Samstag, 25. Mai 2019

Qualzucht und ­Operationen

Ist das noch wahre Freundschaft?


Der Mops gehört zu den Rassen, die besonders unter der Qualzucht zu leiden haben
Foto: Eszter Hornyai by pixabay
Irgendwas stimmt nicht – und zwar ganz und gar nicht! Alarmglocken klingeln, ausgelöst durch Rico. Seine Schritte wirken konzentrierter, seine Kopfhaltung ­lauernder, sein Schnüffeln ­intensiver, sein Blick klarer fokussiert. Als ­Cerebral-Interface meines Hundes funktioniert die Signalübertragung zum Glück in beide Richtungen. Dank der deutlichen Vorwarnung meines ­vierbeinigen Kumpels und um den Überraschungseffekt weiter zu minimieren, schaue ich mich um. Das mache ich als rücksichtsvoller Hundehalter so, aber auch aus purem Eigennutz. Jeder, der einmal 40 oder mehr Kilogramm wildgewordenen Molosser an der Leine hatte, versteht mich. Die sind in ihrem Dickschädel eh schon schwer zu bändigen und mit Überraschungseffekt – noch dazu von so einem akrobatischen Talent wie meinem Rico (er ist dann so eine seltsame Mischung zwischen Bud Spencer und Bruce Lee) – nahezu ­unaufhaltsam. Doch ich kann nichts entdecken. Sicher hat er irgendwas gerochen, wahrscheinlich eine ­andere Fellnase. Da haben die Hunde uns ­Menschen gegenüber ja die Nase weit vorn.

Aber da muss mehr sein, irgendetwas passt ihm nicht. Sein Nackenfell sträubt sich. Okay, das ist so mindestens Alarmstufe 3 – je nachdem, wie doll es sich aufrichtet und wie breit, kann es auch zur Stufe 2 übergehen … dann zieht es sich schon am Rücken entlang. Erreicht es dann den Rutenansatz, also Alarmstufe 1, versucht sich Rico als canide Form eines Kugelfisches. Der Hund von Welt hat ja schließlich diverse Meeresdokus im TV gesehen (Rico mag übrigens Delfine). Doch was versetzt meinen Fellfreund so in Rage? Auf den Wettkampf der Nasen lasse ich mich gar nicht ein, da ist er mir haushoch überlegen (während mein Riechzentrum die Größe einer Briefmarke hat, ist seines DIN A4 groß). Doch ich kann nichts sehen und auch nichts hören. Wir biegen um die Ecke – zum Glück war ich vorbereitet!

🐶 Was kommt denn da seltsam röchelnd? *fellsträub* (rico)

Denn da stürmt uns ein röchelnder kleiner Französischer Bulldog zu. Die Nase als kleiner Knopf eingebettet in Falten irgendwo zwischen den Augen. Das Ringelschwänzchen zuckt mit den wippenden Bewegungen des Hinterteils. Die großen starren Kugelaugen blicken uns an. Keine Ahnung, ob uns der nun freundlich, ängstlich oder aggressiv entgegenkommt. Ich verstehe seine ­Körpersignale nicht. Naja, ich spreche aber vielleicht auch nicht gut genug die Hundesprache. Ein Blick zu Rico sagt mir jedoch, dass er den Dialekt auch nicht so recht versteht. Wie denn auch? So mit fester Mimik, ohne Schwanz, dann noch dieses röchelnde Geräusch. Letzteres hat Rico auch in Unmut versetzt, hat er es doch lange vor mir gehört. Also antwortet Rico damit, was dem – nach seiner cani-logischen Denke – am ähnlichsten kam. Und das ist in seinen Augen: Knurren!

So weit hat es der Mensch schon geschafft, so weit hat er den biblischen Auftrag umgesetzt, sich die Welt untertan gemacht, dass selbst Artgenossen sich nicht mehr verstehen. Durch Qualzucht erfüllen Hunde zwar die Kriterien von Schiedsrichtern und sammeln so Preise. Ein hundegerechtes Leben oder überhaupt ein beschwerdefreies Leben ist ihnen aber nicht mehr vergönnt. Denn ohne Rute, mit unbeweglicher Mimik, Atemwegen, die nur ein ­scharrendes Röcheln erlauben, so versteht sie kein anderer Hund (es sei denn, er ist mit ihnen aufgewachsen).

