Freitag, 29. Januar 2016

Von wegen abgelenkt - Mein 2-Beiner hat mich voll erwischt! 😃

Schnüffelschnüffel...Kaninchen...erst vor Kurzem hier raus...

Verlockende Gerüche

🐶 Booooaaaah, riecht das hier auf den Düsseldorfer Rheinwiesen immer spannend. *schnüffel* Da! Genau da war ein Picknick. Vor höchstens 3 Tagen. *schmatz* Da war auch Leberwurst dabei. Ich rieche es genau! Oder da der Eingang zu einem Kaninchenbau... Und da! Oh, roch die Hündin lecker *klappersniff*, muss gestern hier vorbei gekommen sein... und da Vogelkacke...Und da! Da ist doch noch was Besseres... Oh jaaaa...Jackpot! Schafsscheiße!

Von wegen Herrchen ist abgelenkt...

Normalerweise vergewissere ich mich ja,
ob mein Oller was mitkriegt... ;-)
Na, mein 2-Beiner ist ja zum Glück vollauf mit seinem Handy beschäftigt. Schaut die ganze Zeit darauf...muss wohl wichtig sein, macht er extrem selten, wenn wir unterwegs sind... Dachte ich! Wäre ich mal nicht so ahnungslos und selbstsicher gewesen... Normalerweise schau ich ja auch immer, ob der kuckt... Und wenn er schaut, nun, was ich dann mache, hab ich euch ja bereits erzählt. *schwanzwedel* Aber dieses Mal braucht ich nicht schauen, hatte ihn ja quasi im Augenwinkel im Blick - so wähnte ich mich sicher und unbeobachtet 😉




Voll erwischt!


Mist! Erwischt! Ich konnte ja nicht ahnen, dass mein Cerebral-Interface mich filmt und so mitbekommt was ich vorhatte. Wäre ich mal vorsichtiger gewesen... Jetzt hat der Alte auch noch Beweismaterial... *ohrenanleg-brumm* Nächstes mal schnüffel ich vorher genauer, was der so macht... 😉



--------------------------------------------
Im GASSIREPORT findet ihr immer Hunde-Geschichten in Text, Bild und Video - mal amüsant, informativ, kritisch, kontrovers oder satirisch, aber immer authentisch! Daneben gibt es auch andere Projekte, wie z.B. die GASSIREPORT-Treffen u.Ä. Das alles kostet Herzblut, Zeit und Arbeit. Und so unterstützt ihr Leser den GASSIREPORT: 



► Paypal: https://www.paypal.me/gassireport

► Patreon: http://www.patreon.com/gassireport

► Mit jdem Einkauf über unsere Amazon-Links*: https://amzn.to/2SaJ9ON

*Affiliate-Links: Ich werde beim Kauf eines Produktes oder dem Abschluss eines für 30 Tage kostenfreiem Probeabos am Umsatz beteiligt oder bekomme eine Prämie. Für Dich entstehen KEINE Mehrkosten.


Donnerstag, 28. Januar 2016

Neues vom "Arschlochhund": Nicht nur bildlich ein Arschlochhund - Körperbeherrschung ist alles :-)

Zuweilen erstaunt mich ja die Körperbeherrschung meines Hundes. Diese Gewandtheit, diese Kraft...bis hinab zu den kleinsten Muskeln. Ja, selbst seine Körperfunktionen hat er offenbar im Griff wie es jedem Yogi oder Jedi zu Ehre gereichen würde. Und hier zeigt er sich auch manchmal als Arschlochhund (vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Zuschriften nach unserem 1. Beitrag in dieser Rubrik. Freut mich, dass er so viele inspiriert hat! Ich selber hab mich vom Arschlochpferd inspirieren lassen). Und zwar nicht metaphorisch, nein, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn er hat selbiges voll unter Kontrolle ;-)

Ich benutze ja meist eine verstellbare Führleine. Und Rico weiß schon, dass wenn die auf kürzeste Länge eingestellt ist, dann ist nicht mehr mit gemütlichem Gassi gehen und langem Schnüffeln an jeder Ecke. Denn dann hab ich es meist auch eilig. Aber glaubt mal nicht, dass das Döggelchen  das so einfach hinnimmt...

Döggelchen?

