Sonntag, 9. Juni 2019

Des Döggelchens 7. Geburtstag

Eine Liebeserklärung an meinen Hund

Heute vor 7 Jahren sollst du das Licht der Welt erblickt haben. Naja, in deinem Fall war es eher die Dunkelheit des Kellers, in dem du deine ersten 11 Lebenswochen verbracht hast (hier findet ihr Ricos Geschichte). Und so ganz genau weiß daher auch keiner dein Geburtsdatum. Aber Letzteres ist mir auch egal. Ich danke dem Universum einfach, dass es dir Leben geschenkt hat - egal, welcher Tag es war. Ebenso sehr danke ich dem Universum, dass es unsere Lebenswege hat kreuzen lassen.


2 verschiedene Arten, 2 Körper - und dennoch eine Einheit
Foto:  Ruggero De Pellegrini

Völlig egal, also, an welchem Tag du, mein kleiner Doggen-Wookiee, geboren wurdest - für mich zählt nur: Hauptsache DAS. Es könnte daher jeder beliebige Tag sein - es ist eh jeder Tag mit dir ein Geschenk. Aber der Einfachheit halber nehmen wir mal einfach das Datum, was der Tierarzt vom Veterinäramt geschätzt und in deinen Impfpass eintrug. Es ist nur ein Tag, einer von vielen, die du besonders machst.

2 Dickköppe im Herzen vereint
Ich werde nie unsere 1. Begegnung vergessen - den Tag, den wir seit dem als unseren gemeinsamen Geburtstag feiern. Du warst ein kleines Häufchen Elend. Plattfüßig, unterernährt, stumpfes Fell. Und doch spürte ich dich so intensiv. Auch wenn ich länger als du gebraucht habe, aber mir war klar: Wir gehören zusammen.

Viel ist geschehen, seit du in mein Leben tratest und es um mehr als nur Facetten bereichert hast. Damals noch ein kleiner Welpe, der nichts kennen gelernt hatte und meinen Schutz bedurfte; dann als neugieriger Junghund, dessen Übermut ich so manches Mal bremsen musste. Und mittlerweile? Ich könnte nicht stolzer sein: Du bist zu einem selbstsicheren, (recht) souveränen und (molossertypisch) eigenständigen Hund herangewachsen - und wir immer mehr zusammengewachsen. Wenn der Spruch stimmt, dass jeder den Hund bekommt, den er verdient, dann frag ich mich, womit hab ich DICH verdient...

Manchmal muss ich schon schmunzeln, wenn wir Gassi gehen: Fast wie ein altes Ehepaar, das sich nicht mehr viel zu sagen hat - aber im positiven Sinne. Denn wir verstehen uns beinahe wortlos. Eben wir alte Freunde, die sich so gut kennen, dass schon Blicke reichen.


2, die sich wortlos verstehen...
Foto: Lutz Borger

🐶 Meinst du, so wie meine Blicke, wenn ich hin und her von dir auf den Futterbeutel starre? *frechwedel*

Auch das, mein Kleiner, auch das! 😄 Aber auch viel mehr. Erinnerst du dich noch, als ich dich mit einem "biologischen Satelliten" verglichen habe?

🐶 Klar, weiß ich das noch, kann es ja auch jederzeit nachlesen. *schlauschau*

Irgendwie ist das jetzt noch intensiver. Jedenfalls passt das Wort "Satellit" nicht so recht, denn es bezeichnet ja was Künstliches. Eher wie ein Organ excorpore (außerhalb des Körpers). Du bist irgendwie zu einem Teil von mir geworden.

🐶 Sag bloß, das wundert dich? Menschen! *schnauff* Ihr habt so schlaue Sprichwörter und doch begreift ihr sie selber kaum. Denn wie sagt eines eurer schauen Sätze: "Wenn man etwas kennen lernt, dann wird es auch zu einem Teil von einem selbst." *schlauschau*

Auch deine Weisheit gehört zu den Dingen, die ich an dir schätze! Dazu gehört auch, dass du mich immer wieder daran erinnerst, was das wirklich Wichtige im Leben ist. Du warst mir in all der Zeit mindestens genauso ein Lehrer wie ich dir.

