Samstag, 23. Mai 2020

Ist der „Tut-Nix-Hund“ der Gutmensch unter den Caniden…?

Da! Sie haben sich entdeckt. Mit einem Schlag bleiben sie stehen. Die Nasenflügel beginnen zu vibrieren. Erste Fernsondierung startet. Die Körperhaltung ist lauernd. Langsam kommen sie sich näher, pirschen sich heran. Und dann: Plötzlich, wie ein Kaltstart, auf ein den meisten Menschen entgehendes Signal hin, stürmen sie aufeinander los. Und dann pflügen die beiden Hunde mit sichtlicher Freude die Wiese um, rennen was das Zeug hält um die Wette und ­animieren sich immer wieder zum gegenseitigen Jagen. Ganz klar, hier hatte einer aus der Fraktion dieser „Der-Tut-Nix-Hunde“ unsere Gassirunde gekreuzt.

Gemeinsames Rennen und Toben
Foto: Brigitte Klemke

Endlich mal wieder ein normaler Hund, seufzte die Dame im mittleren Alter mit einem erleichterten Lächeln um die Lippen. Den Satz hatten wir zwar schon öfter gehört, aber selten mit so viel melancholischer Emotion. Interessanterweise brachte das Thema auch eine neue Bekannte nur wenig später zur Sprache. Sie hat auch einen dieser „Tut-nix-Hunde“. Er läuft auch immer freudig wuffend und hüpfend auf andere Fellgenossen zu. Doch dafür kassiert sie als Halterin immer öfter Schelte?...

Was ist nur geschehen? Warum haben seit einiger Zeit „Tut-nix-Hunde“ so ein schlechtes Image? Warum wird der Begriff schon abwertend verwendet? Irgendwie erinnert mich diese Umdeutung an die von AfD und Pegida beim Wort „Gutmensch“. So wie dieser, gilt „Tutnix“ fast schon als Schimpfwort – zumindest unter den „Hunde-Trumpisten“.

Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich meine hier die „Tutnixe“ im wahrsten Sinne des Wortes: also gut sozialisierte Hunde. Und für die ist es völlig normal, dass sie den Kontakt zu Artgenossen suchen. Ja mehr noch, in jedem Fachbuch wird dies sogar für eine gesunde Entwicklung empfohlen – auch wenn wir Menschen erstaunlicherweise die primäre Bezugsperson für unsere ­Canidenfreunde sind.

Rudel-Schnüffeln
Foto: Brigitte Klemke

Und nun sind sie „die Bösen“? Sollen gefälligst an der Leine bleiben? Also ich bin ja sehr für Rücksichtnahme – ist immer wieder ein Thema in unserem Blog. Aber irgendwie erscheint es mir auch unlogisch, dass sich die ­„normalen“ Hunde an die – nennen wir sie mal „weniger normalen“ – anpassen. Wir Menschen kommen doch auch nicht auf die Idee, uns an die weniger sozialisierten Menschen anzupassen. Im Gegenteil, wir versuchen ihnen mit Therapien zu helfen.

Die logische Konsequenz ist dann diese: wenn die „Tutnixe“ sich nicht ausleben können, werden sie sich auch weniger gut sozialisiert entwickeln. Das Problem gewinnt dadurch also nur an Breite. Damit wäre jedoch niemandem gedient (außer vielleicht Hundeschulen, in ­denen dann die Probleme mit der ein oder anderen Methode wegtrainiert werden sollen) und wir nehmen uns damit eine große Freude: spielenden Hunden zusehen.

Wie schon gesagt (man kann es auch nicht oft genug wiederholen): Halter sollten Rücksicht nehmen! Denn es gibt in der Tat Hunde, die keinen Kontakt wollen. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: schlechte Erfahrungen, Krankheit, Alter etc. Allerdings sollten sich Halter da vielleicht auch fragen, inwiefern der Hund sie nur widerspiegelt. Zumal neuere Studien nahelegen, dass die Persönlichkeitsmerkmale von Haltern wesentlich stärkeren Einfluss auf den Hund haben als bisher von vielen angenommen. Statt also andere abzuwerten, täte vielleicht ein wenig Selbstreflexion gut – schon dem eigenen Hund zuliebe.