Aber auch andere Rassen sind von Qualzucht betroffen! Als Beispiel sei nur
der Deutsche Schäferhund mit seinem stark abfallenden Hinterteil genannt...
Die Tierkliniken sind gut gebucht und regelmäßig frequentiert mit diesen kranken Zuchttieren. Denn nicht selten müssen diese „erwünschten Fehlbildungen“ dann chirurgisch korrigiert werden, was der Mensch durch Zucht verhundst hat. Ja mehr noch, der neueste Trend in den USA ist die Schönheitschirurgie für Haustiere. Ganze 3,3 Milliarden US-Dollar werden jährlich dafür ausgegeben. Ja, sogar für Fettabsaugung. Da werden unsere ältesten Freunde erst gemästet und/oder zu wenig bewegt und dann wird ihnen der körperliche und psychische Stress einer OP angetan, um das zu korrigieren, was wir ihnen antaten: zu viel Leckerlis, zu wenig artgerechte Bewegung. Und wer weiß: Vielleicht erleben wir ja nach den Designer-Hunden bald die Frankenstein-Hunde …

Seit einiger Zeit regt sich der Widerstand: immer mehr Züchter versuchen sich an Rückzüchtungen, wo die Gesundheit im Vordergrund steht und nicht irgendwelche Standards (z.B. Retromops oder Continental Bulldog). Und selbst auf Facebook sammeln sich die Gegner, so beispielsweise in der Gruppe „Schluss jetzt, VDH! – Uns reicht‘s!“. Denn schließlich tun sich das wahre Freunde ja nicht an – und immerhin ist der Hund der älteste Freund des Menschen.

Den Qualzuchtrassen wurden ihre Kommunikationsmittel genommen. Es versteht sie keiner mehr, nicht einmal ihre Artgenossen. In etwa stelle ich mir das so vor, als ob man uns Menschen die Zunge entfernt, die Augen verbindet, das Gesicht mit Botox lähmt und uns in eine Zwangsjacke steckt. Als gelegentlicher Partygag, so als Scharade, mag das sicher lustig sein. Aber so leben? Doch genau so züchtet der Mensch und lässt sich dafür auf Ausstellungen noch feiern. Bleibt zu hoffen, dass nicht irgendwelche Menschen auf die Idee kommen, unseren caniden Freunden die Lippen oder das Hinterteil mit Silikon aufzuspritzen. Auf die dann folgenden Kommunikationsstörungen zwischen Hunden bin ich nicht wirklich gespannt – vor allem nicht, wenn mich der kleine wilde Molosser überrascht. Seiner deutlichen Körpersprache sei Dank! Was kümmern mich da fehlende Pokale, wenn ich dafür meinen Hund ver­stehe … naja, meistens jedenfalls 😉


PS: Dieser Artikel erschien zuerst in WUFF - Das Hundemagazin 05/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Der Frankenstein-Hund.


Sonntag, 5. Mai 2019

[Buchvorstellung] "Die Welt der Gerüche" von Frank Rosell eröffnet Einblicke in die dem Menschen unbekannte Wahrnehmung unserer Hunde

Die regelmäßigen Leser unseres Blogs wissen ja, wie sehr mich die Geruchswahrnehmung unserer Hunde interessiert (eine Auswahl an Links zu Artikeln findet ihr am Ende dieses Beitrages). Denn durch mein Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft weiß ich, wie wichtig die individuelle Realitätskonstruktion für das gegenseitige Verstehen und somit auch Verständnis ist. Dieses Verständnis für die Realitätskonstruktion ist essentiell wichtig für die Kommunikation. Was bei uns Menschen schon schwierig ist, stößt bei unseren Hunden auf nahezu unüberwindliche Hindernisse wegen unserer physischen Unzulänglichkeit in der Hinsicht. Nur ein Beispiel: Während der Wahrnehmungsraum was Gerüche angeht beim Menschen in etwa die Größe eines Schuhkartons hat, liegt er bei unseren Fellfreunden in der Größenordnung einer Lagerhalle.



