Sonntag, 28. Februar 2016

*[Buchvorstellung] Hundeverstand von John Bradshaw

Die heutige Buchvorstellung ist zwar nicht so günstig wie die vorhergehende, dafür ist es um einiges aktueller. Und um es vorweg schon zu verraten: Es sollte eine der Pflichtlektüren für JEDEN Hundehalter sein! Mit Sachverstand und Gefühl schreibt John Bradshaw in seinem Buch "Hundeverstand" aus dem *Kynos-Verlag über unsere Fellfreunde (19,95 Euro).


**Hundeverstand von John Bradshaw (320 Seiten)
Der Autor Bradshaw kennt sich aus: Er ist Gründer und Leiter des weltweit renommierten anthrozoologischen Institutes an der Universität von Bristol, England. Seit über 25 Jahren gilt sein wissenschaftliches Interesse dem Verhalten von Haushunden und deren Besitzern. Biologen wissen heute weit mehr darüber, wie Hunde wirklich „ticken“, als noch vor zwanzig Jahren, und John Bradshaw war an dieser Forschung maßgeblich beteiligt. Dabei schreibt er nicht nur für Fachkreise: "In diesem Buch möchte ich versuchen, die aufregenden neuen Entwicklungen der kynologischen Forschung für den Durchschnittsleser - und Hundeliebhaber - zu übersetzen." (S. 19) Denn obwohl wir noch nie so viel Geld für sie ausgegeben haben wie heute, fehlt es doch häufig am grundlegenden Verständnis für die Bedürfnisse der Hunde. Und so wirbt Bradshaw für mehr Verständnis für Hunde. Entsprechend verständlich ist es geschrieben - eben auch für Nicht-Wissenschaftler. Bradshaw schneidet dabei nicht nur jedes Kapitel nur vorsichtig an, sondern erklärt gekonnt und mit Leichtigkeit, warum welche Erkenntnis wie zu bewerten ist, als Leser bekommt man nicht das Gefühl, bevormundet zu werden. Hin und wieder geht Bradshaw auf Alltagsprobleme ein, um Anhaltspunkte für das Zusammenleben zu geben. Der Text wird zudem durch Zeichnungen aufgelockert.

Inhaltlich schlägt Bradshaw einen weiten Bogen: Die Fragen, woher der Hund kommt und wie aus Wölfen Hunde wurden, werden ebenso unterhaltsam geklärt, wie die, warum Hunde leider wieder (von uns Menschen) zu Wölfen gemacht wurden. Besonders lehrreich und spannend dürfte für einige das Kapitel „Warum Hunde – leider – wieder zu Wölfen gemacht wurden“ sein. Dabei räumt er mit alten Missverständnissen auf wie der Leitwolf- und Dominanztheorie. Hier geht Bradshaw messerscharf auf wirklich jeden Punkt ein, warum das Wolfsmodell so verführerisch eingesetzt wurde, um Hundeverhalten zu erklären. Nicht nur der bekannte Fehler, ein Wolfsrudel in Gefangenschaft heranzuziehen wird eindrücklich geschildert, sondern auch das Verhalten anderer Wildhunde und der Pariahunde findet Gehör, um schlüssig zu erörtern, warum ein Hund kein Wolf ist, nicht einmal ein freilebender. Nahtlos geht es über zum nächsten Kapitel: "Zuckerbrot und Peitsche - Die Wissenschaft des Hundetrainings". Auch wenn Bradshaw ausdrücklich kein Trainingshandbuch schreiben wollte, so ist dieses Kapitel mehr als lesenswert. Er erklärt darin worauf modernes Hundetraining basiert ob ein Trainer weiß, wovon er spricht oder (wie leider so oft) auch nicht. Das kann zuweilen sehr hilfreich sein! Dabei kommt Bradshaw mit wenigen Fachbegriffen und Fremdwörtern aus, Begriffe wie Habituation, assoziatives Lernen und Extinktion lernt der Leser in dem kurzweiligen Text fast nebenbei.

In weiteren Kapiteln widmet sich der Autor den Themen, wie aus Welpen Familienhunde werden, ob mein Hund mich liebt, wie hundliche Intelligenz aussieht. Es geht um komplizierte und unkomplizierte Gefühle, die Welt der Gerüche, die Probleme der Rassehundezucht und um die Zukunft des Hundes.

Der Fachmann Bradshaw stellt moderne wissenschaftliche Erkenntnisse in einen Zusammenhang und erreicht mit lockerer und verständlicher Schreibe sein Ziel: "ein besseres Verständnis und eine größere Wertschätzung für die spezielle Rolle zu fördern, die Hunde in der menschlichen Gesellschaft spielen" (S. 21). Er bleibt dabei immer neutral was wissenschaftliche Erkenntnisse angeht, nur für den Hund und mehr Verständnis für diesen ergreift er immer wieder Partei - ein Standpunkt der meine größte Sympathie hat. Es ist auch höchste Zeit, dass jemand einmal ganz eindeutig die Partei der Hunde ergreift. Nicht die der Karikatur vom Wolf im Hundepelz, der seinen Besitzer bei erstbester Gelegenheit dominieren möchte, und auch nicht die des Modeaccessoires oder Showtieres, das Schleifen und Pokale für seinen Besitzer sammelt, sondern die des wahren Hundes, der ganz einfach Teil der Familie sein möchte. Unser Fazit: Ein MUSS für jeden Hundehalter!





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