Freitag, 29. Januar 2016

Von wegen abgelenkt - Mein 2-Beiner hat mich voll erwischt! :-)

Schnüffelschnüffel...Kaninchen...erst vor Kurzem hier raus...
Booooaaaah, riecht das hier auf den Düsseldorfer Rheinwiesen immer spannend. *schnüffel* Da! Genau da war ein Picknick. Vor höchstens 3 Tagen. *schmatz* Da war auch Leberwurst dabei. Ich rieche es genau! Oder da der Eingang zu einem Kaninchenbau... Und da! Oh, roch die Hündin lecker *klappersniff*, muss gestern hier vorbei gekommen sein... und da Vogelkacke...Und da! Da ist doch noch was Besseres... Oh jaaaa...Jackpot! Schafsscheiße!


Normalerweise vergewissere ich mich ja,
ob mein Oller was mitkriegt... ;-)
Na, mein 2-Beiner ist ja zum Glück vollauf mit seinem Handy beschäftigt. Schaut die ganze Zeit darauf...muss wohl wichtig sein, macht er extrem selten, wenn wir unterwegs sind... Dachte ich! Wäre ich mal nicht so ahnungslos und selbstsicher gewesen... Normalerweise schau ich ja auch immer, ob der kuckt... Und wenn er schaut, nun, was ich dann mache, hab ich euch ja bereits erzählt. *schwanzwedel* Aber dieses Mal braucht ich nicht schauen, hatte ihn ja quasi im Augenwinkel im Blick - so wähnte ich mich sicher und unbeobachtet ;-)



Mist! Erwischt! Ich konnte ja nicht ahnen, dass mein Cerebral-Interface mich filmt und so mitbekommt was ich vorhatte. Wäre ich mal vorsichtiger gewesen... Jetzt hat der Alte auch noch Beweismaterial... *ohrenanleg-brumm* Nächstes mal schnüffel ich vorher genauer, was der so macht... ;-)


Donnerstag, 28. Januar 2016

Neues vom "Arschlochhund": Nicht nur bildlich ein Arschlochhund - Körperbeherrschung ist alles :-)

Zuweilen erstaunt mich ja die Körperbeherrschung meines Hundes. Diese Gewandtheit, diese Kraft...bis hinab zu den kleinsten Muskeln. Ja, selbst seine Körperfunktionen hat er offenbar im Griff wie es jedem Yogi oder Jedi zu Ehre gereichen würde. Und hier zeigt er sich auch manchmal als Arschlochhund (vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Zuschriften nach unserem 1. Beitrag in dieser Rubrik. Freut mich, dass er so viele inspiriert hat! Ich selber hab mich vom Arschlochpferd inspirieren lassen). Und zwar nicht metaphorisch, nein, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn er hat selbiges voll unter Kontrolle ;-)

Ich benutze ja meist eine verstellbare Führleine. Und Rico weiß schon, dass wenn die auf kürzeste Länge eingestellt ist, dann ist nicht mehr mit gemütlichem Gassi gehen und langem Schnüffeln an jeder Ecke. Denn dann hab ich es meist auch eilig. Aber glaubt mal nicht, dass das Döggelchen  das so einfach hinnimmt...

Döggelchen?

Ruhe Rico! Das ist diesmal mein Beitrag! Du wolltest, dass ich auch mehr meine Sicht beschreibe, das hast du davon ;-)

*brummm*

Also außer das soeben gezeigte Brummen, äußert sich sein Unwillen über unsere Eile auch durch wiederholte Versuche anzuhalten. Meist muss er sich dann spontan und ganz wichtig gerade kratzen. Naja, er deutet es an: sein Hinterbein hebt sich und vollführt ein paar Kratzbewegungen in der Luft. Es berührt allenfalls eine zufällig vorbeifliegende Fliege oder eine Mücke im Suizid-Modus - sein Ohr jedenfalls niemals. Und danach schaut mich Rico an und seine Augen sagen: "Waaas? Das musste sein!" Ja ne, ist klar...

Manchmal, wenn er anhalten will, tut Rico dann so, als ob er müsste. Und da ich ja kein Unmensch bin, geb ich dem dann doch ab und an nach. Wenn man/hund muss, dann muss man/hund. Er hebt sogar manchmal das Beinchen. Aber das ist nur Tarnung...er hebt es dann meist nicht ganz, kein Tropfen kommt raus... Doch sein Blick, in dem sich deutlich seine Mittelkralle spiegelt, sagt: Hab ich doch meinen Willen bekommen!

Moment, nur schnell P-Mailen, dann komm ich... ;-)

Aber DAS ist noch nichtmal das Erstaunlichste für mich. Denn er kann noch mehr. Vor allem, wenn er meine Eile besonders beschissen findet... Er wartet ab, lauert auf den strategisch richtigen Zeitpunkt. Das Placebo-Beinheben war nur Vorgeplänkel. Und dann kommt sein großer Moment: die richtige Gasse, klein und eng, gut überschaubar für jeden, Laden reiht sich an Laden. UND: Es ist eine Gasse wo jeder uns kennt - zumindest vom Sehen her. Genau dann ist Ricos großer Moment...dann scheißt er auf meine Eile.

Vor dem Eingang eines Ladens macht er kurz nen Buckel, sein Hinterteil geht runter. Und schon kackt er. Mitten auf dem Weg. Direkt vor der Ladentür. Dazu sollte man wissen: Sein großes Geschäft macht Rico nicht gern auf der Straße. Lieber ist ihm eine Wiese, noch idealer ein Gebüsch. Und wie so viele Hunde, macht er darum ein Riesenbrimborium: wildes, fast schon hektisches hin und her schnüffeln, das Hinterteil schon leicht runter, ein kleiner Buckel, dann hat er den richtigen Ort, oder doch nicht? Nein, mit gesenktem Hinterteil geht's weiter, ja hier ist besser... Die genauen Details seiner Auswahl entziehen sich leider ebenso meiner Kenntnis wie die plötzliche Umwahl seines Fäkel-Platzes. Im Park macht er auch gern in der Nähe von Mülltonnen. Als sein 2-beiniges Cerebral-Interface find ich das echt klasse! Geradezu rücksichtsvoll von meinem Hund. Normalerweise. Es sei denn, er will mich ärgern. Denn dann vergisst er seine Kack-Präferenzen und -Rituale. So wie eben beschrieben.

Kein langes Schnüffeln, kein langes Suchen (wozu auch? es war ja genau der richtige Moment!), keine Hin und Her, keine langen Körpersignale. Ihm war ganz offensichtlich nicht nach einem Prä-Kack-Gespräch mit mir... Und so kackt er sich einfach aus. Sein nur für mich hörbarer Subtext in seinem Blick: "Ich scheiß drauf!"

Falls dich das nicht erweicht: Ich kann auch noch ne Schippe drauflegen...oder nen Haufen :-D

Achso, für alle Passanten legt er dann auch noch den Ober-Hyper-Mega-Mitleid-Blick auf. Was für mich bedeutet, dass ich von den Passanten im besten Fall einen amüsierten, im mittleren Fall einen bösen Blick kassiere. Und im schlimmsten Fall? Da blieb's nicht bei Blicken, das waren Beschimpfungen...meist von irgendwelchen besserwisserischen Uschis (die der Sorte: gefrustet, aber ich tue mal so, als wäre ich glücklich). Klar, das Ziel der Beschimpfungen war nicht mein Hund, sondern ich. Aufregen? Nö, wozu? Dafür müsste ich die ja erstmal ernst nehmen :-D

Ich bin doch kein Arschlochhund...und wenn, dann auch im wahrsten Sinne des Wortes :-)

Arschloch? Yo, hab ich auch :-D
Und nicht nur, dass das Döggelchen Rico seine Verdauung so weit im Griff hat, dass er den Zeitpunkt selber wählen kann! Nein, der Fäkal-Jedi kann offenbar auch die Konsistenz manipulieren. Es ist zwar fest, also kein Durchfall oder so, der Mist ist genau richtig (aus Ricos Sicht!) "angeweicht". Ein einfaches Aufheben wie sonst meist geht dann nicht, irgendwie bleibt immer ein schmieriger Rest. Und während ich seine Hinterlassenschaften so gut wie möglich beseitige, steht Rico neben mir: Wedelnd seine Rute, triumphierend sein Blick. "Das hast du nun davon!" sagen - ach was, brüllen seine Augen mir lachend entgegen. Und mir bleibt nur ein gepresstes "Arschlochhund!" Sein charmant-höhnisches "Jawohl-Schwanzwedeln" hat dann meist das letzte Wort... :-D



 

Dienstag, 26. Januar 2016

Neues aus der "Hunde-Schweiz": Nur wenige Hundetrainer trauen sich öffentlich aus der Deckung - doch der Wahnsinn nimmt immer skurrilere Formen an