Umso mehr sind wir 2-Beiner daher auf theoretische Informationen angewiesen, die unsere Vorstellungskraft (quasi eine Form der "Geruchs-Empathie" wie der von mir bereits mal in WUFF - Das Hundemagazin beschriebene "Odorisations"-Blick) inspirieren und so unser Verständnis vergrößern. Ein hierfür wirklich empfehlenswertes Buch ist *Die Welt der Gerüche von Prof. Dr. Frank Rosell (336 Seiten, Kynos-Verlag). 
Prof. Dr. Frank Rosell
Foto: Elisabeth Berge

In verständlicher Sprache, mit vielen, unterhaltenden Geschichten gespickt, führt der Verhaltensbiologe den Leser in diese für uns fremde Wahrnehmungswelt ein. Daher eignet es sich auch für den Anfänger. Aber Profis werden es gern als Nachschlagewerk schätzen und zur Auffrischung ihres Wissens nutzen - und wohl auch die ein oder andere für sie neue Info finden. Besonders gut gefallen mir die zahlreichen Quellenangaben und die Bibliographie, zwecks weiterer, vertiefender Recherche.


Als ich das Buch das 1. Mal in Händen war, war ich zugegebenermaßen skeptisch als ich ins Inhaltsverzeichnis schaute: Wegen der späteren Kapitelkategorisierung nach Aufgabengebieten (ab Kapitel 4) dachte ich, ob sich da nicht viele Otto-Normal-Hundehalter nicht angesprochen oder gar abgeschreckt fühlen? Ich hoffe jedenfalls nicht, denn viele der dort beschriebenen Infos lassen sich auch auf unsere Fellfreunde übertragen, die jetzt keine Arbeitsaufgabe haben oder für die Hobby-Sportler. Doch auch diejenigen, deren Hund als Profi-Spürnase tätig ist, sollte nicht nur das Kapitel lesen, in das sein Hund fällt (z.B. der Rettungshund, der Jagdhund, der Polizeihund, der Zollhund), sondern auch die anderen Kapitel, die der Überschrift nach zu urteilen vielleicht nichts mit dem Aufgabengebiet des eigenen Hundes zu tun haben. Denn das wäre meiner Meinung nach ein großer Fehler, weil man dort ebenfalls zahlreiche Infos findet, die auch für andere Arbeitsgebiete hilfreich sind.

So ganz nebenbei lernen die Leser aber nicht nur viel über den Geruchssinn und seine Einsatzmöglichkeiten, sondern auch viele zahlreichen Details zur Geschichte unserer Hunde und ihrer Domestizierung. Alles in allem also ein Buch, dass unser Verständnis für den besten und ältesten Freund des Menschen, sowie er seine Umwelt wahrnimmt, fördert.

Weitere "Geruchs-Artikel" 😉






*Werbelink

Sonntag, 28. April 2019

Der alltägliche Großstadtwahnsinn für Hunde

Was unsere Hunde in der modernen Zivilisation aushalten müssen, ringt mir immer wieder Respekt ab. Vor allem, wenn ich daran denke, dass sie das alles ja uns Menschen zuliebe ertragen. Besonders fällt mir das immer in der Großstadt auf. Bevor mich hier jemand falsch versteht (oder verstehen möchte 😉): Ich will hier nicht abwiegen, was besser ist - Stadt- oder Landleben! Da das Döggelchen und ich ja beides haben, hat für uns auch beides Vor- und Nachteile. Und meiner Erfahrung nach gibt es sowohl auf dem Land als auch in der Stadt anteilig gleichviel Idioten (da ja jeder unter Idioten was anderes versteht: damit meine ich ganz allgemein solche Leute, die nicht mitdenken). Jedoch: Durch die wesentlich größere Menschendichte in den Städten ist logischerweise auch die Wahrscheinlichkeit, dass einem so ein Idiot über den Weg läuft ungleich größer.


