Dienstag, 4. Dezember 2018

Die 5 besten Hundeblogs

Bei meinen Gassigängen durchs Web lese ich natürlich auch mal andere Hundeblogs - teils zur Belustigung, teils zur Inspiration, teils aber auch zur Information. Im Laufe unseres Daseins als Hundeblogger haben wir viele Blogs kommen und gehen sehen. So mancher hielt nicht mal 6 Monate durch. Eigentlich schade, denn das Leben mit Hund hat unzählige Facetten und es lohnt sich allemal auch mal andere Perspektiven zu erkunden. Denn auch in Blogs findet sich so manche nützliche Info und Inspiration. Daher lese ich ganz besonders gern welche zu Fachgebieten, wo ich selber wenig Ahnung habe.

Aber auch Alltagsgeschichten gefallen mir sehr, denn schließlich besteht der Großteil des Lebens aus Alltag und nicht aus Fachinformationen - ganz davon abgesehen sind die auch meist realitätsnäher als so mancher Fachbeitrag. Hier hab ich euch mal eine Liste der Blogs zusammengestellt, in denen ich immer wieder mal reinschnüffle und die ich daher persönlich am besten finde - und meist liegt Rico dann neben mir und lässt sich dabei genüsslich kraulen.


Egal, ob auf der Straße oder im Wasser, ob im Wald oder im Web - wir beiden Gassireporter halten immer Ausschau nach schnüffelspannenden Themen und Geschichten!
Foto: Lutz Borger

Meine absoluten Favoriten sind:
  • Wohltuend undogmatisch geht Anke Jobi durch das "Minenfeld" des Themas Ernährung in ihrem Blog Clean Feeding. Immer das Wohl des Hundes im Fokus und so herrlich entspannt greift sie hier alle Napf-Themen auf.
  • Beim Thema Hundeurlaub ist Martina Züngel-Hein immer on Tour. In ihrem Blog HundeReisenMehr finden sich zahlreiche Orte und Tipps zum Urlaub mit Hund.
  • Die Autorin Katharina von der Leyen habe ich schon gelesen, als ich damals Redakteur im Hause Gruner+Jahr war (und damals über Aktien und Rohstoffe schrieb). In ihrem Blog Lumpi4 greift sie die unterschiedlichsten Themen auf - immer locker und leicht verständlich geschrieben.
  • Nicht nur zu diversen Krankheiten ist der Blog von Tierarzt Ralph Rückert eine Fundgrube. Auch so manches Alltagsproblem oder diverse Verrücktheiten in den (a)sozialen Medien greift er auf.
  • Kritisch mit wissenschaftlichen Studien setzt sich die Verhaltensbiologin Marie Nietzschner in ihrem Blog Hundeprofil auseinander. 

Natürlich gibt es noch zahlreiche andere gute Blogs, in denen wir ab und an rumstöbern. Viele mit guten Tipps zum Selberbasteln, Rezepten oder auch wunderbaren Geschichten und Fotos. Stöbert am besten mal selber durch die Weiten des Web. Aber vergesst nicht: Die schönsten Geschichten schreibt das wahre Leben - das gilt ganz besonders für ein Leben mit Hund! 



Freitag, 9. November 2018

Hunde sorgen für Stimmung!

🐶 Juhuuuu, fröhlich begrüße ich meinen alten Fellkumpel Snoop. Kaum begrüßen wir uns schnüffeltechnisch, schon platz die Freude aus mir heraus und ich renne aufgeregt in weiten Kreisen um ihn. *freuwedelhüpf* Ich hab ihn fast 1 Jahr nicht gesehen, umso größer war meine Wiedersehensfreude. Beinahe zeitgleich verändert sich auch mein 2-Beiner: unweigerlich grinst er fröhlich, sein ganze Körper entspannt sich - da hab ich ihn mit meiner guten Laune angesteckt. Wie das möglich ist? Ganz einfach: durch Stimmungsübertragung.

Das Thema treibt uns ja schon seit den Anfängen unseres Hundeblogs um. Es hat auch nichts mit Esoterik oder so zu tun, auch wenn ich es manchmal semi-telepathische Verbindung nenne. Denn die vielen klitzekleinen Signale, die ihr aussendet, und nicht zuletzt auch euer Duft, geben uns Hunden Aufschluss über eure Stimmung. Wie ihr das auch aktiv für eure Kommunikation mit Hund nutzen könnt, das hat euch mein Oller ja in unserer aktuellen Kolumne im Hundemagazin WUFF beschrieben.