Die Resonanz auf unseren Beitrag "Hunde-Schweiz" war nahezu erschlagend. Noch heute erreichen uns deswegen Mails von Hundehaltern, aber auch von Hundetrainern! Da haben wir ganz offensichtlich nicht nur einen Nerv getroffen, sondern ein ganzes Nevengeflecht. Schon interessant: In der Hundeerziehung bedarf es doch Geduld und Gelassenheit. Sollte man doch annehmen, dass gerade Hundetrainer davon genug haben - zumindest auf jeder 2. Webseite von Hundeschulen tauchen die Worte auf. Aber so unterschiedlich das Fell von Hunden ist, so ist es eben auch bei den Nacktnasen Einige wenige haben sich über unseren Beitrag und das Angebot uns als neutrale "Hunde-Schweiz" anzubieten aufgeregt - offensichtlich lag denen nicht viel an einem klärenden und konstruktiven Gespräch. Nun ja, informierte Hundehalter sind halt wohl auch unbequemere Kunden. ;-) Einige versuchten auch zu erraten, um welche Hundetrainer es sich handelte. Schon erstaunlich wie viele sich da offenbar ähneln. :-D

Viele antworteten auf die Fragen in Facebook. Entweder direkt auf unserer Seite oder in den diversen Gruppen geteilten Beitrag.


Herrchen meldet sich wieder zu Wort (y) Erinnert ihr euch an seinen Aufruf an die verschiedenen Denkrichtungen der...
Posted by Gassireport on Mittwoch, 29. Juli 2015



Besonders ausführlich schrieb Hundetrainer Peter Stanberg, der sich selber als Naturtrainer bezeichnet (seinen Verweis findet ihr als Kommentar unter dem damaligen Blogbeitrag). Was wiederum für einige Verwirrungen bei einigen Lesern sorgte. Das Beispiel zeigt deutlich ein Kernproblem in der Hundeerziehung: die Begrifflichkeit. Am besten zu sehen am Begriff "Gewalt"; schon da versteht jeder etwas anderes.

Doch trotz der vielen Antworten ist unser Projekt, die verschiedenen Denkschulen und Ideologien an einen Tisch zu bringen, ihnen eine "Hunde-Schweiz" zu bieten, leider gescheitert. Zwar war wie gesagt, die Resonanz gigantisch, aber nicht alle trauten sich aus der Deckung der Anonymität (um so mehr gebührt denen Respekt, die mitgemacht haben!) und vor allem: nicht alle verschiedenen Denkrichtungen haben sich beteiligt. So beantworteten unsere Fragen kein einziger der sich auf die Fahne geschrieben hat "rein positiv verstärkend" und "absolut gewaltfrei". Ob die gar nicht existieren? Nun die Schlussfolgerung liegt zwar nahe, aber virtuell gibt es sie schon - zumindest laut ihren Werbeversprechen auf ihren Webseiten. Ich vermute ja eh seit längerem, dass das nur ein Marketingtrick ist, um leichtgläubige Kunden, die ihren Hunden Gutes tun wollen, anzulocken.

Seltsame Sachen macht ihr Menschen!

Aber so völlig gescheitert ist das Projekt wegen der ganzen Zuschriften auch wieder nicht. So haben wir einige sehr skurrile und auch lustige Geschichten erfahren. Manchmal tauchten auch gewisse Namen immer wieder auf :-) Aber keine Sorge! Ich werde keine Namen nennen, denn wie schon oft gesagt, verurteile ich Handlungen, nicht Personen! Und das Lästern ist nicht so mein Stil. Das Niveau überlass ich gerne anderen. ;-)

So scheinen sich manche Hundetrainer und Konsorten zusammen getan zu haben und sekundieren sich gegenseitig um unliebsame Konkurrenten zu diffamieren und zu denunzieren. Einige davon haben auch nichts besseres zu tun als sich als "Störer" im Web zu betätigen - vorzugsweise in Facebook. Sie ziehen von Gruppe zu Gruppe und nerven so lange, bis die Gruppe zum Territorium ihrer banalen Lästereien wird. Doch da sie dann ja nur noch unter sich sind, ziehen sie zur nächsten Gruppe weiter. Um den Hund geht es da schon lange nicht mehr...

Welche skurrilen Blüten das ganze annimmt, zeigt ein Fall, der uns unterkam besonders beispielhaft. So schrieb uns nach unserem Beitrag damals eine junge Frau an und erzählte uns von so einer Läster-Truppe. Sie nannte sie des öfteren belustigt "alternde Mutanten-Girlie-Gang" oder "gefrustete Läster-Schwestern". Sie beschrieb diese Leute von der Sorte Mensch, die sich besonders auf 2 Feindbilder eingeschossen hatte: Männer und junge (vorzugsweise gutaussehende) Frauen. Unnötig zu erklären, woran das liegt, jeder von uns hat so jemanden im Leben schon mal getroffen und mitleidig belächelt ;-) Jedenfalls war die junge Frau auch mal Ziel des Angriffs dieser wie sie sie nannte "gefrustete Mutanten-Girlie-Gang". Dadurch stieß sie aber wiederum auf andere, die ebenfalls schon attackiert wurden. Und so schloss man sich zusammen. Seit dem "beschäftigen wir diese niveaulosen Altweiber mit Identitätsproblemen und Komplexen". Und wie, wollte ich wissen: "Ganz einfach, wir füttern die mit immer neuen Themen und Theorien...je abstruser und weiter weg von ihrem eigenen engstirnigen Glauben, umso besser. Wir werfen denen nen Brocken hin (meist irgend einen Post oder Kommentar) und die stürzen sich wie eine wilde Meute darauf. Dann sind sie Stunden beschäftigt im Web, feiern sich gegenseitig wegen ihrer Kommentare, geben sich Namen aus dem Showbiz, was ja deutlich auf eine Unzufriedenheit mit der eigenen Person und auf Identitätsprobleme schließen lässt... wir amüsieren uns darüber köstlich, die haben was sie wollen und wir haben in der Realität unsere Ruhe. So sind alle glücklich. Außerdem ist das ja auch irgendwie ein sozialer Dienst an dieser Girlie-Gang in den Wechseljahren, was sollten diese armen Verwirrten denn sonst mit ihrer Zeit anstellen?!" Auch ne Art sich das schön zu Reden. ;-)

Lasst euch nicht verarschen! :-)

Nicht immer ist die Hundeszene freundlich bunt!
Foto: Samko Fotografie
Aber stimmt schon irgendwie, ist nicht alles Sonnenschein in der Hundewelt; leider nicht alles so bunt wie Rico es meist sieht und schnüffelt. Viel Schindluder wird in der Hundebranche getrieben, teils aus ideologischen, teils aus ökonomischen, häufig aus beiden Gründen. Und nicht selten ist es die Hauptaufgabe von uns Haltern unsere Hunde vor sowas auch zu beschützen. Auch wir haben schon Physiotherapeuten und Ärzte erlebt, die sinnlose Behandlungen verkauften - natürlich zum "Sonderpreis"; Trainer und Fotografen, denen die marketingwirksame Effekthascherei wichtiger ist als die Gesundheit der Hunde; Ernährungsexperten, die wissentlich verdorbene Ware verkauften; Vereine, die Angst vor dem Finanzamt haben, weil die ihre "Nebengeschäfte" entdecken könnten; Orgas, die seit Jahren behaupten sie wollten ein eingetragener Verein werden; Tierschützer, die die Hilfsbereitschaft der Menschen für ihr eigenes Portemonait ausnutzten und und und... Wir werden daher in Zukunft den ein oder anderen Fall hier im Blog beschreiben (dafür eröffnen wir die neue Rubrik Watchdog). Wie immer, ohne Personen anzuklagen, sondern nur Verhalten. Als Warnung für alle Hundehalter - damit deren Liebe zum Hund nicht ausgenutzt wird.


Montag, 25. Januar 2016

[Gastbeitrag] Die gewaltlose Gewalt

Heute freue ich mich euch einen Gastbeitrag von meiner lieben Blogger-Freundin und Autorin Severine Martens von der Fabelschmiede zu präsentieren. Der hat damals für ganz schön viel Aufsehen gesorgt. Angefangen hatte alles, weil ein Blogbeitrag von uns von einer Einzelperson ziemlich "missverstanden" und "fehlinterpretiert" wurde. *grrrr* Mein menschliches Cerebral-Interface lebt ja nach dem Spruch: Unterstelle niemals böse Absicht, wenn Dummheit als Erklärung genügt. Ich seh das ja anders, denke, das war schon Absicht...und der Versuch uns zu diffamieren und nen Shitstorm auszulösen. Und das alles nur, weil mein 2-Beiner nicht ihre Bücher verlosen wollte... *schüttel* Nun, der Schuss ging deutlich nach Hinten los. *schwanzwedel* Leider geriet aber Severine in die damalige Diskussions-Schusslinie. Sie wurde teilweise aufs heftigste beschimpft und angegriffen. *grrrrr*

Aber das Ganze hatte sein Gutes, Kleiner.

