema.

Heike Beuse: Der Fokus kommt aus einer ganz bestimmten Richtung und wird auch in eine ganz bestimmte Richtung geleitet. Es ist viel im Argen, ob nun bei der theoretischen Überprüfung, oder der Überprüfung durch Kolleginnen/Kollegen. Die Überprüfung hat nichts mit einem Mindestmaß an Sachkunde zu tun. Es wird viel zu sehr in die Veterinärrichtung verlangt. Letztendlich birgt auch dies noch nicht geahnte Probleme, das werden wir, bzw. die Hunde und ihre Halter, dann in ein paar Jahren ausbügeln müssen.

Ixe Schäfer: Das die Ämter eigentlich gar nicht genau wissen, was sie wie machen sollen. Mein Vet. Amt beispielsweise sagt, dass sie keine Ahnung haben, was als „ausreichende Fachkenntnis“ gelten kann. Andere Ämter ziehen ihren Stiefel gradlinig durch, ohne Rücksicht auf Verluste.
Ich glaube, da wurde ein Gesetz aus der Hüfte geschossen, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Soviel ich weiß wurde das in Absprache von Veterinärmediziner und den Tierärztekammern beschlossen. Für mich purer Lobbyismus, der ihnen zu einem Machtmonopol verhilft.


Bevor die Erlaubnispflicht durch die Veterinärämter eingeführt wurde, riefen viele Hundetrainer nach einer Kontrolle von Hundeschulen. Warum sind jetzt so viele gegen die Erlaubnis nach §11 des Tierschutzgesetzes?

Lothar: Weil die Umsetzung nicht einheitlich geregelt und durchgeführt sondern je nach Gemütslage und Vitamin B der Veterinäre durchgeführt wird.

Mona Göbel: Die Umsetzung ist mehr als fragwürdig! Sie ist unüberlegt, willkürlich und in vielen Fällen unmenschlich!

Ixe: Weil die Ämter anscheinend willkürlich entscheiden, wer eine Zulassung erhält. Die Umsetzung ist nicht nur ungerecht sondern vernichtet auch komplette Existenzen. Zudem wurde das Gesetz zum Schutz des Hundes geschaffen, was bei den Überprüfungen keine Rolle mehr spielt. Laut der AVV soll der Trainer ein Mindestmaß an Sachkunde belegen, was die meisten können. Dennoch sollen sie sich einer dreiteiligen Prüfung unterziehen, die zwischen 100 und 1000 Euro kosten kann. Die Kosten erfährt man erst nach der Prüfung.
Dann sind kaum Ämter in der Lage, die fachliche Kompetenz der Trainer überhaupt zu prüfen. Wie auch, war ja nie ihre Aufgabe. Dadurch werden externe (angebliche ) Sachverständige hinzu geholt. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Tierärzte, die besten Falls einen Kurs in Sachen Verhaltensanalyse bei Tieren belegten. Das bedeutet aber nicht, dass sie die Aufgaben eines Hundetrainers beurteilen können.
Was dabei gänzlich ungerecht ist, wenn es um den Schutz der Hunde geht (Tierschutz(!)Gesetz), dass Vereinstrainer sich der Überprüfung nicht stellen brauchen. Nur gewerblich arbeitende Personen.

Heike: Ich denke sie sind nicht gegen die Erlaubnispflicht, sondern eher gegen die Art und Weise der ungerechten Umsetzung.


Es gibt ja bekanntlich viele Wege, einem Mensch-Hund-Team zu helfen, es zu beraten. Methodik spielte bisher immer eine wichtige Rolle bei der Übereinkunft der Hundetrainer, ein gemeinsames Berufsbild zu kreieren. Glaubt ihr, dass es notwendig wäre, den Beruf des Hundetrainers zu einer staatlich anerkannten Ausbildung zu machen?

Mona: JA! Aber – Methodenfrei!

Heike: Ich denke das dürfte schwierig werden. Wenn, müssten ja jedwede Methoden einbezogen werden. Auch müsste es meiner Meinung nach eine Basisausbildung sein, mit der man sich für weitere Zweige qualifizieren kann.

Lothar: Zu allererst sollten wir festhalten: Hundetrainer ist ja noch kein Beruf. Und genau da müssen wir hin. Aber nicht auf Kosten der Tiere! Nicht zu Gunsten einiger wenige Geldmacher, die sich damit eine goldene Nase verdienen in einem ihnen berufsfremden Bereich Vorschriften zu machen. Nicht mit völlig veraltetem Wissen und nicht völlig eingerostet und so festgefahren, dass man immer wieder mit Kunden die Problematik hat, sie aus dem Mittelalter des Hundetrainings in die Neuzeit abzuholen. Nicht zu Gunsten einer Tierärtzelobby, die einfach dringend neue Beschäftigung sucht.


Bei dem Paragraphen soll es ja eigentlich um den Schutz des Hundes gehen. Sicherlich sind auch euch die unfeinen Methoden einiger Trainer bekannt. Eigentlich sollen doch genau die mit der Überprüfung gefunden werden. Hättet ihr ein oder zwei Vorschläge, wie man diese herausfiltern kann?

Mona: Aber natürlich! Überprüfung vor Ort unter realistischen Bedingungen! Ich wäre jederzeit bereit, auch eine unangekündigte Überprüfung durchführen zu lassen, da ich sicher bin, dass ich diese jederzeit auch bestehen würde! Jedoch sieht der Paragraph leider nur vor, dass gewerbsmäßig tätige Hundeerzieher/Hundeausbilder überprüft werden. Wer garantiert den Schutz des Hundes in den vielen Hundevereinen?