🐶 Glaub mir, Alter, ich bin dir auch sehr dankbar! Für all die vielen schnüffelspannenden Erlebnisse und dass du dir immer die Zeit genommen hast, all die unheimlichen Sachen mit mir durchzustehen, um mir die Angst zu nehmen. Egal ob du deswegen im Regen hocktest, durch irgendwelche Büsche kriechen musstest oder selbst Kilometer weit mich getragen hast - immer warst du für mich da. Aber was du mit vielen Worten sagst, dass kann ich viel direkter wuffen: Ich hab dich unheimlich lieb...mein Oller. *anlehn*



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Samstag, 1. Juni 2019

Neues aus unserer satirischen Rubrik "Gespräche mit Hundetrainern" 😉😎

Die Sache mit dem "will-to-please" oder Wer zum Teufel ist Willi Tolpis?


Mit skeptischen Blick beobachtete sie uns. Schon von Weitem erkannte ich: eine Hundetrainerin. Woran ich das erkannte? Ganz einfach: Ihr Auftritt entsprach allen Klischees - Outdoor-Schuhe (in der City!), schlecht sitzende und fleckige Cargo-Hose, ein alles andere als figurschmeichelnder Hoodie (ebenfalls fleckig), Hundeweste, Hundepfeife, Leckerchen-Beutel, mehrere Leinen um die Schulter...achja und unter dem obligatorischen Cappie etwas fettige Haare (sagt mal, ist das eigentlich eine Art von Pflicht-Uniform für den Berufsstand? 😉)...

Mit zackigem Schritt kam sie auf uns zu - und zwar direkt und frontal. Was an sich ja schon eine Aussage über ihr Hundewissen war. 😉 Das Döggelchen Rico 🐶 sah denn auch irritiert zu mir auf. "Nein, nur ruhig. Aufregen ist sie nicht wert, Kleiner", sagte ich zu ihm, was der Doggen-Wookiee mit einem Brummer und anschließendem Schnauben quittierte.


🐶 Komm zu mir auf die Couch, lieber Hundetrainer, erzähl mir dein Problem...ich hab's eh schon erschnüffelt (rico)

Da war sie auch schon heran und sprach mich an - so ganz ohne Begrüßung oder ihren Namen zu nennen (was schon mal grobe Rückschlüsse auf ihren Zivilisationsgrad zuließ 😉): "Ich bin Hundetrainerin", fing sie an, als ob DAS schon alles legitimieren würde..."hab Sie beobachtet"...Ach was?, dachte ich nur. "Ihr Hund entscheidet aber sehr selbstständig, da sollten wir nochmal was an der Erziehung tun." Wir?, schoss es mir durch den Kopf und irgendwie hatte ich dabei das Gefühl, dass mir Säure den Rücken entlang lief. Na prima, jetzt integriert die sich auch noch wie ne Krankenschwester in mein Leben - auch ne Art um sich selbst ins Geschäft zu bringen, verdrehte ich nicht nur innerlich die Augen (wegen meiner Sonnenbrille konnte sie es aber nicht sehen). 😎

Da ich aber irgendwie an diesem Tag keine Lust auf eine längere Diskussion hatte, sparte ich mir jegliche Sprüche, die mir gerade alle auf der Zunge rumtanzten und sagte daher nur: "Das ist ein Molosser." Eigentlich dachte ich, damit alles gesagt zu haben, als Hundetrainerin wüsste sie sicherlich, um gewisse Eigenarten diverser Rassen und Arten (für diejenigen, die es nicht wissen sollten - und das ist auch keine Schande zumindest für Nicht-Hundetrainer: Molossoide Rassen sind für ihre Eigenständigkeit bekannt, dafür wurden sie über Jahrhunderte gezüchtet). Und mal wieder bewies mir die Realität, dass ich jemanden überschätzt habe. Denn sie meinte: "Das ist egal, das kann jeder Hund lernen." Als Beleg dafür verwies sie auf ihre beiden Hunde: ein Golden Retriever und ein Papillon.


