Mittwoch, 4. Januar 2017

"Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund!" sagt José Arce - aber was heißt das?

Ohrüde (Menschensprache: Ohmann), immer wenn mein menschliches Cerebral-Interface Maximilian in unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin ein Interview hat, ist es für mich echt katzenschwierig einen ergänzenden Blogbeitrag zu schreiben. *brummm*

Daher will ich mal meinen Ollen austricksen und nehme mal einfach einen Satz aus dem Interview, den der Hunde-Mensch-Therapeut José Arce  (hier geht's zu seiner Facebook-Seite) gesagt hat. Der hat ja selber 5 Doggen, da kann er was ab - und sicher auch, was ich Doggen-Mix dazu wuffe... *frechwedel* Es geht um seinen Schlusssatz: "Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund!"

Das sind starke, wuffastische Worte! Aber sie müssen ja auch immer mit Inhalt und Bedeutung gefüllt werden. Und daher will ich euch mal wuffen, was ich so darunter verstehe. *jawohlwoaff*

Erkenne, respektiere und liebe deinen Hund - naja, mein Oller gibt sich echt Mühe *frechwedel* aber dafür lieb ich ihn auch <3
Foto: Der Papagraf
 

ERKENNE

Seinen Hund "erkennen" ist gar nicht mal so einfach, wie so mancher 2-Beiner vielleicht denken mag. Hinter diesem einen Wort verbirgt sich schon so viel! Es bedeutet, lerne deinen Hund kennen. Was eine genaue Beobachtung erfordert und viiiiel Empathie. Außerdem sollte man sich auch viel informieren, über die Rasse, Eigenarten, Bedürfnisse, die Hintergründe, die Vorgeschichte etc. Und das Lernen anstrengend ist, muss ich euch Menschen ja nicht wuffen. Falls doch, erinnert euch einfach an eure Schul- oder Studienzeit zurück. Sonst würden ja nicht so viele Jungmenschen auch mal schwänzen... *frechwedel* Aber wenn euch 2-Beiner das zu viel Mühe ist, dann denkt mal daran, dass wir Hunde die meiste Zeit unseres Lebens damit verbringen EUCH zu verstehen. Gemessen an eurer Lebenszeit müsstet ihr also wahrscheinlich Jahrzehnte für uns aufbringen. Da ist es also nur fair, wenn ihr uns am Tag ein paar Stunden widmet! *jawohlwoaff*


RESPEKTIERE

Hier geht es meiner Meinung nach am meisten um "Achtung". Achtet euren Hund. Was so viel heißt, wie "be-achtet" ihn, aber auch "habt Acht" auf ihn. Und vor allem, achtet seine Bedürfnisse - und das bitte möglichst mehr als nur das notwendigste Maß! Viel zu oft holen sich 2-Beiner einen Hund, weil sie etwas von ihrm erwarten (Gesellschaft, Sport oder sonst irgendwas) und sind dann enttäuscht, wenn der Hund nicht wie ein Mensch reagiert. Also achtet bitte auch unsere Grenzen. Wir lieben euch ja auch mit 2-Beinen und verachten euch jetzt nicht dafür, dass ihr keine Flügel habt... Also lasst uns gefälligst Hund sein!

LIEBE

Das ist wohl das stärkste Wort von den 3...und eigentlich beinhaltet es auch die beiden vorigen schon in sich. Denn wenn man jemanden liebt, dann kommt das "Erkennen-Wollen" und das "Respektieren" von ganz alleine. Aber ich denke, dass José es ähnlich meinte, wie ich es schnüffle (Menschensprache: sehe): Gebt uns bitte auch ein emotionales Feedback! Wir tun das quasi die ganze Zeit auch mit euch. Also seid fair und zeigt uns auch eure Liebe!

