Gassireport

Freitag, 9. September 2016

Meine Geschichte bevor ich meinen Menschenpartner traf... (4. Teil)

Mittlerweile war ich schon über 10 Wochen auf der Welt... *schnauf* tolle Welt...ein Keller...mittlerweile voll von unserer Kacke und Pisse. Meine anfängliche Neugierde auf die Welt hatte mittlerweile den ein oder anderen Dämpfer erlebt...

Freilich wusste ich damals nicht, dass es fast 11 Wochen waren...woher auch? Denn zum einen bekam ich ja in dem Keller nichts vom Tageswechsel mit und außerdem haben wir Hunde ja nicht so ein Zeitgefühl wie ihr 2-Beiner... Aber das war schon einer dieser Dämpfer: diese begrenzte Welt, die immer mehr stank. *brummm* Wenn das die Welt sein sollte, nunja, so war meine Neugierde darauf mehr als gedeckt...ich hatte im wahrsten Sinne die Nase voll! *schnauf*


Boooaaah, die Welt kann ja richtig pansig schön sein! Einfach wuffastisch!

Doch neben diesem Dauer-Dämpfer gab es noch einen anderen: den Menschen. Der kam so ein- oder zweimal am Tag... Jedesmal machte er mit uns so komische Sachen, versuchte uns wild zu machen... *schüttel* und bei denen es nicht gelang, da wurde er böse...so auch manches mal bei mir...denn ich beobachtete viel und wurde nicht direkt sauer, wie ein paar meiner Geschwister...irgendwie fiel es mir auch schwer, den Kerl wirklich ernst zu nehmen. Zu unkoordiniert wirkten seine Bewegungen. Aber gerade weil ich nicht so schnell agressiv wurde, bekam ich es von ihm zu spüren. Den ein oder anderen Schlag oder Tritt musste ich einstecken... *brummm* Naja, immerhin war es eine Abwechslung zum sonst recht eintönigen Leben im Keller...

Außerdem brachte er uns ja Futter mit. Auch wenn es nicht reichte...und wohl auch nicht das beste Futter war. Wir hatten alle schon Mangelerscheinungen... Plattfüße, stumpfes und löchriges Fell...

Das ist also ein Rinderohr? *schmatz* Ist lecker! Toll! Kannt ich vorher nicht...

Immer wieder verschwanden Geschwister von mir mit dem Kerl. Ich hoffte, dass sie es besser haben würden. Aber die besorgten Körpersignale meiner Mutter ließen mich nichts gutes ahnen. "Die Wildesten und Agressivsten sind meist die Ersten. Doch ihnen geht es nicht besser: Sie müssen kämpfen", signalisierte mir Mutter... Und was ist mit denen, die als letztes übrig bleiben?, wollte ich wissen. Meine Mutter senkte traurig den Blick...und ich spürte ihre Trauer nicht nur, ich konnte sie auch riechen...denn die übrig blieben, die wurden "entsorgt"...

Da hörte ich Geräusche! Kam der nach Alkohol riechende Mann wieder? Würde er wieder versuchen uns sauer zu machen? Und vor allem: würde er wenigstens ein bisschen Futter mitbringen? Freudig wedelnd liefen schon einige Geschwister zur Tür... Ihr denkt sicher, was für blöde Hunde? Aber so sind wir, wir freuen uns auf euch Menschen, auch wenn ihr uns nichts Gutes tut... Vor Jahrzenhntausenden schlossen wir Freundschaft, einen Pakt, ja mehr noch: wir gingen den Weg der Koevolution! Und wir Hunde halten uns daran, denn ihr seid unsere Partner!

Und irgendwie freute ich mich auch ein wenig...wegen der Abwechslung und dem Futter. Obwohl ich sicher wieder wegen meiner skeptischen Art den ein oder anderen Hieb bekommen werde...aber immerhin auch Aufmerksamkeit... Und da kam mir die Trauer meienr Mutter in den Sinn: Würden wir jetzt etwa "entsorgt" werden?

Plötzlich offnete sich die Tür...meine Aufregung wuchs...die Gerüche waren anders...die Proportionen auch...die Bewegungen erst recht...das waren andere Menschen! *schwanzwedelheftig* Und sie schmimpften! Aber nicht mit uns, sondern mit dem nach Alkohol riechenden Mann, der uns immer besucht hatte. Vor allem ein Mann sprach viel und mit sehr ernstem, ja strengen Tonfall mit ihm (es war der Amtsveterinär, der die Beschlagung durchgeführt hatte).