Ja stimmt! In mehrerer Hinsicht! Und ein positiver Punkt davon war, dass Severine diesen tollen Text zum Thema Gewalt geschrieben hat...und so ganz nebenbei mit manchen Mythen und Marketingtricks aufräumte.


Severine Martens Hund: Milo H. Lunke
Foto: Severine Martens



Die gewaltlose Gewalt


“Natürlich muss man Grenzen setzen. Manche Leute übertreiben es ein wenig mit der positiven Verstärkung und halten jedes Nein, jede Grenze für eine aversive Trainingsmethode. Auch Tiermütter tadeln ihre Jungen, dazu haben sie jedes Recht. Ein Tadel ist keine Strafe, eher ein Signal zum Aufhören. …” (Karen Pryor, 2014)


Wenn es möglich wäre, aus dem Menschen mit einem kleinen Schlag auf den Hinterkopf einen guten und umsichtigen Menschen zu machen, wir würden in einer wunderbaren Welt leben. Jedes Kind bekäme gleich nach seiner Geburt einen kleinen Klapps und keiner würde sich drüber aufregen. Es würde in einer Welt leben in der das Wort ‚Gewalt‘ ein Fremdwort ist. Wenn es nun auch noch möglich wäre, jeden Hund mit einem ebensolchen Stupps zu einem folgsamen Hund zu machen, der Hund würde in einer freien Welt leben. Jeder Welpe bekäme nun auch gleich einen Klapps und würde in der Zukunft immer auf Rufen herankommen. Er würde alles was er gerade tut umgehend unterlassen, wenn man es von ihn verlangt. Wir würden nicht nur in einer Welt ohne Hundetrainer leben, wir würden in einer Welt leben in der niemals das Wort ‚Gewalt‘ ausgesprochen oder gar aufgeschrieben worden wäre. Dieses Wort würde nicht existieren! Unsere Hunde könnten immer frei herum laufen weil sie folgsam sind und die Menschen würden sie gewähren lassen weil sie umsichtig sind. Wäre das nicht toll!

*Schnüffel*
Foto: Severine Martens

Gewalt ist eine schlimme Sache! Aber es ist einfach zu sagen, man wäre für ‚Gewaltlosigkeit’, denn wer außer ein paar kranker Zeitgenossen stellt sich schon dahin und plädiert öffentlich für Gewalt. Auf Gewalt zu verzichten ist eine gute Sache, eine Einstellung zum Leben, zum Miteinander und zum Frieden. Gewaltverzicht ist ein Ziel, dass man in seinem Leben hoch halten kann (oder besser: sollte!), aber ist wirklich alles Gewalt was augenscheinlich als Gewalt erscheint? Gewalt ist in unserer Welt allgegenwärtig, in den großen und in den kleinen Dingen. Gewalt ist ein Prinzip der Natur: Leben, töten und leben Lassen! Wir Menschen vergessen es nur sehr schnell, weil wir in einer Welt leben in der uns die großen Gewalten von Polizei, Militär, Gerichten, Behörden abgenommen und von uns fern gehalten werden. Die kleinen Gewalten wie ein Anrempler im Supermarkt, die Pöbelei des ungeliebten Nachbarn, das Hupen des genervten Autofahres im Stau - das alles ignorieren wir nur allzu gerne. Wir reden nicht gerne darüber, weil es nicht in unser Konzept eines gewaltlosen Lebens passt. Wir möchten es nicht sehen, keiner findet es toll und wir alle haben gelernt damit zu leben. Wir haben uns dran gewöhnt, es nicht mehr wahrzunehmen! Dabei tut es uns nicht im geringsten weh und in den meisten Situationen verstehen wir, dass wir persönlich überhaupt nicht gemeint waren.

Wenn uns einer im Supermarkt an der Kasse mit seinem Einkaufswagen von hinten anschuppst, finden wir das nicht toll und drehen uns erbost um. Lächelt der Verursacher uns dann an und entschuldigt sich, ist die Sache vergessen. Grinst er uns blöde an und schuppst noch einmal nach, dann meckern wir oder rufen gleich die Polizei und verklagen diesen Menschen wegen Körperverletzung. Wie auch immer: Ein und dieselbe Handlung erleben wir als verschieden, je nachdem wie unser Gegenüber sich verhält und wie wir es verstehen. Einmal erleben wir Gewalt und einmal nicht! In einer dritten Situation hat er uns vielleicht mit seinem Einkaufwagen angestuppst, weil wir geträumt hatten und es Zeit wird, unsere Waren endlich mal auf Band zu packen. Uns wurde etwas gezeigt, wir haben es verstanden, den Stupps nicht als Gewalt gespürt und uns entschuldigt - womöglich noch bedankt. Es ist also immer der soziale Zusammenhang, der unseren Handlungen einen Sinn gibt: Die Absicht des Handelnden, die Situation (oder Beziehung) in der gehandelt wird, unsere Wahrnehmung der Handlung und unsere Möglichkeiten diese zu verstehen! Passt alles zusammen und macht für uns einen Sinn, erleben wir keine gewalttätige Handlung, obwohl körperlicher Einsatz (Gewalt) im Spiel war - und unter Umständen haben wir sogar etwas dazu gelernt!

Wir Hunde sind soziale Lebewesen!
Foto: Severine Martens

Der Hund als soziales Lebewesen ist genau wie wir in der Lage, die (sozialen) Zusammenhänge von Handlungen zu verstehen. Er sucht wie wir selber in den Handlungen anderer nach einer Bedeutung für seine eigenen Bedürfnisse und sein eigenes Handel im sozialen Verband. Macht eine körperliche Einwirkung auf ihn in seinen Augen einen Sinn und erkennt er Alternativen kann er sehr gut damit umgehen, ohne sich als Opfer von Gewalt zu fühlen. Nicht anders machen es Hunde unter sich, wenn sie einem anderen Informationen zu seinem Verhalten geben wollen. Das hat nichts mit Strafe, Angst oder sogenannten Schreckreizen zu tun. Es handelt sich um eine Maßregelung im Sinne einer Korrektur oder Einschränkung (Begrenzung), eine sehr direkte Form des sozialen Lernens in der der Hund jederzeit die Möglichkeit hat, sein Verhalten aus eigener Entscheidung zu ändern oder beizubehalten. Macht die Maßregelung Sinn - und seitens eines ranghöheren Wesens wird es immer Sinn machen - wird der Hund folgen: Er hat für sein zukünftiges Verhalten aktiv etwas gelernt was es ihm ermöglicht, reibungsloser im sozialen Verband zu leben!

Wird der Hund von Fraule allerdings mit lecker Keks in der Hand oder einem erlernten Signal abgerufen, dann kommt er zum Fraule weil es lecker Keks gibt oder weil das erlernte Siganal ihm Appetit auf lecker Keks (oder einer anderen Belohnung) gemacht hat, welcher in der Regel beim Fraule vorzufinden ist. Aber die Information, dass Kläffen am Zaun vom Fraule unerwünscht ist, wird ihn vorenthalten. Der Hund hat was sein unerwünschtes Verhalten betrifft nichts gelernt, er wurde ausschließlich manipuliert - ohne jede Chance, einen Zusammenhang zwischen richtigem und falschem Verhalten herstellen zu können. Er wurde einfach nur abgelenkt oder auf einen Reiz konditioniert, der mit dem ursprünglichen Verhalten so viel zu tun hat wie eine Bananenschale mit einer Packung Nudeln - nämlich rein gar nichts! Und wenn der Hund es doch schafft, eine Verbindung zwischen Kläffen und Keks herzustellen, ist es so richtig blöd gelaufen: dann kläfft der Hund dann erst recht am Zaun herum, damit er seinem Fraule wieder eine solch tolle Freude bereiten kann und einen lecker Keks dafür bekommt. Knapp daneben ist auch vorbei! Einen smarten Anschuppser, eine kurze und deutliche Zurechtweisung oder eine körperliche Begrenzung zum Zaun hätte der gleiche Hund ohne jeden Zweifel verstanden - ohne es dem Menschen übel zu nehmen, wenn es nicht so gemeint war und dem Hund Alternativen angeboten wurden! Soziales Lernen findet im Gegensatz zur Dresssur im sozialen Kontext statt, durch das Annehmen und Lösen von Konflikten und durch die dazugehörige Kommunikation. Im Zusammenhang mit o.g. Zitat empfiehlt Karen Pryor übrigens jedem, der mit dem Hundetraining über ausschließliche positive Bestätigung anfängt, zunächst mit Hühnern oder Fischen zu üben. Die Lernenden sollen so begreifen, dass die Konditionierung von Verhalten nichts, aber auch rein gar nichts, mit Intelligenz zu tun hat. Es ist eine reine Dressur, mehr nicht!