🐶 Halloooo, ich bin ein Molosser! Schon ein lustiges Völkchen, diese Hundetrainer... (rico)

Da fragte ich sie, ob sie schon mal was von "will-to-please" gehört hätte. Ihre Antwort: "Nein, was hat denn jetzt dieser Willi Tolpis damit zu tun?" Da war selbst ich kurz überrascht und sprachlos, sagte dann nur "schon gut, googeln Sie einfach mal nach Willi" und ging grinsend weiter...sie rief mir noch was hinterher, irgendwas von wegen "nicht dazu lernen wollen" und "typisch Kerl". Mein Mitleid stieg dadurch nur noch an. Dass es manchem Hundetrainer an Allgemeinbildung fehlt, gut, damit kann ich leben (logisch, fehlt sie ja ihm oder ihr 😂), doch wenn sie auch noch mangelnde Basiskenntnisse auf seinem urgeigensten Fachgebiet offenbaren...sorry, liebe Hundetrainer, aber dann fällt es mir echt schwer, so jemanden ernst zu nehmen. 😎

Hier weitere Anekdoten aus unserer Rubrik "Gespräche mit Hundetrainern":







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Samstag, 25. Mai 2019

Qualzucht und ­Operationen

Ist das noch wahre Freundschaft?


Der Mops gehört zu den Rassen, die besonders unter der Qualzucht zu leiden haben
Foto: Eszter Hornyai by pixabay
Irgendwas stimmt nicht – und zwar ganz und gar nicht! Alarmglocken klingeln, ausgelöst durch Rico. Seine Schritte wirken konzentrierter, seine Kopfhaltung ­lauernder, sein Schnüffeln ­intensiver, sein Blick klarer fokussiert. Als ­Cerebral-Interface meines Hundes funktioniert die Signalübertragung zum Glück in beide Richtungen. Dank der deutlichen Vorwarnung meines ­vierbeinigen Kumpels und um den Überraschungseffekt weiter zu minimieren, schaue ich mich um. Das mache ich als rücksichtsvoller Hundehalter so, aber auch aus purem Eigennutz. Jeder, der einmal 40 oder mehr Kilogramm wildgewordenen Molosser an der Leine hatte, versteht mich. Die sind in ihrem Dickschädel eh schon schwer zu bändigen und mit Überraschungseffekt – noch dazu von so einem akrobatischen Talent wie meinem Rico (er ist dann so eine seltsame Mischung zwischen Bud Spencer und Bruce Lee) – nahezu ­unaufhaltsam. Doch ich kann nichts entdecken. Sicher hat er irgendwas gerochen, wahrscheinlich eine ­andere Fellnase. Da haben die Hunde uns ­Menschen gegenüber ja die Nase weit vorn.

Aber da muss mehr sein, irgendetwas passt ihm nicht. Sein Nackenfell sträubt sich. Okay, das ist so mindestens Alarmstufe 3 – je nachdem, wie doll es sich aufrichtet und wie breit, kann es auch zur Stufe 2 übergehen … dann zieht es sich schon am Rücken entlang. Erreicht es dann den Rutenansatz, also Alarmstufe 1, versucht sich Rico als canide Form eines Kugelfisches. Der Hund von Welt hat ja schließlich diverse Meeresdokus im TV gesehen (Rico mag übrigens Delfine). Doch was versetzt meinen Fellfreund so in Rage? Auf den Wettkampf der Nasen lasse ich mich gar nicht ein, da ist er mir haushoch überlegen (während mein Riechzentrum die Größe einer Briefmarke hat, ist seines DIN A4 groß). Doch ich kann nichts sehen und auch nichts hören. Wir biegen um die Ecke – zum Glück war ich vorbereitet!