Mit uns redeten sie (den Amtsveterinär begleiteten ein paar Tierschützer) dagegen ganz behutsam und leise... Unsere anfängliche Unsicherheit wich, zumal auch Mutter mit ihrem warnenden Gebell aufhörte. Denn eine Frau kümmerte sich um sie. Es war die erste Menschenfrau in meinem Leben die ich roch... Unser Zutrauen zu diesen Menschen wuchs, und so näherten wir uns ihnen. Doch das sollte ich schnell bereuen. Denn sie packten uns in kleine Kisten. Na prima, ist das jetzt meine Welt? Die ist ja noch kleiner als der Keller! *brummschnauf*

Sie trugen die Kisten mit uns dann heraus. Und nachdem sie eine Treppe raufgegangen waren, erlebte ich zum ersten mal in meinem Leben die "Menschenwelt". Was für ein Abenteuer, so viele Farben, so viele Geräusche und was viel wichtiger war: so viele manigfaltigen Gerüche. Ich vergaß sogar die Enge der Box, so gebannt war ich...

Sie steckten uns in ein Auto...wobei, ich wusste damals nicht einmal, dass das ein Auto war...ich wusste ja nicht mal, was ein Auto überhaupt war (okay, ich weiß es auch heute nicht so genau...aber ich weiß, dass es ein Fortbewegungsmittel ist...und selbst das wusste ich damals nicht). Die Fahrt war völlig ungewohnt, nicht nur das Gerückel, auch die vielen Geräusche...vom Motor, von der Straße, von den Leuten im Wagen... Dann hielten wir an. Das hatten wir wärend der Fahrt öfter, daher rechnete ich damit, dass es gleich wieder losgehen würde und krallte mich am Boden der Box fest...naja ich versuchte es, denn der war viel zu glatt...

Aber wir fuhren nicht weiter. Die Heckklappe des Wagens öffnete sich... Was kam jetzt? Werden wir kämpfen müssen? Oder werden wir "entsorgt", weil wir die letzten des Wurfs waren, die keiner haben wollte? Meine Kiste wurde mit zwei weiteren herausgenommen und an andere Menschen übergeben. Rüde (Menschensprache: Mann), war das ein Wechsel...heute würde ich sagen: wie im Taubenschlag...aber damals kannte ich ja keine Tauben...ich kannte eigentlich noch nichts...nur den Keller und seine stinkenden Gerüche...daher fand ich alles recht unheimlich. Aber irgendwie war ich auch neugierig... *ohrennachvorn*

So landete ich im Tierheim Hilden. Viele denken da schon, der Arme. Aber nein, das war ganz toll da! Denn im Vergleich zum Keller zuvor war es da ganz wuffig. Wir waren viel an der frischen Luft und es haben sich ganz zauberhafte Menschen um uns gekümmert. Und endlich gab es genug zu fressen... *schleck* Ja, wenn das die Welt war, damit konnte ich leben. Okay, hinter Gittern ist nicht toll und all die bellenden Hunde können echt nerven...aber das war um Lichtjahre besser als der blöde Keller...


Also auf deinem Schoß, da gefällt es mir wuffig! *schwanzwedel* Und endlich sehe ich auch mal deine Augen!

Und dann geschah es! Nur ein paar Tage nach meiner Ankunft. Da kam so ein seltsamer 2-Beiner ins Tierheim und stand vor dem Zwinger, in dem ich und meine zwei Brüder untergebracht waren. Warum seltsamer Kerl? Nun, das hatte hauptsächlich zwei Gründe: 1) er war so ganz anders, als die Männer die ich bisher kennen gelernt hatte (okay, das waren ja nicht viele, aber der einzige Erfahrungsschatz, den ich hatte): er roch kein Stück nach Alkohol (ich erfuhr später, dass er selten trinkt, weil er nicht viel davon verträgt), keine Haare und dann diese seltsam großen Augen ohne Pupille (ich wusste damals noch nicht, was eine Sonnenbrille war). Irgendwie irritierte mich das zwar, aber sein Blick wirkte dadurch auch weniger starrend und bedrohlich. 2) Ich spürte sofort: DER PASST! Das war er! Der fehlende Teil! Auf den habe ich gewartet! Er würde mich ergänzen und ich ihn! PARTNER!

Wir gehören zusammen!