Es ist also ganz einfach, quasi canisimpel: ihr müsst nur uns Hunde als Vorbild nehmen. Und jetzt bin ich mal gespannt wie ihr das so riecht (Menschensprache: seht)! *ohrennachvornwedel*


PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (02/2017) "Im Gespräch mit dem 'Hund-Mensch-Therapeuten' José Arce"





 

Dienstag, 3. Januar 2017

Auch 2017 geht es schnüffelnd weiter! :-)

Das vergangene Jahr 2016 war "spannend" - um es mal neutral zu formulieren. Sicher nicht "einfach" und schon mal gar nicht "unproblematisch". Sowohl privat als auch beruflich. Privat am schwersten getroffen hat mich wohl der Tod eines sehr guten älteren Freundes, der mir in den vergangenen 25 Jahren fast wie ein Onkel war, und die Krebs-Diagnose bei meinem Vater - beides habe ich auch bis jetzt noch nicht verdaut und gerade Letzteres wird mich auch in 2017 beschäftigen. Beruflich war das 1. Jahr der Selbständigkeit geprägt von ständigem Auf und Ab - halt der ganz normale Alltagswahnsinn eines Freiberuflers und Hundehalters.

Mit Spaß und Humor ist der alltägliche Wahnsinn für Hund und Halter nicht der Rede wert :-)
Foto: Der Papagraf

Glücklicherweise lernte ich Ende 2015 eine tolle Frau kennen: attraktiv, intelligent, sozial-kompetent, charakterstark, gebildet - kurz gesagt, was man so eben Klassefrau nennt. Halt das Niveau, welches ich auch vor meinem Burnout gewohnt war. Sie war mir gerade in der Anfangszeit eine große emotionale Stütze. Warum ich euch Lesern das verheimlicht habe? Das ist ganz einfach: Ich lass solche Sachen gern langsam entwickeln und häng sowas nicht sogleich an die große öffentliche Glocke - ich weiß, macht heute nicht jeder so, aber sowas wäre halt nicht mein Stil. Und außerdem, auf was für verrückte Ideen so Ex-Freundinnen kommen, muss ich euch ja nicht sagen ;-)

Leider verhinderte aber auch der Aufbau meiner Selbstständigkeit und auch die Entfernung, dass sich unsere Beziehung ab einem gewissen Punkt weiter entwickeln konnte. Und so trennten wir uns in aller Freundschaft. Werde nie das echt tolle "Abschiedswochenende" vergessen, was wir feierten ;-) An dieser Stelle einen riesigen Dank für diese bis heute anhaltende Freundschaft und alle Ratschläge!

Bereits in 2015 reift in mir die Erkenntnis, nicht zuletzt durch das intensive Beobachten von Hunden, dass ich in der jüngeren Vergangenheit (also die Zeit vor meinem Burnout) viel zu viele Kompromisse eingegangen war. Auch - und das war wesentlich - in der Auswahl meiner Freunde und meines Umfeldes. Zur Verteidigung kann ich da nur sagen, dass mich mein Beruf, den ich auch als Berufung sehe, mich derart in Beschlag genommen hatte, dass ich darauf nicht mehr so sehr geachtet hatte. Und später kam noch mein Burnout hinzu, da war ich wohl auch recht "verwirrt" - um es mal stark vereinfacht und salopp, aber dafür kurz und knapp zu sagen. Das taten Hunde aber nach meiner Beobachtung nicht, sich mit anderen abgeben, mit denen sie nicht wirklich können. So reifte dann eine Erkenntnis, die am besten der Buchtitel von Horst Lichter ausdrückt: **Keine Zeit für Arschlöcher! Als Konsequenz davon trennte ich mich von einigen falschen Freunden. Kann ich jedem nur empfehlen, so eine chrakterliche Säuberungsaktion! Denn die Stimmung ändert sich quasi schlagartig zum besseren! Klar, hat man doch gleich auch ein viel besseres Umfeld - was dank Stimmungsübertragung sich auch auf den Hund sogleich niederschlägt. Die Gassirunden werden so auch entspannter :-)

Also zog ich diese Taktik auch 2016 weiter durch, als ich wieder zu arbeiten anfing - und zwar online, wie offline. Irgendwann hatte ich sogar in der Nachbarschaft bei gewissen Leuten den Ruf weg und konnte mir sicher sein, dass die mir ausweichen. War toll, so traf ich auf unseren Gassirunden nur mit den Leuten zusammen mit denen ich und Rico auch konnten - Soziopathen, Egomanen, Profilneurotiker und anderes Gesocks machte ja einen Bogen um uns. (Okay, den ein oder anderen traf es auch ungerechtfertigt, aber diesen "Kollateralschaden" musste ich leider in Kauf nehmen.) Denn ich war ja in ihren Augen der böse Hundehalter, der sie angefahren hatte. Die haben nicht Mal im Ansatz meine Show durchschaut :-D Egal, Hauptsache sie gehen mir jetzt aus dem Weg und wir haben unsere Ruhe!