Rico in the city


Das Land-Döggelchen

Hier mal ein paar Beispiele (sowohl negative wie positive), wo ich mich geirrt, die Situation falsch eingeschätzt oder einfach nur die Intelligenz gewisser Personen mal wieder überschätzt habe...


Die völlig überschminkte Tussi mit der Reaktionsgeschwindigkeit einer Schlaftablette

In der Großstadt ist immer was los...
Es war früher Morgen - also für einen Sonntag - als wir die kleine Gasse einbogen, die zu unserer Straße führte. Es war eine sehr entspannte Runde und ich freute mich schon auf die Couch mit dem Döggelchen. Doch am anderen Ende der Gasse sah ich eine stark geschminkte Frau mit ihrem Hund - und er war unangeleint. Vom Sehen kannte ich sie, denn sie und ihr Hundchen sind uns schon häufiger begegnet. Daher wusste ich auch aus Beobachtung bei anderen Hundebegegnungen aber auch aus eigenen Erfahrungen, was für ein hysterischer Kläffer ihr flauschiges Hundchen ist. Da die Halterin ja ihren Hund wesentlich öfter erlebt hat und sie uns ja auch gesehen hat, ging ich davon aus, dass sie ihn ja kannte und sicher gleich anleinen würde. Schließlich: Welcher Hundehalter will schon die Gesundheit seines Hundes riskieren? Und angesichts der gemachten Erfahrungen mit ihrem Hund (schließlich war sie bei den Kläff-Anfällen ja immer dabei), wäre ja Anleinen auch mehr als logisch - zumindest, wenn man eine basale Intelligenz voraussetzt. Und genau, weil ich dies tat, war ich anfangs auch nicht sonderlich beunruhigt. Ich dachte einfach: Die wird ihren Hund schon gleich anleinen. Tja, und da hab ich mich geirrt, die Intelligenz dieser Kosmetikfetischisten offensichtlich überschätzt. Denn während wir langsam näher kamen (das Döggelchen musste ja erst jeden kleinen Strauch und Laternenpfahl abschnüffeln), hatten wir so gerade mal die Hälfte der Gasse hinter uns gebracht, da schoss das Hundchen kläffend auf uns los. Erst überquerte es die Straße (zum Glück kam gerade kein Auto) und direkt mit lautem und hellem Gebell auf uns zu. Don Ricotta hob erst etwas irritiert den Kopf - klar, Hunde mit Suizidambitionen sind ihm recht unbekannt. Doch als das kleine Hundchen noch näher kam und wild um uns herumtanzte, war dann auch der Doggen-Wookiee irgendwann genervt. In seiner typischen Art irgendwo zwischen Bruce Lee und Godzilla richtete er sich auf und bellte in seinem Bariton zurück. Zum Glück war Rico (anders als der andere Hund) angeleint. Und: Damit dem lebensmüden Hundchen nichts passiert, hatte ich mich dazwischen geworfen, weswegen das nun genervte Döggelchen mit seinen 44 Kilo halb in meinen Armen lag. Naja, die Tante war also nicht so intelligent und vorausschauend wie ich gedacht hatte, aber spätestens jetzt wird sie ja wohl reagieren, dachte ich. Und hier irrte ich mich ein 2. Mal. Sie bewegte sich kein Stück und schaute nur zu. Erst als ich sie laut(!) Ansprach (schließlich musste ich ja ihren Hund übertönen), bewegte sie sich: Sie ging zwei Schritte auf uns zu und rief ihren Hund. Doch der reagierte nicht (was mich mittlerweile nicht mehr wunderte). Und während der noch immer seinen hysterischen Kläff-Tanz um uns herum aufführte, rief sie weiter den Namen der Hündin (immerhin wussten wir so durch den Namen, dass es ein Weibchen war - mehr Informationsgehalt hatte die ganze Begegnung aber auch nicht). Leider erfolglos. Doch auch daraus lernte sie nichts, stattdessen wiederholte sie nur sinnlos den Namen. Da ich mittlerweile auch recht genervt war, schrie ich sie nun an (auch weil ich nun ja beide Hunde übertönen musste): "Ich würde es mal mit Einfangen versuchen, du Genie!" Jetzt endlich bewegte sie sich und nach einer kurzen Weile gelang es ihr endlich ihre Hündin, die immer noch hysterisch kläffte, einzufangen. Recht schnell konnte ich so auch Rico beruhigen (und das trotz der weiterhin bellenden Hündin). Endlich konnten wir auf unsere Straße einbiegen und unseren Weg nach Hause beenden. Doch bevor ich mich entfernte, rief ich der Frau noch zu: "Ich hab 'ne Denksportaufgabe für Sie: Raten Sie mal, warum in der Innenstadt eine Leinenpflicht besteht?" 