Leider war der Typ, der später mein Oller werden sollte, nicht so schlau...damals noch weniger als heute...er merkte es nicht...also, nicht so schnell. Er denkt einfach zu viel nach... Ich merkte wie er außerhalb des Zwingers eher einen anderen Bruder von mir beobachtete. Dann kam er rein... Sogleich stürmten meine beiden Brüder auf ihn zu. Ich kam auch näher, blieb aber in einem gewissen Abstand stehen und beobachtete. Ihr glaub aus Vorsicht? Hm, kann sein, daran erinnere ich mich nicht mehr, nur an meine Neugierde und dass ich nicht "unhöflich" sein wollte, indem ich ihn bedränge. Ich wusste doch gar nicht, ob er das mag... Ich musste ihn doch erst verstehen...und dieser Wunsch wurde immer stärker...

Dann drehte er sich plötzlich zu mir um. Heute weiß ich, dass er sich beobachtet gefühlt hatte, so als ob irgendwelche Blicke in seinem Nacken wären... MEINE Blicke! Ha, war er also doch nicht so dumpf...hatte er es also auch gespürt... Und dann beschäftigte er sich mit mir. Oh diese Freude oder dieses Glück. *schwanzwedelfreu* Endlich war mein Partner da, endlich war ich vollständig. Alles war vergessen, der stinkende Keller, meine Brüder, ja selbst meine Mutter, die ich seit dem nicht mehr gesehen habe. Zeig mir die Welt! Lass sie uns gemeinsam erkunden! Wo du hingehst, da will auch ich hin!

Aber was war das? Er ging... *schnaufschüttelbrumm* wieso? Was hatte ich falsch gemacht? Hat er es doch nicht gespürt? war ich zu zaghaft? zu subtil? Immerhin waren meine Brüder da etwas aufdringlicher und unbeherrschter... Ich ahnte damals ja nicht, in welcher schwierigen Lebenssituation er sich befand, in einer richtigen Umbruchphase...ich spürte da nur eine gewisse Unruhe in ihm... Aber nun war mein Partner weg...noch lange schaute ich am Gitter ihm nach, während meine Brüder sich schon mit was anderem beschäftigten...

Hatte ich meinen Partner verloren? Hatte ich etwas falsch gemacht? Plötzlich war ich wieder unvollständig...denn wisst ihr lieben Menschen, wir Hunde haben mit euch eine Koevolution mitgemacht, daher sind wir auf eine gewisse Art mit euch verbunden, wir brauchen euch, denn erst dann macht unser Leben einen vollen Sinn...und den hatte ich gerade verloren... *traurigschau*

Ich konnte ja nicht wissen, dass mein 2-Beiner damals schon mit den Leuten vom Tierheim gesprochen hatte und sie gebeten hatte mich bis zum kommenden Tag zu "reservieren". Woher sollte ich das auch gewusst haben, ich war ja nicht dabei. Und er ist halt auch keiner, der verantwortungslos einfach einen Hund aus dem Tierheim mitnimmt ohne darüber mal nachzudenken (zumal er sich damals noch um 2 andere Hunde kümmern musste und wie gesagt, so einiges in seinem Leben zu dem Zeitpunkt los war, aber das wird er euch bald in seinem Beitrag anlässlich unseres "gemeinsamen Geburtstages" am 9. September erzählen).
 
Der allererste (2012) Gassigang und nach einem Jahr (2013)...

Doch dann, am kommenden Tag, ganz früh am Morgen, da kam der komische Typ mit den großen Augen und ohne Haare wieder. Dieses Mal wollte ich nichts riskieren! Diesesmal würde ich nicht so subtil sein, nicht so zaghaft. Scheiß auf Höflichkeit! Der Kerl braucht offenbar deutliche Signale! Und so stürmte ich sogleich auf ihn zu. Erst da interessierten sich auch meine Brüder für ihn und liefen auf uns zu. Aber dieses Mal nicht! Das war MEIN Partner! Und so schnappte ich nach meinen Brüdern, als sie links und rechts von mir erschienen...


...nach 2 Jahren (2014)...
Foto: Antje Hachmann

Und dann hörte ich seine Worte: "Ich glaub die Entscheidung hat der Kleine hier schon getroffen." Er nahm mich an die Leine und zum ersten mal gingen wir gemeinsam Gassi. Noch bevor wir das Tierheim durch die Tür für das Test-Gassi verließen sagte er: "Ich geh mal eine Runde mit ihm, aber ihr könnt schon mal die Papiere fertig machen." Und zum ersten Mal, entdeckte ich die WELT mit MEINEM PARTNER! Oh dieses Glücksgefühl, endlich begann mein Leben - unser gemeinsames Leben.