Wie bereits geschrieben, hatten wir uns ja Mitte/Ende 2015 unser Sabbatical beendet und ich mich als Freiberufler selbständig gemacht. Und aller Anfang ist schwer. Schließlich musste vieles aufgebaut werden. Zudem hatten eine Gruppe von skurrilen Leuten sich zusammengetan, um uns zu schaden. Warum? Keine Ahnung, kann nur vermuten, dass es an deren Komplexen und deren Missgunst liegt. Wie ich damit umgegangen bin? Ganz einfach: Wie ein Hund :-) Hab es ignoriert und mich anderen, wesentlich wichtigeren und produktiveren Dingen beschäftigt. So auch mit der Umsetzung der Projekte, die wir euch ja Anfang 2016 angekündigt hatten - wenn auch nur andeutungsweise ;-)

Hey Alter, so manche Ankündigung haben wir nicht umgesetzt...beispielsweise die Sache mit den Rasseportraits! *frechwedelbrumm*

Stimmt Rico, das holen wir dann in diesem Jahr nach, auch wenn ich es immer noch als Schnappsidee sehe, in einem Blog von einem Mischling Rasseportraist zu bringen. Aber dafür haben wir auch andere Dinge umgesetzt die nicht so geplant waren, wie unsere TV-Auftritte oder unser Einsatz auf der Messe Hund & Pferd. Und das meiste von unseren Plänen haben wir ja auch geschafft.So beispielsweise unser Versprechen auch "offline" zu gehen. Viele dachten dabei an unsere Artikel in diversen Printmedien. Allen voran unsere regelmäßige Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin, aber auch in der Partner Hund, der Welt oder auch in einem Haustier-Spezial in der Abo-Ausgabe des Focus, oder auch unsere Auftritte bei den TV-Sendern sat.1 NRW und center.tv. Sicher, das war ein Teil unseres "offline"-Plans, aber ebenso gehören unsere Gassireport-Treffen dazu. Da schlendern (die Menschen) und schnüffeln (die Hunde) völlig relaxt und entspannt. Sie finden einmal im Monat statt und sind für alle Beteiligten, auf Füßen wie auf Pfoten, ein Highlight. Schon nach dem 3. Treffen mussten wir sogar eine Obergrenze (15 Teilnehmer; ohne uns und die Fotografen) einführen...sorry dafür an alle, die wegen dieser Obergrenze nicht mitkommen konnten, aber sonst wird es zu unübersichtlich. Und wir haben auch schon für den ein oder anderen Fall eine Lösung! Gerade für diejenigen, die weiter weg wohnen und uns fragten wegen so einem Treffen, haben wir eine gute Nachricht: So kann man uns durchaus einladen, allerdings unter der Bedingung, dass ein Teil der Einnahmen dann an eine Tierschutzorganisation gespendet werden. Außerdem ist für 2017 noch eine Überraschung geplant, was die Gassireport-Treffen angeht - aber Details werde ich hier noch nicht verraten. :-D 





 

Was erwartet euch nun im kommenden Jahr? So einiges wird sich ändern. Ich habe gemerkt, dass ich leider (!) nicht mehr die Zeit habe so viel durch alle Kanäle zu jagen. Daher werden wir ein wenig umstukturieren: Auf Twitter erhaltet ihr quasi die Meldung, wenn was neues im Blog oder auf unserer Facebook-Seite erscheint, unser Instagram-Account wird eher für die kurzen Messages von unterwegs genutzt, und unser Youtube-Kanal wird die Hauptplattform für Videos sein (natürlich gibt's auch weiterhin Filmchen in Facebook). Und während quasi unsere Facebook-Seite so die Alltagsthemen aufgreift, wird der Blog nur noch die größeren und wichtigeren Artikel bringen - ähnlich wie eine Tageszeitung und eine Zeitschrift. 