Die Stimmungsübertragung funktioniert in beide Richtungen!
Foto: Lutz Borger

Aber wie ist das möglich, dass wir Hunde un so in euch Menschen hinenversetzen können? Und uns eure Stimmung so "ansteckt"? Oder auch andersherum: Unsere Stimmung euch 2-Beiner beeinflusst? Ja, genau, ihr habt richtig gelesen: Denn Stimmungübertragung ist keine Einbahnstraße! Möglich machen das die Spiegelneuronen. Diese Nervenzellen sind es, die dafür sorgen, dass Gähnen ansteckend ist - übrigens nicht nur zwischen euch felllosen Primaten, sondern auch zwischen uns Hunden UND auch zwischen Mensch und Fellpartner.


Das Döggelchen Rico freut sich seinen alten Fellkumpel Snoop zu treffen - die Freude überträgt sich sogar auf sein menschliches Cerebral-Interface.

Wahrscheinlich habt ihr damals, als die ersten Wölfe sich euch anschlossen, besonders die sehr aufmerksamen Beobachter gefördert. Denn mit ihnen war die Kommunikation trotz "Sprachbarriere" einfacher. Als euer ältester Freund im Tierreich verstehen wir euch daher besonders gut - auch wortlos.


Zwei die sich auch wortlos verstehen!
Foto: Beatrix von Winterfeld-Heuser

Und so kommt es, dass wenn wir Hunde uns aufregen, dass ihr dann auch nervös werdet. Oder wenn ihr angespannt oder gestresst seid, dass wir dann auch nicht gechillt beim Gassi sind. Doch ihr felllosen Primaten müsst nicht nur "Opfer" eurer Stimmung sein, ihr könnte sie aktiv beeinflussen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Dazu bedarf es einiger Übung und diverse Techniken können euch dabei helfen. Beispielsweise nutz mein Oller dafür Imaginations- und Atemtechniken - wie er euch ja in seiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin berichtet hat oder wir es schon vor einiger Zeit hier in unserem Hundeblog schrieben. Ihr habt sicher schon mal gemerkt, wie ihr kurzatmiger wurdet, wenn ihr aufgeregt wart. Ihr könnt nun euren Körper ein wenig "austricksen", wenn ihr bei Aufregung extra langsam atmet. Doch auch andere Techniken können helfen, wie Autogenes Training oder Yoga etc. Probiert am besten selber aus, was bei euch wirkt und passt. Aber ein Tipp könnt ihr sofort umsetzen: Fangt jeden Gassigang am besten mit schönen, positiven Gedanken an! Wenn ihr euch vorher schon Sorgen macht oder gestresst seid, dann kann das nur nach Hinten losgehen. Eine Studie von Iris Schöberl und Kurt Kotrschal an der Universität Wien ergab, dass fröhliche Menschen meist ausgeglichenere Hunde habe.


Sich einfach mal der Stimmung hingeben...
Foto: Ruggero De Pellegrini

Doch manchmal, da solltet ihr euch auch einfach mal der Stimmung eurer Fellpartner hingeben. Mein menschliches Cerebral-Interface genießt es geradezu, wenn ich Ruhe ausstrahle und wir gemeinsam einfach auf dem Sofa oder auf einer Wiese chillen. *seufz*


Links zum Thema:



PS: Dies ist der ergänzende Blogbeitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (12/2018) "Die Stimmung machts: In der Ruhe liegt die Kraft!"




Donnerstag, 1. November 2018

Was Halter oft vergessen: Hinter jedem Angebot steckt ein ökonomisches Interesse! Und wichtiger als die Qualität ist die richtige Seilschaft...

Der zunehmende Konkurrenzdruck unter den Hundetrainern treibt seltsame Blüten. Auch vor betrügerischen Methoden machen einige keinen Halt. Sehr zum Leidwesen der Halter und auch der Hunde. Denn eigentlich sollten sie und ihr glückliches Miteinander im Zentrum stehen. Doch darum geht es bei vielen schon lange nicht mehr, wichtiger als Inhalte ist die richtige Seilschaft...

