Dienstag, 29. September 2015

Ein ganz außergewöhnliches Gassierlebnis: Hochzeit

Sowas erlebt Hund (Hündisch für "Mensch") auch nicht alle Tage. Was für ein mega-spannendes Wuffenende! Ich war noch bis Gestern ganz geplättet...mein 2-Beiner allerdings auch (wobei er es auch auf sein Alter schiebt ;-) ) Ich hab gaaaaanz viel Neues erlebt, gelernt und vor allem erschnüffelt! *schwanzwedel* Denn wir waren auf einem ganz besonderen und für Hund auch nicht alltäglichen Gassigang. Zumindest war es das für mich als Fellnase, für mein 2-beiniges Cerebral-Interface war es wesentlich mehr: die Hochzeit eines seiner ältesten und liebsten Weggefährten.

Meine feine Spürnase hatte ja bereits am Abend zuvor bemerkt, dass wir eine Tour machen würden. 

Mein Maximilian ist ganz schön am wuseln :-) packen für eine Hochzeit. Keine Ahnung was das bei euch 2-Beiner bedeutet,...
Posted by Gassireport on Freitag, 25. September 2015


Obwohl ich mich beim Packen schon ein wenig über die Klamotten gewundert hatte... Mit so was ist Maximilian ansonsten mit mir nie Wandern. Dafür ist doch diese dünne Hose gar nicht strapaziefähig genug, das weiße Hemd sah auch nicht wirklich praktisch aus; und was soll diese um die Hüften etwas flatterige dünne Jacke, die nicht den geringsten Tropfen aufhält? *ohrennachvorn* Aha, Anzug heißt das Ding sagst du? Klar, das weiß ich doch schon längst, ist doch so was wie ne Arbeits-Uniform bei gewissen Terminen. Ach so, wir haben also einen Termin?

Genau, mein Kleiner. Einen ganz besonderen Termin! Mein alter Kumpel aus Schulzeiten feiert Hochzeit.

Nanu, wo soll's denn hingehen? Hochzeit? was ist das?
© Foto: Antje Hachmann

Hochzeit? *ohrennachvorn* Ihr könnt euch ja denken, dass ich da etwas verwundert schaute, die Stirn in Falten legte und den Kopf schief hielt (letzteres mach ich recht selten, weil mich mittlerweile bei meinem 2-Beiner kaum noch was wundert... ;-) ) Aber das Wort hörte ich echt zum 1. Mal. Was ist das?

Nun, wenn 2 Menschen sich treffen und lieben, dann wächst daraus manchmal was größeres. Etwas, das mehr ist als die Summe der Teile. Und daher entscheiden sie sich für immer zusammen zu bleiben und das allen Kund zu tun. Die Variante des Feierns ist unterschiedlich, je nach Religion, Kultur, Mentalität und anderen Punkte. Aber letztlich geht es bei allen um eines: um die gemeinsame Liebe.

Uiiii, das klingt aber toll. Wobei, eines versteh ich nicht so ganz, wenn mir eine Hündin gefällt, dann renn ich hin, spiel mit ihr und wenn ich ihr auch sympathisch bin...

Stopp, brauchst nicht weiter reden. Ja, ich weiß, wie das bei euch Hunden läuft. Und glaub mir, es ist auch einfacher. Aber bei uns Menschen läuft es eben etwas anders.

Warum?

Hm, genau kann ich dir das auch nicht sagen. Denke es eine kulturhistorische Angelegenheit, aber sicher spielen da auch andere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise unsere Gesellschaft, die doch ein wenig anders aufgebaut ist als ein Rudel, schon wegen ihrer Größe. Da ist die Familie als eine kleine Einheit der Gesellschaft eine extrem private Gruppe mit emotionaler Bindung. Und auch die Biologie spielt sicher eine Rolle, denk nur daran, wie viel länger Menschenbabies brauchen, um sich zu entwickeln im Vergleich bei euch Hunden. Wir haben also eine längerwährende "Aufzuchtsverantwortung", da macht eine festere Bindung zwischen den Eltern auch aus mehreren Aspekten, emotionalen, soziologischen, aber auch materiellen, Sinn.