Milo H. Lunke von der Fabelschmiede meint auch: Ohne Grenzen geht es nicht!
Foto: Severine Martens

Ich jedenfalls laufe nicht durch den Supermarkt und schiebe jedem einen Keks rein, der mich gerade nicht mit seinem Einkaufwagen anrempelt - und abgesehen davon, dass das ziemlich teuer für mich werden würde: Wer würde mich verstehen? Vielleicht wäre ja der eine, der mich in der Kassenschlange dann doch wieder anschuppst, enttäuscht, weil er jetzt keinen Keks bekommt. Vielleicht wäre er aber auch sehr frustriert, würde nachdenklich werden und von selber drauf kommen. Vielleicht haben ihm meine Kekse sowieso nie geschmeckt und er ist froh, dass er von mir bei der Kekszuteilung übersehen wurde. Wahrscheinlich aber geht ihm die ganze Sache tangetial-quer am Popo vorbei und bei der nächsten Gelegenheit habe ich wieder eine Einkaufskarre am Gesäß kleben.
 


(Anmerkung: Das vorangestellte Zitat von Karen Pryor stammt aus einen von Katharina von der Leyen geführten Interview, veröffentlicht im Dogs-Magazin 01/2014)


Vielen Dank Severine, dass wir deinen tollen Blogbeitrag hier auch veröffentlichen durften. Viele weitere tolle Wuff-Geschichten von Severine und ihrer Bande findet ihr in ihrem Online-Hundemagazin.


(Der Beitrag erschien zuerst am 21. März 2015 in Die Fabelschmiede)

Donnerstag, 21. Januar 2016

*Die beste Hundestadt - je nach Nase ;-)

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Welche Stadt ist für Hunde die beste? Also wenn ihr mich fragt, dann die, die am meisten nach Pansen riecht und wo viele Knochen auf der Strasse liegen...quasi das Schlarpansenland *schwanzwedel-saltohüpf*

Auch meine Heimat Düsseldorf ist "Hundestadt" <3

Aber uns Hunde fragt da ja keiner...also nicht direkt zumindest. Aber ein paar schlaue 2-Beiner haben sich Gedanken gemacht, worauf es da ankommt. Also für uns Hunde und ihre Menschen. Verscheidene Kriterien spielen da eine Rolle, wie beispielsweise Anzahl der Tierärzte, Auslaufflächen, Steuerhöhe, hundefreundliche Gastronomie etc. Und je nachdem welche Kriterein drin vorkommen oder gewichtet werden, kommen auch unterschiedliche Ergebnisse raus. So erhielt 2013 meine Heimatstadt Düsseldorf die Auszeichnung vom Magazin dogs, in 2015 verlieh bereits der Blog issn' Rüde Leipzig die Ehre und seit Kurzem zählen auch die *Gelbenseiten diese Stadt dazu.





Wie ist eure Meinung? Was macht für euch eine gute Hundestadt aus? Was muss sie bieten? Welche Kriterien sind am wichtigsten, welche weniger? Schreibt es mir in den Kommentaren! *ohrennachvorn-kopfseitlich-neugierigschau*




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Dienstag, 19. Januar 2016

Mit Laser können Jedi auch heilen! ;-) oder: Wie Tierphysio Bewegungs-Art meine Selbstheilungskräfte mobilisierte

Nanu, wo will denn mein 2-Beiner mit mir hin? Steht da mit meinem Schuh... Den musste ich seit Samstag Abend nämlich immer tragen, wenn wir raus gingen. Hab mir den Verband, den Maximilian mir Freitag angelegt hatte, am Samstag Nachmittag abgemacht *schwanzwedel* Die Wunde war ganz gut verheilt, doch damit sich kein Fremdkörper in den Riss festsetzt (und auch kein Streusalz, was teilweise schon auslag...), zog mein Menschenpartner mir fürs Rausgehen den Schuh über die Pfote. Die hatten wir uns schon nach meiner 1. Erfahrung mit einem Glassplitter angeschafft - und irgendwie hab ich das Gefühl, ich werd die wohl nun öfter tragen müssen. *schnauf*

Jedenfalls war es am vergangenen Sonntag für unsere 2. Runde zu früh, die 1. war doch gerade 4 Stunden her... Nach meiner bisherigen Hundeerfahrung konnte das nur Eines bedeuten: wir würden keine "normale" Gassirunde drehen. Als wir dann zum Auto gingen bestätigte sich mein Gefühl. Toll! Wieder woanders schnüffeln! *schwanzwedel*

Wir fuhren zu den Praxisräumen von Tierphysio Bewegungs-Art. Schon auf dem Parkplatz freute ich mich und war ein wenig aufgeregt. Und so kam mir am vergangenen Wuffenende eine besondere Ehre zu teil: Ich durfte als großer Hund dennoch zur Spielstunde für Zwerghunde, die am Sonntag da in der Halle der Praxis stattfand. Okay, wir kamen zum Ende hin...aber immerhin!

Neugierig begrüßten mich die Kleinen *schwanzwedel*

War echt nett mit den Kleinen! Ein paar waren zwar verunsichert und blafften mich an, aber andere hatten mit mir gar kein Problem und spielten mich an. Immer wachsam war die Chefin Kaya, die 3-beinige Hündin von Tierphysiotherapeutin Claudia van de Wauw. Die wollte sich nämlich unbedingt mal meine Pfote ansehen, weil ich mir doch ein paar Tage zuvor einen Glasslpitter da eingefangen hatte. Gegebenenfalls wollte sie meine Pfote auch neu verbinden - sie kann das ja auch besser als mein Cerebral-Interface :-)

Sieht ja schon ein bisschen wie ein Laserschwert aus :-)
Neu verbinden musste aber nicht sein, weil alles so gut verheilt war. Doch Claudia wollte ein wenig von ihrer Jedi-Macht einsetzen, um meine Selbstheilungskräfte zu fördern. Dafür nahm sie etwas, das schon so aussah wie ein Laserschwert... Aber es war nicht so heiß, nicht so gefährlich wie die der Jedi oder der Sith. Wohl eine schwächere Variante eines Laserschwerts...*ohrennachvorn*

Was das bringt? Nun ja, so ganz verstanden hab ich Hund das nicht, aber ich versuchs mal: Alle Lebewesen bestehen aus noch kleineren Teilen, die nennt ihr Menschen Zellen. Diese Zellen sind nun offenbar recht gesprächig, denn sie kommunizieren auf mehreren Ebenen. Ähnlich wie auch wir Hunde, wir benutzen Körpersprache, Mimik, Laute etc. Und diese Zellen kommunizieren eben biochemisch, elektrische und eben auch mit Licht - mit so genannten Photonen (muss gut sein, klingt irgendwie nach Pfote *ohrennachvorn*).


Heute hab ich bei Tierphysio Bewegungs-Art mal die Jedi-Macht von Claudia van de Wauw ausprobiert: Mit ihrem #Laser hat...
Posted by Gassireport on Sonntag, 17. Januar 2016



Und genau da wirkt das Licht des Lasers auf die Zellen und regt ihre Selbstheilungskräfte an. Doch das war nicht irgendein Laser, den Claudia da bei mir anwendete. Aber das soll euch besser mal mein Cerebral-Interface erklären, der hat da mehr Plan von sowas :-)

Uiii, jetzt werd ich gelasert. Wenn jetzt noch Darth Vader rein kommt, bin ich sein Sohn :-D

Da leck ich mir schon mal aus Vorfreude die Leftzen :-D
Sehr viel mehr als Du weiß ich auch nicht, mein junger Padawan ;-) Aber ich versuch's mal: Das, was Claudia benutzt hat, war ein so genannter High-Speed-Laser (im Gegensatz zu den üblichen so genannten Low-Level-Lasern) - den hat nicht jeder hier in der Umgebung. Der Vorteil ist, dass er nicht aufgelegt werden muss, was die Behandlung für die Tiere (besonders für kleinere Tiere) angenehmer und für den behandelnden Menschen einfacher macht. Das Licht wirkt anregend auf die Mitochondrien (nein, nicht auf die Midi-Chlorianer aus Star Wars), das sind quasi die Kraftwerke der Zellen. Außerdem erwärmt er auch ein wenig die bestrahlte Stelle, was die Blutzirkulation anregt und somit auch die Heilung fördert. Claudia hat dafür extra ein Seminar bei Herrn Dr. Thomas Backhaus, dem Chef-Tierarzt der Tierärztlichen Praxis zur römischen Villa, besucht, der diese Lasertherapie-Form maßgeblich mitentwickelt hat.