Lothar: Genau, mit mehr Stichpunktartige Kontrollen. Konkrete Vorgaben und Gesetzte was nicht erlaubt ist und die sind dann auch mit höheren Strafen als bisher zu belegen. Ist der Hundetrainer erst ein Beruf, kann dann auch ein Berufsverbot ausgesprochen werden. Das ist derzeit nur für das Gewerbe möglich. Aber das kann man umgehen: Also Gewerbe zumachen, ein neues eröffnen und Thema wieder gut...


Viele Hundetrainer haben gar kein Problem mit der Erlaubnispflicht nach §11 des Tierschutzgesetzes. Wie erklärt ihr euch diese unterschiedliche Einschätzung?

Lothar: Genau das ist ja die Problematik mit dem „Bundeseinheitlich nicht geregelt“. Ich nehme als Beispiel mich selbst und einige meiner ehemaligen Teamkollegen des Hundetrainerteam Deutschlands. Mehrere Kollegen haben in einem anderen Landkreis ihre Genehmigungen bekommen, wenn auch nur befristet. Aber sie haben die Genehmigungen. Gleiche Ausbildung, gleiche Inhalte, gleicher Zeitumfang, Auch Prüfer mit Tierärztekammer (TÄK) Zertifizierung dabei. Kein Problem.
Die Unterschiedliche Einschätzung der einzelnen Landkreise liegt darin, dass es keine einheitliche Regelung gibt. Es sind Hinweise und Vorschläge wie verfahren werden kann. Aber die Vorgaben des Bundes sind Empfehlungen, keine Weisung.

Ixe: Man muss ja nur die Prüfung machen und bestehen. Das kann theoretisch jeder Hundebesitzer, der einigermaßen Plan von Hunden hat.

Mona: Wenn ich nicht möchte, dass jemand weiss, wie ich wirklich arbeite und was ich im echten Arbeitsleben tue – dann gehe ich zur IHK oder zur TÄK – zahle den Preis, lerne vorher ein wenig, bestehe die Prüfung und tue danach… einfach was ich will.
Viele Kollegen hatten in ihrem Landkreis den Vorteil eines Amtes, das für eine Erlaubniserteilung das getan hat, was wir alle uns wünschen: Vorliegende Qualifikationen überprüfen (hierzu gehören auch die Jahre der Tätigkeit), Erlaubnis aussprechen oder eventuell vorhandene Defizite überprüfen. Hier hätte ich auch keinerlei Probleme!


Viele Hundetrainer kritisieren, dass Tierärzte kein so fundiertes Wissen hätten über das Verhalten von Hunden, und sie daher die Prüfung nicht abnehmen könnten. Andere Hundetrainer werden als Prüfer aber auch abgelehnt, weil diese ja Konkurrenten sind. Von wem möchtet ihr dann geprüft werden?

Ixe: Ich wurde von meinem Ausbilder Jan Nijboer bereits geprüft und habe meine Ausbildung, immerhin 2 Jahre, mit „sehr gut“ abgeschlossen. Zudem kann ich zahlreiche Fort- und Weiterbildungen nachweisen. Und das nicht nur in Hundetraining sondern auch im Umgang mit Kunden, Kommunikation mit Menschen, Reflexion und Supervision. Ich meine damit, dass ich mich persönlich weiterbilde, um den Kunden gerecht werden zu können. Das sollte genügen.

Heike: Ich finde grundsätzlich sollte jeder Amtstierarzt in der Lage sein zu beurteilen, ob ein tierschutzrelevanter Umgang mit dem Hund vorliegt oder nicht. Genau darum sollte es meiner Meinung nach gehen.

Lothar: Fachkundig zu sein als Prüfer ist schwer, wenn es nicht einheitlich, eindeutig und zweifelsfrei geregelt ist. Aber um geprüft zu werden muss nicht nur die Sachkunde, sondern auch betriebliche Belange mit ins Kalkül gezogen werden.
Ich persönlich habe kein Problem von einem anderen Hundetrainer geprüft zu werden, solange wir keine Überschneidungen hinsichtlich unseres Vertriebsgebietes haben, um überhaupt eine faire Beurteilung zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass es Prüfer sein müssen, die sich in allen Bereichen mehr als ausreichend auskennen und auch Synergien der einzelnen Trainingsschema anerkennen, und nicht nach Schema F nur eine Ausbildungs-/Trainingsmethode anerkennen.

Mona: Es geht um Tierschutz! Das sollte ein Amts-Veterinär schaffen können!


Was könnte man eurer Meinung nach besser machen als bei der jetzigen Erlaubnispflicht?

Heike: Eine reale Sichtung bei der Arbeit mit Hund und Halter und eine einheitliche Umsetzung.

Lothar: Das gesamte Prozedere sofort stoppen und nochmals von vorne. Aber dieses Mal nicht übers Knie gebrochen. Außerdem den Beruf etablieren und entsprechende Gesetze dazu machen. Und so eine bundeseinheitliche Regelung und Weisungbefugnis schaffen.

Ixe: Es gibt einige private Institute, die fachlich Kompetente Trainer ausbilden. Jeder, der einen Abschluss hat, sollte grundsätzlich erst einmal seine Anerkennung erhalten. Stellt sich die Frage nach Tierschutzrelevanter Praxis, können die Amts Vets das eigenständig, wenn sie den Unterricht eines Trainers in Augenschein nehmen. Allerdings werden sie so die schwarzen Schafe nicht finden.
Ein Bestandsschutz sollte beachtet werden. Einige meiner Kollegen sind bereits am Markt, da gab es noch gar keine Ausbildungsmöglichkeiten. Sie leisten hervorragende Arbeit, zum Wohle von Mensch und Hund. Wer seit über 10 Jahren niemals auffällig geworden ist, braucht sich keiner Prüfung zu unterziehen.
Wollen die Ämter tatsächlich die „üblen“ Trainer ausfindig machen, müssten sie unangekündigte Unterrichtsbesuche machen.