Hm, klingt kompliziert...aber irgendwie plausibel. Naja, wir werden riechen...und sehen *schwanzwedel* Ich freu mich jedenfalls, wieder einen neuen Ort zu erkunden *propellerwedel*

So versuchte mir also mein 2-Beiner am Vorabend das Konzept der menschlichen Ehe zu erklären. So ganz hatte ich das ja nicht verstanden, denn wie gesagt, bei uns Hunden läuft das anders ab. Auch nachdem ich nun die Hochzeit erlebt habe, verstehe ich nicht wirklich alles. Aber eines konnte ich ganz deutlich riechen (auch wenn ihr Menschen es nicht wollt, aber eure Gerüche verraten viel über eure Gefühlslage): Ganz viele Menschen haben sich gefreut und waren glücklich. Auch die Liebe zwischen dem Brautpaar war deutlich zu spüren. Ganz ehrlich, ich mag das Konzept der Ehe nicht ganz verstehen, aber das muss ich auch gar nicht. Als Hund ist mir nur eines wichtig: Wenn ihr Menschen euch so freut und es euch so gut gehen lasst, wenn 2 andere Menschen heiraten, dann muss dieses Hochzeits-Ding was ganz tolles sein und da freuen wir Hunde uns einfach mal mit!

Okay, ich geb's zu, nicht zuletzt, weil wir ja auch verwöhnt werden. Hier nochmal an alle die mich so toll gestreichelt haben ein ganz wufiggen Dank! Ich fand euch alle toll! Aber das habt ihr ja gemerkt *schwanzwedelfreu*

Und dann ging es Samstag los...zu der echt unhundlichen Uhrzeit von kurz nach 5 Uhr wollte mein Cerebral-Interface mit mir Gassi gehen. In einer Mischung aus Verwunderung und Verschlafenheit schaute ich ihn an, während er im Flur stand um mit dem Halsband winkte. Na gut, dann wollte ich mal nicht so sein und trotte langsam zu ihm...mit einem Zwischenstopp, wo ich mich erstmal gründlich reckte :-) Immerhin gab's danach direkt Futter *schmatz*

Wozu die frühe Aktion? Mein 2-Beiner wollte, dass ich vor der Fahrt im Auto möglichst lange Zeit hab, um mich auszuruhen und zu verdauen. Er meint, es wäre nicht gut, wenn ich mit vollem Magen mit im Auto sitze. Und während ich verdaute, frühstückte Maximilian und traf danach die letzten Vorbereitungen, wie beispielsweise das Auto beladen (wie immer hatte ich mehr Gepäck als er...und seines war auch nur so groß, weil er wie üblich Bettwäsche mitnahm, um die des Hotels zu schonen). Danach stieg er unter die Dusche und machte sich fertig.

Dann ging die Fahrt los. Erst einmal um 8 Uhr eine alte Schulfreundin abholen: Steffi kenn ich ja schon. Sie ist nicht so der Hundemensch, eher der Katzenmensch, dennoch mag sie mich, das spüre ich. Und ich find sie eh ganz wuffig *schwanzwedel* Und das nicht nur, weil sie mein Logo entworfen hat (sie ist nämlich Designerin), sondern vor allem, weil sie mich ganz toll streicheln kann *wedelfreu*

Jedenfalls nach dem Einchecken im Hotel blieb gerade mal Zeit das Hotelbett mit unserer Bettwäsche zu be- und für Maximilien sich umzuziehen :-) Und dann los zur Kirche. Und ich mit - denn das Zimmer musste noch hergerichtet werden und wir so erst nach der Hochzeit rein. Apropos rein: Da, in der Kirche durfte ich nicht dabei sein, aber durch die semi-telepathische Verbindung zu meinem Cerebral-Interface spürte ich viel von den Emotionen dort. Wo ich war? Im Auto. Keine Sorge, das Auto stand im Schatten, die Fenster waren einen Spalt breit geöffnet und Maximilian kam auch mal um nach dem Rechten zu sehen (wobei er an einem nahen Würstchenstand Bescheid gab, dass falls irgendwas sein sollte, er in der Kirche wäre).

Beim Empfang danach durfte ich dabei sein. Aber um den Stress für mich möglichst gering zu halten, wollte Maximilian einfach nicht in das Zelt wo die meisten Leute waren...und außerdem das Buffet *schleck* Gemeinheit: Dabei hab ich doch gar keinen Stress wegen der vielen Leute...eher schon, weil ich nicht ans Buffet kann *brumm* Naja, immerhin bekam ich ganz viele Streicheleinheiten. Das war so mega-wuffig! *seufz* <3


Fotos: Ralf Werner Bildermacher
Posted by Gassireport on Mittwoch, 28. Oktober 2015


Nach dem Empfang haben Maximilian und ich dann ein wenig die Gegend von Marburg (Hessen) erkundet. Also ich kann nur sagen: echt tolle Gegend für Hunde! Wir werden da sicher nochmal hinfahren!

