Sonntag, 20. November 2016

[Interview] Im Gespräch mit dem Hund-Mensch-Therapeut José Arce

Der auf Mallorca lebende Buchautor und Hundetrainer - oder was er bevorzugt: Hund-Mensch-Therapeut - José Arce (seine Facebook-Seite findet ihr hier) nahm vor einiger Zeit wegen eines Blogbeitrages mit uns Kontakt auf. Doch was eigentlich als kurzes Telefonat gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem längeren interessanten Gespräch - und daraus entstand dann auch die Idee eines Interviews.

Es hat dann aber doch recht lange gedauert, bis ihr das dann endlich geführt habt *frechwedel*

Stimmt Rico, aber war ja auch eine Menge los in den letzten Monaten. Einen kleinen Einblick davon können unsere Leser ja in unserem Blog hier und auf unseren Social Media Seiten (Facebook, Youtube, Instagram, Twitter, Google+) bekommen. Aber irgendwann haben wir es dann doch geschafft. Und auch wenn es hier wie ein Frage-Antwort-Interview rüberkommt, so war es viel mehr ein lockeres Gespräch. Und in einem Punkt waren wir uns sogleich einig: Wenn die Beziehung zwischen Hund und Halter gut ist, ist der Rest allerhöchstens sekundär. Aber lest selber, was José zu sagen hat!


José mit einer seiner 5 Doggen
Foto: Pressefoto

Eigentlich wolltest du doch nach deinem 1. Buch, wo es um Gefühle und Beziehungen geht, keinen Hunderatgeber schreiben. Was hat deine Meinung geändert?

Streng genommen ist es ja kein Ratgeber-, sondern ein Praxisbuch. Denn durch meine zahlreichen Lehrgänge konnte ich viele Mensch-Hunde-Teams kennen lernen. Dabei sind mir vor allem 2 Punkte aufgefallen, die auch in eurem GASSIREPORT immer wieder eine große Rolle spielen: 1) eine große Unwissenheit über Hunde und 2) zu wenige Empathie und Verständnis für das Hundewesen. Viele Menschen sind einfach zu ungeduldig im Umgang mit ihrem Hund. Statt dessen sollten sie die Zeit mit ihrem Hund und seine Instinkte mehr genießen.

So erkläre ich mir auch, warum so viele Menschen Probleme mit ihrem Hund haben. Denn streng genommen gibt es keine wirklichen Problemhunde! Das ist eine der seltsam-skurrilen Auswüchse derzeit in der Hundeszene. Und da ich nicht nachvollziehen kann, dass man sich über Hunde und ihr Wesen nicht informiert, wenn man einen hält, war also ein Buch die logische Konsequenz um mehr Informationen zu verbreiten.


Aber einige haben auch schwierige Hunde, eventuell mit eine schwierigen Vorgeschichte...

Ja, aber für mich sind Schwierigkeiten in erster Linie etwas Neues, was es zu erkunden und entdecken gilt. Das muss man also gar nicht so negativ sehen, eher neutraler, als einfach etwas, was man so noch nicht kennt. Und schon strahlt man mehr Ruhe aus. Das ist wegen der Stimmungsübertragung viel besser, als der Frust darüber, dass irgendwas nicht geklappt hat. Und nur weil sie scheitern oder mit sich unzufrieden sind, projizieren sie das auf ihre Hunde und deklarieren sie als Problemhunde. Das ist zwar menschlich, aber unfair.


In deinem Buch schreibst du, dass in jedem Hund ein Wolf steckt. Da würde dir aber so mancher Wissenschaftler widersprechen.

Ich schrieb das Buch auch nicht als wissenschaftliche Abhandlung, sondern für den Otto-Normal-Halter. Daher ging es mir hauptsächlich um Verständlichkeit und nicht um wissenschaftliche Genauigkeit. Ob im Chihuahua nun 2 Prozent, 1 Prozent oder 0,873 Prozent von den Genen noch vom Wolf sind und bei anderen Hunderassen mehr oder weniger ist sicherlich wissenschaftlich interessant, aber für meine Botschaft nicht so relevant. Wichtig bei dem bildlichen Vergleich war mir, dass der Hund von einem Raub- und Rudeltier abstammt und sich daraus gewisse Verhaltensweisen ableiten. So wie auch bei uns Menschen bei den Primaten.


José rennt nicht weg, sondern mit seinen Hunden :-)
Foto: Pressefoto

Aber vermenschlichst du den Hund nicht an manchen Stellen?

Nein, nicht wirklich. Denn der Hund ist kein wildes Tier mehr. Er hat mit uns Menschen ja eine Koevolution mitgemacht. Und Domestizierung ist immer auch eine teilweise Vermenschlichung. Die Frage ist nur, welches Maß. Ich sage: Genieße den Hund wie einen Menschen, aber lass ihn Hund sein!


Wie meinst du das?

Nun ja, viele sind doch gefrustet, wenn ihr Hund nicht wie ein Mensch reagiert. Das ist sehr egoistisch, denn er kann doch gar nicht anders, als wie ein Hund zu agieren. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sich der Frust dann gegenseitig hochschaukelt. Daher schaue ich mir immer an, was das für ein Mensch ist, was das für ein Hund ist, und vor allem: was das für eine Beziehung ist Denn wenn Hund und Mensch sich verstehen, dann ist das für mich eine gute Beziehung.


Eine gesunde Beziehung zwischen Hund und Halter ist José wichtig - dazu gehört auch Empathie!
Foto: Pressefoto

Demnach würdest du sagen, dass Beziehung vor Erziehung geht?

Eine gute Beziehung macht die Erziehung auf jeden Fall leichter. Allerdings würde ich das nicht so ganz strikt trennen, denn so manche Beziehungsarbeit erzieht auch und so manche Erziehung ist auch förderlich für die Beziehung. Dabei helfen einem Menschenverstand und Bauchgefühl!Viele Menschen machen sich einfach zu viele Gedanken, sind zu kopflastig bei der Sache, dabei ist es viel einfacher als viele denken. Daher sage ich immer: Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund!



 
Vor Kurzem erschien das **Praxisbuch von José Arce im GU Verlag (Preis: 16,99 Euro), in dem er den Haltern nahe zu bringt, sich mehr auf das Bauchgefühl zu verlassen und eine gute Beziehung zu ihren Fellfreunden aufzubauen.




**Werbelink

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