Ruhe Rico! Das ist diesmal mein Beitrag! Du wolltest, dass ich auch mehr meine Sicht beschreibe, das hast du davon ;-)

*brummm*

Also außer das soeben gezeigte Brummen, äußert sich sein Unwillen über unsere Eile auch durch wiederholte Versuche anzuhalten. Meist muss er sich dann spontan und ganz wichtig gerade kratzen. Naja, er deutet es an: sein Hinterbein hebt sich und vollführt ein paar Kratzbewegungen in der Luft. Es berührt allenfalls eine zufällig vorbeifliegende Fliege oder eine Mücke im Suizid-Modus - sein Ohr jedenfalls niemals. Und danach schaut mich Rico an und seine Augen sagen: "Waaas? Das musste sein!" Ja ne, ist klar...

Manchmal, wenn er anhalten will, tut Rico dann so, als ob er müsste. Und da ich ja kein Unmensch bin, geb ich dem dann doch ab und an nach. Wenn man/hund muss, dann muss man/hund. Er hebt sogar manchmal das Beinchen. Aber das ist nur Tarnung...er hebt es dann meist nicht ganz, kein Tropfen kommt raus... Doch sein Blick, in dem sich deutlich seine Mittelkralle spiegelt, sagt: Hab ich doch meinen Willen bekommen!

Moment, nur schnell P-Mailen, dann komm ich... ;-)

Aber DAS ist noch nichtmal das Erstaunlichste für mich. Denn er kann noch mehr. Vor allem, wenn er meine Eile besonders beschissen findet... Er wartet ab, lauert auf den strategisch richtigen Zeitpunkt. Das Placebo-Beinheben war nur Vorgeplänkel. Und dann kommt sein großer Moment: die richtige Gasse, klein und eng, gut überschaubar für jeden, Laden reiht sich an Laden. UND: Es ist eine Gasse wo jeder uns kennt - zumindest vom Sehen her. Genau dann ist Ricos großer Moment...dann scheißt er auf meine Eile.

Vor dem Eingang eines Ladens macht er kurz nen Buckel, sein Hinterteil geht runter. Und schon kackt er. Mitten auf dem Weg. Direkt vor der Ladentür. Dazu sollte man wissen: Sein großes Geschäft macht Rico nicht gern auf der Straße. Lieber ist ihm eine Wiese, noch idealer ein Gebüsch. Und wie so viele Hunde, macht er darum ein Riesenbrimborium: wildes, fast schon hektisches hin und her schnüffeln, das Hinterteil schon leicht runter, ein kleiner Buckel, dann hat er den richtigen Ort, oder doch nicht? Nein, mit gesenktem Hinterteil geht's weiter, ja hier ist besser... Die genauen Details seiner Auswahl entziehen sich leider ebenso meiner Kenntnis wie die plötzliche Umwahl seines Fäkel-Platzes. Im Park macht er auch gern in der Nähe von Mülltonnen. Als sein 2-beiniges Cerebral-Interface find ich das echt klasse! Geradezu rücksichtsvoll von meinem Hund. Normalerweise. Es sei denn, er will mich ärgern. Denn dann vergisst er seine Kack-Präferenzen und -Rituale. So wie eben beschrieben.

Kein langes Schnüffeln, kein langes Suchen (wozu auch? es war ja genau der richtige Moment!), keine Hin und Her, keine langen Körpersignale. Ihm war ganz offensichtlich nicht nach einem Prä-Kack-Gespräch mit mir... Und so kackt er sich einfach aus. Sein nur für mich hörbarer Subtext in seinem Blick: "Ich scheiß drauf!"

Falls dich das nicht erweicht: Ich kann auch noch ne Schippe drauflegen...oder nen Haufen :-D

Achso, für alle Passanten legt er dann auch noch den Ober-Hyper-Mega-Mitleid-Blick auf. Was für mich bedeutet, dass ich von den Passanten im besten Fall einen amüsierten, im mittleren Fall einen bösen Blick kassiere. Und im schlimmsten Fall? Da blieb's nicht bei Blicken, das waren Beschimpfungen...meist von irgendwelchen besserwisserischen Uschis (die der Sorte: gefrustet, aber ich tue mal so, als wäre ich glücklich). Klar, das Ziel der Beschimpfungen war nicht mein Hund, sondern ich. Aufregen? Nö, wozu? Dafür müsste ich die ja erstmal ernst nehmen :-D