Tut nicht weh, tut gut! :-)
Okay, das hab ich auch verstanden...irgendwie. Hat jedenfalls gut getan. Die Leckerlis danach sowieso! *Schleck* Und Katja war ja am Montag auch zufrieden. *schwanzwedelfreu*

Katja?

Na die Tierärztin von der Tierarztpraxis Herzogstraße, da waren wir doch am Montag. Zur Nachuntersuchung und da hab ich doch auch gleich die Auffrischung meiner Impfung bekommen, die lief ja Ende des Monats aus...

Ach, ihr seid schon per Du?

Klar, so wie die mich überall angefasst hat...

Ruhe Rico! Weitere Details behältst du besser für dich.

Och Mensch! *brumm*


Links zum Thema:



Samstag, 16. Januar 2016

Blöde Glasscherbe! Aber wuffige Bilder von mir: wie ich Hund als Mensch ausssehe :-)

Da lauf ich nichts ahnend, meiner Nase nach. *schwanzwedel* Konnte ja nicht wissen, was mir gleich an diesem Donnerstag zustößt...denk so an nichts böses... Wie denn auch? Hab den Kopf voller Gerüche: da sind ein paar Spuren von einer Pizza, höchstens einen Tag alt; der etwas angegammelte Kebab *schleck*, schon ein paar Tage alt; die Kotze von einem Menschen *schnauf*, ganz klar, meine Nase erkennt sogleich: das war mal ein BigMac; die P-Mail-Nachricht von meinem Kumpel Aron vom Vormittag; die leckere Spur eines Weibchens *naseaufdenbodendrück-gebissklapper* Doch dann...

AUTSCH! Was war das? Ich schau kurz auf meine Pfote und leck daran. Dann heb ich den Kopf und schaue mein Cerebral-Interface an. Der scheint nichts bemerkt zu haben... Naja, wie denn auch, wenn ich mit dem Kopf unten bin um zu schnüffeln, da konnt er mein Malheur zwischen den Grashalmen nicht sehen...

Du zeigst aber auch so gut wie nie Schmerzreaktionen...kein Zucken, kein Humpeln...das ist echt schwierig bei dir mein Kleiner...das hat ja schon die Untersuchung bei der 1. Glasscherbe erschwert.

Aber irgendwas musst du doch bemerkt haben? Ich hab deine besorgten Blicke gesehen, deine Unruhe gerochen...und du wolltest schnell nach Hause...

Bemerkt nicht direkt, aber gespürt, dass was nicht stimmte. Und klar wollte ich schnell nach Hause, um dich da in Ruhe zu untersuchen... Und kurz vor der Haustür, als du dann über so ein Gitter gelaufen bist, da war mir klar, das irgendwas nicht stimmte. Denn da hast du plötzlich gehumpelt.

Ohja, ich erinnere mich, diese blöde Gitter hat genau die Glasscherbe erwischt.. DAS hat echt weh getan. Ja ihr habt richtig gelesen, ich hab mir wieder nen Glassplitter eingefangen *brumm* (hier könnt ihr das 1. Mal nachlesen, ist gar nicht so lange her). Zuhause hatte dann Maximilian versucht den Splitter mit einer Pinzette zu entfernen, aber er rutschte damit immer ab. Nachdem er meine Wunde kurz desinfiziert hat, rief er beim Tierarzt an.


Dort konnten wir sogleich vorbeikommen. Mein 2-Beiner verband meine Pfote notdürftig, stülpte eine Kindersocke mit Sohle drüber (wir haben zwar auch Hundeschuhe, aber die passten nicht mehr über den Verband) und wir dann ab zur Tierarztpraxis Herzogstraße. Dort konnte sich die Damen noch an mein letztes Malheur erinnern... Nett begrüßten sie uns, was ich mit dankbarfreudigem Schwanzwedeln erwiderte.

Ein wenig Zeit mussten wir im "Hunde-Wartezimmer" (es gibt auch eines für Katzen) warten. Wir hatten ja keinen Termin. Und ich fand das dort ganz schnüffelspannend, immerhin waren da ja so einige Hunde drin gewesen und die galt es alle einzeln heraus zu schnüffeln. Dann wurden wir gerufen. So ein Behandlungszimmer kenn ich ja schon, daher hab ich mich diesmal mit dem Auskundschaften kurz gehalten. Auf Maximilians Anweisung hin, stieg ich auf die Tischplatte, machte Sitz und dann ging's Aufwärts. Manche Hunde finden solche "Fahrstuhl-Tische" beim Tierarzt unheimlich, ich find's irgendwie cool *schwanzwedel* Schon weil ich die ganze Aufmerksamkeit von den netten Menschendamen bekomme *schwanzwedelfreu*

Dann sollte ich Platz machen. Ihr wisst ja wie die Kommunikation mit meinem Cerebral-Interface Maximilian funktioniert ;-) Er sagt zwar WAS wir machen, aber nicht selten bestimme ich das WIE :-) In diesem Fall hieß das: Ich machte brav Platz, aber nicht so wie er es wollte auf die Seite. Mit sanfter Hilfe der Tierärztin und ihrer Helferinnen drückten sie mich dann in die Seitenlage (in Wahrheit hatte ich mich nur deswegen aufrecht hingelegt, damit die netten Damen sich um mich kümmern ;-) )

Oh ja, dein eigener kleiner Dickkopf... ;-)

Das gehört jetzt nicht hierher, Maxi! Diesmal hat es jedenfalls nicht so lange gedauert wie beim letzten Glassplitter. Der war ja damals auch sehr klein, dieses Mal war er dagegen größer. Knapp 2 Minuten nachdem ich auf dem Tisch lag, war das blöde Glasdings raus. Ich bekam etwas Salbe drauf und dann nen Verband. Hab kaum gezuckt!

Ja, dein Mut und dein Vertrauen erstaunen mich immer wieder. Und jedesmal bin ich dankbar dafür.

Wieso denn, Maximilian? Ist doch hundelogisch: Wenn du dabei bist, kann mir doch nichts passieren, du passt doch auf. So wie ich auf dich.

Und genau dieses bedingungslose Vertrauen von dir ehrt mich, mein Kleiner. Aber nun erzähl deine Geschichte weiter :-)

Na so viel gibt es da ja nicht mehr zu erzählen: Als ich vom Tisch runterstieg (den hatten sie mittlerweile wieder runtergefahren), stellte ich mich bei Frau Dr. Katja Sommer schon an *schwanzwedel* Schließlich weiß ich doch, was nun kommt - kommen MUSS! Leckerchen *leftzenleck-schwanzwedel* Ein wenig überrascht war ich dann, als der Duft von Hinten kam. Denn mein 2-Beiner hatte schon welche in der Hand. Also nix wie hin und schmackofatz. Dann wieder zurück zu Katja und dort weitere Leckereien abholen *schwanzwedelfreu*

So nen Katzenmist! Meine Freunde aus #Twitter (@Gassireport) wissen es schon: Hatte heute wieder ne #Glasscherbe in der...
Posted by Gassireport on Donnerstag, 14. Januar 2016


Am Abend verwöhnte mich Maximilian dann mit vielen Streicheleinheiten und Gekraule. Da wir ja keine großen Runden drehen können, hat er mich mit Riechspielen beschäftigt. Dumm nur, dass bei dem miesen Wetter mein Verband nass wurde - trotz Tüte drum. Also musste am Freitag dann Maxi meinen Verband wechseln. Zum Glück hat er ja 2 Kurse zur 1. Hilfe am Hund gemacht. Dennoch sah das Ergebnis nicht so professionell aus, wie der von der Tierärztin :-)

Mein 2-Beiner hat den Verband gewechselt...musste sein, wegen des Regenwetters...naja, die Tierärztin konnt es besser :-)(rico)http://gassireport.blogspot.de/
Posted by Gassireport on Freitag, 15. Januar 2016