Mona: Erstens sollte man sich auch die Vereine, die bisher vom § 11 ausgenommen sind, sehr genau ansehen! Und Zweitens sollten Fachgespräche unter realen Bedingungen vor Ort durchgeführt werden!


Im Interview mit dem Amtsleiter des Veterinäramtes Düsseldorf, Herrn Meyer; gab es Äußerungen, die Sie irritiert haben. Welche waren das? Und was störte euch daran?

Ixe: Das einzige, was ich fragwürdig fand war die Aussage, dass diejenigen, die nicht zur Prüfung gehen, anscheinend kein sauberes Führungszeugnis vorlegen können. Das ist eine unverschämte Behauptung, wie ich finde.
Ansonsten fand ich es gut, dass sich überhaupt mal ein Amtsmann dazu geäußert hat.

Mona: „Da ist die Frage erlaubt, ob eventuell andere Voraussetzungen nicht erfüllt werden. So muss beispielsweise auch ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden. Möglich, dass das nicht ganz „sauber“ ist und man daher keinen Antrag stellt... dann ist das Nörgeln zwar unfair, aber menschlich.“ Diese Aussage hat mich massiv gestört!
Es macht mich mehr als betroffen meine eigene Geschichte seit nunmehr fast zwei Jahren zu erleben und kommende Woche vor Gericht zu sitzen, ohne dass ich mir jemals etwas hätte zuschulden kommen lassen. Es macht mich noch mehr betroffen, wenn Kollegen/innen aufgeben weil sie nicht mehr können (finanziell, körperlich oder auch psychisch) oder eine Tätigkeitsuntersagung haben, die dafür sorgt, dass sie in HARTZ IV landen oder noch schlimmeres!



Donnerstag, 9. Juni 2016

Meine Geschichte bevor ich meinen Menschenpartner traf... (Teil 1)

Am 9. Juni 2012 kamen ich und meine Geschwister zur Welt. Damit bin ich nun 4 Jahre alt - also erwachsen. *schwanzwedel* Naja, zumindest biologisch. *frechschau* Die meiste Zeit davon verbrachte ich mit meinem 2-beinigem Cerebral-Interface Maximilian. Mein menschlicher Partner zeigte mir erst die Welt. Denn, wie viele von euch ja wissen, wuchs ich die ersten 11 Wochen in einem Keller auf. Das war die ganze Welt, wie ich sie kannte. Bis ich dann meinen Maximilian traf. Wenn auch nicht alle, so doch viele unserer gemeinsamen Erlebnisse könnt ihr ja hier in unserem Blog lesen, den wir etwa 1 Jahr nachdem wir zusammen trafen gestartet haben.

Aber was vorher war, das kam bisher immer zu kurz. Nur ab und an konnten wir das ein oder andere Detail hier wuffen. Grund genug also mal zurück zu schauen. Und so startet heute eine Mini-Serie in unserem Blog: Meine Geschichte bis zu dem Tag als ich auf meinen Menschenpartner traf (klar, die Fotos sind nicht aus dieser Zeit, sondern aus unseren ersten gemeinsamen Tagen und meinen ersten Erlebnissen im Freien - so sind es fast 2 Geschichten: in Worten bevor ich meinen Menschenpartner traf, in Bildern die ersten Tage).


Hier war ich gerade mal 13 Wochen alt...


Meine Geschichte bevor ich meinen Menschenpartner traf...


Ganz schön eng hier...ohrüde (Menschensprache: ohmann), ist das unbequem...was ist denn los? und was drückt mich da von Hinten? Und plötzlich wurde es etwas heller...mein Kopf fühlte sich etwas kühler an, als mein Körper... Etwas fasste mich an, zog ganz sanft an mir...und mit einem Schwupps flutsche ich aus irgendwas raus...

Puh, war das anstrengend... Sogleich spürte ich etwas warmes, nasses an mir. Eine Zunge. Liebevoll strich sie über meinen Körper, leckte die Reste meiner Geburt von mir. Ich sog sogleich den Geruch auf. Meine Mutter! Sehen konnte ich sie nicht. Meine Augen waren noch geschlossen. Damals dachte ich noch: Das wäre normal und würde so bleiben...

Hinten an mir bewegte sich etwas heftig. Immer hin und her...und da war so ein schönes Gefühl dabei... Es war meine Rute, die zum ersten Mal in meinem Leben wedelte! *heftigschwanzwedel* Denn ich empfand Freude bei dem Geruch meiner Mutter und dem Abschlecken durch sie.

Rüde (Menschensprache: Man), so 'ne Geburt schlaucht ganz schön. Das haut den stärksten Baby-Molosser um! Ich war ganz schön hungrig. Daher begab ich mich sogleich auf die Suche nach was Essbarem. Denn das Luxusleben mit Frei-Haus-Futter-Lieferservice war ja seit dem Durchtrennen meiner Nabelschnur zu Ende. *ohrennachvorn* Aber meine Instinkte, meine Nase wiesen mir den Weg und ein paar hilfreiche Stupser meiner Mutter korrigierten meine ersten tabsigen Schrittchen.