Besorgniserregend – so würde ich die Entwicklung der vergangenen Jahre in der Hundetrainer-Szene mit einem Wort beschreiben. Denn die Hundeszene ist auch nicht mehr das, was sie mal war. In den vergangenen Jahren zeigte gerade diese Branche eine gewisse primitive Kreativität, um Haltern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nehmen wir nur mal das Beispiel „Problemhunde“ oder ähnliche Begriffe – Koryphäen wie Günther Bloch oder Dorit Feddersen-Petersen sind sich darin einig, dass der Mensch das eigentliche Problem ist (auch wir schrieben schon über den Marketing-Trick mit den angeblichen Problemhunden). Dennoch bieten zahlreiche Hundeschulen Workshops und Seminare an, verschieben damit das Problem vom Menschen auf den Hund – denn damit lässt sich trefflich Geld verdienen und am Hund rumtherapieren. Auch das Beispiel „Anti-Giftköder-Training“ erfreut sich großer Beliebtheit, nicht selten wird es mehrere Wochen trainiert – mit entsprechendem Umsatz für die Hundeschule, denn mit dem Hebel der Angst lässt sich so mancher Hundehalter ködern. Dabei sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass Hunde so früh wie möglich lernen, nichts von der Straße zu essen. Ähnlich wie man kleinen Kindern ja auch beibringt, nichts von Fremden anzunehmen. Wir haben das quasi so nebenher trainiert, bei unseren Gassigängen immer wieder mal – sehr zum Ärger mancher Hundetrainer, aber nicht nur, weil sie an uns nichts verdient haben, vielmehr waren die sauer, falls sich das rumspricht und andere Halter ein Beispiel daran nehmen. Wo kämen wir denn auch hin, wenn Halter ihren Hunden was beibringen, ohne dafür Geld bei einem Hundetrainer zu lassen... 😉

🐶 Jedes Angebot sollte gut beschnüffelt werden! Ihr Menschen nennt das Recherchieren. Eine gesunde Portion Skepsis und kritisches Denken ist in der Hundebranche mehr als angebracht - denn viele wollen eure Liebe zum Hund nur ausnutzen! (rico)

Aber solche Angebote sind noch verhältnismäßig harmlos. Denn Kunden bei der Angst zu packen, DAS ist ja schon ein alter Hut unter den Marketing-Tricks (insbesondere Drücker-Kolonnen der Versicherungsbranche benutzen sie gern). Schlimmer sind da schon an Betrug grenzende Methoden, wie beispielsweise getürkte Lebensläufe. Dass Lebensläufe gern mal geschönigt werden, das ist ja schon allgemein bekannt. Doch es ist eine Sache, Dinge positiver darzustellen und eine andere, positive Dinge einfach hinzu zu dichten. Ein gefälschter Lebenslauf ist eine arglistige Täuschung, die Gerichte unterscheiden nach Schwere der Täuschungsversuche. So mancher hübscht seine Vita damit auf, indem man sich die ein oder andere irgendwie passend wirkende Station erfindet. Doch zahlreiche Informanten berichteten uns sogar von falschen Angaben, stichprobenartige Faktenchecks bestätigen dann auch deren Behauptungen. Bei einigen kann man sich eine Überprüfung gar sparen, so dilletantisch fälschen die ihren Lebenslauf, dass ein simples Nachrechnen das schon entlarvt: Da fügte beispielsweise eine recht bekannte Hundetrainerin so viele Berufsstationen hinzu, dass sie ihr Abitur schon mit 12 Jahren hätte bestehen müssen. Klar, dass es keine Belege wie Zeugnisse dafür gibt... Umso wichtiger ist es daher mal nachzufragen und sich solche Referenzen auch zeigen zu lassen.

Auch das Thema „Tierschutz“ wird für die eigenen egoistischen Ziele instrumentalisiert. Gern werben auch viele mit ihrem Engagement für den Tierschutz. Doch schaut man hinter die Fassade offenbaren sich Abgründe: So lässt sich beispielsweise eine Hundetrainerin ihre Arbeit in Tierheimen mit 1000 Euro am Tag aus Spendengeldern vergüten, was freilich nicht öffentlich gesagt wird – aber in den Sozialen Medien lässt sie sich gern für diese Tierschutz-Arbeit feiern. Es ist eben nicht alles Tierschutz, wo Tierschutz drauf steht...