So sehe ich als Mensch aus

Absolut pansig gefreut hat mich (und auch über mein Pfotenmalheur hinweggetröstet) die Arbeit von meiner Freundin Mara vom Blog Aram und Abra. Denn sie ist Grafikerin und zeichnet für ihr Leben gern. Und da sie ja selbst Hundehalterin ist (von der absolut wuffig-bezaubernden Dobermann-Hündin Abra), malt sie ganz besonders gern Hunde. Und dieses Mal hat sie mich gezeichnet. Aber nicht einfach so! Sondern für ihr Blog-Projekt "Vermenschlichung", so wie sie mich als Mensch sieht. Da sie mich ja nicht nur von Bildern und Beschreibungen meines 2-Beiners kennt, sondern wir uns auch mal real beschnüffelt haben (wobei ich sie ganz schön um den Finger wickeln konnte ;-) ), waren ich und mein Maximilian ganz besonders gespannt auf ihre bildliche Interpretation. Als Mensch wäre ich demnach irgendwas zwischen Pirat und Punkrocker *schwanzwedel* Also ihr Punker und Piraten, hisst die Hundetotenkopf-Flagge! Captain Rico Rainbow sticht in die Schnüffelsee! *schwanzwedelhüpf*

Rico, der moderne City-Pirat :-)
© Aram und Abra


Gassi-Punkrocker Rico
© Aram und Abra

Mein 2-Beiner hat mich sofort erkannt - er meint an der Nase beim Piratenbild und beim Punkrocker-Bild am Blick :-) Also ich finde, sie hat mich gut getroffen! Was meint ihr? :-)

 

Donnerstag, 14. Januar 2016

Eine ganz besondere Hunderunde! Mit Hunden fühlt sich selbst ein Kölner in Düsseldorf wohl :-)

Ziemlich zackig, wie mein 2-Beiner so den Deich runter geht. Wir haben es wohl eilig. Ob das an dem Anruf lag, den er eben bekommen hatte? Dabei hätte ich gern an den spannenden Schnüffelstellen mal kurz angehalten. Aber als wir unten am Deich angekommen waren, machte mich mein Cerebral-Interface los. In einiger Entfernung sah ich einen Hund *schwanzwedel* Ich zuckte kurz nach vorne, hielt mich aber zurück, da war doch was: achja, Impulskontrolle. *stirnrunzel* Dann blickte ich fragend meinen Maximilian an. "Okay, lauf", hörte ich seine Erlaubnis. Nur sehr leise (weil er da schon hinter mir war) hörte ich noch: "Da müssen wir eh hin." Doch da peste ich bereits auf Pebbles los. 



Bei ihr angekommen beschnüffelte ich die wuffige Hunde-Dame. Hatte mein Alter, rennt und spielt auch gerne, zickt nicht, riecht lecker, passt! *schwanzwedelfreu* Ein wenig verunsichert wirkte da schon ihr menschlicher Partner, Andreas. Aber das legte sich schnell, als er merkte, dass ich zwar groß, aber voll friedlich bin *schwanzwedel*

Pebbles und ich beim "Weiden" :-)

Schnell schlossen wir Freundschaft!
Denn mit Andreas Moll waren wir am vergangenen Wuffenende verabredet, weil er eine besondere Gassirunde mit uns laufen wollte. Für seine Hunderunden wollte er uns interviewen, für ein Portrait über uns und unseren Blog. Denn auf seinen Hunderunden befragt er interessante Menschen aus der Hundeszene - und am Samstag waren wir das (eigentlich waren wir für den März eingeplant, aber nach einem sympathischen Telefonat und dem Wetterbericht wollte Andreas das vorverlegen). Wobei das Gespräch eher zwischen den 2-Beinern stattfand, während ich mich von Pebbles ausfragen ließ. So wollte sie wissen, wie so das Leben mit meinem 2-Beiner ist. Also ich finde es lustig, er ist zwar konsequent, aber lässt mir auch viel Freiraum - und so befolge ich zwar seine Anweisungen, aber interpretiere die durchaus auf meine Art *ohrennachvorn* Also konkret: Wenn Maximilian ruft, dann komme ich zu ihm, aber ich bestimme die Geschwindigkeit ;-) Ansonsten haben wir Hunde uns aber auch mehr aufs Spielen und Schnüffeln konzentriert.

Huiii, los! Renn!

Spielen und Toben ist wuffastisch!

Fang mich doch! :-)
 
Bei der Gelegenheit trafen wir auch andere Fellnasen. So beispielsweise den imposanten Wayne, ein Bernhardiner. Sogleich schmiss er sich in Pose, ich auch. Beine gestreckt, Rute hoch - so standen wir beiden Rüden da. Mein 2-Beiner fand das lustig und konnte sich nen Spruch nicht verkneifen ;-) Wayne war wohl etwas irritiert, dass jemand ungefähr so groß war wie er und auch noch Kontra gab. Nach einer Weile des sinnlosen Rumstehens in steifer Pose und die Gegend gewichtig betrachend, trennten wir uns. Also ich finde, das muss sein unter Rüden, versteh gar nicht, was mein Cerebral-Interface daran so zum Lachen fand... 

Neulich am Rhein, als wir interviewt wurden und später noch unsere neue Freundin Lucy trafen, da begegnete mir Wayne (y)...
Posted by Gassireport on Dienstag, 12. Januar 2016

 
Es war eine sehr angenehme Runde. Warum ich das so betone? Naja, ihr wisst ja vielleicht, dass es da so ne seltsame Städtefeindschaft zwischen Köln und Düsseldorf gibt. Und Andreas und Pebbles stammen aus Köln. Aber schnell fühlte er sich wohl und genoss die Runde - tja, wir Hunde machen's möglich, dass Kölner und Düsseldorfer Freundschaft schließen. Vielleicht sollte die Diplomaten eurer Staaten mal darüber nachdenken ;-) 

Ein Pfotenbad im Rhein mit Pebbles :-)

Und weiter geht's! :-)

Zusammen kehrten wir noch nach der Runde im Restaurant Zille ein und die beiden aßen uns was vor *schnauf* Hätten uns ruhig was abgeben können *leftzenleck* Zumal Andreas Steak und mein Cerebral-Interface Lachs hatte *sabber* Ich glaub, die beiden hätten noch länger da sitzen können und sich über allerlei Menschenkram unterhalten können. Aber wir waren noch verabredet. Denn am Tag zuvor hatte ich die junge Hundedame Lucy kennen gelernt und gleich für den folgenden Tag eben gedatet *schwanzwedel* Bei den tollen Augen <3 auch kein Wunder, zudem riecht sie mit ihren 4 Monaten auch noch wuffig lecker *schwanzwedelhüpf*

Die "Old City Dogs" haben Zuwachs bekommen: Lucy <3 (4 Monate; hier mit ihrem Partner Richie)
Posted by Gassireport on Freitag, 8. Januar 2016



Die hübsche Lucy mit den strahlenden Augen <3
Lucy gehört einem alten Freund meines 2-Beiners. Richie und Maxi kennen sich wohl noch aus recht wilden Tagen. Ich spitze da ja immer gern die Ohren, wenn ich so höre, was mein 2-Beiner früher so angestellt hat ;-) Allerdings unterhielten sie sich eher über Hunde, genauer gesagt, über Lucy und was Jungs sonst so bequatschen ;-)
Wuffwuff, spiel mit mir!

Komm! Auf Los geht's los! :-)

Yippiiiieeeeh! Rennen ist toll!

Du riechst so gut! <3 :-D

Ärgerlich am vergangenen Wuffenenede war nur, dass wir am Sonntag zu einer Hundewanderung eingeladen waren. Also das war nicht das Ärgerliche. Im Gegenteil, mein 2-Beiner hatte sich voll drauf gefreut: die 1. Hundewanderung im neuen Jahr und einige neue Menschen und vor allem Hunde kennen lernen. Er hatte vor Vorfreude schon am Samstag Abend alles nötige gepackt. Auch wenn es nur eine Kurzwanderung sein sollte, so braucht man ja doch so ein paar Dinge, wenn man mit mehreren Hunden unterwegs ist: Taschenmesser, 1. Hilfe-Set, genug Wasser für mich, Schleppleine, Maulkorb etc. Geärgert hat er sich vielmehr, dass als wir losfahren wollten, das Auto nicht ansprang. Er regt sich ja selten auf, also so richtig, so laut und so...er ist da echt cool, und nach seinen Burnout-Erfahrungen lässt er sich noch unlieber aus der Ruhe bringen...aber diesmal war er echt sauer. Schon seltsam manchmal, wie sehr ich ihn verändert habe: Früher hätte er sich über ganz andere Sachen aufgeregt, die lassen ihn heute dafür kalt - aber eine Hundewanderung verpassen, das bringt ihn jetzt auf die Palme *schwanzwedel*

Uiuiui, mein 2-Beiner ist auf 180! So erleb ich den echt selten, regt er sich doch sonst über fast nix auf...aber die 1....
Posted by Gassireport on Sonntag, 10. Januar 2016



Sonntag, 10. Januar 2016

[Gastbeitrag] Lisette stellt Leben um und verlängert es wahrscheinlich auch ;-)

Bei diesem Gastbeitrag, den ich ja schon im vergangenen Blogartikel ankekündigt habe, fühl ich mich schon etwas komisch. Bin ein wenig...nunja unsicher *ohrenseitlichanleg* Wollte ja eigentlich, dass mein 2-Beiner das diesmal übernimmt. Also die Einleitung mein ich...denn schließlich kennt er Volker Bormann ja, ich so gar nicht. Und das ganze auch noch aus früheren Zeiten, damals, bevor ich das Leben meines 2-Beiners veränderte, als er noch Redakteur war, genauso wie Volker. Beide waren damals bei der Zentralredaktion aller Wirtschaftspublikationen aus dem Hause Gruner+Jahr (Financial Times Deutschland, Capital, Börse Online, Impulse). Bin daher schon etwas verunsichert...ein Redakteurskollege von früher und jetziger Kommunikationscoach (er ist jetzt Chef des Kommunikationskontors Hamburg)...uiuiui...aber Maximilian meinte: "Du machst das schon, Kleiner."