...nach 3 Jahren (2015)...
Foto: Katharina von Zitzewitz

Daher nennen wir diesen Tag, den 9. September (übrigens auch in anderer Hinsicht ein Jubiläum, denn nach einem Jahr bei meinem Partner startet an den Tag auch unser Blog, er feiert also heute 3-Jähriges!), auch "unseren gemeinsamen Geburtstag", denn auch ich änderte viel im Leben meines 2-Beiners. Mehr als wohl jeder Hund zuvor. Aber das wird er euch schon bald selber in einem Beitrag berichten. Denn hier endet meine Geschichte bevor ich Maximilian traf. Dafür begann an jenem 9. September eine neue, weitaus tollere und größere Geschichte - das Leben als Team! Ich kannte nichts, du zeigtest mir die Welt, hast sie mit mir gemeinsam entdeckt - jetzt fürchte ich nichts mehr.

...nach 4 Jahren (2016) Partnerschaft!
Foto: Ira Prettycloud


Die anderen Teile meiner Geschichte findet ihr hier:

PS: Diese Geschichte beruht zum Teil auf recherchierten Fakten, auf Gesprächen mit den Tierheim-Mitarbeitern, auf der Beobachtung von meinem Verhalten und auf Geschichten von anderen Vermehrern und dabei typsicher Parallelen. Sicher, ein Teil ist auch dichterische Freiheit. An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei den Mitarbeitern des Tierheims Hilden bedanken, denn ohne euch hätten Maximilian und ich uns nie gefunden! (Sie hatten meinen Partner sogar extra wegen mir kontaktiert.)


Partner! (2013)



Mittwoch, 7. September 2016

Manche Trainer sind wohl "gleicher" als andere - statt Logik lieber Rosinenpicken

Also ihr Menschen und Logik, das ist schon ein lustiges Verhältnis. *frechwedel* Sicher, eure Logik ist gut, ich finde sie genauso gut wie unsere hündische Logik. Aber irgendwie haltet ihr euch nicht so daran...ihr verbiegt sie oder versucht sie anzupassen...das Ergebnis gehört meist in ein Katzenklo. *jawohlwoaff*

Nehmen wir nur das Beispiel Hundetrainer. Die einen müssen eine Erlaubnis beantragen, die anderen können ohne so weiter machen wie bisher. Ihr versteht das nicht? Ist unlogisch, gelle! *heftigwedel* Ja, ich finde es sogar unfair! *brumm* Wie viele ja wissen, haben wir früher uns mal für Hundeport interessiert. Naja, eigentlich interessieren wir uns auch heute noch dafür. Nur gehen wir nicht mehr in Vereine...

Das hat nichts mit der Abneigung meines Ollen gegen Vereinsmeierei und das Geklüngel zu tun. Das hätte er noch um meinetwillen ertragen – und glaubt mir, ich habs genau gerochen: Für ihn waren manche Gespräche wirklich an der intellektuellen Schmerzgrenze. Aber auch Ausnahmen haben wir dort getroffen – ist halt wie im richtigen Leben.

Wir laufen auch jetzt noch oft das Schema für begleithunde...zwar nicht ganz sauber, aber mit viel Spaß *schwanzwedelfreu*
Foto: Ira Prettycloud

Wir haben ja sogar mal eine Begleithundeprüfung mitgemacht... und sind mit wehenden Pfoten durchgefallen – mit viel Spaß und Freude. Schließlich wusste mein Oller eh schon vorher, dass man ihn durchrasseln lassen würde – an dieser Stelle auch schöne Grüße an den Vereinsküngel. *frechwedel* Ich war ja anfangs ein wenig sauer deswegen, zumal die Prüferin sagte: „Der Hund ist toll, aber sein Führer eine Katastrophe.“ *grrr* Hätte die gern mal angewufft. Statt dessen antwortete mein 2-Beiner nur lapidar mit einem Grinsen: „Ich frag mich auch dauernd, von wem er das nur hat.“

Ehrlich gesagt, konnte ich auch nicht verstehen, dass er das so auf die leichte Schulter nahm. Doch dann erklärte er mir: „Weißt du, Kleiner, im Leben geht es nicht um Prüfungen, sondern um Erfahrungen. Und genau die haben wir beide gemacht – gemeinsam.“ Doch offenbar sehen das nicht alle 2-Beiner so, manchen im Hundesport sind die Prüfungen wichtiger. Einige darunter versuchen wohl damit auch was zu kompensieren...egal, das ist Sache der Psychologen und interessiert mich als Hund herzlich wenig. ABER: Offenbar sorgt diese Prüfungs- und Preisorientierung dazu, dass ihr Menschen eure Logik vergesst oder zumindest zurecht biegt. So dürfen beispielsweise Vereinstrainer ganz ohne Erlaubnis vom Veterinäramt Hunde trainieren. Und glaubt mir, in vielen Vereinen wird noch mit veralteten Methoden trainiert! Das haben nicht nur wir beobachtet, sondern auch andere uns berichtet, darunter auch einige Sachverständige (lest dazu unsere Kolumne im Hundemagazin WUFF).