Oder so mancher Tierschutz-Spendenaufruf entpuppt sich als gar nicht existierender Verein! So fanden wir Fälle vor, die juristisch eine Spendenaktion sind, das Geld fließt aber über das Spendenkonto eines anderen eingetragenen Vereins. Seltsam nur, dass dieser Verein keine eigene Webseite hat und auch die Satzung nicht eingesehen werden kann. Dabei sollte doch ein Tierschutzverein ein berechtigtes Interesse daran haben, schon um Spendengelder zu bekommen. Transparenz sieht jedenfalls anders aus. In einem Fall gestand uns sogar die frühere Schirmherrin, dass sie wegen der mangelnden Transparenz nicht mehr mit dem Verein zusammen arbeitet. So lässt sich auch vortrefflich verschleiern, wohin die Gelder tatsächlich fließen...vielleicht wird so auch der ein oder andere Urlaub finanziert.

Zwecks Geschäftsförderung haben sich ganze Netzwerke entwickelt. Das ist ja nichts außergewöhnliches, kennt man ja auch von anderen Branchen – wird der ein oder andere sagen. Das mag sein, aber in anderen Branchen geht es nicht um ein von Raubtieren abstammendes Lebewesen. Was wirklich daran schlimm ist, ist aber, dass es völlig egal ist, was man da verkauft oder unterrichtet – solange man sich an die internen „Netzwerk-Gesetze“ hält, wird man gefördert und hat seine Ruhe vor Kritik. Egal wie abstrus es ist, selbst wenn es gegen Tierschutzgesetze verstößt – denn keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. Und einige dieser Netzwerke sind weit verzweigt. Wir haben bei der ein oder anderen Seilschaft sogar Verbindungen bis hinein in TV- und Zeitschriften-Redaktionen oder bis hin zu Buchverlagen entdeckt. Da steht das eigene Wohl und der eigene Erfolg weit über dem Wohl von Hund und Halter...

🐶 Zum Glück passt mein Oller auf mich auf, damit nicht irgendwelche Scharlatane und Blender an mir rumtherapieren und dabei nur ihr Bankkonto im Sinn haben! (rico)

Halter sollten daher immer im Hinterkopf behalten, dass hinter jedem Angebot ein ökonomisches Interesse steckt. Das ist gar nicht mal als Vorwurf gedacht, das ist die Aufgabe von Unternehmen. Man verurteilt ja auch keinen Fisch dafür, dass er schwimmt. ABER: Halter blenden sowas gern mal aus, da sie beim Hundethema sogleich auf der emotionalen Schiene angesprochen werden. Und nur allzugern glauben sie, dass man ihnen helfen will. Dem ist aber nicht so! In erster Linie steht das eigene ökonomische Überleben. Schließlich müssen auch Leute aus der Hundebranche Rechnungen bezahlen. Und sie leiden unter einem Dilemma: Machen Hundetrainer ihren Job gut, so rationalisieren sie sich selber weg – denn sie versetzen Hund und Halter in die Lage, alleine als Team klar zu kommen.



Donnerstag, 25. Oktober 2018

Hunde-Führerschein – brauchen wir den?!?

Immer wieder brandet die Forderung nach einem Hunde-Führerschein auf (eigentlich ist der Name schon falsch, „Hundeführschein“ wäre eigentlich korrekter, aber der griffigkeithalber hört man wohl öfter die andere Bezeichnung). Daher haben wir mal unsere Blogleser gefragt: Die große Mehrheit von 81 Prozent der über 1300 Umfrageteilnehmer will ihn. Doch die Details sind wichtig! So manches Argument dafür, zeigt, dass es vielen um das Wohl ihrer Hunde geht. Aber auch die Gegner haben gute Argumente, über die nachzudenken lohnt. Doch brauchen wir ihn wirklich? Und wie würde der dann im Ergebnis aussehen? Ein Blick auf die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen „Hunde-Parteien“ lohnt hier.