Okayyyy, dann will ich es mal versuchen *schwanzwedel* und euch berichten, was ich so durch meinen 2-Beiner erfahren habe. Jedenfalls kannten er und Volker sich damals nicht so gut. Naja, bei fast 300 Redakteuren kein Wunder, zumal sie unterschiedlichen Ressorts angehörten und mein 2-Beiner in Frankfurt stationiert war und Volker in Hamburg saß. Sie haben sich wohl mal oberflächlich auf irgendwelchen Weihnachtsfeiern oder Sommerfesten unterhalten. Seltsamerweise lernten sie sich aber später dann, nach der Zeit bei den Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien ein wenig privater kennen...irgendwie durch uns Hunde (und das obwohl Lisette und ich uns niemals beschnuppert haben). Denn Lisette kam ins Leben von Volker und änderte alles. Ähnlich wie ich bei meinem 2-Beiner. Ich bin zwar nicht sein Ersthund, so wie Lisette bei Volker. Dennoch erkenne ich da einige Parallelen zwischen den beiden ;-) Freut euch daher auf einen ganz besonderen Gastbeitrag eines Hundemenschen!


Lisette und Volker
Foto: Volker Bormann


Lisette – wie ein Riesenschnauzer-Mädchen mein Leben verändert hat


Unbedingt sollte ein Hund her, und zwar ein möglichst großer. Nicht, dass ich diesen Wunsch meiner damaligen Freundin rundheraus abgelehnt hätte. Auch in meiner Welt war immer schon Platz für einen Hund gewesen, allerdings eher als Manmüsstemal oder Spätermal. Aber auch für mich war ein richtiger Hund einer, der mir ordentlich übers Knie reichte. Nicht unbedingt hüfthoch wie eine Dogge, aber Mitte Oberschenkel – damit hätte ich kein Problem.

Jetzt also sollte die Sache Kontur bekommen: ein Hund zum Schutz, zur Freude und gegen das Alleinsein. Etwa, wenn der Sohn meiner Partnerin mal wieder das Haus hütete.

Zweierlei lag mir damals quer beim Gedanken daran. Erstens, unsere Beziehung war angespannt, eigentlich stand sie sogar auf der Kippe. Da war es nicht wirklich schlau, auch noch einen Hund anzuschaffen. Zweitens, die Hauptarbeit damit durfte, nach Lage der Dinge, wohl an mir hängen bleiben.

Ich hatte beide Male Recht. Die Beziehung zerbrach schon bald, wir hatten aber ein jeder zur Hälfte einen Hund gekauft, mit dem ich die wesentliche Arbeit hatte. Zum Glück, wie ich heute finde.

Immerhin hatte der Trotzkopf in mir noch rasch und äußerst undemokratisch den Hund meiner Wahl durchgesetzt. Wenn ich schon derjenige war, der am Ende im Regen mit dem Hund Gassi geht, dann sollte es wenigsten ein Riesenschnauzer sein. Irgendwie hatte ich mich in die Silhouette dieser selten gewordenen Rasse verguckt, die Familie über Wochen mindestens einmal täglich mit Welpenbildern, Schnauzergeschichten oder grundlos mit Riesenschnauzern berieselt. Ich hatte eine Züchterin gefunden, Besuche arrangiert, mich in einen Riesenrausch gesteigert, die Familie genervt und – am Ende bekommen, was ich wollte.

Die (damals noch kleine) Lisette zieht ein
Foto: Volker Bormann

Wir tauften sie Lisette. Sie kam zu uns als acht Wochen altes, quirliges, pissfreudiges und freches schwarzes Zausel. Sie stürmte in unsere Herzen, zerkaute Unmengen Kaminholz, brachte mich nächtelang um den Schlaf, trieb mich bei jedem Wetter raus und auf den Hundeplatz. Lisette war mein erster Hund und mich ängstigte die Vorstellung, dass sie später einmal als ausgewachsener Riesenschnauzer mir und dem Rest der Welt auf der Nase rumtanzen könnte. Also ging ich eifrig mit ihr üben. So kam es, dass ich derjenige wurde, der mit Lisette am besten klarkam.

Nach der Trennung versuchten meine Ex und ich eine Zeit lang noch, Lisette wie ein Trennungskind hin und her zu reichen. Als das sich nicht mehr wohlwollend verabreden ließ, habe ich Lisette quasi entführt. Im Hause der Mutter und ihres Sohnes gab es vier Wochen später eine blaugraue deutsche Dogge.

Jetzt liegt Lisette groß und schwarz und wunderschön neben mir auf dem Bett. Morgen, gegen sechs, wird sie sich zu mir umdrehen, mir Hände und Arme lecken, anschließend ihre Schnauzerschnauze unter meine Hand schieben und mich auffordernd anstupsen: Kraul mich! Außerdem muss ich mal, und dann kriege ich doch sicher Frühstück.

Irgendwann war Lisette ausgewachsen...und ziemlich viel Hund :-)
Foto: Volker Bormann


So weit, so Hund.

Als ob es nur das wäre! Sicherheit, ein Zuhause, Futter, Gassigehen, bisschen kraulen. Okay, ich hatte gehört, dass man sich in seinen Hund verlieben kann. Dass er wichtig wird, mehr bedeutet als einfach nur Haustier. Schon gut, hatte ich innerlich geantwortet. Ich weiß zwar, dass ich mich ungemein begeistern kann, aber macht mal halblang, es ist immerhin bloß ein Hund.

Lektion eins: Bloß-ein-Hund gibt es nicht, jedenfalls für niemanden, der ein Herz hat. Zum ersten Mal gemerkt habe ich es daran, dass dieses Schnauzer-Mädchen mich rührt. Weichei? Nix zu machen, es rührt mich, wie bedingungslos Lisette meine Nähe schätzt. Ich wechsle vom Sofa an den Schreibtisch, mein Hund kommt mit. Unaufdringlich, aber unübersehbar. Bei anderen macht sie das nicht. Sie meint mich.

Es rührt mich, wie sie mir selbst eine schmerzende Pfote mit klaffender Wunde am Zeh überlässt. Sie versteht vermutlich nicht, warum ich sie nicht einfach lecken lasse, sondern was draufschmiere und so ein weißes Stoffzeug drumbinde. Vor einiger Zeit musste ich mir ihr zur Tierärztin, aus einem unscheinbaren Cut in einer Zehe war ein tiefer Abszess geworden. Die Versorgung hat wohl richtig wehgetan. In meinem entschlossenen Griff erträgt sie es tapfer.

Rührselig? Bisschen viel Gedöns, obwohl ich einfach nur einen Hund dank meiner körperlichen Überlegenheit zum Stillhalten gezwungen habe? Wohlgemerkt, Lisette ist ein Riesenschnauzer. Ich will lieber gar nicht wissen, wie es um meine körperliche Überlegenheit stünde, wenn Lisette es wirklich mal wissen wollte. Beim Toben jedenfalls, wenn sie mich ebenso spielerisch wie stürmisch angeht, wenn sie versucht, mich an der Hand oder am Arm zu packen, wenn sie sich federleicht mal eben auf Augenhöhe katapultiert, da kriege ich mitunter Zweifel. Sicher, wenn es um die reine Kraft geht, bin ich ihr über, ich wiege auch mehr als doppelt so viel wie sie. Wenn ich mir nicht den Schneid abkaufen lasse, hat sie kein leichtes Spiel mit mir. Aber ich käme sicher nicht ungeschoren davon: Ihre Sprints sind eine Unverschämtheit, sie ist hartnäckig, hat Kraft, ein ungeheures Gebiss, sie dreht und wendet sich virtuos, entwindet sich meinem Griff atemberaubend souverän, aber – ganz, wie es sein soll im Spiel – sie spielt ihre Stärke nicht wirklich aus. Mag sein, dass sie aufgibt, wenn ich sie entschlossen packe. Aber das allein trifft es nicht, da ist mehr: Sie vertraut sich mir an. Im Spiel wie im Ernst. „Wenn Du so sicher bist, dass das gut ist, dann mach“, das ist ihre Botschaft! Was für eine Verantwortung.