In der Stadt findet hund (Menschensprache: man) täglich die seltsamsten Sachen auf der Straße...


Wenn man glaubt, es ging gut, überrascht einen was anderes

In der City sollte man immer gut Ausschau halten, um Überraschungen zu vermeiden.
Foto: Lutz Borger
Diesmal war es nicht das Ende unserer Gassirunde, wir waren noch am Anfang. Und es war abends, unsere letzte Runde. Da kommt uns ein Obadchloser entgegen. Er schwankt. Ob es daran lag, dass er zu viel getrunken hat oder aber an den großen und auslandenden Rucksack (der war echt riesig! Wahrscheinlich schleppte er ein ganzes Zelt samt Einrichtung mit sich rum), konnte ich auf die Entfernung nicht sagen. Doch da ich schon von seinen Körperbewegungen und dem auslandenden Hin- und Herschwanken mir recht gut vorstellen konnte, wie der kleine Doggen-Wookiee Rico darauf reagiert. Denn sowas findet er absolut ätzend, erst recht wenn er noch Alkohol dazu riecht - und seine heftige Reaktion darauf lässt mich auch vermuten, dass es mit seiner Vergangenheit zu tun hat. Insofern war ich also vorbereitet: Ich rechnete damit, dass das Döggelchen sich kläffend auf die Hinterbeine stellt, sobald der Kerl näher käme. Doch ich irrte mich: Ganz geheuer war der Kerl Rico nicht, weswegen er ihn auch nicht aus den Augen verlor. Und als er an uns vorbei ging war ich schon sehr verwundert, dass Don Ricotta darauf nicht reagierte (zumal ich nun auch die recht starke Alkohol-Fahne riechen konnte). Ich war echt stolz auf das Döggelchen, wollte ihn gerade loben - doch dann kläffte so ein kleiner Hund vom riesigen Rucksack herunter (der war vorher aufgrund der Dunkelheit und der Größe des Rücksackes nicht zu erkennen). Tja, und wieder einmal bewahrheitete sich ein Ratschlag, den ich auch immer gebe: Erwarte immer das Unerwartete...


Gassi in the City
Foto: Lutz Borger

Aber glaubt bloß nicht, das sowas jetzt innerhalb von ein paar Tgen geschieht. Nein, BEIDE Erlebnisse ereigneten sich innerhalb von 24 Stunden! Und das sind auch nur 2 Highlights des Tages, denn viele Kleinigkeiten, wo man sich nur wundern kann - sowohl als Halter, wie auch als Hund - aber die eben nicht der Rede wert sind, erlebt man ja noch dazu. Doch man erlebt dafür auch viel häufiger "schöne Irrtümer", einfach weil es auf engem Raum auch mehr Menschen gibt und eben auch welche, die einen nett überraschen.