„Wir brauchen einen Hunde-Führerschein!“, solche und ähnliche Forderungen tauchen schon seit Jahren immer wieder auf. Auf den Hundeplätzen, der Straße und vor allem sehr oft in den (a)sozialen Medien Facebook, Twitter & Co. Besonders hoch brandet die Forderung auf, wenn wieder mal was passiert ist, entweder ernste Unfälle wie vor Kurzem in Österreich als ein Kleinkind gebissen wurde oder aber auch weniger ernstliche, wie bei so mancher Privatfehde, die in Facebook ausgetragen wird...

Auch ohne "Führerschein" für Hunde können Halter entspannt Gassi gehen - sie müssen eben nur auf ihren Hund und andere Rücksicht nehmen!
Foto: Lutz Borger

Doch außerhalb der (a)sozialen Medien sieht man keine bundesweite Aktivität in diese Richtung in Deutschland. Und damit wir uns nicht missverstehen: bundesweit bedeutet nicht bundeseinheitlich! Denn das geht halt wegen des Föderalismus und des Subsidiaritätsprinzips nicht in unserer Demokratie – und ehrlich gesagt: so sehr ich Hunde liebe, aber deswegen die Demokratie abzuschaffen, halte ich doch für übertrieben. 😉

Seit Jahren wird so ein bundesweiter canider Führerschein nur gefordert. Eine Umfrage unter den Lesern unseres Blogs erbrachte, dass immerhin 81 Prozent der 1303 Teilnehmer so einen Führerschein befürworten. Warum bisher in Deutschland nichts passiert? Nun, in diesem Zusammenhang lohnt mal ein Blick auf die unterschiedlichen Interessen. Schon zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn bläuten mir die damaligen Altredakteure ein, die unterschiedlichen Interessenslagen aller am Thema „Beteiligten“ zu betrachten. Und so muss man mal die ganz einfache Frage stellen: Wer hätte denn ein Interesse an so einem Hunde-Führerschein? Klar, die Hunde selber, denn sie wollen gut informierte Halter haben – und wenn ihre felllosen Primaten es eben nicht von sich aus lernen, muss man sie mit einem Führerschein eben zu ihrem Glück zwingen. Schließlich wollen ja auch Hunde verstanden werden. Aber unsere Fellfreunde können ja nicht für sich selber sprechen und haben ja daher keine eigene Lobby. Also schauen wir dann mal auf der 2-Beiner-Seite.


Interessen der Hundetrainer

Da wären zunächst die Hundetrainer: Einige werden dafür sein, aber einige eben auch dagegen. Bei Letzteren werden sicher auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen; denn sind wir doch mal ehrlich, wenn so ein Führerschein käme, wo nur zertifizierte Hundeschulen die Kurse anbieten dürfen, dann entgeht den anderen zumindest schon mal dieses Geschäft. Außerdem könnte es zu weiteren Kundenabwanderungen kommen, weil die zertifizierten Schulen dann ein besseres Image bekommen und außerdem viele, die anfangs den Führerschein-Kurs gemacht haben, wahrscheinlich in derselben Schule später auch andere Vorträge oder Workshops besucht (einfach, weil er sie schon kennt). Und so ein Führerschein wäre eine Hürde, die viele scheuen würden, die Zahl der Hunde würde demnach abnehmen. Einer der wenigen Hundetrainer, die das auch öffentlich zugeben, ist Dirk Lenzen von der Hundeschule und Filmtieragentur animalstar. Er sagte angesichts der großen Anzahl von Hunden in unserer Heimatstadt Düsseldorf (22.000 Hunde bei rund 640.000 Einwohnern): „Es gibt hier viel zu viele Hunde. Eigentlich dürfte ich sowas aus kaufmännischer Sicht mit Blick auf mein Unternehmen ja gar nicht sagen. Aber drum herumreden, das hilft nicht.“ Außerdem: So geschäftlich konkurrierend und ideologisch zerstritten, wie die Hundetrainer-Szene ist, dürfte die Einigungsversuche auf einen Lehr-Kanon für jeden politischen Beobachter mehr als spannend sein. 😃