🐶 Was kommt denn da seltsam röchelnd? *fellsträub* (rico)

Denn da stürmt uns ein röchelnder kleiner Französischer Bulldog zu. Die Nase als kleiner Knopf eingebettet in Falten irgendwo zwischen den Augen. Das Ringelschwänzchen zuckt mit den wippenden Bewegungen des Hinterteils. Die großen starren Kugelaugen blicken uns an. Keine Ahnung, ob uns der nun freundlich, ängstlich oder aggressiv entgegenkommt. Ich verstehe seine ­Körpersignale nicht. Naja, ich spreche aber vielleicht auch nicht gut genug die Hundesprache. Ein Blick zu Rico sagt mir jedoch, dass er den Dialekt auch nicht so recht versteht. Wie denn auch? So mit fester Mimik, ohne Schwanz, dann noch dieses röchelnde Geräusch. Letzteres hat Rico auch in Unmut versetzt, hat er es doch lange vor mir gehört. Also antwortet Rico damit, was dem – nach seiner cani-logischen Denke – am ähnlichsten kam. Und das ist in seinen Augen: Knurren!

So weit hat es der Mensch schon geschafft, so weit hat er den biblischen Auftrag umgesetzt, sich die Welt untertan gemacht, dass selbst Artgenossen sich nicht mehr verstehen. Durch Qualzucht erfüllen Hunde zwar die Kriterien von Schiedsrichtern und sammeln so Preise. Ein hundegerechtes Leben oder überhaupt ein beschwerdefreies Leben ist ihnen aber nicht mehr vergönnt. Denn ohne Rute, mit unbeweglicher Mimik, Atemwegen, die nur ein ­scharrendes Röcheln erlauben, so versteht sie kein anderer Hund (es sei denn, er ist mit ihnen aufgewachsen).


Aber auch andere Rassen sind von Qualzucht betroffen! Als Beispiel sei nur
der Deutsche Schäferhund mit seinem stark abfallenden Hinterteil genannt...
Die Tierkliniken sind gut gebucht und regelmäßig frequentiert mit diesen kranken Zuchttieren. Denn nicht selten müssen diese „erwünschten Fehlbildungen“ dann chirurgisch korrigiert werden, was der Mensch durch Zucht verhundst hat. Ja mehr noch, der neueste Trend in den USA ist die Schönheitschirurgie für Haustiere. Ganze 3,3 Milliarden US-Dollar werden jährlich dafür ausgegeben. Ja, sogar für Fettabsaugung. Da werden unsere ältesten Freunde erst gemästet und/oder zu wenig bewegt und dann wird ihnen der körperliche und psychische Stress einer OP angetan, um das zu korrigieren, was wir ihnen antaten: zu viel Leckerlis, zu wenig artgerechte Bewegung. Und wer weiß: Vielleicht erleben wir ja nach den Designer-Hunden bald die Frankenstein-Hunde …

Seit einiger Zeit regt sich der Widerstand: immer mehr Züchter versuchen sich an Rückzüchtungen, wo die Gesundheit im Vordergrund steht und nicht irgendwelche Standards (z.B. Retromops oder Continental Bulldog). Und selbst auf Facebook sammeln sich die Gegner, so beispielsweise in der Gruppe „Schluss jetzt, VDH! – Uns reicht‘s!“. Denn schließlich tun sich das wahre Freunde ja nicht an – und immerhin ist der Hund der älteste Freund des Menschen.

Den Qualzuchtrassen wurden ihre Kommunikationsmittel genommen. Es versteht sie keiner mehr, nicht einmal ihre Artgenossen. In etwa stelle ich mir das so vor, als ob man uns Menschen die Zunge entfernt, die Augen verbindet, das Gesicht mit Botox lähmt und uns in eine Zwangsjacke steckt. Als gelegentlicher Partygag, so als Scharade, mag das sicher lustig sein. Aber so leben? Doch genau so züchtet der Mensch und lässt sich dafür auf Ausstellungen noch feiern. Bleibt zu hoffen, dass nicht irgendwelche Menschen auf die Idee kommen, unseren caniden Freunden die Lippen oder das Hinterteil mit Silikon aufzuspritzen. Auf die dann folgenden Kommunikationsstörungen zwischen Hunden bin ich nicht wirklich gespannt – vor allem nicht, wenn mich der kleine wilde Molosser überrascht. Seiner deutlichen Körpersprache sei Dank! Was kümmern mich da fehlende Pokale, wenn ich dafür meinen Hund ver­stehe … naja, meistens jedenfalls 😉


Anmk.: Dieser Artikel erschien zuerst in meiner Kolumne in WUFF - Das Hundemagazin 05/2016; parallel dazu erschien auch unser Blogbeitrag Der Frankenstein-Hund.