Lektion zwei: Der Ton macht die Musik. Sitz, Platz, nein, hier – toll, wenn das beim Hund anständig klappt. Damit können wir angeben, was für ein gut erzogener Hund! Damit können wir ihn ordentlich rumschubsen, das Sagen haben schließlich wir, und ein Hund hat zu spuren. – Man kann das so sehen als Hundehalter. Ich selbst habe entsprechend barsche Kommandos in der Hundeschule gelernt und Lisette ist ihnen ganz leidlich gefolgt. Und wenn sie mal nicht so wollte, habe ich noch strenger und lauter kommandiert. Bis ich in einem Buch über Beschwichtigungsgesten beim Hund auf eine recht skeptische Bemerkung gestoßen bin über eben diesen barschen Ton. Ich hatte ihn für beinah normal gehalten, jetzt plötzlich ging mir auf, dass er, naja, eben barsch war; dass jeder Hund bei so einer Ansprache schlechte Laune bei Herrchen oder Frauchen fürchten musste – und wer lässt sich schon gern zu jemandem rufen, der sauer wirkt. Bisschen geschämt habe ich mich darüber, weil ich als Kommunikationstrainer und Business-Coach meinen Klienten einen wertschätzenden Umgang nahelege und bei Menschen dafür auch ein ganz gutes Gefühl habe.

Also habe ich mich sofort um mehr Freundlichkeit in meinen Alltagskommandos bemüht. Und Lisette hat sowas von prompt darauf reagiert, dass es mir noch immer unter die Haut geht. Heute darf sie „bei Fuß“ als eine Länge vor mir und ein Schrittchen hinter mir auslegen. Wie es eben grad passt. Wenn sie den Befehl dann doch vergisst und ungeduldig vorprescht, blaffe ich sie nicht mehr an. Ich sage „bleib bei mir, wir machen das zusammen. Bei Fuß“. Und mein Hund stoppt, dreht sich nach mir um, wartet, bis ich wieder gleichauf bin und weiter geht’s. Früher hat sie gern mal versucht, sich davonzumachen. Jetzt kooperiert sie sichtlich gern. Vermutlich könnte ich auch sagen „gleich gibt’s Erdbeereis, willste auch was?“ Es ist der Ton, der die Musik macht. Und wie alle Hunde hat Lisette dafür ein feines Gespür. Hundesoftie? Absolut nicht, barsch kann ich noch immer, etwa wenn es um die Sicherheit von Mensch und Hund geht. Aber ich dosiere es, und wir kommen besser klar denn je.

Lektion drei: Hör genau zu, was Dein Hund sagt! Es hat länger gedauert, bis Lisette stubenrein war, fast ein halbes Jahr. Was haben andere Hundehalter nicht alles für Geschichten erzählt: stubenrein nach drei Wochen? Kein Problem. Nase in die Lache, Nase keinesfalls in die Lache, nicht schimpfen, unbedingt unmittelbar schimpfen, und, und, und. Tatsache war: Meine damalige Familie hat beim konsequenten Im-Auge-behalten und Auch-Nachts-immer-rausbringen des Welpen nicht mitgemacht. Allein war ich damit überfordert. So fanden sich für Lisette immer Winkel im großen Haus, in denen sie ungestört ihr Geschäftchen erledigen konnte. Was muss in ihr vorgegangen sein? Okay, die Zweibeiner hatten offenbar eine Vorstellung davon, wo sie das in Ordnung fanden und wo nicht, aber sie haben oft nicht reagiert, wenn ich gesagt habe, dass ich mal raus muss. Was in denen wohl vorgeht?

Mir als Zweibeiner ist irgendwann aufgefallen, dass die Lache oft vor der Terrassentür zu finden war. Und während ich noch murrend Lisettes Pisse wegwischte, fiel mir wiederholt ein, dass sie kurz zuvor bei mir gewesen war, ich aber ihr Anspringen und Fingerkauen als Spielaufforderung missverstanden hatte. In Wahrheit hatte sie Aufmerksamkeit für ihr Problem haben wollen. Sie hat sich dann noch eine Weile an der Tür um Zurückhaltung bemüht, bis es eben nicht mehr ging. Sicher, Spielenwollen oder Pissenmüssen sind nicht immer leicht zu unterscheidende Signale des Hundes. Aber es waren Signale, und ich habe lernen müssen, genauer hinzuschauen, mich einzufühlen. Überrascht ist mir, dem Kommunikationsfeinling und Biologen, bewusst gworden, dass ich nicht automatisch einen Kanal für meinen Hund hatte. Lisette ist dann doch plötzlich stubenrein geworden. Irgendwann hatten wir den Kanal nämlich richtig voll. Unsere Reaktionen auf Hundepisse waren nicht mehr innerlich von Verständnis und pädagogischen Debatten umwattet, wir waren schlicht jedesmal stinksauer. Das hat sie sofort kapiert. Klare Kante, klare Reaktion.

Das führt mich zu Lektion vier: Kläre, was du wirklich willst! Halbherzigkeit ist sehr menschlich, Tiere können damit nichts anfangen. Wann immer ich mich gewundert habe, dass Lisette ein Kommando ignoriert – es lag oft an meiner inneren Unentschlossenheit. Man könnte statt „nein!“ auch „Bein!“ sagen oder „fein!“. Der Sprachcode ist weitgehend wurscht, wenn der Ton klar ist. Nur wenn ich etwas wirklich will, ist es für den Hund eine verbindliche Größe. Bestimmen Zweifel oder Unentschlossenheit den Tonfall oder in der Körpersprache, dann bleibt ein Kommando oft wirkungslos. Seither trete ich auch Menschen gegenüber entschiedener auf. Es wirkt.

Bei so nem Gassigang saut sich Lisette auch schon mal ein :-)
Foto: Volker Bormann

Lektion fünf: Stell Dich nicht so an! Ich komme aus einem sehr hygienischen Tierarzt-Elternhaus. Und ich habe ein Diplom im Mikrobiologie, kenne mich also aus mit Keimen, Parasiten, gefährlichem Dreck aller Art. Es gibt ein Leben vor dem Hund und eines mit Hund. Und im Leben mit Hund schreibt Hygiene sich anders. Hoppla, mir wurde mit einem Male klar, wie etepetete ich war. Krümel im Bett? Uäahh! Hund streicheln und dann Fingerfood? Nie-hie-mals! Heute weiß ich: Es gibt Essentials, und es gibt Gedöns. Ich halte mich inzwischen an die Essentials. Übrigens, Lisette schläft bei mir auf dem Bett. Ich muss dann halt öfter mal die Decke wechseln.

Rausgehen bei Regen? Nasse Klamotten? Brrrr! So war es ohne Hund. Lisette aber ist ein Wildfang, sie braucht lange Spaziergänge, viel Toberei, Wasser und Action. Und es geht ihr links und rechts an ihrer hübschen Rute vorbei, was für Wetter dabei ist. Es gibt nur – geil! – draußen. Ich bin nie so viel an der frischen Luft gewesen wie jetzt mit Hund. Jawoll, ich fluche, wenn Hamburger Wetter ist, aber nach ein paar Minuten merke ich das gar nicht mehr. Ich stelle mich einfach nicht mehr so an.

Vermutlich verlängert Lisette mir gerade das Leben.

Viele Lektionen haben beide voneinader gelernt
Foto: Volker Bormann


Vielen Dank Volker für deine offenen Worte und diesen wuffigen Beitrag! Ja, auch ich hab viel durch meinen 2-Beiner gelernt, so wie er auch durch mich vieles. Kann euch beide daher sehr gut verstehen. Und ich hoffe, dass ihr 2-Beiner mal ein echtes Treffen mit uns Hunden hin bekommt. Schließlich will ich doch Lisette beschnüffeln *schwanzwedelfreu*

Auch von mir an dieser Stelle ein großes Danke, dass du in unserem Blog mitgemacht hast, Volker! Immer wieder schön, mit alten Kollegen zusammen zu arbeiten, noch dazu bei einem gemeinsamen Herzthema: Hunde.

Hey, was willst du denn hier, Maximilian? Ich denke, dass soll ich alleine machen!

Ja, und das hast du auch prima hinbekommen, mein Kleiner!

Yo, find ich auch *schwanzwedel* Und daher bekomm ich jetzt ein Leckerchen! *leftzenleck* Machts gut Lisette und Volker! Und nicht vergessen: Immer der Nase nach! :-)