So fand ich den Weg... Und da wartete schon das erste Abenteuer in der neuen Welt. Denn meine vor mir auf die Welt gekommenen Geschwister drängten sich schon an den Bauch unserer Mutter. Dort waren ihre Zitzen, an denen wir uns laben und von der anstrengenden Geburt auch stärken können. Aber erst mal an eine ran kommen! Und so warf ich mich in das Gewühl meiner Geschwister: drängte hier, drückte dort. Aber irgendwann hatte ich es geschafft und eine Zitze ergattert! Gierig sog ich die Milch daraus auf. 

Als ich fertig war, leckte meine Mutter mir den Bauch. Das tat gut, war echt angenehm...und half mir beim Verdauen... *rülps* 

Nachdem ich mich gestärkt hatte, war ich echt geschafft. *seufz* So viel war schon geschehen, seit ich auf die Welt gekommen war: die Geburt, das Kennenlernen meiner Mutter und ihrer Zunge, die Rangelei mit meinen Geschwistern, da Milchtrinken... *amohrkratz* Und erst die vielen Gerüche...sogleich füllte sich meine Geruchsdatenbank. An ersten Stelle stand da natürlich der Geruch meiner Mutter...

Da gibt es noch soooooo viel zu erschnüffeln...
Kein Wunder, dass ich da sehr müde war. *gäääähn* Aber ich wollte noch nicht schlafen. *schüttel* Ich war doch soeben erst auf die Welt gekommen - die wartete doch auf mich, wollte entdeckt werden. Und so saß ich dann da und nein ich schaute nicht in die Welt - das ging ja nicht, weil meine Augen geschossen waren. Aber ich konnte sie bereits riechen! Und so sog ich die Geruchsmoleküle der Umgebung auf. Etwas modrig, roch es, mit einer Brise Feuchtigkeit. Das war also die Welt!?! Na da bin ich ja gespannt! Aber war das schon alles? Irgend etwas fehlte doch...ich wusste nicht was, aber ich spürte es genau...in mir...denn eine Stimme in mir, ihr 2-Beiner nennt es wohl Instinkt, sagte mir, dass ich noch nicht ganz "komplett" bin...das da noch was fehlte, was mir die Welt zeigte...seine Welt...und ich sollte meine Welt zeigen...Aber was war das?

Mit diesen Gedanken und den ersten Eindrücken der Außenwelt schlief ich dann doch ein...erst sackte mein Kopf immer tiefer herab, dann kippte ich einfach um...


PS: Wird fortgesetzt! Im nächsten Teil erzähl ich euch von meinem ersten Zusammentreffen mit 2-Beinern - also: stay tuned! Bleibt mit der Nase dran! *schwanzwedelfreu*

Zeig mir die Welt!



Mittwoch, 8. Juni 2016

Unsicherheit ist der denkbar schlechteste Grund sich einen Hund anzuschaffen

Das riecht aber komisch...den kenne ich nicht...gefressen hat er Fertigfutter...und offenbar hält er sich für ganz toll... Woher ich das weiß? Na seine "Nachricht" war ja deutlich genug und wir Hunde können ja auch Stimmungen riechen. Aber vielleicht ist es ja nur ein "Besuchshund", wie ich sie gerne nenne. Davon begegnen uns ja immer wieder welche, eben Hunde, die mit ihren Haltern in die Altstadt kommen...zum Spazieren, zum Shoppen oder auch nur ein Getränk in einen der zahlreichen Bars und Cafés zu sich zu nehmen. Aber halt, nur ein paar Meter weiter, wieder einer seiner P-Mails... Also markiert er hier sein Revier! Kein Besuchshund. *brummm*

Der Geruch ist neu... *schwanzwedel*

Und dann sah ich ihn auch schon. Den Schäferhund, von dem euch ja mein 2-Beiner in seiner Kolumne in der WUFF berichtet hat. Der Schäfi versucht gleich mir zu imponieren. *brummmm* Steif steht er da. Fixiert mich. Na gut, Alter, DAS kann ich auch: Ich also etwas steifer, mit gestreckten Beinen und erhobenem Kopf. Weiter kam ich nicht, denn schon beim Sträuben der ersten 10 Nackenhaare begann der Schäfi zu bellen. *grrrr*

Ich hörte noch das "NEIN!" meines 2-Beiners, aber da sich der Schäfi in die Leine warf, sprang ich während mein 2-Beiner das Wort aussprach auch nach vorn und wuffte mal zurück. *grrrrwoaffwoaff* Die Halterin hatte sichtlich Mühe ihren Schäferhund zu halten. Sie wog ja selber kaum mehr als ihr Hund...nach menschlichen Maßstäben war sie wohl attraktiv, aber nicht so mein Geschmack (auch nicht so der meines 2-Beiners)...voll der Hungerhaken... Irgendwie erinnerte sie mich an Olivia aus den Popey-Zeichentrickfilmen (woher ich die kenne? Na mein Oller hat 'ne kleine Schwäche für so alte Zeichentrickfilme aus seiner Kindheit ;-) ). Entsprechend sprang ihr Hund auch mit ihr um - er interessierte sich gar nicht für den störenden und keifenden Bremsklotz am anderen Ende der Leine.