Der Hämpfling und der Kangal

Wir laufen durch eine Unterführung, auf der anderen Seite liegt der Park. Eine gemütliche Gassirunde am Mittag sollte es werden. Da tauchte plötzlich ein Kerl mit einem Kangal an der Leine am anderen Ende der kurzen Unterführung auf. Ausweichen war in der Unterführung nicht möglich, zumindest nicht für Hunde unseres Kalibers. Doch das beunruhigte mich nicht, ebensowenig, dass der Kangal offenbar noch recht jung, wahrscheinlich in der Pubertät war. Doch dass der Halter zwar einen halben Kopf größer aber dafür nur halb so breit war wie ich, weckte doch Vorurteile in mir: Würde er seinen Hund halten können? Ich hatte so meine Zweifel... Und so gingen wir beide so weit wie möglich voneinander entfernt, quasi an der Wand entlang und den eigenen Hund mit dem eigenen Körper "absichernd" (nichts dramatisches, einfach nur waren wir Menschen zwischen den Hunden) aneinander vorbei. Beide Hunde schauten sich sehr interessiert an und präsentierten sich stolz, während wir beide immer wieder unsere Hunde ansprechen oder mit einem "Nein!" an ihre Impulskontrolle erinnern mussten. Doch ansonsten geschah nichts, nicht mal ein Knurren. Und als wir aneinander vorbei waren, drehte ich mich spontan um und rief dem Kerl zu: "Respekt!" Der blieb stehen und lächelte mir zu: "Danke! Ich find auch, das haben wir ganz gut hinbekommen." Worauf ich antwortete: "Stimmt, hab ich leider schon oft auch anders erlebt." Hier lag meine anfängliche Einschätzung falsch, denn ich war mir recht sicher, dass es mehr oder weniger schief gehen würde. Doch ganz ehrlich: In solchen Fällen freue ich mich riesig über meinen Irrtum.


Und wieder mal ein unangeleinter Hund in der City...

Frei Laufen ist toll, aber in der Stadt zu riskant...
Wir laufen ein wenig über die Wiese an der Kunstakademie und der Rheinuferpromenade. Ist immer ein recht chilliger Abschluss unserer Gassirunde, denn die beiden Wiesen liegen quasi bei uns um die Ecke. Während das Döggelchen noch die neuesten Nachrichten seiner Fellkollegen aus der Nachbarschaft erschnüffelt, sehe ich einen schwarzen Labrador auf uns zu kommen. Ohne Leine und ohne Halter. Ich schaue mich um und erkenne eine Frau, die offenbar zu dem Hund gehörte. Ich dachte schon: Na prima, wieder so jemand der glaubt seinen Hund in der Innenstadt die leinenlose Freiheit geben zu müssen - ohne Rücksicht auf andere Halter und die Umwelt. Doch etwas verdutzt schaute ich zu, wie die Frau ihren Hund rief, er sogleich zu ihr ging und beide dann in einem weiten Bogen an uns vorbei gingen. Okay, sicher, eigentlich herrscht Leinenpflicht in der Innenstadt, aber hey, ich bin nicht das Ordnungsamt und da ja nichts passiert ist, gab es auch keinen Grund sich aufzuregen. Klar, auch zur Sicherheit des Hundes wäre es besser, schon wegen dem Straßenverkehr in der Stadt - das war der einzige Gedanke, der mir auch später noch durch den Kopf ging. Aber man muss sich ja nicht immer einmischen, vor allem nicht wenn es so ein positives Erlebnis ist.

Auch solche Dinge erleben wir in der Stadt wesentlich öfter. Die Stadt ist eben wesentlich ereignisreicher, was auch inspirierend ist. Dafür ist es aber in der City meist auch stressiger, während auf dem Land die Gassirunden gechillter sind. Hier genieße ich dagegen die häufigeren, intensiven Momente der "Ereignislosigkeit".





Dienstag, 5. März 2019

Karneval mit Hund - Von nackten Hintern und Garagen-Pinklern

Karneval am Rhein - das ist Ausnahmezustand. Und zwar für Mensch UND Hund! In etwa ist es vergleichbar, als wenn alle Leute plötzlich zu Mitgliedern des Suicide Squad mutieren und Alkohol als einziges Nahrungsmittel zugelassen wäre. Zu allem Überfluss wohnen wir auch noch in der Düsseldorfer Altstadt. Das Herz der Stadt verwandelt sich zu Karneval dann in ein Tollhaus: Verrückt kostümierte, laut johlende und gröhlende Menschen, die dank des Alkohols die Evolution rückwärts abwandern - jedenfalls ist der aufrechte Gang bei vielen ein logistisches Problem und beansprucht offenbar sämtliche Synapsen. 😉