Ich bin doch kein Arschlochhund...und wenn, dann auch im wahrsten Sinne des Wortes :-)

Arschloch? Yo, hab ich auch :-D
Und nicht nur, dass das Döggelchen Rico seine Verdauung so weit im Griff hat, dass er den Zeitpunkt selber wählen kann! Nein, der Fäkal-Jedi kann offenbar auch die Konsistenz manipulieren. Es ist zwar fest, also kein Durchfall oder so, der Mist ist genau richtig (aus Ricos Sicht!) "angeweicht". Ein einfaches Aufheben wie sonst meist geht dann nicht, irgendwie bleibt immer ein schmieriger Rest. Und während ich seine Hinterlassenschaften so gut wie möglich beseitige, steht Rico neben mir: Wedelnd seine Rute, triumphierend sein Blick. "Das hast du nun davon!" sagen - ach was, brüllen seine Augen mir lachend entgegen. Und mir bleibt nur ein gepresstes "Arschlochhund!" Sein charmant-höhnisches "Jawohl-Schwanzwedeln" hat dann meist das letzte Wort... :-D



 

Dienstag, 26. Januar 2016

Neues aus der "Hunde-Schweiz": Nur wenige Hundetrainer trauen sich öffentlich aus der Deckung - doch der Wahnsinn nimmt immer skurrilere Formen an

Die Resonanz auf unseren Beitrag "Hunde-Schweiz" war nahezu erschlagend. Noch heute erreichen uns deswegen Mails von Hundehaltern, aber auch von Hundetrainern! Da haben wir ganz offensichtlich nicht nur einen Nerv getroffen, sondern ein ganzes Nevengeflecht. Schon interessant: In der Hundeerziehung bedarf es doch Geduld und Gelassenheit. Sollte man doch annehmen, dass gerade Hundetrainer davon genug haben - zumindest auf jeder 2. Webseite von Hundeschulen tauchen die Worte auf. Aber so unterschiedlich das Fell von Hunden ist, so ist es eben auch bei den 2-beinige Nacktnasen:  Einige wenige haben sich über unseren Beitrag und das Angebot uns als neutrale "Hunde-Schweiz" anzubieten aufgeregt - offensichtlich lag denen nicht viel an einem klärenden und konstruktiven Gespräch. Nun ja, informierte Hundehalter sind halt wohl auch unbequemere Kunden. 😉 Einige versuchten auch zu erraten, um welche Hundetrainer es sich handelte. Schon erstaunlich wie viele sich da offenbar ähneln. 😃

Viele antworteten auf die Fragen in Facebook. Entweder direkt auf unserer Seite oder in den diversen Gruppen geteilten Beitrag.


Herrchen meldet sich wieder zu Wort (y) Erinnert ihr euch an seinen Aufruf an die verschiedenen Denkrichtungen der...
Posted by Gassireport on Mittwoch, 29. Juli 2015



Besonders ausführlich schrieb Hundetrainer Peter Stanberg, der sich selber als "Naturtrainer" bezeichnet (seinen Verweis findet ihr als Kommentar unter dem damaligen Blogbeitrag). Was wiederum für einige Verwirrungen bei einigen Lesern sorgte. Das Beispiel zeigt deutlich ein Kernproblem in der Hundeerziehung: die Begrifflichkeit. Am besten zu sehen am Begriff "Gewalt"; schon da versteht jeder etwas anderes.

Doch trotz der vielen Antworten ist unser Projekt, die verschiedenen Denkschulen und Ideologien an einen Tisch zu bringen, ihnen eine "Hunde-Schweiz" zu bieten, leider gescheitert. Zwar war wie gesagt, die Resonanz gigantisch, aber nicht alle trauten sich aus der Deckung der Anonymität (um so mehr gebührt denen Respekt, die mitgemacht haben!) und vor allem: nicht alle verschiedenen Denkrichtungen haben sich beteiligt. So beantworteten unsere Fragen kein einziger der sich auf die Fahne geschrieben hat "rein positiv verstärkend" und "absolut gewaltfrei". Ob die gar nicht existieren? Nun die Schlussfolgerung liegt zwar nahe, aber virtuell gibt es sie schon - zumindest laut ihren Werbeversprechen auf ihren Webseiten. Ich vermute ja eh seit längerem, dass das nur ein Marketingtrick ist, um leichtgläubige Kunden, die ihren Hunden Gutes tun wollen, anzulocken.