Wir trafen sie noch öfter, die Situation war immer ähnlich. Und so gewöhnte sie sich an, uns aus dem Weg zu gehen, wenn sie uns von Weitem sah. Bei anderen Hunden machte sie es auch so. Wie da - ohne Kontakt zu anderen Hunden - eine vernünftige Sozialisation stattfinden soll, kann wohl nur mit höchster Uncanilogik erklärt werden... *frechschau*

Aber auch andere neue Hunde in meinem Revier kamen hinzu. Die Mehrheit davon waren größere Kaliber - jedenfalls alle so über 25 Kilo. Ein Rotti, ein Dogo Argentino, eine Ridgeback-Dame und so mancher Mischling. Eigentlich 'ne gute Sache: So hab ich Spielkameraden in meiner Gewichtsklasse. Und dass mein menschliches Cerebral-Interface zwar alle Hunde mag, aber eine Schwäche für die größeren hat, ist ja offensichtlich. ;-) *schwanzwedel* Soweit die Theorie... Aber eine Aussage von einer Bekannten aus dem Viertel machte ihn recht stutzig: Sie hatte sich ihren größeren Hund auch "zur Sicherheit" angeschafft... *brummm*

Ihre Unsicherheit hatte ich sogleich erschnüffelt - das können wir Hunde nämlich. Und nun soll der Hund ihr die geben? *brummmschüttel* Dann erzählt sie noch, dass sie deswegen ihn zum Schutzhund trainieren will. Auweia... Und überhaupt, was hat das mit Partnerschaft und Freundschaft zu tun? Oder schickt ihr eure menschlichen Freunde auch vor, um euch zu beschützen? Ich glaub ich muss euch mal aufklären: Ihr müsst uns Hunde gar nicht zum Angriff treiben, uns "scharf machen" wie viele 2-Beiner es nennen. Also wirklich, ihr felllosen Primaten, reicht es nicht schon, was wir alles für euch sind? Müssen wir jetzt der Bodyguard für euch sein? Ich verrate euch mal was: Das sind wir Hunde sowieso! Wir würden euch bis aufs Blut verteidigen! Schließlich seid ihr das Zentrum unseres Universums! *jawohlwoaffwedel*

Ich will hier gar nicht auf die rechtliche Situation und die Konsequenzen eingehen. Das hat mein Cerebral-Interface Maximilian ja bereits in unserer Kolumne in der WUFF angesprochen. Ebenso auch, dass jeder Halter seinen Hund besser zurückhalten sollte. (Mein 2-Beiner beispielsweise sagt immer: "Besser ich bekomme Ärger, als mein Hund. Mich schläfert keiner ein.") Und zwar nicht nur aus juristischen Gründen! Genau dieser Punkt ist mir als Hund natürlich wichtig: Ihr seid unsere Partner! Ihr führt uns durch die zivilisierte Welt! Und als gute "Rudelführer" oder meinetwegen auch "Familienoberhaupt" (für all die, die ein ideologisches Problemchen mit dem Wort Rudelführung haben), ist es eure Pflicht UNS Hunden Sicherheit und Geborgenheit zu geben! Sich aus Unsicherheit einen Hund zu holen ist ein denkbar suboptimaler Grund! (Okay, es gibt wohl Ausnahmen: so hörten wir von Hunden für Kriegsveteranen in den USA, aber die sind dann auch speziell ausgebildet dafür.) Schon weil wir Hunde eure Stimmungen erschnüffeln und somit auch eure Unsicherheit wahrnehmen können. Wir erinnern uns noch an so 'ne skurrile Bekanntschaft, die war auch immer so ein Nervenbündel und ihre Hunde entsprechend angespannt (die Halterin gab natürlich den Hunden die Schuld) - kaum führte mein 2-Beiner die Hunde, beruhigten sie sich schnell (auch dafür gab sie ihnen die Schuld). Und fix überträgt sich diese Unsicherheit auf uns Hunde. Sowas nennen die Wissenschaftler unter euch felllosen Primaten dann Stimmungsübertragung.

Ich vertrau dir Partner!

Und was dieses Schutzhund-Training angeht. Das solltet ihr euch gaaaaanz genau überlegen. Vor allem solltet ihr euch vor schwarzen Schafen, die es nur auf das Geld abgesehen haben, hüten! Aber selbst wenn ihr an einen der wenigen seriösen (und auch menschlich erträglichen) Schutzhund-Trainern geratet, solltet ihr euch das gut überlegen. Nicht nur, weil in vielen Vereinen noch veraltete Methoden trainiert werden, die teils gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Sondern auch, weil so ein Training schon heftig und der körperliche Verschleiß enorm ist! Wir haben Hunde gesehen, deren Zähne durch das ständige Training am Beißarm völlig abgewetzt waren - im Alter von nichtmal 6 Jahren. Oder auch Verletzungen an der Wirbelsäule sind nicht selten durch das Herumwirbeln. Würdet ihr sowas auch mit euren menschlichen Familienangehörigen machen, damit sie euch dann im Ernstfall beschützen können? Wenn ihr schon irgendwelche Kampfübungen machen müsst, dann lieber so wie der Hund aus einer der Zeichentrick-Serien (heute sagt man Anime dazu, aber ich nehme mal das antiquierte Wort - meinem Cerebral-Interface zu Liebe) aus Maximilians Kindheit: Hong Kong Pfui. *schwanzwedelfreu*


 
Wir trafen die Schäfi-Halterin übrigens auch einmal ohne ihren Hund. Da sprach mein 2-Beiner sie drauf an. "Den habe ich Zuhause gelassen, da ich einkaufen gehen will und dann nur eine Hand frei habe", sagte sie. Auf den "dezenten" Hinweis meines Cerebral-Interfaces, dass sie ihn ja auch mit beiden Händen nicht wirklich unter Kontrolle hat und warum sie sich so einen Hund angeschafft habe, antwortete sie: "Na, weil der mich beschützen soll." Und als mein 2-Beiner sein übertriebenes Unschuldgesicht aufsetzte, ahnte ich schon was kommt (ich kenn doch meinen felllosen Primaten): "Mal 'ne rhetorische Denksport-Frage: Und wer beschützt den Hund vor Ihnen und ihrer Unsicherheit?"


PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (07+08/2016) "Partner oder Bodyguard? - Der falsch verstandene Beschützer"



Donnerstag, 2. Juni 2016

Im Gespräch mit Günther Bloch: Der international anerkannte Kynologe warnt - Vorsicht vor Scharlatanen!

Auf in die Eifel! Die ist ja so schon immer eine Hunderunde wert, aber an diesem Tag ganz besonders. Denn wir sollten nach einer kurzen Gassirunde an der Erft einen ganz herausragenden Hundemenschen kennen lernen und interviewen...

🐶 Und beschnüffeln! *schwanzwedel*

Jaja, und beschnüffeln, Rico. Jedenfalls gehört er zu den absoluten Hunde- und Wolfskoryphäen. Denn zu unseren Fellfreunden forscht der Kynologe und Autor Günther Bloch schon seit über 40 Jahren! Nicht nur hierzulande gilt er als Experte, seit Anfang der 90er forscht er über Wölfe in Kanada (der gebürtige Kölsche Jung kommt bei dem Land ganz ins Schwärmen, vor allem die dortige Natur hat es ihm angetan).




🐶 Ist ja klar, du als 2-Beiner achtest mal wieder mehr auf sein Wissen! Dabei war der auch in anderer Hinsicht ganz schnüffeltoll! *schwanzwedelfreu* Diese Ruhe und Souveränität, die er ausstrahlte. Und er wurde niemals zudringlich zu mir! Er drängte mir kein Streicheln oder sowas auf! Das war voll entspannt. Und erst sein Geruch! Der war dagegen pfotastisch spannend! Nach so vielen Hunden und auch nach Wölfen roch seine Jacke...

Ein echt wuffiger Typ: Günther Bloch
Foto: Ira Prettycloud

Ja, schon klar, ich glaub, jetzt hat es jeder Begriffen, dass du ganz begeistert von ihm warst, Rico. Und von seiner Jacke... :-)

🐶 Na hör mal, so wie der mich vor anderen 2-Beinern verteidigt hat... *schwanzwedel*

Ach du meinst, als du die Passanten angewufft hast? :-)

🐶 Naja, ich hab ja schon oft gemerkt, dass du dich beim Arbeiten veränderst, dass du dann fokussierter bist...da muss ich eben die Wache über die Umwelt übernehmen... *ohrennachvorn*

Also: Rico übernehmen Sie - das ist dann dein Motto. :-D Und genau dabei, während ich Günther interviewte, kamen diese Passanten und starrten dich an. Das hab ich aber, wie du richtig feststelltest, nicht bemerkt, da ich mich ja auf das Interview mit Günther konzentriert habe. Und als du dann losgebellt hast, habe ich mich auf dich konzentriert.

🐶 Ja, ich weiß. Dann sind dir andere Leute immer recht egal. Das find ich ja auch gut so. *anlehn*

Und da hat dann Günther sich eingemischt...

🐶 Eingemischt? Der ist abgegangen und hat mich vor den Leuten verteidigt mit den Worten: „Was machen Sie für nen Punk! Der Hund bellt, ja und? Sie sehen doch, dass der Halter ihn im Griff hat. Alles in bester Ordnung und kein Grund sich hier unnötigerweise massiv zu beschweren!“ Was starren die mich und euch auch so an. *brummm*

Ja, ich erinnere mich, erst da habe ich bemerkt, dass die sich so echauffiert hatten. :-D

🐶 Du findest das lustig? *augenbrauehoch*

**Der Mensch-Hund-Code
von Günther Bloch und Elli H. Radinger
Klar, denn was interessieren die mich? Du bist mir doch da wesentlich wichtiger. Aber lass uns zum Interview zurück kommen. Denn Günther hat zusammen mit der Autorin Elli H. Radinger das Buch **Der Mensch-Hund-Code: Selbstbewusst durch den Dschungel der Hundeszene aus dem KOSMOS Verlag geschrieben. Darin geht es hauptsächlich um 3 Säulen: die Beziehung zum Hund, das Wissen über Hunde und um die zunehmende Anzahl und die Methoden der Scharlatane in der Hundeszene (wir haben ja in unserer Rubrik Watchdog auch schon öfters davor gewarnt; die Kapitel zu den "Scharlatanen" hatten mich vor Kurzem sogar zu dem Beitrag in unserer Watchdog-Rubrik inspiriert: Die Front verläuft zwischen den anständigen und den "antisozialen" Hundemenschen). Vor Letzteren warnt Günther eindringlich. Und wir hatten die Gelegenheit ihn zum Buchinhalt zu befragen; bei schönem Wetter nach einem seiner Seminare stellte sich Günther auf der Terasse der Erftstube unseren Fragen.


Günther Bloch
Foto: Ira Prettycloud


Im Gespräch mit Günther Bloch


Du forschst ja schon fast eine Ewigkeit über Wölfe. Nun kritisieren ja einige, dass nicht alles vom Wolf auf dem Hund übertragbar ist. Wie stehst du zu dieser Kritik? Und wie viel kann man auf den Hund transferieren?
Ich forsche seit 1992 an frei lebenden Wölfen. Zum Thema Vergleich: Denn wollten wir es richtig machen, müssten wir jede einzelne Hunderasse mit dem Wolf vergleichen um zu präzisen Ergebnissen zu kommen. Ansonsten sprechen wir von Basiswerten. Und diese Nullwerte könnten wir dann für weiter wissenschaftliche Vergleiche heranziehen. Immerhin sind ja nicht alle Rassen gleich, so sind die so genannten „nordischen Hunde“ meist näher am Wolfsverhalten dran, als beispielsweise Möpse oder Französische Bulldogge.