Hochzeitstanz! Das Paar lebe wuffig hoch!
Zur abendlichen Feier durfte ich nicht mit... Mist! Mein menschlicher Partner meinte, das wäre nichts für mich. Pahh...was weiß der denn? Da sind ganz viele potenzielle Streichler und ich hab ganz genau was von Essen gehört...sogar mehrere Gänge *schleck* Außerdem hatten doch auch andere Menschen gesagt, dass ich mitkommen sollte... Aber Maximilian blieb da unnachgiebig. Dafür belohnte er mich bei seiner Rückkehr mit einem nächtlichen Gassigang, bei dem er zwar etwas angeschlagen und torkelnd, aber dennoch fröhlich mit mir spielte... "Zum Glück sieht uns keiner hier um diese Uhrzeit", lallte er oft dabei. Und zurück im Hotel gab es ein Extra-Leckerli, einem Kaubarren ohne Getreide.

Aber das war noch nicht alles was ich erlebte: Am frühen Morgen (eigentlich nur ein paar Stunden nach unserem nächtlichen Gassigang) stand mein 2-Beiner auf um etwas verschlafen mit mir eine Runde zu drehen. Neues Gelände, neue Gerüche...mein 2-Beiner etwas angeschlagen und unkonzentriert...super *schwanzwedelfreu* An einem großen Feld machte er mich von der Leine los...und schwupps fand ich einen Hasen als Spielgefährten. Yeeehaa, dem jagte ich sogleich hinterher...aber leider rief mich mein 2-Beiner zurück *grummel* Auch die streunende Katze, der ich hinterher schoß, durfte ich nicht jagen...*brumm* "Du willst doch nicht, dass wir hier einen schlechten Eindruck hinterlassen", sagte Maximilian. Jaja, schon gut...auch wenn ich als Hund recht wenig mich um den Eindruck schere, aber dir zuliebe lass ich es (mal) ;-)

Nach dem Futter legten wir 2 uns nochmal hin. Zum Glück wurden wir aber noch rechtzeitig wieder wach, denn schließlich mussten wir auschecken und es gab ja noch einen Brunch *schleck* Sowas kenn ich zwar schon, aber ist halt auch nicht alltäglich...und alles was mit Futter zu tun hat ist immer toll *heftigschwanzwedel* Aber wie üblich bekam ich während Maximilian noch aß Nichts ab...erst danach erhielt ich eine Salamischeibe *sabber* Aber währenddessen bekam ich viele Streicheleinheiten *grinswedel*


Oh ja, das mag ich...


...genau da...ja bitte mach weiter...hör nicht auf...



Ich mag dich! <3


Zum Abschied durfte die Tocher des Brautpaares noch kurz auf mir sitzen (nicht mit ihrem vollen Gewicht natürlich, die Mutter hielt sie fest). Anfangs war ich etwas irritiert, aber da die Kleine sowas von zuckersüß war und mich sogar streichelte, fand ichs dann gar nicht mal so unangenhem...jedenfalls nichts, was ich meiden müsste *wedel* Auf der Rückfahrt, da hab ich dann die meiste Zeit gepennt. Nur der Stau bei Köln war etwas unangenehm und nervend. Auch den Sonntag Abend haben wir dann eher gemütlich kuschelig verbacht. Ich spürte wie mega-stolz mein 2-Beiner Maximilian war, denn er fand ich hätte mich super benommen. Naja, so ganz Unrecht hat er ja nicht, denn wenn ich gewollt hätte, hätte ich die Hoteleinrichtung schreddern, das Empfangs-Buffet stürmen, das Zelt umreißen, beim Brunch über die Tische springen können...und glaubt mir, das waren nicht die einzigen Hundeideen, die mir da durch den Kopf schossen *schwanzwedelgrins* Warum ich es nicht tat? Meinen Impuls kontrollierte? Weil ich es so zusammen mit meinem Menschenpartner gelernt habe und weil ich ihn gern habe. Dafür lässt er mich dann bei anderen Gelegenheiten meinen Impulsen freien Lauf geben ;-)


PS: Ihr wundert euch sicher über die Fotos der Hochzeit, oder besser gesagt, dass es so wenige und dann noch so undeutliche sind. Nun, das ist auch der Grund, warum wir keine Namen nennen oder andere Details erwähnen: wir wollen die Privatsphäre der Familie achten. Schließlich kennen wir Hunde auch sowas wie Respekt! Und irgendwie gehören wir ja auch zur Familie! *bestätigendwoaff* Vielleicht macht ihr ja auch mal sowas mit euren Fellnasen (sofern es sie nicht stresst!), ich jedenfalls hab so meinen 2-Beiner mal von einer ganz anderen, nicht alltäglichen Seite kennen gelernt. Alleine das und das Miterleben der großen Freude und Liebe, die alle empfanden, war es mir als Hund schon wert! *jawohlwuff*



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