Interessen der Tierärzte

Kommen wir zu den Tierärzten: Auch hier habe ich einige kennengelernt, die dafür sind. Andere waren aber auch dagegen. Auch hier spielten nicht selten wirtschaftliche Interessen eine maßgebliche Rolle (auch wenn sie es nicht immer zugegeben haben). Zunächst ist zu sagen, dass das Tierarzt-Leben mit einer Kosten verschlingenden Praxis nun auch nicht wirklich in Luxus schwelgt mit 2 Mal Urlaub in der Karibik und Mitgliedschaft im Golfclub. Nicht selten haben wir Tierärzte kennengelernt, die einen Großteil ihres Umsatzes mit anderen Dingen verdienen: so beispielsweise mit dem Verkauf von Futter und Halsbändern oder auch Workshops und und und... Ein solcher Führerschein würde ja eventuell die Hundeanzahl mindern (dieses Argument kann ich nicht so ganz nachvollziehen, bei Autos hat es jedenfalls nicht zu einer Minderung geführt), befürchten da viele. Was also dann wieder weniger Kunden in der Tierarztpraxis bedeutet.

Interessen der Industrie

Auch die Pharma-Industrie, deren Lobby ja bekanntlich recht stark ist in Deutschland, dürfte sich nicht gerade stark dafür machen. Denn weniger Hunde bedeutet auch für sie weniger Umsatz. Gleiches gilt auch für die Futtermittelproduzenten oder all die Hersteller von Halsbändern, Leinen, Geschirren, Hundebetten und alle anderen nützlichen und auch weniger nützlichen Dingen rund um den Hund.

Interessen der Politiker

Die größte Hürde dürfte aber die Lokalpolitik spielen: Denn schließlich kostet sowohl die Durchführung, als auch die Organisation und Kontrolle eines solchen Führerscheins Personal. Und das bei den chronisch leeren Kassen vieler Gemeinden. Wohl nicht zuletzt deswegen springen zwecks Wählerfangs Politiker auf die populistisch wirksame Forderung nach allgemeiner Maulkorbpflicht auf – ist halt für sie günstiger und einfacher.

Interessen der Halter

Aber hey, was ist mit den Haltern? Die müssten doch ein Interesse daran haben. Wenn man so manche Erlebniserzählung hört oder liest, doch schon aus Eigennutz um weniger unwissenden Haltern zu begegnen oder sonstiges Gassi-Catchen zu vermeiden. Ja, denkste! Denn die Kommentare zu unserer Umfrage zeigten auch: Die Halter sind so fragmentiert, dass sie da wohl schwer eine gemeinsame Richtung finden lässt (nur in einem Punkt waren sich erstaunlich viele einig: Wenn so ein Führerschein, dann eher Schulung des Halters, als die des Hundes). Das erkennt man auch an diversen Gegenargumenten, die einen lehnen es ab, weil sie „schon immer Hunde haben und schon alles weiß“ oder weil sie der Meinung sind „ich habe einen kleinen Hund, der ist nicht so gefährlich, selbst wenn er beißt“. Okay, Letzteres mag ja sogar stimmen, zumindest physikalisch, aber auch ein kleiner Hund kann einen anderen provozieren und somit auch Unfälle der verschiedensten Art hervorrufen (schließlich haben Hunde keine Vortellung von ihrer Größe, d.h. kleine Hunde wissen nicht, dass sie klein sind und große Hunde nichts von ihrer Größe; sie sehen sich eben nur als Hund) – teils eben auch mit Gefahr für sich und sein(e) Halter(in). Kein vernünftiger Mensch würde sich auch bei kleinen und schwächlichen Kindern die Erziehung sparen oder sich dem Wissen um die Bedürfnisse dieser Kinder versperren. Auch juristisch ist so ein Ansinnen wohl schwer durchsetzbar, wenn man den Gleichheitsgrundsatz nicht verletzen möchte.

Anders sieht es da schon mit anderen Argumenten aus. Sehr gut gefiel mir der Einwand unserer Blogleserin Anke Füs (Facebook-Name), dass es sich ja bei Hunden quasi um Familienmitglieder handelt und daher ein „Führerschein“ unangebracht wäre. Warum mir das Argument gefiel? Es brachte die wenig beachtete soziologische und emotionale Perspektive ins Spiel und stellte den Hund ins Zentrum. Sicher, das Auto ist – gerade in Deutschland – auch ein „soziologischer Faktor“, spielt im Leben vieler auf irgendeine Weise eine zentrale Rolle und so mancher Autonarr verspürt romantische (oder gar erotische) Emotionen beim Anblick seines Traumautos. 😉 Dennoch sehen zumindest die meisten Leute das Auto nicht als Familienmitglied – oder die sind mir nur noch nicht über den Weg gelaufen. 😃