Die 2-Beiner haben Wichtiges zu bequatschen...
Foto: Ira Prettycloud

Die von dir zuletzt Genannten sind ja auch wegen der Überzüchtung ins Gerede gekommen...
Sprich es ruhig aus: Qualzucht! Das kommt auch daher, weil die Kritiker zum Hundezuchtgeschehen immer mehr aussterben. Beispielsweise Dr. Hans Räber aus der Schweiz; oder der kürzlich verstorbene Genetiker Dr. Helmuth Wachtel, der stets kritisch über Degenerationserscheinungen geschrieben hat. Und jüngere Forscher sind bisher nicht viele nachgewachsen. Ganz schlimm ist das Thema Qualzucht ja bei dieser neuen Mode der Hundeverzwergzung: den Tea Cup Dogs. Die kannst du gar nicht mehr richtig auf Kinder oder Artgenossen sozialisieren.

Wieso nicht?
Alleine körperlich: Die kannst du doch mit keinen anderen Hunden spielen lassen. Die Knochen könnte doch selbst ein tolpatschiger Chihuahua brechen. Aber auch mit anderen Menschen geht das kaum: Nimm beispielsweise mal Kinder. Wie willst du denen erklären, dass sie mit dem Hund vorsichtiger spielen sollen als mit einer Porzellanpuppe?

Was ist denn das Hauptproblem bei der Zucht?
Meist ist es die viel zu kleine Population, der allseits bekannt genetische Flaschenhals. Daraus ergeben sich die meisten Degenerationserscheinungen und Krankheitsbilder. Das können auch charakterliche Auffälligkeiten sein, wie extreme Unsicherheit, Panik und Angstaggression.

Aber es gibt doch auch eine Gegenbewegung. Immer mehr setzen auf Retrozucht...
Ja klar, einigen ist es damit auch ernst. Aber viele wittern hier nur das nächste luktative Geschäft. Auch diese Retro-Zucht verkommt bei einigen Züchtern zum Etikettenschwindel.

Während die reden, mach ich das Model :-D
Foto: Ira Prettycloud
Du sprichst ja häufig im Zusammenhang mit Hunden über Rudel. Doch streng genommen ist der Begriff doch bei Hunden falsch, oder?
Ganz wissenschaftlich korrekt ist der Begriff Rudel ein wenig schwammig. Dennoch ist ein Rudel zunächst einmal laut Definition vieler Wissenschaftler wie beispielsweise Marc Bekoff eine Gruppe von Individuen, die gemeinsam wandert, schläft, ruht, nach Futter sucht oder jagt. Das passt also! (lacht)

Und was macht dann eine gute „Rudelführung“ aus?
An erster Stelle steht da immer, einen Führungsanspruch und Verantwortung übernehmen. Im kollektiven Sinne für die Gruppe, aber auch individuell für jedes Mitglied. Ich muss Schutz und Geborgenheit bieten. Das ist formale Dominanz im richtig verstandenen Sinne.

Du hast in deinen Vorträgen Rudelführung des öfteren mit Moderation verglichen. Wie meintest du das?
(lacht) Genau wie u.a. ein guter Moderator bei einem Gespräch ausgleichend wirkt, den Schüchternen öfter anspricht, den Übermütigen öfter bremst, so muss auch ein „Rudelführer“ ausgleichend wirken. Damit keine Spitzen aufkommen und Situationen eskalieren. Kurz gesagt: Er muss für Ruhe und Ordnung sorgen, für Berechenbarkeit und Einschätzbarkkeit.

Das muss ja wuff-wichtig sein...*augenbrauehochgrübel*
Foto: Ira Prettycloud

Du sprachst ja schon Modeerscheinungen in der Hundeszene an. Derzeit hört man auch immer öfter den Begriff „Problemhund“ oder ähnliches. Du selber hast dem in deinem Buch „Der Mensch-Hund-Code“ ein Kapitel gewidmet. Ist das auch so eine Modeerscheinung?
(mit ernstem Blick) Oh ja! Und sogar eine sehr schlimme! Denn damit lässt sich trefflich Geld verdienen. Streng genommen gibt es nämlich kaum Problemhunde. [Anmk. d. Dog-Chefred. Rico: s. dazu auch unseren Beitrag über "Problemhunde".] Der Hund hat beispielsweise kein Problem damit, wenn er einem Hasen nachjagt. Selbst wenn er aggressiv gestimmt ist, hat der Hund damit absolut kein Problem. Das ist für ihn sogar völlig normal! Hunde sind eben authentisch und kommunizieren auch aggressiv-gestimmt. Aber schnell werden solche biologisch sinnvolle Verhaltenstendenzen als Problem dargestellt. Und was braucht man dann? Eine Therapie! Und die lässt sich wunderbar verkaufen, wenn man den Leuten einredet, sie hätten einen Problemhund.

Aber es gibt doch Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten...
Ja, aber in vielen Fällen kommen die Leute oftmals mit dem eigenen Leben nicht mehr klar und stülpen ihre eigenen Unfähigkeiten auf den Hund. (lacht) Daher bin ich ja auch für eine Sachkundeprüfung für Hundehalter VOR dem Anschaffen eines Hundes. Und der Beruf des Hundetrainers sollte ein Lehrberuf werden – mit Theorie und Praxis.