Und wie erklärt ihr das? „Haben wir immer so gemacht.“ Das dabei auch gegen Gesetze verstoßen wird, scheint euch egal zu sein. Hauptsache es bestätigt euch in eurem Handeln, egal wie irrational und unlogisch es sein mag. Und wenn es euch passt, dann beruft ihr euch wieder auf die Gesetze und rühmt euch deren Einhaltung, dann wenn es eurer Eigen-PR zugute kommt. So Beispielsweise bei der Größe der Boxen. Klar, sowas ist ja auch einfacher zu überprüfen, nämlich in Zentimetern. Die Trainerkompetenz hat da kein Maß. Aber warum Vereinstrainer ohne Erlaubnis unterrichten dürfen, wird meist damit erklärt, dass sie nicht gewerbliche Interessen vertreten. Aha, hat sich denn mal jemand die Präsidiums- und Mitgliederlisten angeschaut? Sicher, Vereine dürfen keinen Gewinn machen, aber nicht selten siedelt sich drumherum ein wahren Netzwerk an um sich darüber zu verkaufen: Futterverkäufer und Ernährungsberater, Tierärzte und -physiotherapeuthen etc. Übrigens ein Phänomen, was man nicht nur bei Hundevereinen beobachten kann.

Bei Fuss klapp super...halt auf Molosser-Art :-)
Foto: Ira Prettycloud

Das Argument, dass keine gewerblichen Interessen dahinter stecken, gilt also nicht. Und aus Hundesicht schon mal gar nicht! Uns interessiert vor allem WIE jemand mit uns umgeht. Und dabei gehört eine gewisse Fairness und Logik dazu um unser Vertauen zu gewinnen.

Mit Logik hat das Ganze aber eher wenig zu tun. Eher mit Rosinenpicken. Hier gebt ihr an, Gesetze einzuhalten, um sie an anderer Stelle wieder zu brechen - immer wie es euer Vorteil ist. Aber was ist mit unserem Vorteil? Wir sind doch keine Sportgeräte? Wir sind Familienmitglieder und Trainingspartner!!! Behandelt uns gefälligst auch so! *jawohlwoaff*

Ehrlich liebe Menschen, ihr bildet euch doch so viel auf euren Verstand ein. Dann benutzt ihn doch auch häufiger und überdenkt mal eure Aussagen – eure Logik kann euch da echt helfen, ihr müsst sie nur konsequent einsetzen! Ich weiß, Selbsterkenntnis kann für manche schmerzhaft sein, müssen sie sich doch selber einen Irrtum eingestehen. Aber hey, sowas nennt man LERNEN. Und das verlangt ihr doch von uns Hunden auch dauernd. Wäre es da echt zu viel verlangt, wenn ihr auch mal dazu lernt? ;-)

Wir sind daher für eine Kontrolle ALLER Hunde-Trainer und -Schulen! Egal ob Verein oder Unternehmen, denn das ist im Interesse der Hunde! Außerdem ist es auch nur fair und logisch - auch nach menschlichen Maßstäben.


PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (10/2016) "Trainer ist nicht gleich Trainer"



Sonntag, 28. August 2016

Meine Geschichte bevor ich meinen Menschenpartner traf... (Teil 3)

Farben! Das war ja alles bunt! Okay, Rot und Grün sahen recht ähnlich aus, aber endlich konnte ich sehen! Nach so viele Tagen in der Dunkelheit – nur auf meine Nase und mein Gehör angewiesen. Blinzelnd sah ich mich um. Naja, wirklich heller war es nun nicht – in dem Keller brannte kein Licht. Aber ich konnte endlich einmal meine Geschwister sehen! Und meine Mutter!

Sogleich rannte ich fiepsend und freudig wedelnd auf sie zu – das war alles so wuffig spannend (nur konnte ich damals noch nicht wuffen, es kam nur ein Fiepsen raus). Beruhigend leckte sie mein Fell. So sah also die Welt aus? Dunkel, grau, dreckig...überall lag schon der Kot meiner Geschwister und meine Mutter. „Nein, mein Sohn, so sieht nur dieser Kellerraum aus. Die Welt ist viel heller und bunter.“ Noch mehr Farben?, schoss es mir erwartungsvoll durch den Kopf...