Wir – also mein kleiner Doggen-Wookiee Rico und ich – freuen uns jedenfalls immer, wenn wir solche „Tutnixe“ treffen – also die echten jetzt. Mein Döggelchen hat im Idealfall einen neuen Spiel- und Schnüffelkameraden und ich genieße einfach den Anblick der fröhlich rumtobenden und rennenden Hunde. Ist es doch mit einer der ­Hauptgründe für unsere Gassirunde. Angesichts des schlechten TV-Programms meiner Meinung nach auf jeden Fall immer die bessere Alternative. Und wenn ich so die verzückten Gesichter anderer Halter nicht völlig fehlinterpretiere, erfreuen sie sich ebenso daran wie ich. Also liebe „Tutnixe“, tut bitte weiter das, was ihr bisher gemacht habt: eben ganz normale Kontaktaufnahme zu Artgenossen. Und wenn die Halter – egal ob von ­„Tutnixen“ oder nicht – gegenseitig Rücksicht nehmen, dürfte das Ganze auch echt kein Problem sein. Aber vielleicht ist es das ja: Eventuell brauchen wir Menschen ein Problem – einfach als Beschäftigungstherapie. Und wenn wir keines haben, suchen wir uns eben eines – die Einen die „Gutmenschen“, die Anderen eben die „Tutnixe“.


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 05/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Echte "Tut-Nix-Hunde" find ich voll wuffig 😀


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Mittwoch, 15. April 2020

Unter Wölfen …

Zu Besuch beim Wolfsexperten


Schon bei der ersten vorsichtigen Berührung spüre ich ihn, den Unterschied. Irgendwie kräftiger, aber auch drahtiger, fester – irgendwie fühlt es sich „purer“ als bei den meisten Hunden an. Und sogleich nach dieser ersten Berührung ist das Eis zwischen mir und Kiba gebrochen. Er springt mich an, will an meinem Mund und meiner Nase lecken. Ein typisches Unterwürfigkeitsignal bei Hunden – nur ist Kiba ein Wolf.

Die Natur im Auge: Wolfsblick
Foto: Ira Prettycloud

Im Gespräch mit Jos de Bruin
Foto: Ira Prettycloud
Jos de Bruin – er leitet seit fast 20 Jahren eine Auffangstation für Wölfe verschiedener Arten in ­Sonsbeck – erklärt: „Die Signale sind ähnlich, nur sind sie bei Wölfen im Vergleich zu Hunden übertrieben“. Auch die sehr wolfähnlichen Hunderassen wie Saarloos und Amerikanische Wolfshunde nimmt er bei sich in Wolves Un­limited auf. „Mit Saarloos, dieser recht ursprünglichen Rasse, habe ich damals ja angefangen“, erinnert er sich. Meist kommen die Tiere aus Zoos und Zirkussen, deren Bestand zu groß geworden ist. „Nicht selten melden die sich selber bei mir, das ist dann ganz unproblematisch.“ Doch das ist nicht immer so, denn manche wollen ihre Wölfe nicht herausgeben, schließlich verdienen sie damit Geld. Das gilt vor allem für Jungtiere: „Die wollen die nicht immer jung abgeben, weil die Babys Geld einbringen.“ Und was macht er, wenn es Probleme gibt mit den Haltern? „Da arbeite ich dann auch mit Tierschützern und Veterinärämtern zusammen“, erklärt Jos.

Wölfischer Welpencharme
Foto: Ira Prettycloud

Ich bin kein Wolfsexperte so wie Jos, dennoch würde ich die Kommunikation anders bezeichnen. Nicht „übertrieben“, eher kommt sie mir „ungeschliffener“ und „überdeutlich“ vor. Eigentlich auch logisch, denn in seiner Entwicklung an der Seite von Menschen brauchte der Hund diese Eigenschaften nicht. Wir Zweibeiner haben viele dieser Signale ja eh nicht oder falsch verstanden.