Während die beiden reden, passe ich auf...
Foto: Ira Prettycloud

Bei den vielen Denk- und Schulrichtungen was Hundeerziehung angeht, wird das aber schwierig. Die haben sich doch schon untereinander immer in den Haaren bzw. im Fell. Wie willst du das realisieren?
Es müsste ein gewisser Grundkanon vermittelt werden. Der besteht eigentlich aus nur zwei Grundrichtungen: 1) dem verhaltenstherapeutisch-medizinischen Ansatz und 2) dem verhaltensbiologischen Ansatz, einschliesslich genaue Kenntnisse zum hundlichen Ausdruckverhalten. Die müssten beide gelehrt werden, damit alle Trainer ein einheitliches Rüstzeug hätten. Danach kann ja jeder sich spezialisieren. Das ist bei anderen Lehrberufen wie Schreiner, Kaufmann oder andere auch nicht anders. Und da sollte es auch keine Ausnahmen geben, wie jetzt.

Während die beiden quatschen, mach ich mal ein cooles Gesicht... ;-)
Foto: Ira Prettycloud

Welche meinst du?
Na die Hunde-Vereine, die bisher von der Regelung nach § 11 des Tierschutzgesetzes befreit sind und keine extra Erlaubnis brauchen um Hunde zu trainieren. Nimm nur diejenigen, die oft noch mit ihren veralteten Methoden nach wie vor machen was sie wollen. Viele davon sind sogar Tierschutz relevant, insofern macht die Ausnahme sogar keinen Sinn! Und wieso sind Tierärzte eigentlich in einer bevorzugten Position?

[Anmk. d. Dog-Chefred. Rico: Etwa zu diesem Zeitpunkt wuffte ich die Passanten an und während Maximilian mit mir beschäftigt war, verteidigte mich Günther gegen die böse schauenden und sich beschwerenden Leute.]

Und woran scheitert das deiner Ansicht nach?
(winkt ab) Ach, vielen geht es doch gar nicht um den Hund, sondern nur ums Recht haben! Und oftmals ums eigene Portemonnaie! Das ganze ist ja mittlerweile eine richtige Industrie geworden. Zu meiner Zeit als Kind gab es kaum Hundeschulen. Das Konkurrenzdenken ist bei vielen dermaßen groß und das Niveau so niedrig, dass sie sich den ganzen Tag lieber mit Diffamierungen und Verleumdungen beschäftigen, als mit ihrem eigentlichen „angeblichen“ Beruf, dem des Hundetrainers. Und wer forscht noch? Zum Vergleich: Ich habe stets 25% meines Umsatzes für selbst finanzierte Freilandforschungsprojekte ausgegeben.

Sind das die Leute, die du in deinem Buch „Der Mensch-Hund-Code“ als Scharlatane bezeichnest?
Genau die meine ich! Die Idee kam mir zusammen mit einer Humanpsychologin. Wir wollten den Haltern ein gewisses Rüstzeug mitgeben, ihnen erklären, wie diese „antisozialen“ Personen denken und agieren. [Anmk. d. Dog-Chefred. Rico: s. auch unseren Beitrag zu den "Antisozialen".] So wie ein psychologischer Kompass. Damit sie besser informiert sind, wie solche Leute halt ticken und so nicht so leicht über den Leisten gezogen werden können.

Denn die Zeiten haben sich geändert: heute heißt es nicht mehr „im Zweifel für den Angeklagten“. In der Hundeszene gibt es derzeit so viele „antisoziale“ Auswüchse, dass man heutzutage besser zu vorsichtig ist und im Zweifel halt auch gegen den Angeklagten. Denn wir haben ja die Verantwortung für unsere Hunde, also müssen wir sie auch vor solchen Leuten beschützen. Aber auch uns selber, denn wenn der Halter verwirrt ist, ist es der Hund auch...

Na, spürst du meine Signale? *schwanzwedelanlehn*
Foto: Ira Prettycloud
Du meinst wegen der Signalübertragung?
(nickt) Absolut! Ein Hund spürt das sofort und reagiert darauf. Und diese Leute machen die Halter auch verrückt. Viele sind sind absolut egoistisch, rücksichtslos, mit maximaler Profitorientierung und verfolgen einen rigorosen Plan. Den haben die meisten Hundehalter aber nicht, weswegen sie ihnen schon im Nachteil sind. Die Halter sollten den Glauben ablegen, dass alle „Hundemenschen“ oder solche die sich dafür ausgeben, ihnen nur was Gutes wollen. Dem ist nicht so.

Und was wünschst du dir von den Haltern? Da gibt es doch sicher auch was zu kritisieren?
Klar! Dass sie sich besser informieren! Am besten aus mehreren Quellen und VOR dem Hundekauf. Wir bieten beispielsweise seit 40 Jahren auf der Hundefarm Eifel eine kostenlose Beratung an. Doch die wird so gut wie kaum nachgefragt...

(seufzt) Doch am meisten wünschte ich mir, dass sie mehr beziehungs-relevante (!) Zeit mit ihrem Hund verbringen. Und nicht dabei noch am Handy hängen oder im Internet surfen. Der Hund ist unser Bindeglied zur Natur. Das sollten wir nutzen und genießen. Ausserdem sollten Halter ihre Hunde genau beobachten. Aber auch das ganze drumherum. Hunde sind sehr gute Lehrmeister!






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