🐶 Seltsame Sachen macht ihr Menschen!

Aber so völlig gescheitert ist das Projekt wegen der ganzen Zuschriften auch wieder nicht. So haben wir einige sehr skurrile und auch lustige Geschichten erfahren. Manchmal tauchten auch gewisse Namen immer wieder auf 😊 Aber keine Sorge! Ich werde keine Namen nennen, denn wie schon oft gesagt, verurteile ich Handlungen, nicht Personen! Und das Lästern ist nicht so mein Stil. Das Niveau überlass ich gerne anderen. 😉

So scheinen sich manche Hundetrainer und Konsorten zusammen getan zu haben und sekundieren sich gegenseitig um unliebsame Konkurrenten zu diffamieren und zu denunzieren. Einige davon haben auch nichts besseres zu tun als sich als "Störer" im Web zu betätigen - vorzugsweise in Facebook. Sie ziehen von Gruppe zu Gruppe und nerven so lange, bis die Gruppe zum Territorium ihrer banalen Lästereien wird. Doch da sie dann ja nur noch unter sich sind, ziehen sie zur nächsten Gruppe weiter. Um den Hund geht es da schon lange nicht mehr...

Welche skurrilen Blüten das ganze annimmt, zeigt ein Fall, der uns unterkam besonders beispielhaft. So schrieb uns nach unserem Beitrag damals eine junge Frau an und erzählte uns von so einer Läster-Truppe. Sie nannte sie des öfteren belustigt "alternde Mutanten-Girlie-Gang" oder "gefrustete Läster-Schwestern". Sie beschrieb diese Leute von der Sorte Mensch, die sich besonders auf 2 Feindbilder eingeschossen hatte: Männer und junge (vorzugsweise gutaussehende) Frauen. Unnötig zu erklären, woran das liegt, jeder von uns hat so jemanden im Leben schon mal getroffen und mitleidig belächelt. 😉 Jedenfalls war die junge Frau auch mal Ziel des Angriffs dieser wie sie sie nannte "gefrustete Mutanten-Girlie-Gang". Dadurch stieß sie aber wiederum auf andere, die ebenfalls schon attackiert wurden. Und so schloss man sich zusammen. Seit dem "beschäftigen wir diese niveaulosen Altweiber mit Identitätsproblemen und Komplexen". Und wie, wollte ich wissen: "Ganz einfach, wir füttern die mit immer neuen Themen und Theorien...je abstruser und weiter weg von ihrem eigenen engstirnigen Glauben, umso besser. Wir werfen denen nen Brocken hin (meist irgend einen Post oder Kommentar) und die stürzen sich wie eine wilde Meute darauf. Dann sind sie Stunden beschäftigt im Web, feiern sich gegenseitig wegen ihrer Kommentare, geben sich Namen aus dem Showbiz, was ja deutlich auf eine Unzufriedenheit mit der eigenen Person und auf Identitätsprobleme schließen lässt... wir amüsieren uns darüber köstlich, die haben was sie wollen und wir haben in der Realität unsere Ruhe. So sind alle glücklich. Außerdem ist das ja auch irgendwie ein sozialer Dienst an dieser Girlie-Gang in den Wechseljahren, was sollten diese armen Verwirrten denn sonst mit ihrer Zeit anstellen?!" Auch ne Art sich das schön zu Reden. 😉

🐶 Lasst euch nicht verarschen! :-)