Jung und alt gemeinsam...
Foto: Ira Prettycloud

Wölfe und Hunde machten eine Koevolution durch
Foto: Ira Prettycloud
Im Laufe ihrer Koevolution mit dem Menschen haben Hunde daher viel ihrer Ursprünglichkeit verloren, meint Jos. „Dennoch kann man noch viel von ­Wölfen und ihrem Verhalten lernen“, betont er, „gerade weil vieles deutlicher ist als bei den domestizierten ­Hunden.“ Er vergleicht es ein wenig mit der ­Primatenforschung: „Wir haben auch nicht mehr viel mit Affen gemeinsam und dennoch aus der Forschung mit ihnen viel über uns selber erfahren.“

Gefahr: Die wilde und ungezähmte Natur des Wolfes lockt so manchen Hundehalter...
Foto: Ira Prettycloud

Derzeit beobachtet der Wolfsexperte einen Trend, der ihm Sorgen macht: „Es gibt ein ‚Zurück-zur-Natur‘, was ich ja ganz gut finde. Doch einigen reicht der Hund als Verbindung zur Natur nicht. Wegen ihrer Ursprünglichkeit ist es derzeit Mode, Wolfshybriden anzuschaffen – ohne das nötige Wissen dafür.“ Dabei ist ein Wolf noch viel mehr ein Wildtier, hat er doch keine Domestikation durchgemacht wie unser Haushund. Außerdem wird auch viel Mist erzählt in dem Zusammenhang – meist aus Profilierungssucht: „So mancher erzählt gern, sein Wolfshybrid hat 80 oder 90 Prozent Wolfsgene, in Wahrheit sind es aber nur 50 oder 60 Prozent. Wer das mitbekommt, denkt sich, dass der ja noch sehr ‚hundemäßig‘ ist. Und wenn er sich dann selber auf der Basis des Erlebten einen anschafft und an einen ­Händler gerät, der das nicht angibt, dann bekommt er einen, der wirklich 80 oder mehr Prozent Wolfsgene hat – dann ist das Geschrei um die vorprogrammierten Probleme groß.“ Nicht selten wird Jos auch zu solchen Fällen gerufen. „Und es werden immer mehr. Diese Mode ist schlimm, denn Auffangstationen wie meine können nicht alle aufnehmen.“

Trotz seiner großen Sozialkompetenz und Kommunikationsstärke bleibt der Wolf ein wildes Tier...
Foto: Ira Prettycloud

Wieder auswildern kann er die Wölfe und Wolfshybriden jedoch nicht. „Die haben die natürliche Scheu von Wölfen nicht mehr. Von daher würden sie anders als Wölfe bei einer Gefahren­situation auch nicht weglaufen und so auch zu einer Gefahr für Menschen werden.“ Aber was geschieht dann mit ihnen? Häufig vermittelt sie Jos in Zoos, deren Bestand noch klein ist oder die frisches Blut für ihr Rudel ­brauchen. ­Finanziert wird das Ganze durch Spenden und Workshops. Mit Letzteren leistet Jos neben der ­praktischen Hilfs­arbeit auch die theoretische Aufklärungsarbeit. Beides ist wichtig, um das Wesen des Wolfes zu verstehen!