Ein paar spannende Projekte haben wir auch schon angestoßen, teils mit Kooperationspartnern und anerkannten Experten, denn wir wollen euch mehrer Perspektiven aufzeigen. Außerdem waren so viele Leser von unserer Serie "Ricos Geschichte" begeistert, dass wir im laufenden Jahr sogar 2 neue Serien starten werden. Um was es da geht? Sorry, DAS ist noch Redaktionsgeheimnis, aber so viel verrate ich euch schon: die eine wird historisch und die andere fiktiver Natur sein... ;-)

Wie schon gesagt, habe ich gemerkt, dass ich alleine nicht alle Kanäle angemessen bespielen kann. Daher habe ich mich entschieden, dass der Blog in Zukunft auch Teil meines Geschäftes werden wird (die Alternative wäre ihn auf Schmalspur zu fahren oder sogar ganz einzustellen - das gefällt mir und was ich so bisher gehört habe auch anderen nicht). Nicht nur wegen der vermehrten Nachfragen, denn mehr Werbung wird es in 2017 nicht geben. Sondern auch, weil die Mühe, so viel Spaß sie auch macht, echt mittlerweile Arbeit ist: Geschichten entwickeln und aufschreiben, Termine wahrnehmen, Recherchieren, Fotos, Filme etc. Das alles kostet nicht nur Zeit und Gehirnschmalz, sondern auch Geld. Und so floss im vergangenen Jahr unser gesamtes Erspartes und nahzu sämtliche Einnahmen in den Blog. An dieser Stelle auch vielen Dank an alle Leser, die uns fragten, wie sie uns unterstützen können. Am einfachsten durch eure Likes, euer Teilen und vor allem eure Kommentare. Aber offenbar haben nur wenige mitbekommen, dass ihr uns auch ganz direkt unterstützen könnt! Dafür haben wir extra einen Spenden-Button auf unserer Webseite eingeführt (ihr findet ihn ganz unten auf dem Blog). Falls gewünscht werden die Spender (bzw. auch deren Unternehmen) selbstverständlich entsprechend hier im Blog dankend genannt!


Zum Schluß möchte ich mich bei allen bedanken! Bei allen die uns unterstützt haben: Freunde, Leser, Kooperationspartner, Sponsoren und vor allem die Hunde, die uns begegneten. Aber auch bei allen Neidern, Trollen, Hatern, Spaltern, Soziopathen und sonsitige Konsorten. Denn ihr wart uns nicht selten Inspiration für so manches Thema und zeigtet uns mit eurem Verhalten, wo die Misstände sind.

Ich freue mich auf ein weiteres schnüffelspannendes Jahr mit Rico und euch!

Und wie ich mich erst freue! *schwanzwedelhüpf*



**Werbelink

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Unter Wölfen... Zu Besuch in der Wolfsauffangstation "Wolves Unlimited" von Jos de Bruin

Schon bei der ersten vorsichtigen Berührung spüre ich es – den Unterschied. Irgendwie kräftiger, aber auch drahtiger, fester – irgendwie fühlte es sich „purer“ als bei den meisten Hunden an. Und sogleich nach dieser ersten Berührung war das Eis zwischen mir und Kiba gebrochen. Sogleich springt er mich an, will an meinem Mund und Nase lecken... ein typisches Unterwürfigkeitsignal bei Hunden – nur ist Kiba ein Wolf.