Jeder Jeck ist anders... 😃

Gerade für Hunde also nicht so die gechillte Atmosphäre. Umso erstaunter (und stolzer) bin ich auf mein Döggelchen Rico. Denn der interessierte sich für die seltsam gekleideten 2-Beiner nicht. Selbst Besoffene, die stärker schwanken als die Leute beim Untergang der Titanic, sonst immer ein perfektes Feindbild für meinen Doggen-Wookiee bei denen er sich gern bellend auf die Hinterbeine stellt, ignoriert er. Allenfalls ein mitleidiger Blick, manchmal gepaart mit einem Brummern, entlocken sie ihm. Doch bei so mancher "unerwarteten" Gelegenheit ließ der kleine Molosser dann doch seine Coolness bröckeln.

So beispielsweise als wir für eine kurze Gassirunde das Haus verließen. Schon als ich die Haustür nur einen Spalt geöffnet hatte, hörte ich ein kreischendes Mädchen sagen: "Da kommt jemand raus!" Das war mir einerseits eine recht vage Vorwarnung, dass draußen irgendwas geschieht, andererseits musst ich unweigerlich Grinsen, wegen dieser geistigen Leistung des Mädchens: Schließlich kam ich durch eine Tür und nicht durch die Wand (da hätte ich ihre Überraschung ja noch nachvollziehen können) - und Türen sind schließlich dafür da, dass Leute da durch gehen - sie wurden quasi genau zu diesem Zweck erfunden - schon vor Jahrtausenden. Jedenfalls war ich dann dank der schon erwähnten Vorwarnung nicht mal mäßig überrascht, von dem was ich dann sah, als das Döggelchen und ich aus der Tür traten: Da pinkelte ein junger Kerl in unsere Hofeinfahrt gegen das Garagentor. Was mich aber wesentlich mehr überraschte, war, dass Rico darauf nicht in gewohnter Manier reagierte. Statt dessen blickte er mich nur kurz fragend an, um dann den Kerl zu fixieren. Früher hätte er gleich losgebellt und sich auf die Hinterbeine gestellt. Und wegen dieser Überraschung dauerte es für meine Verhältnisse recht lang (so zwischen einer halben und einer Sekunde) bis ich zu dem Kerl im ruhigen Ton sagte: "Komm pack ein und such dir irgendwo 'nen Baum." Worauf er stammelte: "Oh verdammt, da kommt einer." Ich fragte mich bei dem Satz, der identisch dem des Mädchens einige Sekunden vorher war, ob das ein neuer Code unter Jugendlichen war oder ob seine Synapsen die Signale zeitverzögert erhalten. Da kam das nächste Gestammel von ihm - jetzt erst seine zeitverzögerte Reaktion auf meine Ansage: "Ja, sofort, Moment." Okay, die Unlogik zwischen "sofort" und "Moment" lasse ich mal unkommentiert, das verkompliziert das ganze nur - gerade bei so verlangsamt laufenden Synapsen, wie bei dem Kerl. 😄 "Nichts Moment, los pack jetzt ein und verpiss dich." (Angesichts der Situation konnte ich mir die Andeutung mit dem Verpissen nicht kneifen.) Ob er nun daran lag, dass seine Synapsen gerade mit diversen Schaltungen beschäftigt waren und er offenbar vollauf mit seinem Gleichgewichtssinn zu tun hatte oder aber er mich endlich verstanden hatte, kann ich nicht sagen, jedenfalls folgte er meinem nett vorgetragenen Wunsch. Doch dann entdeckte er Rico...