Schon während des Gesprächs leisteten uns zwei Wölfe Gesellschaft, die Jungen Kiba und Kayleigh. Doch danach ging es in eines der Gehege. Darin waren vier ausgewachsene Wölfe und Wolfshybriden. Es war zwar nicht das 1. Mal, dass ich diesen Wildtieren begegnete, aber: noch nie war ich ihnen so nah, so ganz ohne Abgrenzung, im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig auf die Pelle gerückt. Und zum 1. Mal berührte ich diese wunderbaren Tiere. Diese Kraft, diese Purheit. Irgendwie wirkten sie fast ­mager, alles nur Muskeln und Sehnen, kein Gramm zu viel, nichts Unnötiges – eben kein zivilisatorischer Ballast. Es war für mich ein mehr als nur beein­druckendes Erlebnis, diesen Tieren so nah zu sein und ihre Reaktionen auf mich zu beobachten. Jeder zeigte da seinen individuellen Charakter: Während mich Timber erst argwöhnisch beobachtete und dann sich ganz vorsichtig zum Schnuppern näherte, waren andere dagegen aufgeschlossener.

Dank seiner Erfindungsgabe stellen für Wölfe auch zivilisatorische Hindernisse kein Problem dar...
Foto: Ira Prettycloud

Sicher, diese Wolfsartigen haben mit unserem Haushund vielleicht nicht mehr viel gemeinsam. Aber am ehesten vergleichbar ist es, als ob wir Menschen in das Gesicht eines Gorillas oder Orang-Utans blicken. Ein Blick in die Vergangenheit, zurück zu unseren natürlichen Wurzeln. Und hier waren es eben die Wurzeln unserer ältesten Freunde, der Hunde.

Trotz der engen Verwandtschaft, bleibt der Wolf ein wilfes Tier und gehört in die freie Wildbahn und nicht ins Wohnzimmer!
Foto: Ira Prettycloud

Leider durfte Rico nicht mit. Denn seine Nähe hätte die Wölfe sicher irritiert. Aber bei der Verabschiedung konnte ich beobachten, wie er auf Jos reagierte: Mit äußerster Neugier. Seine Nasenflügel vibrierten, die Ohren zeigten nach vorne. Es war wohl das Dufttreffen mit seinen Vorfahren. Auch später roch er immer wieder an mir, jede Riechinfo schien ihn zu interessieren, ja mehr noch, ­beinahe zu bannen. Begriff er, dass es seine Vorfahren waren? Wohl kaum. Jedenfalls nicht so kognitiv wie wir Menschen. Sicher nahm er eine gewisse Ähnlichkeit wahr, aber auch das viele Fremde, das Wilde daran. Auf jeden Fall reagierte er anders als sonst bei ihm fremden Tieren. So war es für uns gemeinsam ein mehr als interessantes Erlebnis – für mich ganz direkt und mehr über die Augen, für Rico eher indirekt und schnüffel­spannend.

Infos

Linktipps
Der Rasse-Wahn und seine Folgen:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=37473

Wolfshybriden und Retro-Züchtungen:
https://www.3sat.de/page/?­source=/wissenschaftsdoku/­sendungen/170941/index.html



Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 04/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Während der Olle mit den Wölfen tanzte, durfte ich sie nur erriechen...

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Donnerstag, 5. März 2020

Gassi gegen Vorurteile

Das klappt nicht nur bei Hunden …

Wer kennt sie nicht, die Vorurteile gegen manche Hunde? Kurzhaarig, muskulös, vielleicht sogar noch gestromt? Damit sind alle Alarmzeichen erfüllt, damit die „selbst geBILDeten“ Vorurteile an den Tag kommen können. Die Mehrheit der Menschen wird von manchen Boulevard Medien bewusst verhetzt. Für die Auflage halt. Um jeden Preis. Hundehalter müssen die Sache selber in die Hand nehmen …

Kaum begegneten sie sich, wollten sie schon aufeinander los. Ganz schön heftig die Reaktion meines kleinen Doggen-Wookiees. Zähnefletschend, aufbäumend, sich kaum zurückhalten lassend (dabei lässt er sich in der Regel zwar widerwillig, aber doch recht verlässlich zurückrufen). Quasi Doggen-Chewbacca im Godzilla-Modus 🙂 Kommt in der Form ja nicht so oft vor bei meinem Döggelchen. Nicht weniger heftig war aber auch die Reaktion von Jackson. Alles klar, die beiden waren schon mal keine Freunde …