Timber
Foto: Ira Prettycloud

Jos de Bruin macht sich Sorgen über die Zukunft
Foto: Ira Prettycloud
„Die Signale sind ähnlich, nur sind sie bei Wölfen im Vergleich zu Hunden 'übertrieben'“, erklärt Jos de Bruin. Er leitet seit fast 20 Jahren eine Auffangstation für Wölfe der verschiedenen Arten. Auch die sehr wolfähnliche Hunderassen wie Saarloos und Amerikanische Wolfhunde nimmt er bei sich in Wolves Unlimited (die Facebook-Seite findet ihr hier) auf. „Mit Saarloos, dieser recht ursprünglichen Rasse, habe ich damals ja angefangen“, erinnert er sich. Meist kommen die Tiere aus Zoos und Zirkus, deren bestand zu groß geworden ist. „Nicht selten melden die sich selber bei mir, das ist dann ganz unproblematisch.“ Doch das ist nicht immer so, denn manche wollen ihre Wölfe nicht rausgeben, schließlich verdienen sie damit Geld. Das gilt vor allem für Jungtiere: Die wollen die nicht immer jung abgeben, weil die Babys Geld einbringen.“ Und was macht er, wenn es Probleme gibt mit den Haltern? „Da arbeite ich dann auch mit Tierschützern und Veterinärämtern zusammen“, erklärt Jos.

Nase an Nase mit Kiba
Foto: Ira Prettycloud

Ich bin kein Wolfsexperte so wie Jos, dennoch würde ich die Kommunikation anders bezeichnen. Nicht „übertrieben“, eher kommt sie mir „ungeschliffener“ und „überdeutlich“ vor. Eigentlich auch logisch, denn in seiner Entwicklung an der Seite von Menschen brauchte der Hund das nicht – wir 2-Beiner haben viele dieser Signale ja eh nicht oder falsch verstanden.
 
Mit dem kleinen Kiba und Kayleigh im "Wolfs-Schnüffel-Interview" ;-)
Foto: Ira Prettycloud

Im Laufe seiner Koevolution mit dem Menschen haben Hunde daher viel ihrer Ursprünglichkeit verloren, meint Jos. „Dennoch kann man noch viel von Wölfen und ihrem Verhalten lernen“, betont er, „gerade weil vieles deutlicher ist, als bei den domestizierten Hunden.“ Er vergleicht es ein wenig mit der Primatenforschung: „Wir haben auch nicht mehr viel mit Affen gemeinsam und dennoch aus der Forschung mit ihnen viel über uns selber erfahren.“

Im Blick von Kayleigh
Foto: Ira Prettycloud

Im Gespräch mit Jos de Bruin
Foto: Ira Prettycloud
Derzeit beobachtet der Wolfsexperte einen Trend, der ihm Sorgen macht: „Es gibt ein 'Zurück-zur-Natur', was ich ja ganz gut finde. Doch einigen reicht der Hund als Verbindung zur Natur nicht, wegen seiner Ursprünglichkeit, ist es derzeit Mode Wolfshybriden anzuschaffen – ohne das nötige Wissen dafür.“ Dabei ist ein Wolf noch viel mehr ein Wildtier, hat er doch keine Domestikation durchgemacht wie unser Haushund. Außerdem wird auch viel Mist erzählt in dem Zusammenhang – meist aus Profilierungssucht: „So mancher erzählt gern, sein Wolfshybrid hat 80 oder 90 Prozent Wolfsgene, in Wahrheit sind es aber nur 50 oder 60 Prozent. Wer das mitbekommt, denkt sich, dass der ja noch sehr „hundemäßig“ ist. Und wenn er sich dann selber auf der Basis des erlebten einen anschafft und an einen Händler gerät, der nicht angibt, dann bekommt er einen, der wirklich 80 oder mehr Prozent Wolfsgene hat – dann ist das Geschrei um die vorprogrammierten Probleme groß.“ Nicht selten wird Jos auch zu solchen Fällen gerufen. "Und es werden immer mehr. Diese Mode ist schlimm, denn Auffangstationen wie meine können nicht alle aufnehmen."