Plötzlich war nichts mehr mit zeitverzögert (wahrscheinlich waren seine Synapsen nun völlig durchgebrannt): Der Kerl starrte das Döggelchen an; sagte: "Oh, isch dasch ein dolle Hund!"; machte einen großen - und schwankenden - Schritt auf uns zu; beim Aufsetzen der Ferse kam dann noch das obligatorische "Kann man den streicheln?" und zwar mit bereits ausgestreckter Hand. Ich hatte keine Lust mich damit aufzuhalten, ihm zu erklären, dass seine Fragestellung schon in die falsche Richtung zielte. Denn ob er das "kann", kann ich ja nicht wissen, man sieht ja grobmotorische Störungen den Leuten ja nicht immer sofort an. Ob er das "darf" und was mein kleiner Doggen-Wookiee Rico davon hält, hat damit aber nicht viel zu tun. Doch ich kam gar nicht dazu, dem Kerl irgendwas zu erwidern, denn es war genau der Augenblick, in dem sich Rico offensichtlich gesagt hat: Okay, Alter, bis jetzt hab ich geschwiegen. Aber hier hab ich auch ein Wörtchen mitzuwuffen!

🐶 Na klar, schließlich sprach der MICH ja an und kam auf mich zu! *brummm*

Schon gut mein kleiner Caniden-Jeck, er hat es ja dann auch schnell begriffen, als du ihn angebellt hast und dich auf deine Hinterbeine aufgerichtet hast - und weil ich mich dir in den Weg stellte, du somit halb auf meinem Armen lagst. 😄

Schon verrückt die 2-Beiner...vor allem zu Karneval...

Doch während die Kerle lieber gegen irgendwas pinkeln, eben Bäume, Wände, Ecken oder eben halt Garagentore, sind die Frauen nicht besser; sie pinkeln halt nur nicht gegen was sondern zwischen was. 😅 So gesehen beim Gassigang (es war gerade mal Mittag), da bemerkte ich schon durch seine Körpersprache, dass er was interessantes gerochen hat. Doch was dann kam, überraschte auch ihn: Zwischen 2 Autos strahlte uns plötzlich ein blanker Hintern von den Ausmaßen von hier bis Alabama an. Offenbar war die nächste Toilette der Frau zu weit weg und mangels anatomischer Voraussetzungen konnte sie ja nicht an die Wand pinkeln - also verdrückte sie sich wie zahlreiche ihrer Geschlechtsgenossinnen zwischen die (zum Glück parkenden!) Autos. Trotz des vorher aufgenommenen Geruches war Rico offensichtlich überrascht und bellte gleich los. Die Parkplatz-Zwischenraum-Pinklerin hatte sich darüber so erschrocken, dass sie umfiel wie ein von der Bowling-Kugel getroffener Kegel... Irgendwie wirkte sie, so wie sie da mit ihrem blanken Arsch auf dem Rücken lag, die Arme unkoordiniert an den Boden gedrückt nach Halt suchend, die Beine von sich gestreckt, der Rock hing auf halb 6, wie eine panzerlose Schildkröte. 😂 Aber eine von der lauten Sorte: Sie brachte das gesangliche Kunststück fertig, gleichzeitig zu Lallen und hysterisch zu Kreischen... Ersteres nervte mein Gehirn, Zweiteres mein Gehör. 😎 (Falls irgendjemand nun meint, als Gentleman hätte ich ihr helfen sollen: Nun, dazu kann ich sagen, dass ich 1) weit und breit auch keine Lady sah - auch nicht auf dem Boden und 2) dass es angesichts der offensichtlichen Antipathie zwischen ihr und meinem Hund ein Akt der Höflichkeit war, sie liegen zu lassen 😉😎)

Klar, jetzt werden sicher wieder einige Dogmatiker und Perfektionisten aufschreien, dass ich das meinem Hund nicht hätte erlauben dürfen (die Forderung ist in sofern schon Quatsch, da ich ihm ja gar nichts erlaubt habe - als Molosser ist er per se schon recht Eigenständig, und zugegeben, ich habe diese Eigenständigkeit auch gerne gefördert - ich geb zu: ich steh auf eigenständige Hunde). Und ehrlich, dank der zwischen Rico und mir gut funktionierenden Stimmungsübertragung, hätte er einen entsprechenden Befehl oder Zurechtweisung eh nicht ernst genommen. Denn bei den geschilderten Vorfällen konnte ich mir ja selber ein Grinsen nicht verkneifen - entsprechend unglaubwürdig wäre also eine solcher "Erziehungsversuch" für mein Döggelchen gewesen.