Jackson und Rico - anfangs gar nicht erfreut, wurden sie schnell Schnüffel-Kumpels
Foto: Der Papagraf

Was war los? Hatten die beiden etwa „Vorurteile“? In der Art wie wir Menschen wohl kaum. Viel wahrscheinlicher war die Ressourcenverteidigung – Rüden halt. Aber ein Urteil hatten sie jedenfalls über den jeweils anderen gefällt und die authentische Reaktion dazu gezeigt. Mit allem Rüden-Brimborium, was dazugehört – inklusive einer kleinen Sabber-Dusche für mich von ihrem Geifer.

Ganz unschuldig bin ich daran wohl nicht, denn ich und Jackson verstanden uns auf Anhieb. Klar, quasi canilogisch, dass die beiden aufeinander los wollten. Den Spaß und die Knuddeleien mit mir wollte Jackson weiter genießen, da war Rico für ihn natürlich ein Störfaktor; und der Doggen-Wookiee meldete seine Ansprüche an und zeigte sich mal von seiner unschönen Seite …

Jackson ist der Hund von Sandra M., einer Leserin und Bekannten von uns, er ist ein Staff-Boxer-Mix, ein so genannter „Listenhund“. Wie einige unserer Freunde und Bekannten muss auch sie oft gegen Vorurteile ankämpfen. Und zum Glück ist sie eine sehr gechillte und geduldige Hundehalterin – und das bezieht sich nicht nur auf ihren Hund! Sie erträgt diese Vorurteile gelassen. Ich vermute mal, sie ist wohl mittlerweile da auch abgehärtet. Wenn ich da nur an die Vorurteile gegenüber großen – und vor allem auch noch gestromten – Hunden denke, denen wir selber beinahe täglich ausgesetzt sind. Aber immerhin haben wir nicht das Stigma einer „Liste“.

Egal ob groß oder klein - es sind alles Hunde!
Foto: Der Papagraf

Dabei frag‘ ich mich schon seit langem, warum wir gegen alle Vernunft, diverse Bissstatistiken und auch derzeit wissenschaftlichen Stand noch immer dieser Mär von so genannten „Kampfhunden“ nachhängen. Zumal, wer die darunter fallenden Rassen kennt, der weiß, dass viele von denen sehr menschenbezogen sind. Wie in den meisten Fällen, es kommt auch hier auf das andere Ende der Leine an. In den falschen Händen kann jeder Hund zum „Kampfhund“ gemacht werden – das ist ja schon fast Allgemeinwissen (auch bei vielen Nicht-Hundehaltern!). Ist es wirklich sinnvoll, seine Vorurteile zu bestärken? Und damit auch seine eigenen Ängste zu schüren? Oder macht es nicht viel mehr Sinn, sich der Situation zu stellen und daraus zu lernen?

So wie übrigens auch Rico und Jackson. Die vergaßen ihre Vorurteile einfach irgendwann. Je länger wir spazieren gingen, umso besser verstanden sie sich. Am Ende hingen die beiden immer mehr zusammen – bis hin zum gemeinsamen Kumpelschnüffeln. Und wieder lehrte mein Hund mich etwas: Lerne jemand kennen und vergiss dein Vorurteil ihm gegenüber!