Nicht immer ist die Hundeszene freundlich bunt!
Foto: Samko Fotografie
Aber stimmt schon irgendwie, ist nicht alles Sonnenschein in der Hundewelt; leider nicht alles so bunt wie Rico es meist sieht und schnüffelt. Viel Schindluder wird in der Hundebranche getrieben, teils aus ideologischen, teils aus ökonomischen, häufig aus beiden Gründen. Und nicht selten ist es die Hauptaufgabe von uns Haltern unsere Hunde vor sowas auch zu beschützen. Auch wir haben schon Physiotherapeuten und Ärzte erlebt, die sinnlose Behandlungen verkauften - natürlich zum "Sonderpreis"; Trainer und Fotografen, denen die marketingwirksame Effekthascherei wichtiger ist als die Gesundheit der Hunde; Ernährungsexperten, die wissentlich verdorbene Ware verkauften; Vereine, die Angst vor dem Finanzamt haben, weil die ihre "Nebengeschäfte" entdecken könnten; Orgas, die seit Jahren behaupten sie wollten ein eingetragener Verein werden; Tierschützer, die die Hilfsbereitschaft der Menschen für ihr eigenes Portemonait ausnutzten und und und... Wir werden daher in Zukunft den ein oder anderen Fall hier im Blog beschreiben (dafür eröffnen wir die neue Rubrik Watchdog). Wie immer, ohne Personen anzuklagen, sondern nur Verhalten. Als Warnung für alle Hundehalter - damit deren Liebe zum Hund nicht ausgenutzt wird.


Montag, 25. Januar 2016

[Gastbeitrag] Die gewaltlose Gewalt

Heute freue ich mich euch einen Gastbeitrag von meiner lieben Blogger-Freundin und Autorin Severine Martens von der Fabelschmiede zu präsentieren. Der hat damals für ganz schön viel Aufsehen gesorgt. Angefangen hatte alles, weil ein Blogbeitrag von uns von einer Einzelperson ziemlich "missverstanden" und "fehlinterpretiert" wurde. *grrrr* Mein menschliches Cerebral-Interface lebt ja nach dem Spruch: Unterstelle niemals böse Absicht, wenn Dummheit als Erklärung genügt. Ich seh das ja anders, denke, das war schon Absicht...und der Versuch uns zu diffamieren und nen Shitstorm auszulösen. Und das alles nur, weil mein 2-Beiner nicht ihre Bücher verlosen wollte... *schüttel* Nun, der Schuss ging deutlich nach Hinten los. *schwanzwedel* Leider geriet aber Severine in die damalige Diskussions-Schusslinie. Sie wurde teilweise aufs heftigste beschimpft und angegriffen. *grrrrr*

Aber das Ganze hatte sein Gutes, Kleiner.

Ja stimmt! In mehrerer Hinsicht! Und ein positiver Punkt davon war, dass Severine diesen tollen Text zum Thema Gewalt geschrieben hat...und so ganz nebenbei mit manchen Mythen und Marketingtricks aufräumte.


Severine Martens Hund: Milo H. Lunke
Foto: Severine Martens



Die gewaltlose Gewalt


“Natürlich muss man Grenzen setzen. Manche Leute übertreiben es ein wenig mit der positiven Verstärkung und halten jedes Nein, jede Grenze für eine aversive Trainingsmethode. Auch Tiermütter tadeln ihre Jungen, dazu haben sie jedes Recht. Ein Tadel ist keine Strafe, eher ein Signal zum Aufhören. …” (Karen Pryor, 2014)


Wenn es möglich wäre, aus dem Menschen mit einem kleinen Schlag auf den Hinterkopf einen guten und umsichtigen Menschen zu machen, wir würden in einer wunderbaren Welt leben. Jedes Kind bekäme gleich nach seiner Geburt einen kleinen Klapps und keiner würde sich drüber aufregen. Es würde in einer Welt leben in der das Wort ‚Gewalt‘ ein Fremdwort ist. Wenn es nun auch noch möglich wäre, jeden Hund mit einem ebensolchen Stupps zu einem folgsamen Hund zu machen, der Hund würde in einer freien Welt leben. Jeder Welpe bekäme nun auch gleich einen Klapps und würde in der Zukunft immer auf Rufen herankommen. Er würde alles was er gerade tut umgehend unterlassen, wenn man es von ihn verlangt. Wir würden nicht nur in einer Welt ohne Hundetrainer leben, wir würden in einer Welt leben in der niemals das Wort ‚Gewalt‘ ausgesprochen oder gar aufgeschrieben worden wäre. Dieses Wort würde nicht existieren! Unsere Hunde könnten immer frei herum laufen weil sie folgsam sind und die Menschen würden sie gewähren lassen weil sie umsichtig sind. Wäre das nicht toll!