Timber im Gehege
Foto: Ira Prettycloud

Kayleigh hält ein Nickerchen
Foto: Ira Prettycloud

Wieder auswildern kann er die Wölfe und Wolfshybriden jedoch nicht. „Die haben die natürliche Scheu von Wölfen nicht mehr. Von daher würden sie anders als Wölfe bei einer Gefahrensituation auch nicht weglaufen und so auch zu einer Gefahr für Menschen werden.“ Aber was geschieht dann mit ihnen? Häufig vermittelt sie Jos in Zoos, deren Bestand noch klein ist oder die frisches Blut für ihr Rudel brauchen. Finanziert wird das ganze durch Spenden und Workshops. Mit letzteren leistet Jos neben der praktischen Hilfsarbeit auch die theoretische Aufklärungsarbeit. „Beides ist wichtig um das Wesen des Wolfes zu verstehen!“

Auf "Tuchfühlung" bzw. "Fellfühlung" mit einem Wolf im Gehege
Foto: Ira Prettycloud

Mit Jos de Bruin im Wolfsgehege
Foto: Ira Prettycloud
Schon während des Gesprächs leisteten uns 2 Wölfe Gesellschaft, der junge Kiba und Kayleigh. Doch danach ging es in eines der Gehege. Darin waren 4 ausgewachsene Wölfe und Wolfshybriden. Es war zwar nicht das 1. Mal, dass ich diesen Wildtieren, den Vorfahren unseres ältesten Freundes, begegnete... ABER: Noch nie war ich ihnen so nah, so ganz ohne Abgrenzung, im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig auf die Pelle gerückt. Und zum 1. Mal berührte ich diese wunderbaren Tiere. Diese Kraft, diese Purheit. Irgendwie wirkten sie fast mager, alles nur Muskeln und Sehnen, kein Gramm zu viel, nichts Unnötiges...eben keinen zivilisatorischen Ballast. Es war für mich ein mehr als nur beeindruckendes Erlebnis diesen Tieren so nah zu sein und ihre Reaktionen auf mich zu beobachten. Jeder zeigte da seinene Individuellen Charakter: Während mich Timber erst argwöhnisch beobachtete und dann sich ganz vorsichtig zum schnuppern näherte, waren andere dagegen aufgeschlossener.

Sicher, diese Wolfsartigen haben mit unserem Haushund vielleicht nicht mehr viel gemeinsam. Aber am ehesten vergleichbar ist es, als wenn wir Menschen in das Gesicht eines Gorillas oder Orang-Utan blicken...ein Blick in die Vergangenheit, zurück zu unseren natürlichen Wurzeln. Und hier waren es eben die Wurzeln unsere ältesten Freunde: der Hunde.

Auch Fotografin Ira Prettycloud freundet sich mit den Wölfen an

Wolfsmäßige Verabschiedung durch Kiba :-)
Foto: Ira Prettycloud

Auch Stunden später fand Rico alles schnüffelspannend :-)
Foto: Ira Prettycloud
Leider durfte Rico nicht mit. Denn seine Nähe hätte die Wölfe sicher irritiert. Aber bei der Verabschiedung konnte ich beobachten, wie er auf Jos reagierte: Mit äußerster Neugier. Seine Nasenflügel vibrierten, die Ohren zeigten nach vorne. Es war wohl das Dufttreffen mit seinen Vorfahren. Auch später roch er immer wieder an mir, jede Riechinfo schien ihn zu interessieren, ja mehr noch, beinahe zu bannen. Begriff er, dass es seine Vorfahren waren? Wohl kaum. Jedenfalls nicht so kognitiv wie wir Menschen. Sicher nahm er eine gewisse Ähnlichkeit wahr, aber auch das viele Fremde, das Wilde daran. Auf jeden Fall reagierte er anders als sonst bei ihm fremden Tieren. So war es für uns gemeinsam ein mehr als interessantes Erlebnis – für mich ganz direkt und mehr über die Augen, für Rico eher indirekt und schnüffelspannend.


Interessante Links zum Thema:



 

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Von unserer Matrix der Gerüche habt ihr Menschen nicht die geringste Ahnung!

Also ehrlich, trotz all eurer in der Evolution erworbenen Intelligenz habt ihr 2-Beiner von einer Sache so mal gaaaaar keine Ahnung! Was wisst ihr felllosen Primaten denn schon davon, welche akrobatische und taktische Schwierigkeit es ist, einen sich im Winde bewegenden Grashalm (den vorher ein pansig-lecker riechendes Weibchen "beduftet" hat) zu markieren? NICHTS! Denn unsere Geruchswelt ist für euch wie ein Buch mit mehr als 7 Siegeln. In unsere Geruchs-Matrix könnt ihr nämlich nicht so einfach mit ner blauen oder roten Pille eindringen.