So mancher Verein engagiert sich für diese Listenhunde, so beispielsweise Listiversum oder TS Pit, Staff & Co., der regelmäßig „SoKa-Runs“ (SoKa=so genannte Kampfhunde) organisiert, bei denen wir auch schon mitliefen. Auch in Facebook wollen die Tieraktivisten auf die Problematik aufmerksam machen und aufklären. Nicht immer erreichen sie trotz ihres bewundernswerten Engagements dabei diejenigen, die am meisten Angst und Vorurteile haben. Aber vielleicht könnte das auch mal ein Ansatz für die vielen engagierten Tierschützer sein – neben der Aufklärung sich auch mal mit den Ängsten der anderen auseinanderzusetzen. Nicht nur Toleranz verlangen, sondern auch Verständnis haben. Wie wäre es denn mal mit „Aufklärungswalks“ mit den Ängstlichen zusammen? Oder vielleicht besser gesagt: „Gassi gegen Angst und Vorurteile“? Sprechen Sie doch einmal gezielt Psychische Kliniken und Ärzte an und fragen, ob Sie ihnen bei Angstpatienten eventuell behilflich sein können. Denn Hunde können viel besser zeigen, was wir Menschen nur erklären können. Ist vielleicht nicht einfach, zugegeben, aber das war der Gassigang mit Rico und Jackson anfangs auch nicht. Doch mit Geduld (weniger meine, als vielmehr die von Sandra) war es am Ende eine große Bereicherung! Ja, mehr noch! Nicht nur wegen der Lehren, die mir die Hunde wieder mal erteilt haben. Schon der Anblick der beiden nun kumpelhaft am Rhein schnüffelnden und schlendernden Hunde war purer Canigenuss!


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 03/2017; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag "Vorurteile" sind für uns Hunde wie Datenmüll...😃

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Samstag, 29. Februar 2020

Leons 1. Geburtstag 🎂

Wurftag eines Hundes

Der kleine Leon ist nun 1 Jahr alt. Okay, den genauen Tag kann ich euch nicht verraten – da sind die Dokumente leider etwas verwirrend. Ist ja auch typisch für Tierschutz-Hunde, oft wird deren Alter nur geschätzt. Aber eines ist sicher: Irgendwann im Februar muss seine Mutter ihn geworfen haben und um sicher zu gehen, werden wir in Zukunft immer den letzten Februar-Tag als Wurftag zelebrieren. 

Klein-Leon kurz nach seinem Einzug...

Kleiner Hund bringt großes Durcheinander

Und seit dem der kleine Cane Corso bei mir und Rico einzog, brachte er auch viel durcheinander. Und damit meine ich jetzt nicht seine „Innen-Architektur-Umstrukturierung“ unserer Wohnung (ja UNSERE, denn meine Wohnung ist auch gleichzeitig das Heim meiner Hunde). Schon von Anfang an merkte ich, dass Leons Impulskontrolle nicht so stark ausgeprägt ist, wie die Ricos. Und das brachte mir und dem Döggelchen auch so manche Schwierigkeit ein. Denn Leon ist ein richtiger Sonnenschein, der alles und jeden mag. Dazu kommt auch seine Neugierde, die aber ganz anders ist als die von Rico. Während das Döggelchen Neugierig und Lernbegierig ist, hat Leon eindeutig ein Schwergewicht auf die Neugierde, das Lernen ist nicht so sein Fall (nicht dass er zu dumm dafür wäre, im Gegenteil: er begreift für einen Molosser sogar erstaunlich schnell, es ist also keine Lernunfähigkeit, er hat darauf einfach weniger Lust – damit ähnelt er mir zu meiner Schulzeit).

Der kleine Leon ist recht temperamentvoll und impulsiv, aber hat es faustdick hinter den Ohren...


Der kleine Cane Corso Leon hat so seinen eigenen Kopf

Auch hat er mehr „seinen eigenen Kopf“, um es mal euphemistisch auszudrücken. Klar, das ist für Molosser normal, schließlich haben die Menschen bei ihrer Zucht unter anderem auch die Eigenständigkeit dieser Hunde gefördert. Allerdings ist Leons „Dickköpfigkeit“ selbst für einen Cane Corso sehr ausgeprägt. Irgendwie hat er die Überzeugung, dass seine Ideen besser sind als meine. Und leider folgt er auch nahezu jeder seiner „Ideen“ - spontan, impulsiv... Und nicht selten müssen Rico und ich Klein-Leon dann aus der Situation rausholen, in die er sich selber gebracht hat.