*Schnüffel*
Foto: Severine Martens

Gewalt ist eine schlimme Sache! Aber es ist einfach zu sagen, man wäre für ‚Gewaltlosigkeit’, denn wer außer ein paar kranker Zeitgenossen stellt sich schon dahin und plädiert öffentlich für Gewalt. Auf Gewalt zu verzichten ist eine gute Sache, eine Einstellung zum Leben, zum Miteinander und zum Frieden. Gewaltverzicht ist ein Ziel, dass man in seinem Leben hoch halten kann (oder besser: sollte!), aber ist wirklich alles Gewalt was augenscheinlich als Gewalt erscheint? Gewalt ist in unserer Welt allgegenwärtig, in den großen und in den kleinen Dingen. Gewalt ist ein Prinzip der Natur: Leben, töten und leben Lassen! Wir Menschen vergessen es nur sehr schnell, weil wir in einer Welt leben in der uns die großen Gewalten von Polizei, Militär, Gerichten, Behörden abgenommen und von uns fern gehalten werden. Die kleinen Gewalten wie ein Anrempler im Supermarkt, die Pöbelei des ungeliebten Nachbarn, das Hupen des genervten Autofahres im Stau - das alles ignorieren wir nur allzu gerne. Wir reden nicht gerne darüber, weil es nicht in unser Konzept eines gewaltlosen Lebens passt. Wir möchten es nicht sehen, keiner findet es toll und wir alle haben gelernt damit zu leben. Wir haben uns dran gewöhnt, es nicht mehr wahrzunehmen! Dabei tut es uns nicht im geringsten weh und in den meisten Situationen verstehen wir, dass wir persönlich überhaupt nicht gemeint waren.

Wenn uns einer im Supermarkt an der Kasse mit seinem Einkaufswagen von hinten anschuppst, finden wir das nicht toll und drehen uns erbost um. Lächelt der Verursacher uns dann an und entschuldigt sich, ist die Sache vergessen. Grinst er uns blöde an und schuppst noch einmal nach, dann meckern wir oder rufen gleich die Polizei und verklagen diesen Menschen wegen Körperverletzung. Wie auch immer: Ein und dieselbe Handlung erleben wir als verschieden, je nachdem wie unser Gegenüber sich verhält und wie wir es verstehen. Einmal erleben wir Gewalt und einmal nicht! In einer dritten Situation hat er uns vielleicht mit seinem Einkaufwagen angestuppst, weil wir geträumt hatten und es Zeit wird, unsere Waren endlich mal auf Band zu packen. Uns wurde etwas gezeigt, wir haben es verstanden, den Stupps nicht als Gewalt gespürt und uns entschuldigt - womöglich noch bedankt. Es ist also immer der soziale Zusammenhang, der unseren Handlungen einen Sinn gibt: Die Absicht des Handelnden, die Situation (oder Beziehung) in der gehandelt wird, unsere Wahrnehmung der Handlung und unsere Möglichkeiten diese zu verstehen! Passt alles zusammen und macht für uns einen Sinn, erleben wir keine gewalttätige Handlung, obwohl körperlicher Einsatz (Gewalt) im Spiel war - und unter Umständen haben wir sogar etwas dazu gelernt!

Wir Hunde sind soziale Lebewesen!
Foto: Severine Martens

Der Hund als soziales Lebewesen ist genau wie wir in der Lage, die (sozialen) Zusammenhänge von Handlungen zu verstehen. Er sucht wie wir selber in den Handlungen anderer nach einer Bedeutung für seine eigenen Bedürfnisse und sein eigenes Handel im sozialen Verband. Macht eine körperliche Einwirkung auf ihn in seinen Augen einen Sinn und erkennt er Alternativen kann er sehr gut damit umgehen, ohne sich als Opfer von Gewalt zu fühlen. Nicht anders machen es Hunde unter sich, wenn sie einem anderen Informationen zu seinem Verhalten geben wollen. Das hat nichts mit Strafe, Angst oder sogenannten Schreckreizen zu tun. Es handelt sich um eine Maßregelung im Sinne einer Korrektur oder Einschränkung (Begrenzung), eine sehr direkte Form des sozialen Lernens in der der Hund jederzeit die Möglichkeit hat, sein Verhalten aus eigener Entscheidung zu ändern oder beizubehalten. Macht die Maßregelung Sinn - und seitens eines ranghöheren Wesens wird es immer Sinn machen - wird der Hund folgen: Er hat für sein zukünftiges Verhalten aktiv etwas gelernt was es ihm ermöglicht, reibungsloser im sozialen Verband zu leben!