Als ich das von meiner Mutter erfuhr, da war er wieder: der Drang diese Welt zu erkunden und dieses andere seltsame Gefühl, das mir sagte, dass ich zu jemanden gehöre. *amohrkratz* Doch da riss mich etwas jäh aus meinen Gedanken...Geräusche, Gerüche...der Mensch kam wieder!

Bist du an meiner Seite beim Erkunden der Welt?

Endlich würde ich dieses seltsame Wesen auch sehen! Meine Geschwister hatten ihn auch schon bemerkt...aufgeregt liefen einige zur Wand unserer Wurfbox. Sie freuten sich tatsächlich auf ihn...war es doch die einzige Abwechslung am Tag...obwohl er nicht gerade freundlich oder rücksichtsvoll mit uns umging. *brumm* Meistens schob er uns einfach mit den Füßen beiseite. Oder er hob uns und wendete uns, so dass manchem meiner Geschwister sogar schlecht wurde. Einmal hatte eine Schwester ihn angekotzt, woraufhin er sie sogleich fallen ließ und ganz laut geschimpft hat. Verstand ich gar nicht, seine Wut, schließlich war doch eh alles dreckig. Außerdem war er doch selber schuld, dass meiner Schwester schlecht wurde...

Aber wie gesagt, meine Geschwister freuten sich dennoch über seinen Besuch. Ich mich ja auch irgendwie...aber ich gehörte zu den skeptischeren meines Wurfes...

Die Tür öffnete sich...und da stand er: Auf nur 2 Beinen? Wieso fällt der nicht um? Kein Fell? Wird dem denn nicht kalt? Und was sollen die Vorderpfoten da sinnlos an der Seite baumelnd? Seltsame Wesen diese...diese...diese...*amohrkratz* Felllose Primaten! *wedel*

Und dieser felllose Primat drückte meine mutigsten Geschwister, die sich als nächstes an ihn heran getraut hatten, wieder mit seinen Füßen unsanft beiseite. Er roch diesmal anders als sonst...ein anderer Geruch mischte sich unter den Schweiß und dem Alkohol...es roch irgendwie lecker (der neue Geruch, nicht der Schweiß und der Alkohol!).

Bist du es? auf den ich gewartet habe? Mein Partner?

„Na da schau her, die meisten haben ja schon die Augen auf“, hörte ich seine Stimme. „Dann fangen wir gleich mal mit dem Training an, denn Welpen haben viel zu lernen...“ Irgendwas in seiner Stimme schenke ich wenig Glauben...besonders vertrauenerweckend roch er ja eh nicht...

„Ich hab auch Futter für euch. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Wie begrenzt dieses Vergnügen war, sollte ich erst später erfahren. Zuerst lernte ich eine der ersten „harten Lektionen“ kennen... Der Mensch füllte das lecker riechende Futter aus seiner Tasche – später erfuhr ich, dass sowas Tüte heißt – in einen Napf. Er öffnete unsere Wurfbox, zum ersten Mal kamen wir da heraus. Und dann fing er an...ging auf uns Welpen zu, bedrohlich, wild mit der Tüte raschelnd... Die Mutigsten von uns stürmten vor und bellten ihn mit ihren damals noch hellen Stimmchen an. Unsere Mutter versuchte uns zu verteidigen, uns zu beschützen...doch sie kam nicht heran, denn sie war angeleint... *brummm*

Die Welt ist ganz anders, als ich sie bisher kannte...echt wuffig spannend!

Ich gehörte nicht zur 1. Reihe der Angreifer, eher zu den 2. ... ich blieb also in etwa auf der Höhe meiner Mutter. Die weniger Mutigen von uns versteckten sich hinter ihr, die besonders Wagemutigen wagten sich sogar ein oder zwei Hüpfer voraus... Irgendwann war diese bedrohliche Situation vorbei. Der Mensch griff zum Napf, stellte ihn hin und betrachtete zufrieden wie die mutigsten von uns als erstes zum Napf stürmten. Es reichte gar nicht für uns alle...und naja, das beste Futter war es wohl auch nicht gerade...aber wir hatten Hunger...und daher begannen auch einige meiner Geschwister andere von uns vom Napf wegzujagen. Bei mir haben das auch einige versucht, ein paar sogar mit Erfolg... *schüttel*

Der Mensch beobachtete uns dabei, zumindest beim ersten Mal. Ich roch seine Zufriedenheit... „Toll, gerade ihr mutigen Racker werdet einen satten Preis erzielen. Und euch andere werden wir auch schon gewinnbringend los werden.“ Dann verschwand er, während wir uns um die letzten Brocken stritten...