Für Leon ist die Welt eine einzige große Spielwiese, die es zu entdecken gilt...
Glaubt ihr nun, dass er daraus lernt? Ach quatsch, ganz im Gegenteil: Er wird noch „eigensinniger“, denn er weiß ja nun, dass im Zweifelsfall das Döggelchen und ich ihn schon „raushauen“. Irgendwie ähnelt er dem „verrückten Bruder“, den wohl jeder Familie hat und der immer Schwierigkeiten macht – und der meist genau deswegen auch so geliebt wird. Denn eines ist trotz aller Schwierigkeiten klar: Leon gehört zum Rudel! Und auch wenn ich mit ihm strenger sein muss, als mit Rico damals in seinem Alter, so ändert das nichts an meinen Gefühlen. Und auch Don Ricotta, der zuweilen von Leon genervt ist, mag den Kleinen sehr. Jedes Mal wenn ich mit Leon mal alleine unterwegs bin, wird er von Rico danach abgechekt und beim Spielen freut sich Rico beinahe so sehr wie der Jungspunt Leon.

Gemeinsames Rennen und Toben

Die Unterschiede zwischen Rico und Leon zeigen recht deutlich die Karnevalstage:








Doch mehr als Ärger bringt so ein Junghund Freude

Das Rüdenteam - kein perfektes Rudel
Aber glaubt jetzt nicht, dass Leonchen (sprich: Lönchen) jetzt nur nervt. Er hat auch viele sehr charmante Eigenschaften – und wickelt damit trotz (oder auch wegen) seiner frechen Art die meisten um den Finger. Und damit meine ich jetzt nicht mich oder Rico, sondern die vielen Freunde und Bekanntschaften, auf die wir trafen. Im Großen und Ganzen hat er sich prächtig entwickelt, und es erfüllt mich auch jedes Mal mit Stolz, wenn jemand auch seine positiven Lernerfolge bemerkt: Immerhin hatte Leon null Beisshemmung, als er bei uns einzog – das hat sich wesentlich gebessert (nur noch ganz zarte Beisserchen, wenn er besonders aufgeregt ist und jemanden mag); stubenrein wurde er schneller als viele Hunde (und damit meine ich nicht nur Molosser); für einen seines Alters ist er erstaunlich leinenführig – so mancher Molosser-Halter mit teils wesentlich älteren Hunden sprachen mich schon darauf an, als sie uns sahen; die Grundkommandos sitzen erstaunlich gut (bis auf das „Hier!“ wenn er freilaufend mit anderen Hunden spielt); selbst stressige Situationen bringen ihn nicht aus der Ruhe – klar, er findet sie spannend, aber zeigt kaum Meideverhalten und schon gar nicht Fluchtreaktionen, allerhöchstens findet er mal was "unheimlich" und und und...

So manches Herz erobert Leon im Sturm...subtil ist nicht so sein Ding 😂

Groß feiern werden wir den heutigen Tag aber nicht, Schließlich haben wir ja den „gemeinsamen Geburtstag“ im September, der nun - nach Leons Einzug - quasi zu unserem persönlichen „Rudeltag“ anwuchs. Aber ich habe mir vorgenommen, heute mal weniger streng mit dem kleinen Molosser zu sein, ihm mehr durchgehen zu lassen – und eine Spezial-Extra-Leckerei gibt’s selbstverständlich auch.

Rico, der Chefredakteur des GASSIREPORTS
🐶 Ich will mal sehr für dich hoffen, dass du da auch an ein Extra-Leckerchen für mich gedacht hast... *leftzenleck*

Klar, Rico, schließlich feiern wir sowas immer als Rudel.

🐶 Was heißt das? Dass du auch an einem Knochen knabberst? *verwundertschaufrechwedel*

Nein, für mich habe ich menschliche Knabbereien. Aber war ja klar, dass du mal wieder das letzte Wort haben willst. 😄

🐶 Du weißt doch, ist doch ein HUNDE-Blog und ich der Chefredakteur. *jawohlwoaff*


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