Wird der Hund von Fraule allerdings mit lecker Keks in der Hand oder einem erlernten Signal abgerufen, dann kommt er zum Fraule weil es lecker Keks gibt oder weil das erlernte Siganal ihm Appetit auf lecker Keks (oder einer anderen Belohnung) gemacht hat, welcher in der Regel beim Fraule vorzufinden ist. Aber die Information, dass Kläffen am Zaun vom Fraule unerwünscht ist, wird ihn vorenthalten. Der Hund hat was sein unerwünschtes Verhalten betrifft nichts gelernt, er wurde ausschließlich manipuliert - ohne jede Chance, einen Zusammenhang zwischen richtigem und falschem Verhalten herstellen zu können. Er wurde einfach nur abgelenkt oder auf einen Reiz konditioniert, der mit dem ursprünglichen Verhalten so viel zu tun hat wie eine Bananenschale mit einer Packung Nudeln - nämlich rein gar nichts! Und wenn der Hund es doch schafft, eine Verbindung zwischen Kläffen und Keks herzustellen, ist es so richtig blöd gelaufen: dann kläfft der Hund dann erst recht am Zaun herum, damit er seinem Fraule wieder eine solch tolle Freude bereiten kann und einen lecker Keks dafür bekommt. Knapp daneben ist auch vorbei! Einen smarten Anschuppser, eine kurze und deutliche Zurechtweisung oder eine körperliche Begrenzung zum Zaun hätte der gleiche Hund ohne jeden Zweifel verstanden - ohne es dem Menschen übel zu nehmen, wenn es nicht so gemeint war und dem Hund Alternativen angeboten wurden! Soziales Lernen findet im Gegensatz zur Dresssur im sozialen Kontext statt, durch das Annehmen und Lösen von Konflikten und durch die dazugehörige Kommunikation. Im Zusammenhang mit o.g. Zitat empfiehlt Karen Pryor übrigens jedem, der mit dem Hundetraining über ausschließliche positive Bestätigung anfängt, zunächst mit Hühnern oder Fischen zu üben. Die Lernenden sollen so begreifen, dass die Konditionierung von Verhalten nichts, aber auch rein gar nichts, mit Intelligenz zu tun hat. Es ist eine reine Dressur, mehr nicht!

Milo H. Lunke von der Fabelschmiede meint auch: Ohne Grenzen geht es nicht!
Foto: Severine Martens

Ich jedenfalls laufe nicht durch den Supermarkt und schiebe jedem einen Keks rein, der mich gerade nicht mit seinem Einkaufwagen anrempelt - und abgesehen davon, dass das ziemlich teuer für mich werden würde: Wer würde mich verstehen? Vielleicht wäre ja der eine, der mich in der Kassenschlange dann doch wieder anschuppst, enttäuscht, weil er jetzt keinen Keks bekommt. Vielleicht wäre er aber auch sehr frustriert, würde nachdenklich werden und von selber drauf kommen. Vielleicht haben ihm meine Kekse sowieso nie geschmeckt und er ist froh, dass er von mir bei der Kekszuteilung übersehen wurde. Wahrscheinlich aber geht ihm die ganze Sache tangetial-quer am Popo vorbei und bei der nächsten Gelegenheit habe ich wieder eine Einkaufskarre am Gesäß kleben.
 


(Anmerkung: Das vorangestellte Zitat von Karen Pryor stammt aus einen von Katharina von der Leyen geführten Interview, veröffentlicht im Dogs-Magazin 01/2014)


Vielen Dank Severine, dass wir deinen tollen Blogbeitrag hier auch veröffentlichen durften. Viele weitere tolle Wuff-Geschichten von Severine und ihrer Bande findet ihr in ihrem Online-Hundemagazin.


(Der Beitrag erschien zuerst am 21. März 2015 in Die Fabelschmiede)