Unsere Mutter versuchte zu schlichten. Aber sie kam nicht an uns heran. Denn der Mensch hatte den gedankenlos den Napf außerhalb ihrer Reichweite hingestellt. Als alle Brocken vergeben waren und ich ihr Winseln hörte, tapste ich zu ihr. Ich wollte wissen, was er da mit uns gemacht hatte und warum?

Erstes Beschnüffeln von nachbarschaftlichen Gefilde...hier im Düsseldorfer Hofgarten

Mutter signalisierte mir: „Er hat euch getestet, er wollte wissen wer die Mutigsten und Aggressivsten unter euch sind. Er wollte euch mit der raschelnden Tüte nervös, im besten Fall sogar aggressiv machen.“ Aber warum?, wollte ich wissen. „Genau weiß ich das auch nicht mein Sohn, aber die Mutigsten und Aggressivsten verschwinden immer als erstes – und oft höre ich dabei das Wort „Hundekampf“. Sie lassen uns kämpfen? Etwa gegeneinander? „Ja mein Sohn, sowas tun Menschen...“, signalisierte sie mir mit Trauer und auch schmerzlichen Erinnerungen. Erst jetzt bemerkte ich die Narben auf ihrem Körper (meine Augen waren ja erst seit ein paar Stunden geöffnet)...

Der Mensch kam noch so manches Mal. Jedes Mal brachte er Futter, jedes Mal machte er uns vorher wild – ziemlich oft mit einer Tüte, aber auch mit anderen Gegenständen und Methoden. Und immer war das Futter zu knapp für uns alle (wenigstens vergaß er nicht jedesmal unsere Mutter). Dennoch freuten sich viele meiner Geschwister über seinen Besuch...es war ja die einzige Abswechslung in unserem Kellerleben und immerhin gab es Futter, wenn auch wenig...zu wenig, satt wurden wir nie, Streiterei untereinander gab es immer um die letzten brocken...dennoch freuten wir uns über seinen besuch, wir Hunde sind so...wir freuen uns selbst dann bei euch Menschen, wenn ihr uns nicht wohlgesonnen seid...

Das sind also Blätter...kenn ich nicht...und du meinst echt, die sind ungefährlich? Ich vertrau dir, Partner!

Zum Glück sollte ich bald den Unterschied erfahren, dass es auch andere Menschen gibt. Doch zuvor, da fing es an. Die ersten von uns verschwanden. Manchmal, wenn der Mann kam, da nahm er den ein oder anderen, manchmal auch zwei oder gar drei von uns nach dem Essen mit. Meistens sahen wir unsere Geschwister nicht wieder.

Wohin sind sie?, wollte ich von unserer Mutter wissen. „Das weiß ich nicht, mein Sohn. Weg. Bei den Menschen wahrscheinlich.“ Also raus? In die Welt? Und was dann? Lebten alle Hunde dann in so dunklen und dreckigen Kellern wie wir? Würde ich wenigstens einen Blick und vor allem eine Nase in die Welt werfen können, bevor ich wieder in einen Keller komme? Und wo und was war dieser Teil, der mir noch fehlte, der da draußen auf mich wartete... *gähn* Mit diesen Gedanken schlief ich nach den aufregenden Erlebnissen des ersten Tages mit geöffneten Augen ein...
 

Im nächten und abschließenden Teil erfahrt ihr dann, wie ich raus kam und zum aller ersten Mal meinen 2-beinigen Partner traf. Und als kleine Überraschung wird dann auch mein Menschenpartner einen Beitrag schreiben. Denn ich änderte alles in seinem Leben. Was genau, das wird er euch dann offenbaren. Also: Stay tuned! Bleibt mit der Nase dran! 


Die beiden anderen Teile meiner Geschichte findet ihr hier:


Mittwoch, 24. August 2016

Ein Wörterbuch für die Hunde-(Körper-)Sprache - unser Besuch bei Alex Angrick

Eigentlich war es Zufall, aber einer von diesen mit Folgen. Schon vor einer ganzen Weile, da trafen wir auf die Hundetrainerin Alexandra Angrick (ihre Facebook-Seite findet ihr hier). Das war auf einer Hundemesse und da dort auch genug Platz für Hunde war, durfte Rico auch mit. Nur leider fing es an zu regnen und alle stürmten in die Hallen. Daher wurd es darin ziemlich eng. Und da sprach uns Alex an, die wohl Ricos Unmut über die Enge bemerkt hatte. Und sie bot uns daher auch kurz Asyl bei sich am Stand – wir kamen ins Gespräch...