Ebenfalls gut fand ich auch den Einwand von Stefanie Alex (Facebook-Name), dass besonders für sehr alte Menschen der Hund manchmal der einzige Sozialpartner ist und ihnen so auch eine emotionale Stütze. Doch gerade sehr alte Menschen sind oft gebrechlich und das Lernen fällt auch vielen nicht mehr so leicht wie mit 12 Jahren. Nun, ich finde, für solche Leute sollte es eh „Ausnahmeregelungen“ geben – schließlich haben sie sich das durch ihre Lebensleistung auch verdient. Aber könnten hier nicht mal Ärzte, Senioren-Betreuer und Tierheime zusammenarbeiten? Nur mal so als Idee... 😉

Ein anderes Leser-Gegenargument, sehe ich ambivalent: Durch einen Führerschein, könnten sich gerade die Nicht-Wohlhabenden unserer Gesellschaft keinen Hund mehr leisten. Emotional gesehen, find ich das mist. Denn schließlich sagt das Bankkonto nichts über die Beziehung zum Hund – und unseren Fellfreunden ist es eh egal. Doch rational gesehen, muss ich eingestehen, ist es auch realitätsfremd. Denn Hunde kosten nun mal Geld – und das sollte sich auch jeder Halter vor der Anschaffung bewusst machen. Und wenn es dem Wohle unserer Hunde dient, so finde ich das Geldargument auch ziemlich schwach – zumal es ja auch genügend Scharlatan-Angebote auf dem Markt gibt, die nur auf rücksichtslose Geldmacherei aus sind. Aber wie bekomme ich nun meine emotionale und rationale Perspektive in Einklang? Nur so eine Idee: Aber wäre sowas nicht auch eine tolle Aufgabe dann für Tierschutzvereine, solchen Menschen zu helfen? Oder: Wie wäre es, wenn die Gebühren für so einen Führerschein dermaßen gestaltet werden, dass ein Teil davon in einen Fonds fließt, mit dem dann nachweislich Bedürftigen geholfen wird? Wäre doch auch ein toller Akt der Solidarität unter Hundehaltern.

Die zentrale Frage ist doch: Was ist das Beste für unsere Hunde?
Foto: Ruggero De Pellegrini
Jedenfalls, bei diesem „Interessensgemenge“ hab ich so meine Zweifel, dass der Hunde-Führerschein kommt. Und falls er dann doch eingeführt wird, dürften die vielfältigen Interessen zu einem recht aufgeweichten Kompromiss führen. Das würde dann auch nichts bringen – vor allem nicht unseren Hunden. Aber brauchen wir denn überhaupt sowas? Viele unserer Leser brachten genau dieses Argument: Es gäbe eh schon viel zu viele Gesetze und Verordnungen. Da kann ich subjektiv nicht widersprechen (bin auch kein Freund von zu vielen Gesetzen, andererseits habe ich nicht zuletzt durch Hunde gelernt, dass eine Gesellschaft ebenso wenig funktioniert wie ein Rudel, wenn sie keine Regeln haben), objektiv gesehen, denke ich aber, dass es eben auch mit dem antisozialen Verhalten vieler Menschen zusammenhängt. Um das zu unterbinden oder zumindest einzudämmen, werden Gesetze erlassen und die drohenden Strafen sollen eben abschrecken. Dabei wäre es so einfach, wenn jeder Mensch sich nur an die Goldene Regel halten würde: „Behandle alle so, wie du selber behandelt werden willst.“ Man stelle sich nur vor, welch wunderbare Welt vor allem für unsere Hunde, wenn alle ihre Halter sich sozialkompetent verhalten würden, wenn sie Rücksicht nähmen, wenn sie mitdenken würden, vorausschauend agieren würden und vieles mehr. Und wenn sich niemand aufregt, kommen gelangweilte Politiker auf Stimmenfang auch nicht auf seltsame Ideen. 😉 Ja, das wäre eine Welt, für die es sich zu Kämpfen lohnt – schon für unsere Hunde.