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Sonntag, 5. Mai 2019

[Buchvorstellung] "Die Welt der Gerüche" von Frank Rosell eröffnet Einblicke in die dem Menschen unbekannte Wahrnehmung unserer Hunde

Die regelmäßigen Leser unseres Blogs wissen ja, wie sehr mich die Geruchswahrnehmung unserer Hunde interessiert (eine Auswahl an Links zu Artikeln findet ihr am Ende dieses Beitrages). Denn durch mein Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft weiß ich, wie wichtig die individuelle Realitätskonstruktion für das gegenseitige Verstehen und somit auch Verständnis ist. Dieses Verständnis für die Realitätskonstruktion ist essentiell wichtig für die Kommunikation. Was bei uns Menschen schon schwierig ist, stößt bei unseren Hunden auf nahezu unüberwindliche Hindernisse wegen unserer physischen Unzulänglichkeit in der Hinsicht. Nur ein Beispiel: Während der Wahrnehmungsraum was Gerüche angeht beim Menschen in etwa die Größe eines Schuhkartons hat, liegt er bei unseren Fellfreunden in der Größenordnung einer Lagerhalle.



Umso mehr sind wir 2-Beiner daher auf theoretische Informationen angewiesen, die unsere Vorstellungskraft (quasi eine Form der "Geruchs-Empathie" wie der von mir bereits mal in WUFF - Das Hundemagazin beschriebene "Odorisations"-Blick) inspirieren und so unser Verständnis vergrößern. Ein hierfür wirklich empfehlenswertes Buch ist *Die Welt der Gerüche von Prof. Dr. Frank Rosell (336 Seiten, Kynos-Verlag). 
Prof. Dr. Frank Rosell
Foto: Elisabeth Berge

In verständlicher Sprache, mit vielen, unterhaltenden Geschichten gespickt, führt der Verhaltensbiologe den Leser in diese für uns fremde Wahrnehmungswelt ein. Daher eignet es sich auch für den Anfänger. Aber Profis werden es gern als Nachschlagewerk schätzen und zur Auffrischung ihres Wissens nutzen - und wohl auch die ein oder andere für sie neue Info finden. Besonders gut gefallen mir die zahlreichen Quellenangaben und die Bibliographie, zwecks weiterer, vertiefender Recherche.


Als ich das Buch das 1. Mal in Händen war, war ich zugegebenermaßen skeptisch als ich ins Inhaltsverzeichnis schaute: Wegen der späteren Kapitelkategorisierung nach Aufgabengebieten (ab Kapitel 4) dachte ich, ob sich da nicht viele Otto-Normal-Hundehalter nicht angesprochen oder gar abgeschreckt fühlen? Ich hoffe jedenfalls nicht, denn viele der dort beschriebenen Infos lassen sich auch auf unsere Fellfreunde übertragen, die jetzt keine Arbeitsaufgabe haben oder für die Hobby-Sportler. Doch auch diejenigen, deren Hund als Profi-Spürnase tätig ist, sollte nicht nur das Kapitel lesen, in das sein Hund fällt (z.B. der Rettungshund, der Jagdhund, der Polizeihund, der Zollhund), sondern auch die anderen Kapitel, die der Überschrift nach zu urteilen vielleicht nichts mit dem Aufgabengebiet des eigenen Hundes zu tun haben. Denn das wäre meiner Meinung nach ein großer Fehler, weil man dort ebenfalls zahlreiche Infos findet, die auch für andere Arbeitsgebiete hilfreich sind.

So ganz nebenbei lernen die Leser aber nicht nur viel über den Geruchssinn und seine Einsatzmöglichkeiten, sondern auch viele zahlreichen Details zur Geschichte unserer Hunde und ihrer Domestizierung. Alles in allem also ein Buch, dass unser Verständnis für den besten und ältesten Freund des Menschen, sowie er seine Umwelt wahrnimmt, fördert.

Weitere "Geruchs-Artikel" 😉






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