Und da hatte sie dich. *schwanzwedel* Na, sie hat ja auch gleich eines deiner Lieblingsthemen angesprochen...Körpersprache von uns Hunden. Da wirst ja immer schwach... *frechwedel*

Ja, das stimmt Rico, das Thema interessiert mich halt. Leider konnten wir uns in der nun überfüllten Halle nicht in Ruhe darüber unterhalten. Aber meine Neugierde war geweckt. Und so lud uns Alex ein, sie mal zu einem Kaffee zu besuchen.

Na, das hat aber dann doch ziemlich lange gedauert, bis wir dann mal da waren... *brummm*

Du riechst aber spannend...

Jaaaa, aber weißt du mein Kleiner, bei Menschen ist das nicht immer so einfach mit Terminen. Aber wir haben es ja dann doch geschafft. Und es waren dann weit mehr als nur ein Kaffee. Denn was Alex zu erzählen hatte, fand ich sehr spannend – oder wie Rico wohl sagen würde: schnüffelspannend. :-)

Ohrüde (Menschensprache: Ohmann), Alter, du sprichst Hündisch immer noch mit starkem Primatenakzent! Wie kann das denn“schnüffelspannend“ sein, wenn es doch nichts zu riechen gab? Das war daher eher wuffig spannend. *jawohlwoaff*

Beim Fotografieren hatte Rico einen Clown verschluckt, so sehr freute er sich über das Wiedersehen mit Alex

Ja, schon gut...aber was eure Sprache, oder genauer gesagt: Körpersprache angeht, da ist ja auch Alex eher die Expertin als ich... Und weil die meisten Probleme eben genau durch Missverständnisse in der Kommunikation entstehen (nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Hund und 2-Beiner), hatte sie eine zündende Idee: Ein Wörterbuch der Hundesignale. „Nicht immer interpretieren Halter die Signale ihres Hundes richtig, und durch solche Missverständnisse handeln wir Menschen zwar im besten Wissen und Gewissen, aber dennoch falsch für den Hund. Wenn wir ihre Sprache dagegen verstehen, dann lassen sich viele Probleme schon im Vorfeld umgehen“, sagt Alex.

Und weil Verständnis von Verstehen kommt, entwickelte sie dafür zusammen mit einem kleinen Team die App DogDict. Aber das ist jetzt kein klassisches Wörterbuch...

Schlaumeier, Wörterbuch, das geht ja auch nicht! *frechgähn*

Hey, du Frechwookiee, nicht so vorlaut, sonst gibt’s kein Leckerlie heute Abend. ;-) Also wie gesagt, es ist kein klassisches Wörterbuch, sondern es arbeitet mit kurzen Videos, die zwischen 20 und 40 Sekunden lang sind. Man kann sie sowohl in Zeitlupe, als auch Echtzeit ansehen. In Zeitlupe auch ohne Ton, um sich so auf die Bewegungsdetails besser konzentrieren zu können. Und es wird immer nur ein Begriff erklärt. Und das Gute daran ist, dass man es als App auf dem Handy immer dabei hat. So kann man auch schnell was nachschlagen oder anderen auch vorführen. „Außerdem schulden wir es auch diesen wunderbaren Tieren“, sagt Alex, „die ihr ganzes Leben damit verbringen uns Menschen zu verstehen.“

Foto? Ne, lieber Kuscheln!

Und du hast ja auch was Neues dazu gelernt...

Achso, ja...du meinst euer Niesen...ja, das kann bei euch heißen, dass ihr angestrengt nachdenkt...so wie wir Menschen uns am Kopf kratzen. :-) Bisher gibt es 32 Videos, weitere sind in Planung. Denn die App soll ständig aktualisiert und erweitert werden. Dennoch ist sie mit einem einmaligen Preis von derzeit 4,90 sehr günstig. Leider gibt es sie derzeit nur für das iPhone, sonst hätte ich mir sie längst aufs Handy geladen. Aber Alex, die seit 18 Jahren Hundetrainerin ist, hat uns versprochen, dass es auch eine Android-Version geben wird.

Bis dahin übe ich mit dir „Hunde-Vokabeln“ *frechschauwedel*


Hier ein Beispiel aus dem Wörterbuch - das Kratzen:



Foto: Alexandra Angrick

Foto: Alexandra Angrick

Foto: Alexandra Angrick

Foto: Alexandra Angrick