Auch wenn du nicht so gut riechen kannst wie ich, sind wir Partner!
Foto: Der Papagraf

Und ob ihr es nun hören wollt oder nicht: Dazu fehlt es euch einfach im Hirn! *megafrechwedel* Ja genau, denn während unser Riechzentrum ausgebreitet etwa die Größe eines DIN A 4 Blattes hat, erreicht eures gerade mal die Ausmaße einer Briefmarke. Ihr könnt es einfach nicht! Oder um es technisch zu sagen: Die Kapazität eurer Rechnerplatine reicht nicht aus *frechwedel*

Umso mehr freuen mich die (sinnlosen, weil vergeblichen) Anstrengungen meines Cerebral-Interfaces Maximilian. Alleine der Versuch sich in jemand anderen hineinzuversetzen ehrt einen ja - allerdings ist es angesichts der Sinnlosigkeit schon sehr lustig. Wie er manchmal auf dem Weihnachtsmarkt (weil da die Düfte besonders intensiv sind) versucht sich anhand des Geruchs zu orientieren. Nicht selten läuft er dabei gegen eine Bude, Menschen oder auch eine Laterne. Einmal warf er fast einen Weihnachtsbaum um *amüsiertwedel*

Aber das hat er euch ja in unserer Kolumne in der aktuellen Ausgabe des Hundemagazins WUFF je bereits berichtet. Doch er macht noch viel mehr hundsmäßig Lustiges: So schnüffelt er auch mal an einem Busch oder Baum an dem ich gerochen habe. Sogar an einem Mülleimer roch er schon (nein, an anderen Hundehaufen roch er bisher nicht :-) ). Ich glaub, ich muss euch nicht sagen, wie da die anderen Passanten geschaut haben. War ihm aber egal. Nicht nur wegen seiner Neugierde; er meint, es hilft ihm ein wenig beim Verstehen - auch wenn er beim Riechen nie ein Hundelevel erreichen kann.

Aber das muss er ja auch gar nicht, dafür hat er ja mich! Einmal beobachtete ihn eine Freundin und fragte ihn danach. Woraufhin mein Oller antwortete: "Ich werde wohl nie alle Düfte im Detail so auf der molekularen Ebene erfassen können, wie mein kleiner Doggen-Wookiee. Aber ich sehe ja auch seine Reaktionen - sowohl vorher als auch nachher - wie er auf Düfte reagiert. Das gibt mir schon einen Aufschluss darüber - so erkenne ich oft den Grund für sein Drängeln zu einem Duft an seiner  vorherigen Körperhaltung." Die Freundin merkte völlig zurecht Zweifel an, dass er dennoch nie seinen Hund deswegen verstehen könnte. Darauf Maximilian: "Das hast du wahrscheinlich Recht. Aber ich schulde es ihm! Denn nach der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse, besteht ein wesentlicher Lebensinhalt für meinen Hund, mich zu verstehen. Da ist es nur fair, dass ich es auch versuche. Denn Verständnis kommt von Verstehen. Also versuche ich mich wohl wissend, dass ich es nur eingeschränkt schaffe, mich in ihn hineinzuversetzen. Das macht man so in einer Lebenspartnerschaft - egal ob von vornherein klar ist, dass es nie ganz möglich sein kann."

Hmmm, wenn ich es so recht überlege...sooooo ganz sinnlos wie ich es anfänglich schrieb, ist es vielleicht doch nicht, was mein fellloser Primat manchmal da macht. Es geht ihm ja dabei weniger um das Riechvermögen, sondern um ein besseres Kennenlernen. Das er sich dabei in den Augen mancher Passanten lächerlich macht, ist ihm dabei offenbar egal... Ich glaub, ich muss jetzt mal mit meinem Ollen ganz doll kuscheln *schanzwedelfreu*



PS: Dies ist der ergänzende Beitrag zu unserer Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin (01/2017) "Die Hundewelt der Gerüche - Ein ewiges Geheimnis..."